08.12.10 - 16.12.10, Athena 38

Cienfuegos, null
29 Dec 2010

08.12.10 - 16.12.10, Athena 38 Kubatörn vom 06. bis 16.12.2010 Teilnehmer: 2 Paare, 2 Männer/1 Frau mit langjähriger Segelerfahrung unter allen Bedingungen, eine Frau zum ersten Mal auf See Schiff : Katamaran Athena 38, gebucht über Master-Yachting bei Alboran Törnplan: Montags Flug mit Condor von Frankfurt nach Havanna, Ankunft am frühen Abend, 2 Übernachtungen in einem vernünftigen Hotel in der Altstadt, Sightseeing Havanna, Mittwochmorgen Transfer zur Alboran-Basis nach Cienfuegos, nachmittags dort Bootübernahme, Briefing, Proviant bunkern, Donnerstagmorgen auslaufen, Mittwochabend der folgenden Woche zurück in der Marina zum Checkout, Donnerstagmorgen Transfer nach Varadero, Rückflug nach Frankfurt Törnverlauf/Erfahrungen: Im Dezember ist die Hurrikansaison vorbei, in Kuba ist Winterzeit. Die Auswertung verschiedener Publikationen und aktuelle Wetterbeobachtungen per Internet zeigten bis zum Abflug, dass wir sonniges Wetter mit tagsüber bis 30 und nachts 15 bis 20 Grad erwarten konnten. Entsprechend wurde auch Kleidung eingepackt. Da in Kuba die Verproviantierung mangels Angebot nur sehr schlecht möglich, das Mitbringen von Lebensmitteln aber verboten ist, bekam jeder Teilnehmer ein identisches Verpflegungspaket bestehend aus Dosenbrot, folienverschweißten Würsten, Dosenwurst, Käse, Gewürzen usw. in den Seesack. Das Gewichtslimit von 20 KG bei Condor konnten wir dadurch erweitern, dass wir für alle Teilnehmer Automatikrettungswesten anmeldeten, wodurch das Limit sich kostenfrei auf 22 kg erhöhte. Die Hoffnung bei der Aktion war, dass bei der Einreisekontrolle mindestens zwei ungeschoren durchkommen und damit die Grundverpflegung an Bord gesichert wäre. Seltsamerweise wurden die Pässe intensiv kontrolliert, das Gepäck überhaupt nicht. Wir hatten Proviant im Überfluss. Dazu packten wir Tauschwaren wie Dauerschreiber, kleine Taschenlampen, T-Shirts (alles Werbegeschenke) in den Seesack. Bis auf die Abfertigung in Frankfurt verlief der Flug ohne Probleme. Gegen 21.00 Uhr trafen wir im Hotel Sevilla, mitten in der Altstadt gelegen, ein. Hotel Sevilla Mit der Wahl dieses Hotels hatten wir einen guten Griff getan. Der historische Prunkbau, der schon Al Capone, Fidel Castro und andere Größen beherbergte, war in sehr gutem Zustand, die Zimmer und das Frühstück wirklich in Ordnung. Viele Sehenswürdigkeiten waren von hier zu Fuß zu erreichen. Den ganzen folgenden Tag waren wir zu Fuß, aber auch mit den örtlichen Verkehrsmitteln wie Kutsche, Rikscha und auch Taxi unterwegs, um das ursprüngliche Havanna mit seinem marodem Charme, aber auch seine Menschen zu erleben. Der Abend endete in einer Musikbar mit Salsaband und Mojito. Dieser dem eigentlichen Törn vorgeschaltete „Kulturstress mit Akklimatisierungseffekt“ hat sich wirklich gelohnt. Dummerweise traf mit uns in Havanna eine Kaltfront ein, die kalten Wind brachte und uns abends die vorsorglich mitgebrachten wärmeren Pullis auspacken ließ. Auch im Hotel wurde es unangenehm kalt. Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück per Taxi über „Autobahn“ und Landstraße nach Cienfuegos. Diese vierstündige Fahrt war kurzweilig, bot sie doch eine Vielfalt von Einblicken in das kubanische Verkehrswesen und Landleben. Wo sonst gibt es amerikanische Luxuslimousinen der 50er Jahre, Pferdegespanne, Zigarren rauchende Cowboys, Bushaltestellen oder abenteuerlichste Fahrzeugeigenbauten auf der Autobahn? Als wir um 13:00 Uhr in der sehr spektakulär untergebrachten Basis von Alboran ankamen, Basis Alboran erwartete uns dort eine überaus freundliche Basiscrew unter Leitung von Alain. Das Schiff war fertig zur Übergabe, was wir nach einem Begrüßungspunsch auch sofort in Anspruch nahmen. Auf dem Salontisch erwartete uns eine große Schale mit frischem Obst und einer guten Flasche Rum. Das hob die Stimmung weiter. Während Alain mit zwei Crewmitgliedern zum Provianteinkauf startete, ging die andere Hälfte der Crew daran, das Boot laut vorliegender Checkliste zu prüfen. Da alles ordentlich und übersichtlich verstaut war, ging das flott voran. Dabei festgestellte Mängel wie Luftverlust im Beiboot, tropfender Küchenabfluss, defekte Cockpitbeleuchtung und streikender CD-Player wurden von der Basis sofort beseitigt. Auffällig war, dass das Unterwasserschiff frisch gereinigt war und keinerlei Muschelbesatz aufwies. Um 17.00 Uhr war alles erledigt, Proviant gebunkert, der Kühlschrank gefüllt. Also auf zur nahegelegenen Hafenbehörde, um die deftige Touristensteuer von 8 CuC pro Person und Tag zu bezahlen. Erst danach kommt dann die Immigrationsbehörde mit weiterer uniformierter Begleitung an Bord, um die Crew mit den Pässen abzugleichen, einige Formulare auszufüllen und –offenbar das Wichtigste überhaupt- alles mehrfach abzustempeln. Die Herren taten das in Ruhe und mit höflicher Gelassenheit. Vielleicht half dabei auch der gerne angenommene Werbedauerschreiber aus Deutschland. Um 18:00 Uhr war mit dem letzten Licht des Tages auch das geschafft. Am nächsten Morgen wollten wir um 08:00 Uhr auslaufen. Das durften wir aber erst, nachdem die Uniformierten wieder an Bord waren, nochmal die Pässe kontrolliert und ein paar zusätzliche Stempel in die Formulare gedrückt hatten. Dann endlich gings los. Der erste Schlag in Richtung Cayo Largo musste über 55 sm gehen, da vorher kein gegen den im Winter vorherrschenden N/NO geschützter Ankerplatz möglich war. Im Fahrwasser der Ausfahrt in die offene See trafen wir auf einige Fischer, bei denen wir im Tausch gegen eine Taschenlampe und 2 Dauerschreiber einen 4-Personenfisch eintauschten. Danach ging es bei 10-15 KN aus N bei moderater Welle beschaulich voran. Gegen 12:00 verdunkelte sich der Himmel, der N frischte auf bis 25 KN und es wurde „saukalt“. Dagegen war der dann einsetzende sintflutartige Regen angenehm warm. Gut, dass wenigstens der Skipper das vollständige Nasszeug eingepackt hatte. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, die Sonne kam wieder, konnte aber gegen den weiterhin kalten Wind kaum etwas ausrichten. Um 21.00 Uhr fiel auf der Südseite von Cayo Largo/Punta del Este bei 2m WT, gut geschützt gegen den mittlerweile auf 20 KN eingependelten N der Anker für die Nacht. Zum späten Abendessen gab es den eingetauschten Redsnapper – wirklich fein. Am nächsten Morgen Sonne pur, der Wind auf NO gedreht und deutlich wärmer, Zeit für den ersten Sprung ins Wasser. Das war mit 22 Grad doch kühler als erwartet. Die mitgebrachten Shorties waren beim Schnorcheln, das eine fantastisch unberührte Unterwasserwelt bot, wirklich