Schiffbauer sind optimistisch-Interview mit Bavaria CEO Michael Müller

Schiffbauer sind optimistisch-Interview mit Bavaria CEO Michael Müller

Unser Interview mit dem CEO unserer Nachbarn aus Giebelstadt, die trotz Corona und Co. optimistisch vorwärts und nicht unzufrieden zurückblicken

In guter Nachbarschaft

Wie geht es eigentlich den Werften in Zeiten von Corona und Co.? Gut soweit, so schallt es uns aus dem nur 12 km entfernten Giebelstadt entgegen. Dort muss man es wissen, bei Bavaria Yachtbau. CEO Michael Müller - gebürtiger Rheinländer mit Ankerplatz in Heilbronn – zeigt sich voller ansteckendem Optimismus im Gespräch mit Magister Navis. Warum auch nicht - Corona beschert den Bootsbauern einen Rekordsommer. Ein Gespräch über volle Auftragsbücher, leergefegte Bootsmärkte und deutschen Pessimismus.

Vor knapp einem Jahr haben wir noch die Bavaria C42 bei ihrer Weltpremiere bestaunt, live und persönlich in Düsseldorf, jetzt unterhalten wir uns hier per Videokonferenz obwohl wir uns eigentlich in den letzten Zügen der Boot Vorbereitung befinden und hier in Unterfranken fast Nachbarn sind  - Corona hat nicht nur die Nautikbranche sondern die Weltwirtschaft gehörig durchgeschüttelt – wie ist es Bavaria Yachts ergangen in den letzten 12 Monaten zwischen Lockdown, Covid und Co.?

Gut, wir können uns nicht beklagen. Glücklicherweise läuft die Produktion seit Beginn der Pandemie im März 2020 ungehindert. Wir konnten bisher alle Yachten pünktlich an unsere Händler liefern. Natürlich mussten wir in der Produktion und der Verwaltung alle Prozesse und den Umgang unserer Mitarbeiter untereinander durch weitreichende Hygienekonzepte anpassen. Und die ersten drei Monate war die Auftragslage doch stark ausgedünnt, gerade im ersten Lockdown. Von daher mussten auch wir schweren Herzens Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Aber die größte Herausforderung für uns war und ist die Aufrechterhaltung der teils internationalen Lieferketten. Und ab Juni 2020 ging es aufwärts, auch bei unseren Händlern, wir sind quasi bis über den Sommer 2021 hinaus ausgebucht. Der Bootsmarkt ist fast leergefegt, Dadurch konnten wir auch Kurs halten was die Neuentwicklungen angeht. Und wer jetzt eine Bavaria sucht der muss sich tatsächlich etwas umschauen, denn der Markt ist ziemlich leergefegt. Das bekommen wir als Feedback von unseren Händlern, die das meiste schon verkauft haben.

Wie haben die Kunden reagiert? In Zeiten ohne Reisen und Chartermöglichkeit wächst da der Wunsch nach dem eigenen Boot im Heimatgewässer?

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 ging der Auftragseingang erstmal auf Null runter. Keiner konnte und wollte ein Boot bestellen. Im Juni begann die Zahl der bestellten Boote wieder zu steigen und erreichte im Sommer ein Boom, den wir so in den Sommermonaten noch nie erlebt haben.

Getrieben war der gute Auftragseingang hauptsächlich durch Privateigner, leider zurzeit weniger Charterunternehmen. In Zeiten von Reisebeschränkungen und wenigen erlaubten Kontakten wollen die Menschen natürlich lieber mit ihrem eigenen Boot auf das Wasser. Aber Sie als Charteragentur haben es sicher gemerkt:  Wo im letzten Jahr Reisebeschränkungen gelockert wurden, waren sofort Charterkunden vor Ort, um mit einer Charteryacht der „Corona-Welt“ zu entfliehen. Gerade dann, wenn das Boot mit dem Auto zu erreichen ist, auch nur so gerade noch. Das mögen für den einen 200, für den anderen 2000 km sein, auf jeden Fall haben wir da einen Trend erkennen können. Im Übrigen auch bei den Crewgrößen, die etwas kleiner wurden. Keine großen Gruppen auf jeden Fall.

