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Ostertörn im Saronischen Golf

10 Juni, 2015
von Michael Gerhold
Ägäis, Griechenland
Oceanis 50*

In Deutschland überschlagen sich die Nachrichten über die griechische Finanzkrise. In Griechenland empfangen uns ausgesprochen nette und sehr bemühte Menschen, die jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Ein tolles Segelrevier, wunderschöne Landschaften und Städtchen, viel Geschichte und ... viel Wind, wie es dem Segler gefällt.

STUTTGART – ATHEN – LAVRION

Tag 1 am 4 April, 2015

Nach einem reibungslosen Flug von Stuttgart nach Athen besteigen wir das über Masteryachting bestellte Großraum-Taxi und fahren circa 40 min zur Basis im Stadthafen von Lavrion. Wir sind zu acht, eine Mitseglerin mußte leider kurzfristig absagen. Die eine Hälfte der Crew geht im My-Market einkaufen (kostenfreier Transport ans Schiff!!), die andere Hälfte regelt die Übernahme unserer Oceanis 50* mit Namen Isabella.
Wir sind die erste Crew nach der Winterpause. Obwohl die Navigationsgeräte über den Winter ausgebaut, gecheckt und wieder einbaut wurden, haben wir einige Überraschungen mit den Anzeigen des Plotters und der Logge, wie später ausgeführt. Es ist sinnvoll, sich im April von der netten Hafencrew eine zweite Decke für die frischen Nächte zu holen!
Wir laufen wenige hundert Meter ins Zentrum des kleinen Städtchens und werden sofort von eifrigen Kellnern zum Besuch ihres Restaurants aufgefordert. In der Nähe des Fischmarktes essen wir preisgünstig zu Abend.

LAVRION- HYDRA

Tag 2 am 5 April, 2015

Da für die nächsten Tage Südwinde angesagt sind, entscheiden wir uns gegen die Kykladen und für einen Trip in den saronischen Golf. Mit 5- 6 Bft konnten wir am Wind bei mäßiger Welle die ersten Mägen testen und die 40 sm in 8 Stunden zurücklegen.
Naja, diese Messungen haben wir unseren eigenen Navigeräten zu verdanken. Nach der Winterpause scheint die Logge der Isabella noch „warmzulaufen“, mehr als 3-4 Kn zeigt sie nie. Dafür zeigt uns der Kartenplotter in Spitze atemberaubende 330 Kn (nein, hier fehlt kein Komma – in Worten dreihundertdreißig), wir fliegen direkt auf die afrikanische Küste zu, falls wir nicht vorher an einer Kykladeninsel hängenbleiben. Das GPS-Signal wird auch nicht an das Funkgerät übertragen. Später versichert uns die Charterbasis-Chefin glaubhaft, daß die Instrumente ausgebaut und bei der Wartung waren, was wir auch selbst bei andern Schiffen der Flotte beobachten konnten.
Trotzdem erreichen wir unser Ziel problemlos. Wir legen vor eigenem Anker am Stadtkai an und werden dort von einigen geduldig wartenden Eseln begrüßt. Die Insel ist (bis auf Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr) autofrei und die Langohren sind bis heute gängiges Transportmittel in dem steilen, treppenreichen Bergort. Unsere Hafengebühren entrichten wir nach einigem Suchen auf dem örtlichen Hafen-Polizei-Revier in der sagenhaften Höhe von 2,99€!
Wie meist in Griechenland gibt es keinerlei Infrastruktur wie Toiletten- oder Duschanlagen, auch keinen Strom. Wasser soll es geben, aber teuer, da alles Wasser mit Tankschiffen zur Insel gebracht werden muß.
Das Abendessen nehmen wir in einer der frisch gestrichenen weiß-blauen Tavernen in zweiter Reihe ein – es blühen auch schon vereinzelt duftende Glyzinien!
Der Wetterbericht sagt für später in der Woche N-Sturm an, deshalb lassen wir die Option nach Navplion im Argolischen Golf zu segeln fallen und entschließen uns einen Tag früher den Heimathafen anzulaufen. Angesagte bis zu 10 Bft sind einfach kein Spaß.

