Törnbericht von Lothar Föller

Kuba, null
24 Feb 2001

Törnbericht von Lothar Föller "Cohiba - Törn" vom 09.02. - 19.02. 2001 (Havanna und Los Canarreos) mit Jörg und Klaus und Mike und Rolf und mir (Lothar) Freitag 09. Lassen wir die Vorgeschichte weg und starten mit der Abholung von Klaus am Airport MUC gegen 18:30 (ankommend mit LH 892 ex HAM). Da ein Vorabend-Check-in und Platzreservierung in München wegen geschlossener Schalter nicht nicht möglich war, zogen wir mit Rosi, der Freundin meiner Frau, umgehend in eine zünftige Kneipe in Garching, um uns die nötige Bettschwere zu verschaffen. Samstag 10. Die Nacht in Rosi's Gästebetten war kurz aber tief und das reichhaltige Frühstück brachte uns wieder auf die Beine Mike hatte bei seinen Eltern übernachtet und holte uns auf seinem Weg zum Flughafen gegen 07:30 bei Rosi an. Pünktlich um 08:30 schwebte tatsächlich auch Rolf ex DUS ein und es reichte noch für einen gemeinsamen "Starter" im Brauhaus. Abflug mit DE 6196 um 09:30 MUC - HAV Nach einem angenehmen Flug landeten wir planmässig gegen 15:00 LT in Havanna. Strahlender Sonnenschein und warm, warm, warm. Herrlich! Nur Mike konnte das Gefühl noch nicht ganz teilen. Genauer gesagt, er war stinke sauer, denn der Zöllner hatte seine große, echte und extra luftdicht verschweißte, ungarische Salami konfisziert. Natürlich wußten wir alle, daß das Einführen von Lebensmitteln nach Kuba verboten war, aber 4 von 5 hat man eben nicht erwischt! Ganz gute Quote, oder? Wir hatten ex Deutschland vorsichtshalber den Transfer zum Hotel gebucht und bezahlt, aber nicht ernsthaft damit gerechnet, dass wir wirklich einen Bus oder ähnliches vorfinden. Weit gefehlt, der 45-minütige Transfer zum Habana Libre Tryp in einem ca. 20 - 30 Jahre alten busartigen Gefährt von Cubatur, führte zunächst durch Bruch, Zerfall und Ruinen der Außenbezirke von Havanna. Unsere Laune war nicht gerade auf einem Höhepunkt, aber das ein oder andere restaurierte Gebäude der Innenstadt ließ zumindest auf ein erträgliches Hotel hoffen. Das war dann auch völlig ok , nicht ganz modern, aber große, saubere und komfortable Zimmer. Der Blick aus dem 23. Stock über die "Neustadt" und das Meer lies zunächst einmal die Strapazen der langen Reise vergessen und auch der unangenehme Geruch von Müllverbrennung und Abgasen kroch nur stark abgeschwächt über unser Balkongeländer. Nach einer kurzen Dusche und einem Drink machten wir uns dann auch schon auf den ersten Erkundungsgang rund ums Hotel zum berühmten, alteingesessenen Hotel National und landeten schließlich in einer Tapaskneipe gegenüber unseres Hoteleingangs. Hier machten wir gleich Bekanntschaft mit den allgemein vorherrschenden Preisvorstellungen in US-Dollar. D.h. wir wurden für wenig Leistung (die gemischten Tapas bestanden lediglich aus rohem Schinken, total vertrocknetem Weißbrot und ein paar Oliven) richtig abgezockt. Das Habana Libre **** * ist das ehemalige Hilton (vor der Revolution) * liegt in der Nähe der Uferpromenade "Malecon" * und in der Nähe der Altstadt (10 Fahrminuten) * wurde 1998 restauriert / renoviert * hat Pool mit Poolbar und eine Disco auf dem Dach (25. Stock) * ca. 100 DM p.P. und Nacht, incl. exzellentem Frühstücksbuffet Sonntag 11. Da die Balkontüren etwas offen standen, wurden wir schon gegen 09:00 Uhr von (aber nicht