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Rundum Lesvos (Lesbos) GR

6 Juni, 2014
von Gerhard Gramm
Türkischen Küste, Türkei
Oceanis 40

Der Revierbericht in der Yachtausgabe 25/26 2013 weckte mein Interesse: "Vom Orient zum Okzident" ... das klang ja vielversprechend und interessant, auch die Kollegen (sprich Mitsegler) waren sofort begeistert. Nachdem wir einen passenden Flug gefunden hatten, und auch noch zwei Segelyachten frei waren, haben wir sofort gebucht.
Endlich war es dann soweit: die 2,5 Stunden Flug mit Lufthansa von München nach Izmir verliefen ruhig und ohne Zwischenfälle, allerdings hatten wir einen Spätflug, sodass wir vorsorglich auch noch ein Hotel in Flughafennähe gebucht hatten. Der bestellte Shuttlebus holte uns dann gegen 9:30 beim Hotel ab, und bei Sonnenschein und bester Laune ging es die 150 Km von Izmir nach Ayvalik (Richtung Norden). Mittags erreichten wir dann die Charterbasis in Ayvalik/Cunda, - diese hatte uns schon eine halbe Stunde vorher per SMS mitgeteilt, dass wir sofort mit dem Check-in beginnen könnten, sobald wir da waren, - das waren ja schon mal gute Nachrichten!

Tag 1 - Check-in, Überfahrt nach Lesbos Mytilini

Tag 1 am 24 Mai, 2014

Der Check-in war unkompliziert, gut vorbereitet und uns wurde alles genauestens erklärt, die Zollformalitäten besorgte der Vercharterer, wir bunkerten einige Lebensmittel und gegen 15 Uhr waren wir dann bereit zum Ablegen. Einer Fahrtrinne folgend waren wir nach knapp 20 Minuten auf dem offenen Meer, bei angenehmen 12 kn Wind setzten wir die Segel und fuhren Richtung Süden zu der ca. 15 sm entfernten Hauptstadt Lesbos "Mytilini", auf Halbweg setzten wir an Steuerboard die griechische Gastlandflagge. Am dem Zollpier, erwartete uns der von der Agentur beauftragte Agent, welcher uns sämtliche Formalitäten erledigte. Nach ca. 30 Minuten war auch das Einklarieren erledigt, und wir verlegten uns in die neue Marina Setur, da es im Stadthafen sehr laut, und eher schmutzig war. Eine gute Wahl, wie sich später noch beim Ausgehen herausstellte!
Das Abendessen genossen wir in einem von Einheimischen besuchten Restaurant, und nachdem wir uns wirklich mehr als satt gegessen hatten, und auch der Ouzo noch in Strömen geflossen war, staunten wir nicht schlecht: 210 Euro für uns 9 Personen, - das war ja wirklich günstig!

Start ins Abenteuer...

Tag 2 am 25 Mai, 2014

Der Sonntag begann ein wenig verkatert, aber bei herrlichem Sonnenschein. Nach dem Frühstück waren wir uns gleich einig, dass unser Törn sofort beginnen sollte. Leider gab es null Wind, das Meer war spiegelglatt, doch das sollte unserer guten Laune nichts anhaben, fahren wir halt mit Dieselkraft! So tuckerten wir gemütlich mit 5 kn Richtung Norden, wir hatten beschlossen die Insel gegen den Uhrzeiger zu umrunden, so wie es auch im Törnbericht der Yachtausgabe beschrieben war. Ausser einem Frachter in großer Entfernung begegnete uns kein weiteres Boot, am frühen Nachmittag beschlossen wir bei einem kleinen vorgelagerten "Inselchen" (Aspoviso - lt. Navi) einen Badestop einzulegen, bis dahin hatten wir ca 20 sm zurückgelegt. Das Wasser war herrlich, die kleine Bucht war verlockend schön, und deshalb einigten wir uns, die Nacht über hier vor Anker zu verbringen. Die Nacht blieb ruhig, und ausser einem weissen Ziegenbock auf der Insel nebenan, waren wir wohl die Einzigen weit und breit.

