Türkische Ägäis - Törnbericht von Skipperin Heike

Türkische Ägäis - Törnbericht von Skipperin Heike

Dieser Beitrag ist ein Törnbericht eines Kunden und spiegelt die Eindrücke vor Ort wieder.
Türkische Ägäis: Yesilova- und Hisarönü-Golf Der Herbst 2016 war geprägt von großer Verunsicherungen in Bezug auf die Regierung der Türkei sowie von Sicherheitsbedenken. Als Folge ist der Tourismus in der Türkei um 50% bis 80% zurückgegangen. Am Steg K in der Netzel Marina in Marmaris werden am 17. September von zwei Chartergesellschaften insgesamt drei Schiffe zur Übergabe vorbereitet, es könnten 22 sein, und das zur Hauptsaison! Wir lassen uns nicht entmutigen und genießen neben der Ruhe, die dieses Revier immer schon ausgestrahlt hat, die zusätzliche Beschaulichkeit und einzigartige Gastfreundschaft der Bewohner.

Yachtübernahme und Start

Wegen ungünstiger Ankunftszeiten für Flüge von Frankfurt nach Dalaman (jeweils abends) reisen wir bereits am Vortag an und übernachten in einem zuvor gebuchten Hotel in Marmaris. Nach dem Frühstück laufen wir zunächst zur Netzel Marina und stellen fest, dass "unsere" Bavaria Cruiser 45 AURA wegen des deutlichen Rückgangs der Buchungen bereits fertig ist. Also teilen wir uns in zwei Gruppen: Ein Teil fährt zum Supermarkt Kipa, um unsere Grundnahrungsmittel für zwei Wochen einzukaufen, während die anderen das Gepäck aus dem Hotel holen und das Schiff übernehmen. Das alles geht so schnell, dass wir bereits mittags Gepäck, Lebensmittel und Getränke verstaut haben, sodass wir bereits am 1. Tag bei lauem Wind, Sonnenschein und Hitze unserem ersten Etappenziel Ciftlik entgegenfahren. Gestern noch in Deutschland sitzen wir am Abend entspannt in einer türkischen Bucht und lassen uns diverse Vorspeisen und köstlichen Red Snapper bei Azmak schmecken.

Ciftlik nach Sögüt

Nach einem ersten gemeinsamen Frühstück an Bord legen wir gegen 10 Uhr ab und Motoren bei herrlichem Wetter, aber kaum Wind. Unterbrochen von einem längeren Badestopp legen wir um 16 Uhr am Steg vom Octopus Restaurant in Sögüt an. Wir schwimmen erneut, diesmal in dem herrlichen, sauberen Wasser der Bucht, bevor wir uns am Abend nach diversen Vorspeisen zu sechst einen halben Grouper (3,5 kg) - mit Gemüse im Ofen gegart - teilen.

Sögüt nach Datca

Nach 2 Nächten in ruhigen Buchten steht heute ein turbulentes Städtchen als Ziel an. Als gegen Mittag leichter Wind aufkommt, setzen wir zum ersten Mal auf diesem Törn Segel und siehe da, Rollgenua und Rollgroß funktionieren. Am Nachmittag liegen wir im Stadthafen von Datca vor Anker mit 2 Festmachern am Kai. Bei Ekmek Restaurant Captain's Place nehmen wir unser Abendessen ein mit dem herrlichen Blick vom Balkon im 1. Stock auf die Schiffe vor Anker und die gesamte Bucht. Nach einem Spaziergang entlang der Promenade folgt der obligatorische Absacker an Bord. Nachts wummert die Musik der Disco auf der anderen Straßenseite, obwohl keine Gäste erkennbar sind. Ruhige Buchten sind etwas Feines!

Datca nach Bozburun - Kocabahce

Erstmals kurze Gewitter und leichte Schauer. Heute steht ein kurzer Schlag an. Wir segeln bei leichtem Wind und immer sonnigeren Abschnitten in die Bucht von KocabahceE an den Steg von Sailor's Paradise. Bereits mittags legen wir an und verbringen die Zeit mit Schwimmen und Chillen, nachdem Sonne und Wärme zurückgekehrt sind. Auch der Bereich hinter dem Restaurant ist interessant. Zicklein hinter dem Gemüsefeld und im Ofen Feuer fürs Brot. Hier wird noch alles selbst angebaut und zubereitet.

Kocabahce nach Semiliye

Nach dem Ablegen Motoren wir zunächst in die fjordähnliche Bucht von Bencic im Norden des Hisarönü-Golfs. Die Bucht ist sehr reizvoll, aber Schwimmen kommt nicht in Frage: Sie wird auch Haifischbucht genannt wegen der angeblich schon gesichteten Hundshaie, die aber für Menschen nicht gefährlich sind. 15 Uhr liegen wir in Semiliye am Aurora-Steg, an dem wir bereits am Vortag telefonisch einen Liegeplatz reserviert haben. Abends genießen wir die Hausspezialitäten: Wolfsbarsch in der Kasserolle gegart in Brühe mit Oystersauce sowie Rindfleischspieße mit Mozarella gefüllt. Nach frittiertem Eis mit Feigen und Walnüssen sind wir rundum satt und zufrieden und schlafen nach dem Absacker bestens.