unangenehmen) Gospelgesängen aus einer nahen Kirche geweckt. Nach dem Super-Frühstück im Hotel und einem Besuch des immer noch laufenden Gospelgottesdienstes, machten wir uns auf den Weg zur ehemaligen Pracht - Promenade Havannas, dem Malecon. Mit viel Phantasie konnte man sich noch vorstellen, wie toll die noch teilweise erhaltenen, aber völlig verdreckten, Fassaden einmal ausgesehen haben könnten. Nach ca. 2 Km entlang dieser einstigen Schönheiten kamen wir zu El Morro, der alten Hafenfestung und schlugen uns von dort durch zum Capitol und Nationaltheater. Wirklich sehenswerte Gebäude. El Capitolio Das Top-Wetter, die erstaunlich lockere, fröhliche Stimmung der Leute auf der Straße, die kleinen,engen Gassen der Altstadt, die Musik in und aus den zahlreichen Kneipen (Guantanamera in allen Varianten), und natürlich die Mojitos (gestossenes Eis, Minzeblätter, Limone, Zucker, weißer Rum), verbesserten unseren Eindruck von Havanna im Minutentakt. D.h. genauer gesagt, ab dem späten Nachmittag in einer Deckenventilator - belüfteten Bodequita der Altstadt, fanden wir Havanna richtig gut ! Abgerundet wurde der Tag mit der fast 3-stündigen Samba-Show im weltberühmten "Tropicana". Nicht billig (50 US$ p.P.), aber ein beeindruckendes Spektakel aus farbenprächtigen Kostümen, prickelnden Tänzen (und Tänzerinnen) und hämmernden Sambatrommeln. Klaus hat aus "Unlust" leider auf diesen bleibenden Eindruck verzichtet und sein Bett vorgezogen. Montag 12. Auch der letzte Tag in Havanna war der Kultur gewidmet. Es begann mit der Besichtigung des Capitols von innen, und sollte weiter gehen mit dem Besuch einer "Cohiba-Schmiede". Für eine 15 minütige Führung durch die Produktionstätten wollte man hier jedoch jedem von uns 10 US$ abknöpfen! Das war zu heftig für die schon ziemlich geplünderte Bordkasse und so entschieden wir, dass der mit der besten Kamera- und Fotoausrüstung den Rundgang mitmachen sollte. Das war natürlich Rolf. Wir warteten und begnügten uns mit dem Gedanken an die entsprechenden Videoaufzeichnungen. In dieser Zeit knüpften wir Kontakt mit einem der Schwarzhändler für alle Arten kubanischer Zigarren. Als Rolf nach fast einer Stunde wieder auftauchte (doch länger als 15 min), hatten wir schon eine Verabredung getroffen. Unauffällig folgten wir dem hinkenden Kubaner in ein zerfallenes Haus, über dunkle steile Treppen, durch düstere Gänge in ein kleines Zimmerchen, in welches wir, nach speziellen Klopfzeichen des Hinkebeins, eingelassen wurden. Zugegebenermassen war uns allen schon etwas mulmig. Innerhalb weniger Minuten standen mehrere unterschiedliche Zigarrenkisten auf dem wackeligen Tisch, herbeigezaubert aus irgendeinem Hinterzimmer von immer mehr Kubanern. Fast unmerklich waren wir von 9 dunkelhäutigen Gestalten umringt, mit denen wir um die Preise feilschten. Nach etwa einer halben Stunde wurden wir handelseinig mit dem Gefühl, hier sowieso nicht heil rauszukommen, ohne was zu kaufen. Egal, die Preise waren gut, alle waren zufrieden und wir verließen den Ort auf den gleichen dunklen Pfaden auf denen wir gekommen waren. Bevor wir allerdings die Strasse wieder betreten durften, mussten wir noch auf das "ok" von einem "Schmierensteher" warten, der zuvor die Aussenluft auf ihre "Reinheit" (Policia) geprüft hatte. Ein Mojito im "Inglaterra", ein Zug durch die