Tag 3 - Hafen in Sicht ;-)

Tag 3 am 26 Mai, 2014

Der Kopfsprung eines "Frühaufstehers" ins Meer war der Wecker schlechthin. Ein Erfrischungsbad im glasklarem Wasser, ein leckeres Frühstück und Lust auf "mehr"... das beflügelte uns baldigst den Anker zu lichten, und weiterzufahren; - leider musste wieder der Diesel herhalten, und gemütlich tuckerten wir weiter in nördliche Richtung. Einige Delfine begleiteten uns ein Stück, und da wir wirklich keinen Stress hatten,
suchten wir uns eine Bucht, um dort Mittag zu essen. Der Zufall (???) wollte es, dass es genau dort ein nettes Strandlokal gab... Abermals wurden wir kulinarisch verwöhnt, der Ouzo rundete die Mittagspause ab.
Als wir die Bucht verliessen, kam bald eine leichte Brise auf, welche sich bald auf 15 kn und mehr steigerte, - die Segel waren sofort gesetzt und wir genossen das rauschende und spritzende Wasser. Der Wind kam natürlich genau von Vorne, sodass wir öfters kreuzen mussten, ein paarmal kamen wir dabei der türkischen Seegrenze wieder recht nahe, drehten aber immer zeitig wieder ab. Irgendwann wurde dann die Zeit doch knapp, wir wollten ja noch "Molivos" erreichen. Wir bargen wir die Segel und fuhren nun direkten Kurs auf unser Tagesziel. Der kleine Hafen war aber bereits voll, und so ankerten wir südlich vom Hafen in der großen Bucht. Mit dem Beiboot fuhren wir an die nahe Küste, von dort führte direkt eine Straße ins Dorf, wo wir dann gemütlich zu Abend aßen. Heimwärts fanden wir dann noch eine ultra-kultige Strandbar, natürlich wurde es wieder später als gewollt... ;-)

Molivos - Sigri

Tag 4 am 27 Mai, 2014

Heute folgten wir genau der im Heft beschriebenen Route: von Molivos nach Sigri, also auf direktem Wege ca. 20 sm ... Es gab kaum Wind, - die Wettervorhersage hatte schon wieder recht, als Trost wurden uns blauer Himmel und strahlender Sonnenschein beschert. Irgendwann auf halber Strecke sichteten wir Thunfische, welche einen Schwarm kleiner Fische jagten, eine willkommene Abwechslung. Für die Mittagspause hatten wir uns wieder eine gemütliche Bucht herausgesucht: Gavatha - ein Dorf, wo anscheinend alle gerade bei der Siesta waren, es war halt kein Mensch auszumachen - auf einer erhöhten Landzunge stand ein alter, verrosteter Panzer, welcher sein Kanonenrohr bedrohend Richtung Meer gerichtet hatte, aber ob diese noch funktionieren würde, bezweifelten wir wohl alle! ;-)
Bald nahmen wir den letzten Teil der Tagesetappe in Angriff, und setzten die Fahrt nach Sigri fort. Wir umrundeten das Kap und fuhren nun wieder südliche Richtung, nach einer knappen Stunde kam die große Bucht um Sigri in Sicht. Wir ankerten nördlich der Ortschaft, da der Hafen wohl etwas klein für unsere beiden Segelyachten war. In der Nähe der Ortschaft gibt es den in vielen Reiseführern beschriebenen versteinerten Wald, - ein Ausflug dahin brachte aber eher Ernüchterung, denn Begeisterung! Viel war da wirklich nicht zu sehen ;-( Auch mit der Auswahl eines Restaurants taten wir uns nicht schwer, - gab es dort ja nur zwei. Gemütlich ließen wir den Abend ausklingen und bereiteten uns auf die wohl etwas längere Etappe von gut 40 sm nach Plomarion, die Hauptstadt des Ouzo's - so steht es im Reiseführer !!! - Nein, dass war nicht der Grund dieses Etappenzieles, vielmehr mussten wir wieder einmal Wasser bunkern, und einige Einkäufe tätigen. Plomarion besaß den einzigen Hafen auf der Ägäis-Seite der Insel...

