Windig und wild: Von Träumen aus Kindertagen (Segeln am Fuße des Mauna Kea).

Windig und wild: Von Träumen aus Kindertagen (Segeln am Fuße des Mauna Kea).

Montag, 13. Oktober 2008
von Matt - Muencheberg
Grandiose Kulisse: Segeln zwischen den Inseln des hawaiianiaschen Archipels. Foto: (c) nass-press.
Eigentlich wollte ich schon immer mal nach Hawaii segeln, ein Traum aus Kindertagen sozusagen. Geschafft habe ich das bis heute noch nicht. Immerhin: Per Flieger hat das letztens dann doch mal geklappt. Was tun auf den vulkanischen Eilanden? Ganz klar: Segeln. Doch ein gelungener Hawaii-Segelurlaub sieht anders aus. Könnte man meinen angesichts des nun schon Tage andauernden Regens, der heftigen Windböen und binnen kurzem in Küstennähe zu wahren Monsterwellen anwachsenden Wassermassen, die brüllend gegen das Ufer branden. Skipperin Rosalie Guarriello ficht das nicht an. Erst geht ihr Blick prüfend gen Himmel, dann löst sie entschlossen die Festmacherleinen, erst vorn, dann achtern, ein beherzter Schub am Gashebel, und schon setzt sich die 50 Fuß (etwa 16,5 Meter) lange Slup Cinderella träge in Bewegung. Richtung offenes Meer, das heißt: Raus auf den Pazifik! Geborstene und an Land gespülte Schwimmer eines Hobie-Kats, eine direkt vor der Hafeneinfahrt von Lahaina im Nordwesten Maui`s gesunkene und nun stark krängend aus dem aufgewühlten, hellbraunen Wasser ragende Segelyacht sowie zwei ein paar Kilometer weiter nördlich auf Steine gelaufene, zerschrammelte Motoryachten mahnen zur Vorsicht in einem Revier, dass einige als eines der schönsten weltweit bezeichnen. Viele Skipper würden aus Kostengründen keine Bootsversicherung besitzen, erklärt mir ein Hawaiianer. Da sollte wenigstens in einen guten Anker investiert werden. Pech für den, der beides nicht hat. Auch Skipperin Rosalie schwärmt vom Dahingleiten unter weißem Tuch zwischen den Inseln O`ahu, Moloka`i und Maui, zu der auch die kleineren Eilande Lana`i und Kaho`olawe zählen, sowie den nördlich vorgelagerten Inseln Kaua`i und Ni`ihau sowie dem südöstlich liegenden Hawaii, auch Big Island genannt. A perfect Sailing area, but only for good sailors!, schränkt die zierliche Frau jedoch gleich ein. Soll heißen: Das Segelrevier sucht zwar seinesgleichen, eine stetige Passatbrise sorgt für mäßigen Wind, und auch die Wellenhöhe hält sich, weit genug von gefährlichen Riffen und der Küstenline entfernt, in Grenzen. Normalerweise. Heute sieht aber alles anders aus. Bleigrau klatscht das Nass böse gegen den schlanken Stahlrumpf. Schon kurz nach dem Ablegen, noch im Hafenbecken des Ma`alea Harbour an der Westküste Mauis, ist die Crew das erste Mal salzwassernass. Der Wind pfeift in Stagen und Wanten, zerrt am sauber aufgetuchten Segel: Heute ist das Revier alles andere als perfekt. Zahlreiche Untiefen, zwischen den Inseln lauernde Reviere mit gefährlichen Kapeffekten des schnell auf Sturmstärke anwachsenden Windes sollte man nun besser aus dem Effeff kennen. Doch Rosalie kennt sich aus. So ein Wetter hatten wir hier seit mehr als zehn Jahren nicht, wundert sich selbst die anpackende Skipperfrau, die seit 1995 zwischen den Eilanden vulkanischen Ursprungs segelt. So richtig schlimm war es auf den Inseln des 50. Bundesstaates der USA das letzte Mal am 22. Mai 1960: Durch ein Beben in Chile wurde ein Tsunami ausgelöst. Rund 16 Stunden später erreichte die 11 Meter hohe Welle ohne Vorwarnung die Ostküste der Inseln, auf denen heute rund 1,2 Millionen Menschen leben, eine bunte Mischung aus Asiaten, Polynesiern und Weißen. Damals wurde die Hafenstadt Hilo auf Big Island fast vollständig zerstört; 61 Menschen verloren ihr Leben. Das soll heute nicht mehr vorkommen können: ein Tsunami-Warnsystem soll rechtzeitig vorher Sirenen auslösen, alle Küstenregionen sollen daraufhin rasch nach Plan evakuiert werden. „Ready for a tack – klar zur Wende“, kommt ihr Signal klar und bestimmt. Schon gleiten, jetzt auf der Steuerbordseite, die in sattes Grün getauchten Ausläufer der West Maui Mountains an uns vorbei; der mit 5.788 Fuß (etwa 2.000 Meter) höchste Punkt, der Puu Kukui, ist in dichtes Wolken-Weiß gehüllt. Nur jetzt, im Winter, seien die Berge grün, sagt unsere Skipperin. Denn das sei die regenreichste Zeit auf den Inseln, deren Entdeckung für die westliche Welt 1778 Capt`n James Cook für sich in Anspruch nahm, dabei verschweigend, dass da die von den Marquesas gekommenen Polynesier schon fast 1.500 Jahre auf Hawaii lebten. Heute ist das wassersportliche Angebot auf den acht Hauptinseln Hawaiis vielfältig: Neben verschiedenen Mitfahr- oder Charterangeboten auf Segel- und Motoryachten und auf für die Inseln typischen Ausleger-Kanus mit oder ohne Segeln, sind es vor allem Surfer, die, nicht zuletzt begünstigt durch den immer noch starken Euro, zurzeit nach Hawaii strömen. Auch Sporttaucher finden zwischen den Inseln ihr Eldorado; wer mag, kann auf Schlauchbooten Ocean-Raften, einen Segel-Ausflug auf der ehemaligen America`s Cup-Yacht America II von Segellegende Dennis Connor buchen oder Jetski fahren. Auch Angler und Tiefsee-Fischer kommen auf ihre Kosten. Für eine Woche auf der 50 Fuß-Yacht Cinderella werden bei einer Belegung mit sechs Gästen pro Person 1.460 US-Dollar fällig, das sind etwa 146 Euro pro Tag. Im Internet: www.maui.net/~sailmaui. Doch, wer weiß, vielleicht klappt es ja doch noch mal, eines nicht allzu fernen Tages: Nach Hawaii. Auf eigenem Kiel. Das wäre was. Verlieren Sie nicht Ihre Kinderträume aus den Augen, wünscht Ihr Matt.Müncheberg, info@muencheberg-media.com.