Altstadt und mehrstimmiges Absingen von "Quando Calienta El Sol" unter Begleitung eines Musiker-Trios im "Floridita" (Hemingway's zweiter Lieblingsbar) gepaart mit zwei schweineteuren Daiquiries, beruhigten so langsam wieder unser strapaziertes Nervenkostüm. Ein inoffizielles Taxi in Form eines kirschroten 52er Dodge' mit mindestens 10 cm beidseitigem Spiel in der Lenkung, brachte uns dann gegen 18:00 für 5 $ wieder ins Hotel. Der Dodge mit stolzem Besitzer Wir waren sehr gespannt, denn hierhin sollten, mit Master-Yachting vereinbart, unsere Tickets nach Cayo Largo für den Flug am nächsten (!) Morgen geliefert werden. Die verständnislosen Blicke bei der Nachfrage an der Rezeption verrieten uns schon, daß das wohl nicht geklappt hatte. Man verwies uns an ein Büro von Cubatur, gleich um die Ecke von unserem Hotel. Das Büro war besetzt mit 5 Angestellten, die wir dann auch allesamt für weit über eine Stunde mit diesem und unserem Flughafentransfer-Problem beschäftigten. Zahllose Fragen, warum, wieso, weshalb, in einem englisch-spanischen Kauderwelsch und diverse Anrufe bei dem Stardust-Repräsentant, der die Tickets hätte liefern sollen, stellte unsere Geduld auf eine harte Probe (kein Transfer ohne gültiges Ticket!). Kurz bevor wir uns entnervt dazu entschliessen wollten, den frühmorgentlichen Transport selbst zu organisieren, sowie nochmals in die Stadt zu fahren, um das Stardust Büro zu suchen, kam dann endlich das OK für den Bus um 06:00 und die Zusage für die Ticketlieferung in ca. 2 Stunden. Die Erleichterung war groß, als die Rezeptionsdame gegen 20:30 telefonisch den Ticketempfang bestätigte. Nach ein paar GinTonic in der Roof Top Disco und dem erfolgreichen Versuch die hübschen, "zutraulichen" Damen abzuwehren, ging's gegen Mitternacht in die Falle. Dienstag 13. 05:00 Uhr Aufstehen !!! Frühstück 05:30, Check-out, und Busabfahrt um 06:00 Der tatsächlich vorhandene Bus klapperte verschiedene Hotels ab und tuckerte durch völlig unbekannte Stadtteile, bis er nach ca. 1 Stunde vor einem eingezäunten Gelände mit einem Flachbau anhielt. Der Hinweis, das sei der Flughafen, sorgte für reichlich Verblüffung. Einige Minuten darauf landete, laut brummend, eine betagte, zweimotorige Antonow und zerstreute, zumindest teilweise, unsere Zweifel an der Richtigkeit dieses Ortes. Als dann in einem wohnzimmergroßen Raum (gefüllt mit Menschen und Koffern) die Abfertigung nach Cayo Largo begann, war uns klar, daß wir mit einem selbst organisierten Transport 100%ig zum falschen Flughafen gefahren wären! Glück gehabt! Die offensichtlich von Fracht- auf Passagierverkehr umgerüstete Maschine (Einstieg über hintere Ladeluke, 12 Sitzreihen und 3 Fenster) brachte uns jedenfalls sicher in ca. 50 Minuten zum eigentlichen Ort unseres Törnbeginns, Cayo Largo. Ein langgezogenes Eiland, umsäumt mit pudrigen, weißen Stränden. Ein paar Palmen, dazwischen hier und da eine Hotelanlage und eine Marina. Sonst keine Besonderheiten. Der Abholer von Stardust stand schon bereit und eine Viertelstunde später saßen wir in der Marina Puertosol beim zweiten Frühstück. Das Gepäck wurde zwischenzeitlich zum Stardust Hafenbüro transportiert, wo später auch ein sehr ausführliches und professionelles Chart- und Revierbriefing (mit sehr hilfreicher Videounterstützung) stattfand. Der Basisleiter, Pascal