angesagt. Schon nach kurzer Zeit hatten wir uns (fast) alle an die vielen böse schauenden Barrakudas gewöhnt. Im Laufe des Vormittags ging ein Fischerboot nicht weit entfernt vor Anker. Also Beiboot runter und rüber. Der Empfang der verwegen aussehenden Gestalten war sehr freundlich. Wir fragten nach 3 Lobstern und 1 Fisch. In unsere Tüte steckten sie uns 7 Lobster und zwei große Fische, die sie ganz selbstverständlich noch entschuppten und ausnahmen. Sie versicherten, dass diese Fische nicht von Ciguatera befallen seien. Als Gegenleistung übergaben wir eine Flasche Rum, eine Taschenlampe und einige Dauerschreiber, wofür sie sich überschwänglich bedankten. Bei dieser Ausgangslage beschlossen wir einen Bade-, Schnorchel- und Grilltag einzulegen. Die Sonne spielte mit, richtig warm war es allerdings nur im Windschatten. Gegen Abend wurde es wieder unangenehm kalt. Am nächsten Morgen bei 15 KN aus NO Anker auf Richtung Marina Cayo Largo, nach 5 SM erster Zwischenstopp an einem vorgelagerten Riff zum Schnorcheln. Es gab Schildkröten, Rochen und Riesenbarrakudas zu beobachten. Das Wasser war hier seltsamerweise deutlich wärmer. In Höhe der Einfahrt Cayo Largo weiterer Zwischenstopp an einem gegen Wind und Welle sehr geschützt liegenden flachen Riff. Auch hier eine herrliche Unterwasserwelt –sogar mit 2 Delphinen-, dabei Badewassertemperatur. Letzter Stopp des Tages schließlich an den beiden „Pools“ (knietiefe riesige Badewannen aus weißem Sand) unmittelbar vor der Einfahrt zur Marina. Übernachtung schließlich in einem Nebenarm der Einfahrt, auf Landgang hatte nach diesem herrlichen Tag keiner mehr Lust. Am folgenden Morgen verlegen in die Marina. Piri, der uniformierte „Hafenmeister“ begrüßt uns mit den Worten „Willkommen im Land der Stempler“ und lässt unterschiedlich Uniformierte irgendwelcher Behörden kommen, die Pässe und Personen abgleichen, Formulare ausfüllen und fleissig stempeln. Auch hier ebnen uns Dauerschreiber und ein paar Dosen Cola den Weg. Piri bringt schlechte Nachrichten. Zwei Kaltfronten sind im Anmarsch und werden in den nächsten beiden Tagen bis zu 40 KN Wind aus N bringen. Bei herrlichem Sonnenschein mit 30 Grad im Windschatten wollen wir das gar nicht glauben. Dennoch gönnen wir uns vorsichtshalber einen Hafentag. Am späten Nachmittag gings dann los, der Himmel verdunkelt sich, der N frischt auf bis 30 KN, es wird mal wieder saukalt und ungemütlich. Auch in der nach allen Seiten offenen Hafenbar ist es nicht mehr auszuhalten – also ab in den Salon. Über Nacht wird´s richtig heftig. Wir werden von Böen bis 40 KN heftig durchgeschüttelt. In der Koje brauchen wir die zusätzlichen Decken. Am folgenden Morgen scheint die Sonne, aber es bläst immer noch kalter Wind mit 25 KN aus N. Piri rät uns vom Auslaufen ab, draußen sei es sehr ungemütlich. Wir hören auf ihn, und hängen noch einen Hafentag dran. Wir besuchen die Aufzuchtstation für Schildkröten und machen eine Wanderung ins Hinterland der Marina. Im Windschatten ist es fast zu heiß, im Wind bei blauem Himmel so kalt, dass es ohne Pulli nicht geht. Zwei Tage im Hafen lassen einen weiteren Trip Richtung Westen nicht mehr zu. Tags darauf müssen wir den Rückweg antreten. Morgens wieder blauer Himmel mit 20 KN aus N. Es wird ein Segeltag wie aus dem Bilderbuch. Wir