Wenn du einen Segelurlaub in Griechenland, vor allem auf den Kykladen, planst, gibt es ein Wort, das du immer wieder hören wirst: Meltemi.
Er ist der bekannteste Sommerwind der Ägäis und einer der wichtigsten Faktoren für Route, Komfort an Bord, die Wahl der Ankerplätze und die Zeiten der Tagesetappen.
Der Meltemi ist nicht einfach nur eine Brise oder ein gelegentliches Wetterphänomen. Er ist ein saisonaler Nordwind, der in der Regel vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst weht und seine größte Stärke oft in den Monaten Juli und August erreicht. Bei günstigen Bedingungen sorgt er für perfektes Segeln; wenn er sich jedoch verstärkt, können einige Überfahrten auf den Kykladen deutlich anspruchsvoller werden.
Zu verstehen, wie der Meltemi funktioniert, ist sowohl für erfahrene Skipper als auch für alle wichtig, die ihren ersten Bootscharter in Griechenland planen. Wer seinen Rhythmus und seine Besonderheiten kennt, kann Routen, Abfahrtszeiten und die sichersten Liegeplätze besser wählen.
In diesem Guide findest du alles, was du wissen solltest: was der Meltemi ist, wann er weht, wo er am stärksten ist, welche See er erzeugt und wie man im Sommer sicher auf den Kykladen segelt.
Der Meltemi ist ein trockener Nordwind, der die Ägäis zwischen Mai und September beherrscht, mit der stärksten Phase zwischen Mitte Juli und Mitte August. Er ist einer der wichtigsten Wetterfaktoren, die bei der Planung eines Segelurlaubs auf den Kykladen berücksichtigt werden müssen, weil er Überfahrten, Komfort an Bord, Ankerentscheidungen und die gesamte Törnplanung direkt beeinflusst.
Dieser Wind ist seit der Antike bekannt. Griechische Autoren beschrieben ihn als eine Art Erleichterung an den heißesten Sommertagen. Der Name scheint vom italienischen mal tempo zu stammen, einer Bezeichnung, die sehr passend ist, wenn der Wind auffrischt und die See anspruchsvoller wird.
Meteorologisch entsteht der Meltemi durch das Zusammenspiel eines Hochdrucksystems über dem Balkan und eines Tiefdruckgebiets über Kleinasien. Der Druckunterschied beschleunigt die Luft über der Ägäis und erzeugt diesen beständigen Nordwind, der einen großen Teil der Sommersaison prägt.
Gut zu wissen: Der Meltemi ist nicht einfach nur ein windiger Tag, sondern ein echtes saisonales Windsystem, das das Segeln in der gesamten Ägäis prägt.
Der Meltemi betrifft einen großen Teil der Ägäis, aber nicht überall mit derselben Intensität. Die Luftströmung kommt in der Regel aus dem Gebiet der Dardanellen und von Limnos, überquert die Kykladen aus Nord oder Nordost und schwächt sich allmählich in Richtung Dodekanes ab.
Die Kykladen sind besonders exponiert, weil es sich um gebirgige und trockene Inseln handelt. Der Boden erwärmt sich unter der Sommersonne schnell, was die Druckunterschiede und damit auch die Windstärke erhöht. Genau deshalb kann Segeln auf den Kykladen im Sommer ebenso spektakulär wie technisch anspruchsvoll sein.
Hinzu kommt, dass die Topografie der Inseln echte Beschleunigungszonen schafft: Vorgebirge, Kanäle zwischen den Inseln und hohe Küsten können Böen erzeugen, die deutlich stärker sind als der Wind, den man draußen auf offener See spürt. In der Praxis kann sich eine scheinbar gut beherrschbare Vorhersage in exponierten Passagen schnell in deutlich anspruchsvollere Bedingungen verwandeln.
In den meisten Fällen weht der Meltemi mit Windstärke 5 bis 7 auf der Beaufortskala. In besonders exponierten Gebieten sind Böen von Windstärke 8 oder 9 jedoch keineswegs selten, in manchen Situationen auch darüber hinaus.
Was diesen Wind wirklich anspruchsvoll macht, ist nicht nur die durchschnittliche Windgeschwindigkeit, sondern die Häufigkeit der Böen. Beim Segeln zwischen den Kykladen kommt es oft zu plötzlichen Verstärkungen nahe der Küste, rund um Kaps oder in den Kanälen zwischen den Inseln. Deshalb kann ein Boot, das sich draußen auf See völlig wohlfühlt, wenige Minuten später unter deutlich größerem Druck stehen.
Genau deshalb achten viele erfahrene Skipper beim Wetterbericht sehr genau auf die vorhergesagten Böen und nicht nur auf den Mittelwind. Auf den Kykladen beschreibt der Wert der Böen die Realität oft besser als jeder Durchschnittswert.
Tipp vom Skipper: Frag dich beim Wettercheck nicht nur „Wie viel Wind ist angesagt?“, sondern auch „Wie wird er sich an Kaps, in Kanälen und entlang exponierter Küsten verhalten?“
Nach mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit Meltemi kann die See in der Ägäis anspruchsvoll werden. Häufig trifft man auf kurze, steile Wellen von 2 bis 5 Metern, vor allem auf exponierten Strecken zwischen den Inseln und bei offeneren Überfahrten.
