Alkohol am Ruder

Alkohol am Ruder

Freitag, 28. Oktober 2005
von Klaus Bartels
Auf der Flucht vor durstigen Kapitänen In der Seefahrt wird kräftig gebechert. Seeluft macht eben durstig. Der Gesetzgeber hat bereits im vergangenen Jahr auf zuviel Alkohol am Ruder reagiert und den Blutalkohol von 0,8 auf 0,5 Prozent reduziert. Ob Freizeitskipper oder Berufsseemann: Wer mit mehr als 0,5 Prozent am Ruder erwischt wird, dem drohen drastische Strafen mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Also lieber gar keins - oder ein Bier weniger als mehr trinken und den großen Durst erst am sicheren Liegeplatz ?bekämpfen?. Es ist unverantwortlich, wenn sich Sportbootkapitäne nach einem Gelage an die Pinne stellen und sich sowie ihre Crew und andere sgefährden. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Alkohol bereits ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille die Risikobereitschaft erhöht und die Konzentration beeinträchtigt. Alkoholisierte Personen nehmen mögliche Gefahren weniger wahr oder unterschätzen sie. Dies kann im Wasser fatal sein: Übermut, Leichtsinn und Selbstüberschätzung gehören zu den häufigsten Ursachen von Wassersportunfällen. Laut einer Studie aus den USA gehen Personen, die mit 0,5 Promille Boot fahren, im Vergleich zu Nüchternen ein viermal höheres Risiko ein, tödlich zu verunglücken. Bei 1,0 Promille ist das Risiko sogar zehnmal höher. Noch gravierender ist jedoch die Gefahrenlage, wenn Steuerleute auf Frachtschiffen mit Promille am Ruder stehen. Sie gefährden nicht nur sich, sondern in Anbetracht der Größe ihrer Schiffe auch die Umwelt und uns Wassersportler. Logisch: Bei einer Kollision mit einem Frachter ziehen wir mit unseren kleinen Booten immer den Kürzeren. Anscheinend sehen immer mehr Kapitäne tief ins Glas, wenn sie über das Meer und auf den Binnenwasserstraßen fahren. In den Statistiken der Seeämter nehmen die Zahlen von Alkoholmissbrauch am Ruder erschreckend zu. Dabei werden nur die durch Kontrollen und nach Unfällen nachgewiesenen Trunkenheitsfälle bekannt. Experten gehen davon aus, dass es erheblich mehr Fälle von Alkohol am Ruder gegeben hat und gibt. Sie vermuten, dass der Griff zur Flasche häufig ein Resultat der sozialen Vereinsamung an Bord ist. Wie zum Beispiel jüngst auf dem 80 Meter langen Frachter "Siegfried Lehmann", dessen Kapitän nach Schlangenlinienkursen vor Cuxhaven am 19. Juli von der Polizei festgesetzt wurde. Er hatte auf seiner Irrfahrt über die Elbe auch eine leichte Kollision mit einer Fahrwassertonne. Der Frachter konnte von der Wasserschutzpolizei gestoppt werden, bevor Schlimmeres passiert war. Die Elbe ist zu dieser Jahreszeit ein Dorado für Segler und Motorbootfahrer. Was sollen Wassersportler tun, wenn ihnen ein Frachter oder ein Tanker in unorthodoxer Fahrweise begegnet? Aus Sicherheitsgründen bleibt nur die Flucht. Fahren Sie möglichst einen großen Bogen um das Schiff und beharren Sie keineswegs auf ihr Vorfahrtsrecht, und wenn Sie ganz sicher sind, dass etwas auf dem Schiff nicht stimmen kann, rufen Sie per Funk oder Handy die Wasserschutzpolizei. Das klingt zwar nach Denunzierung, kann aber - gelinde gesagt - Schlimmeres verhindern.