Ouradou, vermittelte den Eindruck , alles fest im Griff zu haben. So verliefen auch Bootsübergabe, Pass- und Zollformalitäten absolut stressfrei und problemlos. Zum guten Schluss wurde noch eine intensive Schiffskontrolle durch einen Immigration Officer vorgenommen, der alle Kabinen Schaps und Backskisten nach eventuell versteckten Flüchtlingen durchsuchte. Als er nach 20 Minuten nicht fündig geworden war, wurde durch meine Unterschrift auf zwei Formularen mit mehreren Durchschlägen, der Prozedur ein Ende gesetzt. Jörg, Klaus und Mike hatten zwischenzeitlich das Catering im nahen Mini-Supermarkt erledigt. Es gab nicht alles, aber das Notwendigste für den 1-wöchigen Törn konnten sie für harte Dollars ergattern. Nach Übergabe der Schnorchelutensilien, eines vollständigen Sets mit Seekarten, einer großen Kühlbox, gefüllt mit Würfeleis und der Entrichtung von 10 $ Cruising Tax pro Person und Tag, konnte es nun endlich losgehn! Leider war es schon gegen 15:30 Uhr und so kamen wir nur noch durch den engen, ca. 0,5 Sm langen Hafenausfahrtskanal zum nahe gelegenen Ankerplatz vor der feinsandigen Playa Sirena. 1. Teil Hinweg und 2. Teil Rückweg Es wehte ein kräftiges Windchen mit 6 Bft. aus SO und die auslaufende Welle durch die 1 SM südlich gelegene Riffdurchfahrt, brachte uns ordentlich zum Schaukeln. Wir mussten noch die Klamotten verstauen, Kojen beziehen, den Proviant unterbringen und alles gegen das Zerschellen am Boden sichern. Diese Tätigkeiten unter Deck führten innerhalb einer halben Stunde schon zu den ersten Ausfallerscheinungen bei Jörg und Klaus. Kurz darauf erleichterte sich Jörg schon kreidebleich in der Backbordtoilette und verschwand anschliessend kommentarlos in seiner Koje. 18:30 war es stockfinster und kein Licht am Strand deutete auf irgendeine Kneipe hin. Mike und Rolf bereiteten somit eine Kleinigkeit zu Essen und da sich keiner mehr so richtig wohl fühlte (sicher nur wegen des frühen Aufstehens) war um 21:00 Uhr die Bordbeleuchtung aus. Mittwoch 14. 08:30 Uhr Ein herrlicher Tag, aber eine beschissene Nacht. Der Wind hatte kaum nachgelassen, aber er blies warm, schön warm und der Gedanke an das Mistwetter zu Hause machte alle wieder fröhlich. Auch Jörg ging es scheinbar wieder besser, denn er nahm, wenn auch nur bedingt, am Frühstück teil. Auf jeden Fall kaute jeder etwas runter, denn es musste ja schliesslich auch wieder was rauskommen können! Gegen 09:30 machten wir uns von der Boje los und auf die Suche nach der Riffdurchfahrt. Unser Tagesziel war der ca. 25 SM westlich gelegene Kanal von Rosario zwischen Cayo Cantiles und Cayo Rosario. Die kurze Strecke bis zur Riffdurchfahrt unter Motor und Groß nutzte Mike zur Installation seiner Schleppangel, denn wir wollten schließlich Barracudas, Schwertfische und Blue Marlins fangen. Die zahlreichen Schaumkronen in der Ferne kündigten eine unruhge Reise an. Mit einem Reff im Groß und leicht eingerollter Fock gings dann rechts ab, in gebührendem Abstand zur nördlich gelegenen, langezogenen Riffkante. Mit halbem bis achterlichem Wind kamen wir gut voran, doch die Berg- und Talfahrt mit teilweise echtem Aufzug-Feeling, brachte die Mägen von Jörg, Klaus und Rolf schon wieder in Schwingungen. Mike und ich hielten die Stellung und warteten gespannt auf den ersten Fisch. Nach vier Stunden hatte