Sigri - Plomarion

Tag 5 am 28 Mai, 2014

Schon in der Nacht kam Wind auf, und irgendwann am frühen Morgen pfiff dieser anständig durch das Rigg.
Endlich konnte richtig gesegelt werden, und somit setzten wir gleich nach dem "Ankerauf" die Segel und konnten das erste Mal fast die ganze Etappe unter Segel befahren, und da diese recht lang war, beschlossen wir diesmal keine Mittagspause in einer Bucht einzulegen, sondern unter Fahrt zu essen. Nach knapp 7 Stunden war die Stadt dann in Sichtweite und wir bereiteten uns auf das Anker-Anlegemanöver im Hafen vor. Nachdem wir die Segel geborgen hatten, und alles Vorbereitungen zum Anlegen getroffen hatten, bemerkten wir dass bereits einige andere Segelyachten vor uns den Hafen erreicht hatten, allerdings waren die Skipper noch recht unschlüssig wo sie anlegen sollten, der Hafen war zu dieser Zeit noch leer. Wir beschlossen vor dem Hafen abzuwarten, bis die "Holländer" (es waren 5 Segelyachten unter holländischer Flagge) angelegt hatten, was allerdings recht lang dauerte. Im Hafen herumzukurven und warten, hätte bei den 20 kn Wind wohl etwas gefährlich sein können; unser Manöver gelang recht gut, und bald lagen wir gut vertäut vor Anker an der Pier. Bei der Hafenpolizei erledigten wir die Formalitäten, - es gibt allerhand mitzuführende Formulare, aber der Beamte war sehr freundlich und hilfsbereit, und mit 4.26 Euro an Hafengebühren konnten wir auch gut leben;-) - im Preis inbegriffen: Strom und Wasser.
Der Wind legte sich dann irgendwann, aber es sollte doch eine eher unruhige Nacht werden, gab es doch relativ viel Schwell im Hafen ...

Plomarion - Mytlini

Tag 6 am 29 Mai, 2014

Tag 6 würde unsere Umrundung von Lesbos beenden, allerdings sollte es lt. Wetterbericht gegen Abend zu Gewittern, und später sogar Sturm kommen. Das bewog uns, bald einmal abzulegen und weiter östlichen Kurs zu fahren. Wieder musste Kollege Diesel für das Weiterkommen sorgen, wir wollten aber unbedingt noch einen Abstecher in die kleinere der beiden großen, markanten Einbuchtungen von Lesbos machen. Eine etwas "kompliziert" klingende, aber dann doch relativ einfache Ansteuerung (aufpassen sollte man aber auf jeden Fall) brachte uns dann in die Einfahrt zum "Fjord", namens "Kolpos Geras". Nach ca. 2 - 3 Meilen öffnet sich dann die große Bucht und in zahlreichen kleineren Einbuchtungen kann man dann wunderbar ankern und schwimmen. Gegen 15 Uhr lichteten wir den Anker, und beschlossen ruck-zuck die Endetappe bis nach Mytilini anzugehen, da in der Ferne schon bedrohlich dunkle Wolken auszumachen waren, auch hatte der Wind nun ordentlich zugelegt. Bald waren wir wieder auf offener See und mit gutem Wind von achtern konnten wir das letzte Stück wunderbar segeln. Immer öfter trafen uns harte Böjen, diese konnten wir aber auf der überhaupt nicht ruppigen See sehr gut ausmachen und dementsprechend reagieren. Mit 6 - 8 kn ging es Richtung Hauptstadt, und die Fahrt verging wahrlich wie "im Fluge"... Kurz vor der Hafeneinfahrt bargen wir die Segel und machten uns anlegebereit für die Marina Setur, wo wir uns bereits per Funk angemeldet hatten. Wir konnten dort seitlich am Schwimmsteg festmachen, weshalb das Anlegemanöver wirklich auch bei böigem Wind kein Problem war. Das Anlegebier genossen wir aber trotzdem, auch im Wissen die Insel vollständig umrundet zu haben.
Nach einer warmen Dusche und einer Rasur, wollen wir noch die letzte Nacht auf Lesbos gebührend ausklingen lassen, das Restaurant stand schon fest - wir waren schon am ersten Abend dort gewesen ;-)
Obwohl es öfters einmal ein wenig regnete blieb das große angekündigte Gewitter dann doch aus. Für die große "Lesbos-Abschiedsparty" waren dann wir aber doch zu müde, und es dauerte nicht lange, dass wir allesamt in unseren Kojen lagen und schliefen. Der Wind blies die ganze Nacht... Gewitter gab es auch nicht ...

