30 Jahre Master Yachting - ein kurzer Törn durch die Zeit

30 Jahre Master Yachting - ein kurzer Törn durch die Zeit

Vision und Wandel - 30 Jahre Master Yachting

Von Telefonen und Faxgeräten zur Buchung in Echtzeit: seit drei Jahrzehnten legt Master Yachting die Messlatte am deutschen Chartermarkt hoch. Welche Rolle Jaques Chirac, Nuklearwaffentests und die unbedingte Nähe zum Kunden dabei spielen, wohin Technik und Marktdurchdringung hier noch führen können und wie sich der Zeitenwandel auf eine eigentlich immer noch erschreckend konservative Branche auswirkt – ein kleiner Törn durch 30 Jahre.

Auszug unserem neuen Magazin "MAGISTER NAVIS"

Es begab sich zu der Zeit…

Wir schreiben das Jahr 1990. Kingston Town von UB 40 und Phil Colins mit Another Day in Paradise sind die internationalen Hits des Jahres, Deutschland wird Fussballweltmeister in Rom und nach dem Mauerfall wird Deutschland wiedervereinigt. Und es beginnt eine ganz andere Geschichte – eine Geschichte, an deren Ende eine lange Reihe von Marktinnovationen und Entwicklungen stehen wird. Eine Erfolgsgeschichte, die tatsächlich noch lange nicht zu Ende ist. Und die mit Leidenschaft für Segeln, das Meer, Reisen und Yachten zu tun hat. Und am Anfang steht eben jenes Faxgerät – auf dem Wohnzimmertisch. Die Yachtcharterbranche -gerade im deutschsprachigen Raum – ist überschaubar. Ein kleine, mehr oder weniger feine Nische. Seglerisch tut sich aber einiges:1990 trägt sich die Crew der Maiden beim Whitbread Round the World Race in die Geschichtsbücher ein. Die erste reine Frauencrew, die mehrere Etappen gewinnt. Unterwegs auf den Meeren und Charteryachten: Abenteurer, Nordseekapitäne, echte Segler mit mehr oder weniger harter Ausbildung. Navigation ohne Plotter im Cockpit. Die ersten GPS-Geräte für Segler kommen auf, der Kurs wird bisher ausschließlich auf den Seekarten per Hand bestimmt, Zirkel und Bleistift. Bugstrahlruder auf Charteryachten?  - ein Fremdwort. Und genau hier beginnt die Reise.

Der „explosive“ Durchbruch

Wie so oft braucht es allerdings einen Geburtshelfer. Ein Ereignis, das die Weichen stellt, den Kurs festlegt. Den Startschuss. Und hier kommt ein französischer Präsident ins Spiel – und seine weltpolitischen Ambitionen. Als Jaques Chirac in Tradition seiner Vorgänger die Atombombentest auf dem Mururoa Atoll 1995 fortsetzen ließ, bildet sich eine Flotte, die dagegen protestiert. Umweltschutzaktivisten aus der ganzen Welt, Einheimische und Fahrtensegler versammeln sich in der Nähe des unbewohnten, ca. 300km² Atolls im Südpazifik. Die Augen der Welt sind auf diesen Ort gerichtet – auch in Deutschland. Und vor allem – dank Master Yachting. Eine Nachrichtenagentur stellt eine Anfrage nach einer Yacht, um von Mururoa aus berichten zu können. Die „Friday Star“, eine 42 m lange CMN Yacht, wird Teil der Flotte im Südpazifik – mit Berichterstattern, Journalisten und Medienvertretern an Bord. Gebucht über jene Agentur aus Bayern. Ein erster toller Erfolg, und der Name erscheint mit Wucht auf den Landkarten der Charterwelt. Hier von Würzburg aus und mindestens 600 km von jeder Küste entfernt. Und doch Teil eines solchen Ereignisses. Am Ende will sogar der Regierungschef von Samoa über Unterfranken chartern