immer noch keiner gebissen und wir näherten uns der südlichen Durchfahrt des Rosariokanals, die lt. Seekarte mit zwei Bojen markiert sein sollte. Nichts war zu sehen. Landmarken gab es keine, denn die Inseln sahen alle gleich aus. Flach, mit Mangrovenbewuchs, kein Haus, kein Turm, kein Sendemast, unbewohnt. Noch etwa 300 m von der äußeren Riffkante entfernt und angespannt nach den Bojen suchend, sprang plötzlich die Bremse des Penn- Reels an. Ausgerechnet jetzt hatte ein Fisch gebissen! Aufregung, Hektik, Segel fieren, Ausschau halten, Angel einholen. Von dem Lärm aufgeschreckt, kroch jetzt auch der Rest der Crew an Deck und wurde umgehend von dem Jagdfieber infiziert. Es war ein ca. 3 Kg schwerer Barsch, der für Abwechslung in der Bordverpflegung sorgen sollte. Während dieser auf der Badeplattform seziert wurde, entdeckte ich endlich auch die Markierungen der Passage und wir kamen wieder in ruhiges Fahrwasser. Um 16:00 fiel dann 3 Sm nördlich der Anker in totaler Einsamkeit. Kein Schiff, keine Menschenseele, türkis grünes Wasser, kein Geschaukel, einfach himmlisch. Jetzt erst mal eine Runde schwimmen, dann abhängen, eine Pina Colada von Klaus und die Vorfreude auf einen super frischen Fisch. Filetiert, gesalzen, gepfeffert, mit etwas Limone, eingewickelt in Alufolie und 40 Minuten im Backofen schmeckte er einfach hervorragend. Er war nur ein bischen knapp für 5 ausgehungerte "Seebären" und so mussten wir tatsächlich schon an unsere Vorräte (erster Nudelauflauf), die wir ja schliesslich einteilen mussten. Es war nicht zu erwarten, daß irgendwo unterwegs eine Proviantaufnahme möglich sein würde. Ungetrübte Nacht mit glühendem Sternenhimmel. 22:00 Uhr Bettruhe! Donnerstag 15. Der nächste Schlag war ursprünglich anders geplant. Er sollte eigentlich südlich der Riffkante vorbei an Cayo Cantiles nach Cayo Avalon führen, um dann durch den Canal Aquardiente zu unserem nächsten Ankerplatz zu gelangen. Dieser Plan wurde jedoch schon beim Chart Briefing durchkreuzt, da diese einzige Durchfahrt im westlichen Gebiet der Canarreos wohl versandet war. Auch die hohe Welle vor dem Aussenriff wollte bei der Crew keine Begeisterungstürme hervorlocken. So entschieden wir uns, die Route durch die flachen Zonen des nördlichen Seegebietes zu wählen. Der Stützpunktleiter von Stardust hatte uns versichert, daß die Wassertiefe, sofern richtig navigiert werde, überall ausreichend sei! Ab jetzt ruhte das GPS keine Minute mehr und auch die Detailkarten wurden nicht mehr aus der Hand gelegt. Wir segelten vorbei an Cayo Pasaje, umrundeten Cayo Tablones und nahmen dann südlichen Kurs auf Punta Los Muertos. Nachdem wir uns an den adrenalintreibenden Zustand von selten mehr als 1 Meter Wasser unterm Kiel, gewöhnt hatten, machte die Selgelei heute einen höllischen Spaß. Wind 6–7 Bft., keine Welle, da ständig in der Inselabdeckung, 8-9 Ktn. auf der Logge und schöne Lage. Juch Hu und Holldrio, das war granatenmäßig gut!!! Sun Dance 36 Nach 22 Sm dachten wir eigentlich den nächsten Nachtankerplatz in einer Lagune zwischen den zahlreichen Inselchen finden zu können, aber mit 2m Tiefgang war das absolut aussichtslos. Mit Schleichfahrt versuchten wir uns zu einem idyllischen Plätzchen vorzutasten, aber das plötzliche, aufdringliche Piepsen des Echolots mit anschließendem kurzen Sandkontakt, liess