Das Paradies liegt vor der Haustür

Das Paradies liegt vor der Haustür

Mittwoch, 28. Juni 2006
von Ralf Küpper
Mecklenburgische Seenplatte
Seit Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, versuchen wir die Nachkommen, dieses wieder zu finden. Meist sind die Suchenden allerdings unschlüssig, wie das ?Paradies? auszusehen hat. Wir schauen deshalb weit in die Ferne, ohne zu ahnen, dass unser Ziel direkt vor unseren Füssen liegen könnte. Eingepfercht in Busse, Bahnen und Flugzeuge bereisen wir den Globus. Darum sind das Mittelmeer, die Karibik oder die Südsee manchen von uns vertrauter als die heimischen Gewässer. Wer auf Schiffen lebt und damit unterwegs ist, wird es gewohnt sein, zwischen den Welten zu leben. Doch wer aufbricht, um das Paradies in der Ferne zu suchen, wird es vielleicht nicht finden. Und durch dieses herumirren in der Welt, verlieren wir nur Zeit und den Blick für das Nahe liegende. Wer unterwegs ist, gewinnt eine Vielzahl neuer Eindrücke. Der Reisende trifft ihm unbekannte Menschen und ist beeindruckt vom jagenden Raubvogel am herrlich blauen Himmel. Des einen Tages liegt er mit seinem Schiff vor Anker und genießt die Natur, ein anders Mal ist es der idyllische, aber belebte Hafen. Es gibt einsame Nächte und gesellige Abende, aufregende Manöver und sanftes ?Cruisen? von Ort zu Ort. Welche Wohltat, wenn der Segler im stetigen Wechsel der Gefühle, sein Schiff als etwas Beständiges empfinden kann. Es ist dieser Ruhepunkt, der wahre Hafen. Das Paradies liegt daher nicht immer hinter dem fernen Horizont, auf dem fremden Kontinent. Es liegt direkt vor uns, auf der heimischen Seenplatte, mit ihren grünen Wäldern und blauen Wassern. ?Halte aber das Paradies nicht für einen körperlichen Ort. Diesen Garten betritt man mit dem Herzen?, war sich schon Bernhard von Clairvaux sicher. Willkommen im Paradies.