Semiliye nach Disek

Wir verlassen den Aurora-Steg, nachdem man uns das frisch gebackene Fladenbrot als Gastgeschenk an Bord gebracht hat. Heute ist Lustsegeln angesagt. Nachdem wir Koca Adasi an Sb passiert haben, kreuzen wir mehrmals den Golf unter vollen Segeln. Das geräuscharme Vorankommen nur mit Windkraft ist in den letzten Tagen eindeutig zu kurz gekommen. Jetzt zischen wir voller Lust, bevor wir die relativ kurze Strecke bis Dirsek endgültig in Angriff nehmen. Wir machen am Betonsteg des Restaurants an zwei Moorings fest. Elektrizität und Wasser gibt es hier nicht, da die Bucht vom Land her nicht zugänglich ist.

Dirsek nach Orhaniye

Wegen einer Sturmwarnung starten wir verhältnismäßig früh und nutzen die Windabdeckung der Passage zwischen dem Festland und den vorgelagerten Inseln. Deshalb machen wir nur unter Genua bei Windgeschwindigkeiten bis 22 kn aus NW eine einigermaßen ruhige Fahrt. Sicherheitshalber tanken wir wegen Törn-Halbzeit zunächst in der Marti Marina. Unnötigerweise, denn der Verbrauch war recht gering. Die Marina selbst lockt uns keineswegs, denn im letzten Jahr haben wir dort mit schlechtem Service, inkompetentem und unfreundlichem Personal sowie stark überteuerten Preisen nur schlechte Erfahrungen gesammelt. Wir liegen bereits um 11.15 Uhr im Südzipfel der Bucht ruhig und sicher am Steg von Ersoy-Restaurant. Der Sturm kommt nicht, also machen wir ausgiebige Spaziergänge und erkunden die Gegend.

Orhaniye nach Sögüt (2)

Nachdem uns am frühen Morgen 2 Crewmitglieder in Richtung Flughafen Dalaman verlassen müssen, die Ablösung aus privaten Gründen aber nicht kommen kann, machen wir zu viert zunächst Segeltraining. Als auch das "Fender-über-Bord-Manöver" fast perfekt klappt, sind wir sicher, dass wir auch zu viert unsere Aura sicher beherrschen werden. Luxuriös, dass jedes Paar eine Kajüte zum Schlafen und eine für das Gepäck hat! Wir beschließen schon beim Frühstück, erneut den Steg des Oktopus Restaurants in Sögüt anzulaufen. Bei Sonnenschein und einer leichten Brise segeln wir zunächst unter der Genua, ziehen es aber dann vor zu Motoren. Den Nachmittag verbringen wir mit Gammeln, Baden, einem Cappuccino in der Hollywoodschaukel, bevor wir uns den gegrillten Octopus schmecken lassen.

Sögüt nach Palamut

Heute werden wir erstmals in mehr als 20 Jahren Segelpraxis von der Coast Guard kontrolliert, und das auf hoher See. Nach intensiver Kontrolle der Schiffspapiere und unserer Ausweise können wir nach 15 Minuten weiterfahren. Diese Kontrolle ist wohl der politischen Lage geschuldet. Weiter geht es am Nordzipfel der griechischen Insel SIMI vorbei bis zur kurz vor Knidos gelegenen Stadt Palamut. Palamut hat einen fast quadratischen, von mächtigen Mauern umgebenen Hafen, vor dessen Versandung und Untiefen in vielen Büchern gewarnt wird. Wir tasten uns also vorsichtig heran und stellen erfreut fest: Die Einfahrt ist ausgebaggert, landseitig eine neue Kaimauer angelegt mit mehr als ausreichender Wassertiefe, Moorings, Wasser und Stromversorgung. Langer Abendspaziergang entlang der langen Bucht mit anschließendem Essen.

Palamut nach Kocabahce - Bozburun (2)

Beim Frühstück reservieren wir einen Stegplatz in Sailor's Paradise und verlassen den gastlichen Hafen. Immerhin segeln wir 2 Stunden mit 3 bis 4 kn, bevor wir nachmittags die Segel wegen Windmangel wieder einrollen. Nach dem Anlegen in der Bucht von Kocabahce schwimmen wir bei herrlichem Sonnenschein und kristallklarem Wasser einige Runden. Gegen 17 Uhr kommt ein Boot der Coast Guard und unsere Papiere wie die der anderen 10 Yachtcrews am Steg werden erneut kontrolliert. Meine Frage, ob wir jetzt jeden Tag kontrolliert werden, wird mit "Maybe." beantwortet. Ich verabschiede mich daraufhin mit: "See you tomorrow." Hoffentlich nicht, denn man hat irgendwie ein flaues Gefühl bei dieser Sache.

