Kleider machen Schiffe? Zum Design Wettbewerb für den America's Cup und das United Internet Team Germany

Kleider machen Schiffe? Zum Design Wettbewerb für den America's Cup und das United Internet Team Germany

Montag, 16. Oktober 2006
von Jenny May
Am Strand vor Valencia Schiffe schauen? Sicher. Aber das richtige Kleidchen müssen sie schon tragen. Wie Sie.
Man sagt das ja so über Leute, dass erst die Kleider sie machen. Eigentlich mag ich mich nicht dieser Überzeugung hingeben. Am Strand vor Valencia ist das anders. Charakter ist alles. Und Schiffe? Die, die in den Medien auftauchen brauchen auf jeden Fall das richtige Outfit. Das ist dann wiederum wie mit den Menschen. Und das braucht bzw. wird dieser Tage für den ersten deutschen America?s Cupper gesucht. Denn Deutschland nimmt zum ersten mal am 156 Jahre alten America?s Cup teil. Endlich. Da ist es keine schlechte Idee, für die noch farbenleere deutsche Hightech-Lady ein schönes Kleid auszusuchen. Das sollen nun explizit nicht ausschließlich so genannte Agenturprofis besorgen. Denn deren CD?s und CI?s und wie das da so heißt und abgekürzt daher kommt wirkt allzuoft wie mit den Agenturweisheitslöffeln gegessen. Also ist das ganze deutsche Volk zum Mitmachen aufgerufen. Ein offener Design-Wettbewerb für Deutschlands Boot zum 32. America?s Cup (Einsendeschluß ist der 31. Oktober) ist hiermit ausgeschrieben. Gut gedacht bei all dem Hartgeldgeschäft, das dahinter steckt. Die ?Germany I?, im April in Kiel von Eva Louise Köhler (Gattin des Bundespräsidenten) getaufter Hoffnungsträgerin verlangt nach Farbe. Die Logo-Präsenz der Sponsoren bleibt logisch, der Rest darf frei entworfen werden und das (man staunt beim Internetsponsoren) auch mit Stift und Papier. Folglich wird nicht nur gemailt, sondern auch mal wieder Post verschickt. Die Gestaltungssoftware steht allerdings wiederum nur zum Download im Internet zu Verfügung. (www.united-internet-team-germany.de) Deutschland Cupper ist noch weiß. Lediglich Logos prangen darauf. Neben diesen soll das Design des Schiffes Image nun Prestige, Ehre und Klasse haben. Viele Voraussetzungen für einen gelungenen Entwurf. Fantasie und Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Illustrationen, grafische Darstellungen, sogar fotografische Darstellungen sind genehm für die 26-Meter Yacht und nicht zu vergessen ihr 215 Quadratmeter Tuch! Was Nationalität auf den elf weiteren Rennziegen für den 32. America?s Cup ausmachen kann, zeigen andere Teams. Die Chinesen zum Beispiel: Deren Cupper scheint ganz im Zeichen des Drachen, überdies ist er feuerrot. Oder der Cupper vom südafrikanischen Team ?Shosholoza?: Segel und Rumpf sind bunt, farbig und froh ist auch die international besetzte Crew aus Südafrika. Unsereins ist sehr gespannt, wie in der im April beginnenden Cup-Saison die GER 89 des United Internet Team Germany ihre neue Farbenlehre vor Valencia (Spanien) vorführen wird. Am Strand liegen kann sich also doch lohnen, ein schönes Kleid auch, eines, das auffällt, während man sich der Sonne hingibt. Auf Begleitschiffen den ersten America?s Cup vor Europas Küsten verfolgen lohnt sich damit wohl erst recht. Und der Preis? Nun, der Sieger des Design-Wettbewerbs gewinnt eine Fahrt als 18. Mann auf dem deutschen Cupper, samt Reise nach Spanien. Wir hoffen schon jetzt auf die richtige Jury-Entscheidung. Der 18. Mann darf natürlich auch eine Frau sein und ist die Person, die die Ehre hat nicht am Stand zu liegen, sondern den Gladiatoren zur See während eines Rennens über die Schultern zu schauen. Ich wünsche mir, dass Sie es schaffen. Herzlichst, Ihre Jenny May