starten mit Reff 1 im Groß, um gegen die ab und zu einfallenden Böen gewappnet zu sein. Diese Maßnahme bewährt sich im Laufe des Tages. Wir laufen Speed bis 10 KN. Da stört auch der weiterhin kalte Wind nicht. Gegen 16:00 Uhr kommen wir an unserem Etappenziel, der Südseite von Cayo La Trinchera, an. Der Anker mit seiner ganzen Kette fällt bei 4 m. Dichter unter Land geht nicht, weil die Karte für den flacheren Bereich Unterwasserfelsen ausweist. Vor der Welle sind wir einigermaßen geschützt, der Wind stellt den Anker ständig auf die Probe. In der Nacht frischt der Wind auf 30 KN auf. Das Problem Ankerwache stellt sich nicht, weil die Musik im Rigg eh keinen Schlaf zulässt. Gegen Morgen lässt der Wind bis auf 15-20 KN, jetzt aus NO, nach. Im Morgengrauen gehen wir Anker auf, um die letzten 45 SM zurück nach Cienfuegos anzupacken. Nach dem Verlassen der Inselabdeckung bekommen wir einen Begriff davon, was es heißt, mit einem Kat gegenan zu müssen. Zum Glück lassen Wind und Welle im Laufe des Vormittags nach, nachmittags dreht der Wind auf NW und 10 KN. So können wir Motorsegeln und schaffen es gerade noch um 17:00 Uhr bei Alboran anzulegen. Auf dem Steg warten mit dem Basisperonal schon ungeduldig die verschiedenen Uniformierten mit ihren Stempeln, die wohl Feierabend machen wollen. Innerhalb weniger Minuten sind die Staatsdiener diesmal wieder von Bord. Der Checkout war völlig unproblematisch, die Basiscrew sehr bemüht um uns bis zur Abreise am nächsten Tag. Gut dass wir üppig Zeit für den Transfer eingeplant hatten. Unterwegs stellte sich heraus, dass der Taxifahrer sich nicht auskannte und letztlich auf Feldwirtschaftswegen fuhr – auf den Landstraßen gibt es keine Wegweisung-. Das hatte den Vorteil, dass wir so noch einen Einblick in das wirklich ursprüngliche Landleben auf Kuba bekamen. Auf dem Flughafen empfing uns eine Durchsage, dass wir nicht durch die Passkontrolle gehen sollten, weil dahinter alles überfüllt sei. Ein wohl erfahrener Reisender sagte uns, dass dies nicht stimme. Man wolle lediglich der Gastronomie und den Geschäften vor der Passkontrolle Umsatzvorteile verschaffen. Also sind wir doch durch und fanden den Tipp bestätigt. Hinter der Passkontrolle war kaum jemand, zu essen und trinken gab es auch, sogar rauchfrei. Auf der anderen Seite war alles verräuchert. Fazit: Unser Neuling an Bord hat es zusammengefasst: „ Diese Tage waren informativ, hochinteressant, teilweise anstrengend, teilweise wunderschön – jederzeit wieder“. Im Gegensatz zum Sommertörn in diesem Revier (auch schon gemacht) sollte man im Hinblick auf den ständig kühlen und kräftigen Wind genügend warme Sachen mitnehmen. Die komplette Nasszeugausrüstung ist ebenfalls zu empfehlen. Die unterschiedlichen Wassertemperaturen sind mit einem Shorty besser zu verkraften. Mit Kaltfronten und ihren unangenehmen Begleiterscheinungen sollte man rechnen. Bei der geringen Zahl geschützter Ankerplätze sollte man sich auch auf längere Tagesetmale einstellen. Die Rückfahrt nach Cayo Lage ist bei dieser Windlage nicht unter 45 SM zu haben. In aller Regel wird man den Wind dabei genau auf die Nase haben. Trotz alledem waren es schöne Tage, seglerisch sicher anspruchsvoller als ein Sommertörn. Wolfgang Müller


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