uns augenblicklich wieder umkehren. Der Haken fiel dann auf 3 Meter, ca. eine halbe Seemeile vor einem mangrovenumsäumten, weißen Strand. Mojito -Time! Das Wasser war auf der gesamten Strecke milchig-türkis-grün-blau und eine Schnorchelrunde ums Boot zeigte, es gab nichts zu sehen. Weder Fisch noch Bewuchs, nur mehlig feiner Sand, der eben auch zu der Wassertrübung führte. Aber auch über Wasser gab es außer einigen vorbeiziehenden Flamingos und Reihern und Mangroven in der Ferne, nichts zu erspähen. Natur pur. Der zweite Tag ab von jeglicher Zivilisation. Da Mike nichts an der Angel hatte, liefen ab 17:30 die Vorbereitungen für den nächsten Auflauf. Der war dann auch wieder hervorragend und man schmeckte deutlich die Hingabe, mit der er zubereitet war. Trotzdem, so ein kleines Steak in einer karibischen Inselkneipe mit etwas Steelbandbegleitung hätte man sich auch vorstellen können. Die Frage "was machen wir heut Abend?" erübrigte sich. Den Biervorrat schmälern, klönen und Sternegucken. 2. Teil Hinweg und 1. Teil Rückweg Freitag 16. Nach dem üppigen Frühstück starteten wir mit einer Dinghitour durch die Kanäle zwischen den Mangroveninselchen. Diese Gewächse hatten wirklich jeden Landfleck erobert und ragten mit ihren armdicken Wuzeln bis weit ins flache Wasser. Ohne schwere Machete absolut undurchdringlich, sodaß ein Landgang unmöglich war. Ausserdem sollten sich hier, Berichten zufolge, auch Krokodile angesiedelt haben, was unseren Drang, mal eine der Inseln zu durchstreifen, sowieso in Grenzen hielt. Bis es letztendlich selbst für unser Dinghi zu flach wurde, erfreuten wir uns an der exotischen Umgebung und der Vogelwelt. Den ursprünglichen Törn-Wendepunkt wollten wir nicht verpassen und so segelten noch einige Meilen südwestlich zu dem, als außerordentliche Naturschönheit beschriebenen, Canal Aquardiente. Mehrere Versuche dorthin vorzudringen, scheiterten an unserem Tiefgang. Überall flach, flach, flach, zum narrisch werden. Wir kehrten um und machten uns auf den Rückweg. Jetzt aber die Angel raus und nicht schon wieder Nudelauflauf heut Abend. Der Wind hatte nachgelassen bis auf 3-4 Bft. und so segelten wir gemütlich durch die Einsamkeit wieder gen Nordost, Richtung Cayo Rosario. Nach drei Stunden hatte immer noch nichts angebissen und so langsam kamen Zweifel an Mike's Angelkunst auf. Weiterhin verhärtete sich die Meinung der Crew, man sollte doch mal an einer der ab und zu auftauchenden Bojen stoppen und vielleicht nachschauen, ob sich darunter ein Langustenkorb verberge, aus dem man eventuell ein Abendessen stibitzen könnte. Nach einer halben Stunde hatten sie mich weich geklopft und nach mehreren sorgfältigen Rundumblicken (es hätte sich ja irgendwo ein Fischer versteckt haben können), hielt ich neben der nächsten Boje an. Die Spannung war groß, doch die Strafe folgte auf dem Fuß. Eine Windboe und ein verpatztes Manöver (oder auch Neptun) führten dazu, daß sich die Leine zwischen Boje und dem vermeintlichen Langustenkorb geradewegs in unserer Schraube vertrüllerte. Bravo! Anker werfen, es war ja nicht tief, Messer raus, rein in den Bach und rausschneiden. Die zwischenzeitlich mit Schnorchel und Brille laufende Suche nach unserem Nachtmahl, blieb wegen des trüben Wassers leider erfolglos. In zehn Meter Umkreis nichts zu finden. Vielleicht