Anders als lange Ozeandünung ist die See in der Ägäis oft kurz, dicht und hartnäckig. Das macht das Segeln anstrengender, besonders für Crews mit wenig Erfahrung oder für Menschen, die schnell seekrank werden.
Außerdem können von Felsküsten reflektierte Wellen Kreuzseen erzeugen und die Schwierigkeit einzelner Etappen zusätzlich erhöhen. Das bedeutet in der Praxis: Selbst wenn der Wind noch beherrschbar erscheint, kann die See eine Überfahrt lang und unangenehm machen.
Wenn der Meltemi mehrere Tage stark geweht hat, solltest du nicht erwarten, dass sich die See sofort beruhigt, nur weil die Vorhersage besser aussieht. Die See bleibt oft länger stehen als der Wind.
Der Meltemi folgt oft einem recht regelmäßigen Tagesrhythmus. In der Regel ist er am frühen Morgen schwächer, nimmt gegen den späten Vormittag zu, erreicht am Nachmittag seine größte Stärke und lässt nach Sonnenuntergang allmählich wieder nach.
Aus diesem Grund legen viele Skipper lieber früh ab, wenn sowohl Wind als auch See besser beherrschbar sind. Eine Überfahrt um 7 oder 8 Uhr morgens kann deutlich angenehmer sein als dieselbe Strecke während der Mittags- und Nachmittagsstunden.
In der Praxis bedeutet das: die anspruchsvolleren Seemeilen am Morgen einplanen und die stärkeren Stunden des Tages für kurze Schläge, Stopps in Buchten oder Aufenthalte im Hafen nutzen.
Beste Strategie: Nutze die Morgenstunden für längere Überfahrten und lass die zentralen Stunden des Tages für Stopps, Badepausen oder kurze Strecken in geschützten Bereichen.
Der Meltemi sollte nicht unterschätzt werden, aber das bedeutet keineswegs, dass man auf einen wunderbaren Segelurlaub in Griechenland verzichten muss. Es bedeutet vielmehr, mit Umsicht, guter Vorbereitung und Flexibilität zu segeln. Manchmal ist die beste Entscheidung nicht, am ursprünglichen Plan festzuhalten, sondern ihn an das anzupassen, was Wind und See vorgeben.
Auf den Kykladen gibt es Häfen und Buchten, die guten Schutz vor Nordwinden bieten. Orte wie Merichas auf Kythnos oder Foinikas auf Syros werden häufig geschätzt, wenn der Wind zunimmt. Das Gleiche gilt für Ankerplätze: Am besten wählt man Buchten, die gut nach Norden geschützt sind, guten Halt bieten und ausreichend Platz zum entspannten Manövrieren lassen.
Vor Anker solltest du bedenken, dass selbst scheinbar geschützte Buchten Böen abbekommen können, die von den Hügeln herabfallen. Ein sandiger Grund mit gutem Halt ist ideal, und bei stärkeren Bedingungen lassen viele Skipper lieber mehr Kette fallen als nur das absolute Minimum.
Egal, ob du ein erfahrener Skipper bist oder gerade deinen ersten Charter auf den griechischen Inseln planst: Diese kleine Checkliste kann helfen, die Woche einfacher und sicherer zu machen.
So intensiv er auch sein kann – der Meltemi hat auch viele positive Seiten. Er ist der vorherrschende Sommerwind und deshalb in den meisten Fällen berechenbarer als andere lokale Wetterphänomene. Er bringt trockene Luft, hervorragende Sicht, angenehmere Temperaturen und vor allem echten Segelwind – genau das, was die Ägäis für so viele Segler so besonders macht.
Letztlich besteht das Geheimnis nicht darin, gegen den Meltemi „anzukämpfen“, sondern zu lernen, ihn zu lesen und zu respektieren. Wer ihn mit der richtigen Einstellung angeht, für den kann ein Segelurlaub auf den Kykladen zu einer der unvergesslichsten Erfahrungen im gesamten Mittelmeer werden.
Erfahrung auf dem Wasser ist ohne Zweifel ein großer Vorteil, doch das Segeln auf den Kykladen während der Meltemi-Saison erfordert auch Ortskenntnis, die Fähigkeit, geschützte Bereiche richtig einzuschätzen, die Windeffekte zwischen den Inseln zu verstehen und zu erkennen, wann es besser ist, aufzubrechen – oder eben zu warten. Genau hier kann ein professioneller Skipper echten Mehrwert bieten, selbst für Crews, die normalerweise eigenständig segeln.
Einen Skipper zu wählen bedeutet nicht, auf das Vergnügen des Segelns zu verzichten, sondern es entspannter und bewusster zu erleben. Wer diese Gewässer wirklich kennt, kann besser geschützte Buchten empfehlen, unangenehme Etappen vermeiden, die Route an die tatsächlichen Bedingungen von Wind und See anpassen und die ganze Woche flüssiger gestalten – besonders dann, wenn der Wind von einem Tag auf den anderen seinen Rhythmus ändert.
Manchmal ist die klügste Entscheidung nicht, alles allein zu machen: sondern jemanden an Bord zu haben, der diese Gewässer wirklich kennt und dir ermöglicht, das Beste der griechischen Inseln entspannter zu genießen.
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