Innovation und Effizienz – die unendliche Geschichte

Von nun an geht es dank unerbittlicher Arbeit und schier unerschöpflichem Engagement steil bergauf. Und schnell kristallisiert sich heraus, was mit den Jahren der Kern des Erfolgs war, ist und bleibt: die unfassbar intensive Kundenbindung. „Von uns erhält jeder Kunde seinen Törn als individuelles Geschenkpäckchen mit einer roten Schleife“ wird Firmengründerin Andrea Barbera 2006 in einem Interview mit der „Welt“ zitiert. Wachstum von bis zu 30 Prozent jährlich – in jenen Jahren keine Seltenheit. Innerhalb von 15 Jahren wird Master Yachting zum Primus auf dem deutschsprachigen Markt. Der gilt zwar als lukrativ, aber heterogen. Kaum international tätige Akteure, viele einheimische Agenturen mischen mit. Das Erfolgsrezept? „Immer eine Spur schneller, eine Spur besser und eine Spur disziplinierter arbeiten als die Wettbewerber“ verrät Andrea in eben jenem Interview.

Ausruhen auf Lorbeeren? Nicht bei Master Yachting. In einer immer noch erschreckend analogen Branche begreift man das frühe Internet als Chance. Schnell wird klar, dass sich hier nicht nur marketingtechnisch ungeahnte Möglichkeiten offenbaren. Von dem was noch kommt – von der Buchung in Echtzeit beispielsweise – ist man noch ein ganzes Stück entfernt. Am persönlichen Berater, am Menschen kommt keiner bei der Buchung vorbei – aber im Hintergrund kommt schon damals eigens entwickelte Software zum Einsatz, die es ermöglicht, deutlich effizienter zu arbeiten als die Konkurrenz. Software, die die Einbindung der vielen unterschiedlichen B2B Plattformen reibungslos ermöglicht. Jene Effizienz, die es ermöglicht, den Mitbewerbern die entsprechenden Schritte voraus zu seien.

Vorne ist verdammt weit weg…

Die eigene Meßlatte wird so immer höher gelegt – und Master Yachting ein Motor für Innovation. Ob die Warnung der Kunden bei Schlechtwetterereignissen per SMS, die hauseigene Kundenbindung durch ein Prämiensystem: Ideenreichtum ist genug vorhanden. Und mit dem Wachstum verändern sich auch die Standorte. Von Würzburg über Eibelstadt bis schließlich nach Sommerhausen. Stetes Wachstum erfordert eine Anpassung der Räumlichkeiten. Und: es weckt Begehrlichkeiten.2008, zwei Jahre nach dem oben zitierten Interview, ist es soweit: die Gründer und Inhaber verkaufen an die TUI.

„TUI Marine übernimmt Master-Yachting Führende deutsche Charteragentur jetzt in fremder Hand / Name und Management sollen aber bleiben“ titelt die „Yacht“ im Dezember jenen Jahres. Ein Angebot, dass die Firmengründerin nicht ablehnen konnte. Trotzdem bleibt es auf dem kleinteiligen deutschen Markt bei einer Konstanten: die Geschäftsführung bleibt gleich für die nächsten Jahre

Andererseits eröffnen sich auch für Master Yachting tolle Möglichkeiten: Egal ob das Sponsoring und die Durchführung von Prominenten- Regatten im TV oder der mittlerweile legendäre Stand auf der boot in Düsseldorf, der schon zum Urlaub einlädt weit bevor man abgeflogen ist. Der Zenith scheint erreicht: unangefochten steht man im deutschsprachigen Markt an der Spitze.