gab's ja auch gar keinen Korb. Die haben uns verschaukelt! In zunächst tiefer Depression zogen wir wieder die Angel hinterher. Weil es ansonsten aber ein wunderschöner Segeltag war, ließen wir uns natürlich nicht unterkriegen und feuerten Mike zu Höchstleistungen an. Kurz vor unserem vorletzten Nachtankerplatz hätte das auch fast zum Erfolg geführt, wären da nicht die zu hektischen Einholversuche dran Schuld gewesen, daß sich der kapitale Fang wieder losgerissen hatte. Chili con carne, Spiegeleier, Brot und zum Höhepunkt des Abends endlich das 5 ltr. Fässchen Warsteiner, welches wir von Frankfurt mitgeschleppt und seit einer Woche schön kühl gehalten hatten. Es ging wieder früh in die Koje, denn die Sterne kannten wir ja schon. Samstag 17. Jörg hatte sich auf der Badeplattform gerade komplett eingeschäumt, als sich uns mit flotter Fahrt ein größeres Schiff näherte. Was war das, die Küstenpatrouille? Ohne Speed rauszunehmen, hielten die voll auf uns zu. Sieht der uns, fährt der unter Autopilot? Bevor der uns rammt, alle über Bord, waren die Gedanken als wir erkannten, daß es ein Fischer war. Oh shit! Jetzt kam das schlechte Gewissen durch. Der hatte uns bestimmt von irgendwo beobachtet, als wir gestern die Boje abschnitten. Alles in Deckung, jetzt gibt's auf die Löffel ! Gerade mal 15 Meter vor uns drehte er bei und es wurden drei große, breite, schwarze Mannsbilder sichtbar. Voller Verwunderung stellten wir fest, daß sie uns freundlich gesinnt schienen, denn sie zeigten ihre vielen weißen Zähne und fragten uns, ob wir an Langusten interessiert seien. Natürlich waren wir das und nach kurzer Verhandlung reichten sie uns für 25 $ einen Plastikkorb voll mit großen Krabbeltierchen über die Reling. Eine Flasche Rum hätten sie noch gerne gehabt, aber der war bei uns auch knapp geworden. Wir füllten dem Überbringer dann doch ein Colaglas voll ab und reichten es ihm mit einem erleichterten "Salud" über Bord. Ein Kopfnicken von seinem Skip ermunterte ihn, dieses in einem Zug wegzuschlucken. Tolles Frühstück! Beim Umladen in unsere Eisbox (die Würfel waren eh längst geschmolzen) zählten wir 14 große Langusten. Wau, das wird ein Abend! Freudig erregt nahmen wir die 20 Sm zurück bis Cayo Rico in Angriff. Bei leichtem Wind steuerten wir in die Passage zwischen der Inselkette und dem südlichen Riffgürtel. Diese Route war uns für den Hinweg wegen der zahlreichen Korallenköpfe zu unsicher. Jetzt aber war das die absolute Traumstrecke. Kristallklares Wasser in allen vorstellbaren Blau- und Grünschattierungen. Segeln in einem riesigen Swimmingpool. Ein Manta schwebte unter unserem Schiff hindurch und man sah noch seinen Schatten auf dem 8 –10 Meter tiefen Sandboden. Als uns kurz darauf zwei Baracudas passierten, war Mike nicht mehr zu bremsen. Trotz der 14 Langusten, wurde die Angel ausgebracht . Es dauerte keine 15 Minuten und der Köder hatte wahrhaftig einen Baracuda verführt. Hochstimmung an Bord! Nach 10 minütigem Kampf hatte er verloren. Mike schickte ihn mit dem Ankerstock ins Jenseits und zerlegte ihn gleich auf der Badeplattform. Bevor es weiterging legten wir, nach diesem einschneidenden Erlebnis erstmal eine Balletpause ein. Ohne weitere, nennenswerte Zwischenfälle segelten wir die restlichen 10 Sm zurück zu unserem ersten Bojenplatz vor Playa Sirena, da