Kreativität, Bavaria, die Heuschrecke und der Lohn der guten Idee

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Montag, 17. September 2007
von Rena M. Schmidt
Bavaria 50 Cruiser - mit dem neuen Investor wird das Schiff gewiss nicht schlechter, wahrscheinlich sogar besser vertrieben
Dass Kreativität etwas ist, was sich lohnt, wird uns immer wieder erzählt. Wer viel auf dem Wasser unterwegs ist, weiß das natürlich auch: das schöne Wort von der Seemannschaft etwa, also das Leben auf eigenem Kiel, bei dem Spaß und Sicherheit einander bedingen, anstatt im Widerspruch zueinander zu stehen, ist ein ganz brauchbares Beispiel für die Sinnfälligkeit von Kreativität. Stellen wir uns einmal vor, der Motor Ihrer Yacht fällt aus und sie liegen bei starkem Nordost in der Flensburger Förde. Nun haben Sie die Wahl: Gegenan kreuzen oder einen Hafentag einlegen. Wer magenschwächere Mitsegler an Bord hat, wird sicher den Hafentag in den Bars von Flensburg und den Spaziergang unter der ?Burg?, der Offizierschule der Deutschen Marine, dem Kampf gegen die Elemente vorziehen. Mit Kindern ist das allemal die bessere Entscheidung. Andererseits bin ich auch selbst schon, natürlich nur mit geschulter Crew, als Skipperin auf einer 13,50-Meter-Yacht aus dem Hafen von Palma de Mallorca trotz starken auflandigen Windes ohne Motor herausgekreuzt. Es ging, wenngleich mancher der Stegsegler entlang der angrenzenden Liegeplätze mit angstgeweiteten Augen die gesamte an Bord verbliebene Crew der Ankerwache mit Fendern bewaffnet an die Reling geschickt hat, um eventuelle Havarien abzufendern. Spaß hat das allemal gemacht ? und bei guter Vorbereitung war auch die Sicherheit eines solchen Manövers zu keiner Sekunde außer acht gelassen. Ich weiß übrigens noch genau, dass ich das letzte Mal so ein Manöver auf einer Bavaria gemacht habe, die Crew bestand aus chartererfahrenen Schornsteinfegern aus Gelsenkirchen. Dieser Tage haben genau diese Feger bei mir angerufen und besorgt gefragt, ob sie demnächst nicht lieber auf eine französische Yacht umsteigen sollten. Grund ihrer Sorge: Bavaria ist verkauft worden. Tatsächlich hat die Meldung in allen großen Zeitungen gestanden und nicht nur meine Gelsenkirchener Freunde in Aufruhr versetzt: Deutschlands größter Segelboot-Hersteller Bavaria Yachtbau gehört künftig dem US-Finanzinvestor Bain Capital, meldete etwa Reuter und schrieb: ?Für die Übernahme des fränkischen Traditionsunternehmens legte die Gesellschaft Finanzkreisen zufolge mehr als eine Milliarde Euro auf den Tisch. Bain kündigte an, das internationale Händlernetz von Bavaria Yacht auszubauen und Märkte im Ausland zu erschließen.? Nun kenne ich das Management um den bisherigen Vize-Chef Rudolf Müller und Vertriebschef Mike Reuer persönlich und vermute, dass die geplante Vergrößerung der strategisch-personell-logistischen Plattform um den langjährigen Geschäftsführer und Firmengründer Winfried Herrmann keine nachteiligen Auswirkungen auf die Produktqualität haben wird. Zwar kündigte Herrmann an, sich nach dem Abschluss der Übernahme zum 1. August aus dem aktiven Management zurückziehen und in den Beirat von Bavaria Yacht wechseln, trotzdem wird auch der neue, amerikanische Eigentümer nicht gerade die Qualitätsnormen, also das, was Bavaria groß gemacht hat, pulverisieren. Das Unternehmen aus Giebelstadt bei Würzburg schuf immerhin allein im Geschäftsjahr 2005/06 (zum 31. Juli) mit 620 Frauen und Männern gut 3500 Schiffe. Deren Umsatz hat die Käufer genauso befriedigt wie die Eigentümer des deutschen Branchenprimus, der damit 271 Millionen Euro umgesetzt hat. Beides, der Erfolg der Oberfrankischen Boots-?Schmiede?, die 1978 aus einer Kunststofffenster-Fabrik hervorgegangen ist, und auch der Einstieg der US-?Heuschrecke?, zeugen von der Erfolgsstory, die der Kreativität geschuldet ist: Immerhin die Marktreife weiterer 4000 Schiffe wird ihnen in diesem Jahr zugetraut. Mit Bain Capital hat Bavaria Yacht nun übrigens einen Eigentümer mit viel Erfahrung im Sport- und Freizeitmarkt. Unter anderem beteiligte sich die Private-Equity-Gesellschaft an dem Anbieter von Outdoor-Ausrüstung Jack Wolfskin und an Bombardier Recreational Products, einem der weltweit größten Hersteller von Jetskis und Sportbooten. Ich finde, das zeigt wieder einmal, dass man im Ausland viel zuversichtlicher auf den deutschen Wassersportmarkt und sein Potential schaut. In Deutschland hätte den Bavarianern sowohl diese Kombination als auch diesen Wachstumssprung kaum jemand zugetraut. Ich jedenfalls freue mich darüber, dass dieses Kreativitätsmanko hierzulande ausgeglichen wird durch die Innovations- und Konzeptfreudigkeit der Amerikaner, die immerhin vor Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland die größte Segelnation der Welt sind. Viel Spaß also weiterhin bei Ihren Törns auf Yachten der Unterfranken wünscht von Herzen Ihre Rena M. Schmidt

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