Darf ich Sie persönlich fragen: was nervt Sie am meisten an der Situation, und was haben Sie bisher als Erkenntnis mitgenommen aus dieser Pandemie?

Ach, unserer Branche geht es doch gut im Vergleich zu vielen anderen Industrien und trotzdem fehlt mir bei Vielen die Freude. Gemeckert wird mir viel zu viel, typisch deutsch, ein paar Prozent weniger, ständiger Pessimismus und jetzt sind es halt die Yachten, die wir aufgrund der hohen Nachfrage nicht schnell genug liefern können. Das geht mir wirklich auf den Keks. Leute, das ist unsere Zeit und wir rocken das schon. So eine Situation wie jetzt, die kommt nie wieder. Manchmal muss man das auch als Chance sehen, Gewohntes hinterfragen, manches neu sortieren.

Blicken wir nach vorne: 2018 die Bavaria C45, 2020 die Bavaria C42, jetzt die Bavaria C38. Kompakt ist King?

Alle C`s haben Ihre Liebhaber und Absatzmarkt und durch die eben angesprochenen neuen Trends wird der Markt 35 bis 40ft noch wichtiger und lukrativer. Mit der Bavaria C38 haben wir da eine Yacht, die mit allen Mitbewerben mithalten kann. Sie ist agil, eigenständig, modern und hat ein super Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist die neue Bavaria, auch für den Eigner mit hohen Ansprüchen.

Obwohl man sagen muss, Segelyachten von Bavaria Yachts haben schon immer viel Platz zum fairen Preis geboten, und das bei guten Segeleigenschaften, einer sehr soliden Qualität und durchaus handhabbarem Unterhalt. Ein Grund warum ein Großteil der Charteryachten auf der Welt eine Bavaria sind. Diese DNA haben wir in der C-Line konsequent fortgeführt. Kompakt ist King passt daher vielleicht nicht ganz. Alle Modelle der C-Line  - von der 57 bis zur 38- zeichnen sich durch hochwertige Materialien, elegante Linien und exzellente Segeleigenschaften aus. Sie können auch mit einer kleinen Crew gesegelt werden. Der Tag mit ihnen auf See macht einfach Spaß. Genauso wie dann unter Deck: alle Modelle bieten viel Raum und ein Maximum an Komfort.

Worauf wurde beim jüngsten Sproß der Reihe besonders wert gelegt?

Wir wollten auch hier einen Familien - Cruiser bauen mit dem man entsprechend Segelspass hat, und ich denke, das ist uns gut gelungen. Bavaria steht für gute Qualität und Funktionalität zu einem guten Preis. Freude und Spaß beim Segeln mit der gewohnten Sicherheit an Bord. Alleine die Umsetzung ist hier entscheidend: Durch die Chines im Heck und unseren Bavaria V-Bug mit viel Volumen im Vorschiff, konnten wir die Achterkabinen weiter achtern und die Kabine im Vorschiff weiter zum Bug platzieren, ohne dabei auf Komfort und Raumangebot verzichten zu müssen. Im Gegenteil, die Kojen sind auf der C38 größer als bei den meisten Wettbewerbern. Aber durch diesen Trick haben wir vor allem einen riesigen Salon geschaffen. Mit viel Licht und viel Platz.

Wie passt die Bavaria C38 denn in die Produktpalette?

Die C38 segelt in einem hart umkämpften Segment. Segelboote um die 11 Meter passen genauso gut auf die Ostsee wie ins Mittelmeer. Das ist gerade für unsere Privatkunden das entscheidende Kriterium. Die Bavaria C38 ist daher das wichtigste Boot der C-Serie und darf den Kunden nicht enttäuschen. Auf ihr baut die Grundlage für unser Image für die ganze C-Linie auf.

Im Motorbootbereich wurde jetzt ein neuer Daycruiser vorgestellt – wo geht hier der Trend hin?

Die Sportboote der Marke Bavaria Yachts werden auch weiterhin unser Fokus sein, aber vor allem der Außenbordermarkt wächst weltweit. Hier muss sich Bavaria für die Zukunft neu aufstellen, will man ein Globalplayer sein. Bis dahin ist noch ein langer Weg für uns und wir müssen diese Märkte auch verstehen.