Die nautische Welt im Wandel - und nicht nur die

Längst hat sich - dank der stetig mehr werdenden Technologie – das Yachtcharterbusiness verändert. Und wie: GPS und elektronische Navigationshilfen erleichtern den Einstieg brutal, Bugstrahlruder, Joysticksteuerung und segeltechnische Innovationen senken die Hürden. Von der Nische für eine kleine exklusive Gruppe abenteuerlustiger Seebären zum immer massentauglicheren Marktprodukt für (fast) Jedermann – eine Entwicklung, die unaufhaltsam ihren Lauf nimmt. Ein leicht zugängliches Produkt erfordert auch eine dem größeren Markt angepasste Webtechnologie. Google-tauglich und den modernen Erfordernissen standhaltend. Ähnlich wie der bei Master Yachting anstehende Generationswechsel. Die Firma ist mittlerweile Teil der Travelopia Gruppe, in der TUI seinen Marinesektor zusammengefasst und an einen Fonds verkauft hat. Zeit für neue Innovationen und Impulse von außen.

Webtechnologie im Gepäck und damit wieder Innovationstreiber – MY als Teil der Sailogy Group

Im Juli 2018 tritt mit der seit 2012 existierenden Sailogy Group ein neuer Akteur auf den Plan – mit ähnlich visionären Zielen und Herangehensweisen. Das erklärte Ziel: Yachtcharter für jedermann zugänglich zu machen und die immer noch sehr konservative Branche weiter in die Digitalisierung zu treiben. Mit genug Kapital im Rücken kommt es zur Übernahme aus dem Portfolio von KKR/Travelopia. Ein idealer Zeitpunkt für das dynamische Schweizer – italienische Unternehmen, dass die sich langsam auftuende technologische Lücke schließen kann und möchte: den deutschsprachigen Branchenriesen mit der entsprechenden Echtzeitbuchungsmöglichkeit zu versehen, und gleichzeitig auf dem schwierigen deutschen Markt von jener Kundenbindung zu profitieren, die jahrzehntelang in Bayern zum Credo gemacht wurde. Ein dringend benötigter externer Impuls.

Vision vs. Kontinuität oder „Best of both Worlds“

“Wir haben jetzt die Möglichkeit etwas Großes zu schaffen, indem wir technologischen Vorsprung mit Tradition und einer starken Marke verbinden“, wendet sich Sailogy CEO Manlio Accardo im Sommer 2018 an die italienischen und deutschen Mitarbeiter. Wieder innovativer Wegbereiter und Speerspitze: das Portfolio an Yachten verdoppelt sich nahezu in den nächsten Jahren, Echtzeitbuchungen ermöglichen dem Kunden das flexibelste Chartererlebnis, dass möglich ist. Und als großes Plus steht ihm hierbei immer noch die Expertise und die persönliche Beratung durch das Master Yachting Team zur Verfügung – gewohnt kompetent und direkt ansprechbar. Denn mit dem permanenten Wachstum der Wassersport- und Segelbranche, der möglichen Reiseziele und Yachttypen, der Anbieter und Eigner sieht sich Master Yachting nach wie vor als Leuchtturm, als Navigationshilfe in diesen manchmal nur schwer schiffbaren Gewässern.

Quo vadis Charterwelt – quo vadis Master Yachting?

Mitten in ein schier unaufhaltbares Wachstum bricht Anfang des Jahres eine Pandemie herein: mit Coronaviren und COVID-19 wird ein ganzer Sektor vollkommen auf den Kopf gestellt, ja fast zum Erliegen gebracht. Und kaum verfügt Master Yachting wieder über eine Grundlage für neue Innovationen, ist diese Fähigkeit direkt gefordert: in unsicheren Zeiten, in denen Reiserestriktionen, die permanente Bedrohung durch das Virus und eine irrwitzige Unberechenbarkeit die Durchführung einer Charter schwierig machen, schnürt Master Yachting mit der Sailogy Group nach einer Umfrage unter Kunden mit dem Safe Sailing Programm als eine der ersten Agenturen am Markt ein den Bedürfnissen angepasstes Paket.

Visionen und Wirklichkeit – die Charterbranche in der Zukunft

Vision und Innovation werden auch in den kommenden Jahren gefragt sein – und auch hier hat sich Master Yachting vorgenommen zu liefern. So wie es seit den 90ern Tradition ist. Denn eine so stolze Geschichte verpflichtet nicht erst seit gestern.