wir vor Cayo Rico wieder zu wenig "Bodenfreiheit" hatten. Der Stardust-Chef hatte uns schon gesichtet und kam mit seinem Motorboot längsseits. Er brachte Brot mit (!) und warnte uns vor einer eventuell aufziehenden Kaltfront, die normalerweise Starkwind mit sich bringe. Zurück in den Hafen wollten wir nicht, denn Abgabe war erst am nächsten Tag um 16:00 Uhr . Also, sicherheitshalber eine zweite Leine durch den Bojenring und den gigantischen Sonnenuntergang und die Vorfreude auf den fürstlich gedeckten Tisch genießen. Als Vorspeise gab's die vorzüglichen Baracudafilets und danach den größten Eiweißschock aller Zeiten. Es war einfach nicht zu schaffen. Jeder Langustenschwanz hatte mindestens 300 Gramm. Rolf hat, glaube ich, zwei verputzt und wäre beinahe geplatzt, Alle Anderen gaben schon früher auf und fielen bald in süßen Schlummer. Sonntag 18. Glücklicherweise hatte es keinen Starkwind gegeben und wir erwachten gut erholt an einem herrlichen, sonnigen und windarmen Morgen, der wie geschaffen für eine ausgedehnte Schnorcheltour am Südriff war. Massenhaft bunte, tropische Fische, ein Mantapärchen und wieder ein Baracuda hinterließen am letzten Tag noch einen sicher dauerhaft bleibenden Eindruck. Gebackene Langustenschwänze am frühen Nachmittag haben dann unseren Bedarf an diesem Getier für lange Zeit gedeckt. Die Schlußetappe entlang den weißen Stränden und hinein in den Hafenschlauch der Marina Puerto Sol waren nur noch drei läppische Seemeilen und wir kannten natürlich die Ecke schon. Dieses Gefühl muß wohl kleine Unaufmerksamkeiten bei uns ausgelöst haben, denn keinem fiel der kleine Holzstock mitten in der Hafeneinfahrt auf, der eine Modderstelle markierte. Er war auch weder im Hafenplan eingezeichnet, noch hatten wir ihn nach dem Ablegen bewußt gesichtet. Kurzum wir steckten im Schlick! Alle nach Backbord - und der Rückwärtsgang haben geholfen, wir waren wieder frei! Oh Gott, wie peinlich, hoffentlich hat's keiner gesehn. Nun noch einmal voll tanken an der kaum auszumachenden "Tankstelle", bestehend aus einem Faß mit Pumpe hinter einem Bretterzaun, und ein nahezu perfektes Rückwärtsanlegemanöver, beendeten schliesslich diesen einsamen, aber dennoch erlebnisreichen Törn. Der Transfer zum Flughafen mußte leider früher als angenommen erfolgen, da mit langen Abfertigungszeiten zu rechnen war. Also schnell, schnell die Plünnen packen, Bootsübergabeformalitäten, duschen und, wie könnt es anders sein, die verlorene Geldbörse von Rolf suchen. Gerne hätten wir im Sonnenuntergang noch einen Drink mit Blick auf den Hafen genommen, aber der Mistkerl von Fahrer drängelte unaufhörlich. Völlig unbegründet, wie sich gleich herausstellte. In 30 Minuten waren wir mit allem durch und saßen weinend an der Airportbar. In den verbleibenden zwei Stunden betäubten wir den Abschiedsschmerz mit der ein oder anderen Pina Colada und natürlich einer einheimischen Zigarre. 21:35 Abflug DE 7197 CYO - FRA Montag 19. 13:00 Uhr Ankunft in FRA * Klaus fliegt mit LH 184 um 15:25 nach HAM * Rolf gleitet mit einem ICE nach CGN * Jörg, Mike und ich verteilen uns im Frankfurter Umland Wie üblich, war der Törn wieder einmal viel zu kurz. Ob Kuba uns jemals wiedersehen wird, bleibt abzuwarten, denn Traumziele gibt es noch jede Menge.


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