Wenn das Schifferklavier erklingt im Hafen....

Wenn das Schifferklavier erklingt im Hafen....

Montag, 09. Oktober 2006
von Klaus Bartels
City Sporthafen Hamburg
Der Junge mit der Mundharmonika ist groß geworden und hat jetzt ein echtes Schifferklavier. Schön für ihn, aber lästig für viele Mitmenschen, denn der Mann ist auch Eigner einer acht Meter langen Motoryacht. Schifferklavier + Motorboot + Hafen kann eine Mischung sein, auf die ich allergisch reagiere. Vor allen Dingen dann, wenn das Schifferklavier an einem wunderschönen, ruhigen Abend im Hafen traktiert wird. ?Hans Albers? war der Name des Motorbootes, neben dem wir in dem gut belegten Sportboothafen in der Schlei festgemacht hatten. Wie üblich, trennten unsere Boote ungefähr ein Meter Wasser. Segler wissen, dass die Grundlage eines harmonischen Hafenlebens die gegenseitige Rücksichtnahme ist ? wegen der fast intimen Enge in der Marina, die mehr Gemeinsamkeiten mit einem vollen Campingplatz als mit der Freiheit der Meere hat. Der Abend begann durchaus harmonisch. Da war die im nördlichen Sommer langsam untergehende rote Sonne, und es herrschte eine großen Ruhe, die nur ab und zu von leisen Worten und dem Geräusch, das beim Entkorken einer Weinflasche entsteht, unterbrochen wurde. Viele Crews saßen in den Cockpits der Yachten und genossen in der warmen Sommerluft den ausgehenden Tag. Dann war es plötzlich da, das Schifferklavier. Von der ?Hans Albers? erklangen erst leise und dann sehr laute Töne, die uns auf die ?Reeperbahn nachts um halb eins? führen sollten. Der ?Junge mit der Mundharmonika? hatte stilgerecht seinen Elbsegler aufgesetzt und haute im wahrsten Sinne des Wortes in die Tasten seines Instruments. Was bis vor Sekunden noch ein Ort der Entspannung und des stillen Seglerglücks war, wurde zur lautstarken Übungsstunde auf dem Schifferklavier, denn vollkommen fehlerlos beherrschte der Skipper der ?Hans Albers? sein Instrument nicht. Als sich der erste Schock über den plötzlichen, ruhestörenden Lärm bei uns an Bord gelegt hatte, begann ein maßloses Erstaunen. ?Wie kann ein Mensch so rücksichtslos sein?? Auch auf vielen anderen Yachten sah man erstaunte Gesichter, sich schüttelnde Köpfe und hörte lauter werdende Stimmen. Wer sich vor dem Musikeinsatz auf der ?Hans Albers? noch fast flüsternd verständigt hatte, musste plötzlich laut werden, um verstanden zu werden. Anscheinend fasste der Musiker das als Zustimmung auf, denn er legte in Sachen Lautstärke noch einmal zu und begann mit sturem Blick auf ein Notenbuch auch noch an zu singen. Glücklicherweise ist jedes Lied einmal zu Ende. Der ?Hans-Albers?-Skipper lächelte glücklich in die Runde und fing an, in seinem Notenbuch zu blättern. Er wollte weiterspielen. ?Das kann er doch nicht machen,? raunte mir Vorschoter Nico zu. Alle anderen nickten und sahen mich, den Skipper, an. Eigentlich ist der Skipper nicht für die Ruhe im Hafen zuständig. Trotzdem sagte ich mit Blick auf den stolzen, in den Noten blätternden Musiker :?Hallo, wissen Sie dass Sie.....Aber da fiel der Mann mir glücklich lächelnd ins Wort. ?Ja, was wollen Sie hören. Ich kann ein Wunschkonzert geben. Aber bitte nur Hans-Albers-Lieder....? Mir verschlug es die Sprache, zumal der Alleinunterhalter inzwischen ein Lied gefunden hatte und die mittlerweile anschwellende Geräuschskulisse des Hafens mit dem Lied ?La Paloma? übertönte. ?Ich lade euch zum Bier in der Hafenkneipe ein,? rief ich meiner Crew zu und erntete schnelle Zustimmung?. Ähnliche Ideen hatte man wohl auch auf anderen Booten, denn überall verließen Crews die Cockpits. War das ganze eine Aktion der Hafenkneipe oder die Rücksichtslosigkeit eines Ergomanen, dem jegliches Verständnis für seine Mitmenschen fehlte ? Darüber haben wir an diesem Abend noch lange gesprochen. Egal, eines ist jedoch klar: Hiermit appelliere ich an alle Schifferklavier- und Gitarrenspieler ruhige Hafenabende nicht zu lauten Übungsstunden zu missbrauchen. Spielen Sie doch einfach dort, wo sie niemanden auf die Nerven gehen.......