Kocabahce - Bozburun nach Semiliye (2)

Dieser bezaubernde Ort lockt uns ebenso wie der Aurora-Steg mit dem außergewöhnlich gastfreundlichen Ehepaar Suzan und Hüseyin und den hervorragenden Speisen aus deren Küche immer wieder an. Im Städtchen stellen wir fest, dass noch weniger los ist als in der letzten Woche. Viele Liegestühle am Strand sind weggeräumt, in manchen Cafés und Restaurants sind die Stühle auf die Tische gestellt, und das Ende September!

SEMILIYE nach BOZUKKALE

Wir legen vom Aurora-Steg ab und richten an der westlichen Huk unseren Kurs nach S. Jetzt nehmen wir die Segel hoch und zischen mit mehr als 7 kn an Sb Simi und an Bb den Yesilova-Golf unserem Tagesziel entgegen. Kurz vor Karaburun geht es nach O in die Bucht von Bozukkale (auch Bozuk Bükü genannt). Am Ende der Bucht ist der Steg des vielgepriesenen Loryma-Restaurants unser Ziel. Bereits 13.30 Uhr liegen wir mit 2 Moorings am Steg. Es gibt keine Elektrizität, kein Wasser, kein WiFi. Aber die herrliche Lage sowie die freundliche Begrüßung mit Tee und Keksen, die uns an Bord gebracht werden, begeistern uns. Die Qualität der Speisen ist ausgesprochen gut, aber keineswegs so spitze, wie manche Quellen behaupten. Leider sind von den mehr als 20 Stegplätzen in dieser Nacht nur 3 belegt, der Tourismusrückgang schlägt voll durch.

Bozukkale nach Ciftlik (2)

Auf unserem Heimweg nach Marmaris liegt zwangsläufig Ciftlik auf der Strecke. Wir machen gerne dort unseren letzten Stopp, nicht nur, weil diese Bucht in lockerer Entfernung zum Zielhafen liegt, sondern auch wegen der schönen Lage und der tollen Bewirtung am Azmak-Steg und im Restaurant. Nachdem wir die Passage zwischen Kizilada Adana und dem Festland hinter uns haben, setzen wir Segel und zischen bei bis zu 15 kn Wind mit 5 bis 7 kn unserem Ziel entgegen. Wir essen abends zu viert 4 kalte Vorspeisen, 1x gefüllte Pilze, 1x frittierte Tintenfische, 3 Portionen Red Snapper, 1x Lammspieß, 2 Flaschen Rosé, 2 Flaschen Wasser, 2x türkischen Kaffee und eine türkische Süßspeise. Für dieses Festessen zahlen wir 450 TL.

Ciftlik nach Marmaris

Nach dem Frühstück und letztmaligem Schwimmen legen wir gegen 11.30 Uhr ab in Richtung Netzel Marina. Wegen wenig Wind und zudem aus falscher Richtung fahren wir ausschließlich unter Motor. Kurz vor der Netzel Marina melde ich mich über Kanal 6 zurück. "Welcome back!" tönt es aus dem Lautsprecher. In der Marina tanken wir Diesel und lassen die Fäkalientanks leeren. 14 Uhr liegt die Aura an ihrem Hamatsteg K. Das Auschecken ist Formsache. Wir organisieren unsere Taxis für den nächsten Morgen und den Tisch im High-Side Restaurant für das Abschieds-Dinner. Während es hier im letzten Jahr zur gleichen Zeit brechend voll war, ist heute abgesehen von unserem nur ein weiterer Tisch besetzt. Wir erfahren, dass der 30. September in diesem Jahr mangels Gästen der letzte Öffnungstag ist. Wir essen die sehr leckeren und frischen Speisen und genießen zudem den grandiosen Ausblick über den nächtlichen Hafen von Marmaris.

Abschied von Marmaris und Resümee

Am frühen Morgen heißt es Abschied nehmen. Wir waren begeistert von diesem Törn und hatten eine wunderbare, erholsame Zeit. Meist haben wir in in ruhigen Buchten an Stegen als Gäste der dortigen Restaurants gelegen, nur zweimal waren wir in Häfen. Durch die beruhigende Landschaft insbesondere des östlichen Hisarönü-Golfs mit seinen bis ans Wasser reichenden Wäldern und unseren verhältnismäßig kurzen Schlägen (in 2 Wochen gerademal 251 sm) war es ein äußerst erholsamer Urlaub.   Wir wurden ausgesprochen freundlich und vor allem gastfreundlich aufgenommen und haben durchweg die typisch türkische Küche genossen. Bei fast allen Restaurants haben wir erlebt, dass auf der Rückseite Landwirtschaft betrieben wird. Es gab Ziegen, Hühner, Esel und Kühe auf kleinstem Raum. Und morgens weckten uns nicht nur der Muezzin, sondern auch lautstark die Hähne. Bei aller Ruhe und Beschaulichkeit ist aber keineswegs die Segelei zu kurz gekommen. Zu dieser Jahreszeit haben wir oftmals gegen 11 Uhr genügend Wind zum Segeln angetroffen.