An Land ist der Antrieb bei der Mobilität momentan das meistdiskutierte Thema: Strom, Wasserstoff, Benzin, Diesel – spielen solche nachhaltigeren Antriebsalternativen eine Rolle bei Ihnen? Auf die Serienfahrtenyacht mit E-Antrieb oder Hybrid scheint man tatsächlich noch zu warten…

Ja so scheint es. Aber hier steht ja vor allem eines im Vordergrund – die Speicher-und Ladekapazität! Und hier gibt noch keine „proven Technology“. Die Speichermodule sind das Problem und hier muss noch viel passieren. Auch bei Segelyachten: selbst wenn bei Seglern der Antrieb meist der Wind ist, ist der Motor nicht nur für Hafenmanöver an Bord. Wer schon mal sechs Stunden bei Sturm mit dem Motor gegen Wellen und Wind angefahren ist, weil es navigatorisch gar nicht anders ging, der möchte auf diese Sicherheit nicht verzichten. Die bisherigen alternativen Antriebe haben weder die Kraft noch die Ausdauer für so einen Törn. Und wie gesagt, solange hier keine erprobten und alltagstauglichen Lösungen vorliegen, werden wir weiter auf Bewährtes setzen. Das erwarten unsere Bavaria-Kunden von uns und das sind wir Ihnen auch schuldig.

Überhaupt das Thema Nachhaltigkeit – ein Faktor auch beim Kunden bzw. der Werft?

Natürlich kann sich auch eine Werft nicht dem Faktor Nachhaltigkeit entziehen. In der Produktion also in der Werft ist das Tagesgeschäft. Ob es Energie, Werkstoffe, Harze oder Verarbeitung ist, alles steht permanent auf dem Prüfstand. Wir stellen unsere Rümpfe und Decks noch in Giebelstadt her und wie es allgemein bekannt ist. Und gerade in Bayern sind die Auflagen des Umweltamts nicht zu verachten.

Worauf achtet der Kunde beim Kauf einer Bavaria?

Die Marke BAVARIA YACHTS steht für gute Qualität, Verlässlichkeit, Funktionalität, Langlebigkeit, Service zu einem guten Preis.  Oder einfach gesagt: Viel gutes Boot für sein Geld.

Wohin geht er denn aus Ihrer Sicht, der Trend auf dem Wasser? Die Branche wächst ja laut Prognose  grundsätzlich die nächsten Jahre. Noch mehr Assistenzsysteme? Autonomes Fahren/Anlegen? All dies sind ja die Themen an Land.

Meine Hoffnung ist, dass all diese technischen Möglichkeiten uns helfen das Leben auf dem Wasser sicherer und einfacher zu machen, ohne in den Vordergrund zu treten. Man will sicheren Segel- und Fahrspaß haben und nicht erst ein Handbuch lesen. Am besten, man bemerkt so eine Assistenztechnik gar nicht erst wenn sie im Hintergrund arbeitet. Auch die Regeln auf dem Wasser sind und sollten so angelegt bleiben, und vor allem nicht zu komplex werden. Das autonome Fahren macht an Land glaube ich mehr Sinn -  zum Glück ist auf dem Wasser immer noch genug Platz für alle.

Immer mehr Segler entscheiden sich für einen komfortablen Katamaran- ein Segment, in dem Sie sich mit Nautitech seit 2014 engagieren. Spüren Sie den Trend ebenfalls?

Natürlich gibt es auch Liebhaber von Katamaranen. Wir sehen Kats als Bereicherung für den Markt an, aber unsere C-Linie und Cruiser brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Es ist halt immer eine Frage: was will ich eigentlich und wie viel bin ich bereit dafür zu bezahlen. Klar ist so ein Kat in Flachwasserrevieren zum Beispiel etwas Feines.

Und zu guter Letzt: wo sehen Sie für Bavaria Yachts das größte Entwicklungspotenzial in den kommenden Jahren?

Wir werden sehr bald unsere Position in Europa und im Charter Markt stabilisiert haben. Mittelfristig müssen wir uns der Herausforderung Amerika und asiatischer Märkte stellen. Das sehen wir als Marke noch ein gewaltiges Potential, das es zu aktivieren gilt.

Vielen Dank für das Gespräch!