Mytlilini (GR) - Ayvalik/Cunda (TR)

Tag 7 am 30 Mai, 2014

Da es am Morgen dann doch regnete, und erste Wetterbesserung erst für den frühen Nachmittag vorausgesagt wurde, beschlossen wir den letzten Tag stressfrei anzugehen, und erst einmal die Stadt zu besichtigen und einige Einkäufe zu tätigen. Die Altstadt ist wirklich interessant und sehenswert, Moderne trifft auf Antike, und an bestimmten Orten kann man sich gut vorstellen, wie das Leben damals wohl gewesen sein mag. Leider ist es in den Straße aber auch recht dreckig, und alles sieht ein bisschen vernachlässigt aus, aber daran stört sich wohl niemand großartig. Irgendwann zu Mittag ließ der Regen nach, der Wind war nicht mehr ganz so heftig und so beschlossen wir die Rückfahrt nach Ayvalik anzugehen. Wir verholten uns von der Marina wieder an den Zollpier um uns abzumelden - das erledigte wieder unser Agent Dimitri; für seine Dienste und Erledigungen bezahlten wir anschließend 210 Euro, dies beinhaltete die gesamten Zollformalitäten, die vorbereiteten und ausgefüllten Formulare für eventuelle andere Häfen, sowie den Marina-Aufenthalt (wir mussten dort nie bezahlen, das hat immer der Agent erledigt) - also ein "rundum-sorglos-Paket" ... der Preis dafür ist und war OK.
Der Wind kam direkt aus dem Süden, und wir konnten bequem unter Segel Richtung Norden segeln, die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug dabei an die 6 kn... also gleich schnell wie mit dem Dieselkollegen!
Nach knapp 3 Stunden erreichten wir wieder die Einfahrt nach Ayvalik/Cunda. Das Anlegen war recht easy, in der Türkei gibt es wieder Moorings, die waren wir eh von Kroatien gewohnt ....
Der Check-out war schnell erledigt, und aus einem "noch was schnell Essen gehen" wurde eine etwas doch längere Nacht ;-) Nach dem wirklich super leckeren Abendessen wollten wir noch schnell die umliegenden Gassen erkunden, - sozusagen ein Verdauungsspaziergang, - doch gleich fanden wir ein einladendes Weinlokal, und schon nach Mitternacht, führte uns der Heimweg an einem weiteren Lokal vorbei, bzw. hinein, - der Rest ist Geschichte!

Rückflug...

Tag 8 am 31 Mai, 2014

Wiederum etwas verkatert beginnt der Samstag, demzufolge dauert das Frühstück heute viel länger als im Normalfall...
Aber der Shuttlebus kommt ja erst gegen 12 Uhr Mittag, deshalb haben wir keinen Stress.. irgendwie fühlen wir uns heute wie die "Null-Bock-Generation" .
Der freundliche Busfahrer unseres Neunsitzers hat nun nur noch die Aufgabe neun ziemlich zerstörte Männer mitsamt Gepäck in seinen Minibus zu laden, diese nach Izmir zu bringen, und dann am Flughafen ihrem Schicksal zu überlassen.
Um es kurz zu machen: - wir sind dann doch alle heil nach Hause gekommen, geblieben sind tolle Erinnerungen: herrliches Wetter, einsame Buchten und Strände, freundliche Menschen - sei es in der Türkei, als auch auf Lesbos... und ein noch nicht überlaufenes Segelrevier, wo man selten auf andere Yachten trifft.
An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön und Lob an den Vercharterer "Thea Sailing" in Cunda (TR), - wir wurden freundlichst begrüßt, die Abwicklung der Papiere und des Check-in / Check-out war unkompliziert und bestens vorbereitet... also volle 10 Punkte dafür!