Aber wie wird sie aussehen, die Charterwelt der Zukunft? Welche Trends werden in der Zukunft das Gesicht der Branche wandeln? Wie sehen die nächsten 30 Jahre aus?  An erster Stelle steht eines: der Komfort. Aus den Beobachtungen der letzten Jahre merkt man beispielsweise den Trend zum Katamaran. Und zwar nicht unbedingt nur unter Segel: stellen Sie sich einen vollelektrischen Powercat vor. Da bleibt auch das Minus auf dem Nachhaltigkeitskonto auf der Strecke. Go fast, go green. Einsteigerfreundlich und luxuriös wird sie, die Zukunft. Vorbei die Zeiten, als man sich zusammengepfercht hat unter Deck, zwei T-Shirts und ein Polohemd für die ganze Woche reichen. Heizung, Generator, Watermaker und Klimaanlage werden zum Goldstandard. Vorbei mit dem Verzicht auf Privatsphäre - das war einmal Sparta! Sogar dem Seegang weiß man mittlerweile etwas entgegenzusetzen – Hilfsmittel wie Seakeeper sagen Schaukeln und Seekrankheit den Kampf an! Das zivilisatorische Abenteuer Segeltörn wird sich nach wie vor wiederfinden, aber eher im kleinen Segment. Im Mittelmeer, der Karibik und den Fernzielen wird die Charterbranche eher mit Luxushotels und Ressorts konkurrieren. Sieht man sich die Programme der Werften an, und die Modellreihen, wie zum Beispiel die rein für Charter ausgelegte Sun Loft von Jeanneau, kann man schon erahnen wo die Reise hinführt. Nicht mehr lange, und große Hotelketten werden Charterunternehmen in ihr Portfolio übernehmen – um Ihren Gästen auch diese Art der luxuriösen Unterbringung anbieten zu können.

Ein anderer Faktor ist die Zeit. Oder vielmehr Zeiträume. Das Virus hat auch den letzten analogen Trutzburgen die Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens aufgezeigt. Auf Wiedersehen Wochenbindung, oder ganz ketzerisch gefragt: wird sich das Konzept Wochenende überhaupt halten können? Digitales Arbeitsnomadentum, einen ganzen Monat einfach Leben auf der Yacht, Arbeit dann wenn sie notwendig ist, egal von wo auf der Welt – willkommen 2020er!

Und nicht zu guter Letzt war es noch nie einfacher als heute zu segeln – noch nie war die Barriere so niedrig! Elektronische Hilfsmittel für fast jede Fragestellung. Oder stellen Sie sich eine Crew vor, die vom Skipper persönlich unterwiesen wird. Training on holiday!

Nochmal zum Stichwort Virus: Da Sicherheit eine enorme Rolle beim Buchen spielen wird - angesichts der Corona Pandemie – wurden eine Menge Pakete geschnürt, die unseren Kunden bestmögliche Flexibilität und Absicherung bieten. Von der Corona – Reiserücktrittsversicherung in Zusammenarbeit mit der Allianz bis zur Buchung mit „Geld-zurück-Garantie“. Denn neben harter, kontinuierlicher Arbeit an uns selbst ist es jener Schritt weiter, jener Gedanken voraus der Master Yachting seit jeher auszeichnet. Der Spirit den wir atmen, unsere DNA. Wir schauen nicht bange in die Zukunft  - wir freuen uns darauf!

2020 hat gezeigt, dass vieles nicht vorhersehbar ist. Was vorhersehbar ist? Eines auf jeden Fall: das Master Yachting Teil all dieser Entwicklungen sein wird und zwar ganz vorne - an der Spitze. Das sind wir uns und vor allem unseren Freunden und Kunden schuldig – seit nunmehr 30 Jahren!

Noch viele tolle weitere Geschichten rund um das Segeln, die See und Segelyachten sowie eine Menge Kulinarisches finden Sie in unserem neuen Magazin " Magister Navis"