HYDRA – POROS

Tag 3 am 6 April, 2015

Nach einem Rundgang durch die malerischen Gässchen von Hydra mit vielen, vielen Kätzchen und sprießenden Frühlingsblühern in sämtlichen Mauer- Ritzen legen wir am späten Vormittag ab. Leider fängt unser Anker die mächtige Ankerkette eines Stahl-Arbeitsschiffes und der Wind drückt uns längsseits. Gut gefendert und dank schneller aber wohlüberlegter Manöver kommen wir mit einem kleineren Schaden am Bugbeschlag unseres Ankers davon. Dann aber Segel auf und gemütlich fahren wir unsere 15 sm nach Poros. Die südlichen Winde lassen einen bequemen Kurs vor dem Wind zu und wir erreichen nur mit dem Vorsegel unser Ziel in drei Stunden. Durch schmales Fahrwasser gleiten wir an der Stadtkulisse im Abendlicht vorbei und legen längsseits am Schwimmsteg mit Blick auf die Stadt an. Hier finden wir ein Hotel an der Promenade, wo wir eine warme, zeitlich nicht limitierte Dusche genießen. Das sollte in dieser Woche ein einmaliges Erlebnis bleiben! Unsern Anleger trinken wir bei Dimitri, der eigens für uns Stühle und Tische entstaubt in seiner Bar, die er eigentlich erst einige Tage später öffnen will. Wir werden also seine ersten Gäste in dieser Saison. Er interessiert sich sehr für unsere Wünsche an Aperitifs und notiert sich die Namen genau, um für spätere Gäste gewappnet zu sein. Nach diesem freundlichen Empfang lässt er es sich nicht nehmen, uns auch in sein wenige Meter entfernt gelegenes Restaurants zum Abendessen einzuladen, was wir gerne annehmen.

POROS – PALAIA EPIDAVROS

Tag 4 am 7 April, 2015

Wir entscheiden uns für einen zeitigen Aufbruch für unsere nächste Etappe, weil wir am Nachmittag dem antiken Epidavros noch einen Besuch abstatten wollen. Aiolos ist uns an diesem Tag nicht so recht gesonnen; wir kreuzen bei 4 Bft Nordwind östlich an Methana auf und können dann Epidavros direkt mit Westkurs anliegen. Nach 5 Stunden und 32 sm legen wir längs an der Pier an. Auch hier ist - noch früh im Jahr – sehr wenig los. Wir sind bislang der einzige Gastlieger.
Mit zwei Taxen fahren wir durch blühende Orangenhaine und Obststände an den Straßen zum einzigartig gut erhaltenden antiken Amphitheater in Epidavros. Auf dem Rückweg erstehen wir eine Riesentüte mit duftenden Orangen, Grapefruits und Mandarinen für weniger als den Gegenwert eines Kaffees. Die Orangen sind fruchtig, süß und unglaublich aromatisch!
Taxifahren in Griechenland ist durchaus erschwinglich. Wir haben für die Fahrten inklusive Wartezeiten gerade mal 25 € pro Taxi bezahlt!
Am Abend haben wir lecker an Bord gekocht und gegessen. Die Nacht war eher unruhig wegen Schwapp unterm Heck... die Bewohner der Achterkajüten waren am Morgen im Salon zu finden... oder sehr früh in der Bar am Hafen zum ersten Kaffee!!

PALAIA EPIDAVROS – AIGINA

Tag 5 am 8 April, 2015

Wegen Systemwechsel und nicht funktionierender neuer Systeme blieb uns die Hafengebühr erspart. Bei auflandigem Wind legen wir durch Eindampfen in die Vorspring ab. Wir haben einen ordentlichen Wind mit 5 Bft zunehmend auf 7 (in Böen 8) und fahren hart am Wind die 23 sm nach Aigina in den Stadthafen, wo wir wieder vor eigenem Anker am Stadtpier anlegen. Diesmal hält der Anker erst beim zweiten Mal. Vor dem Abendessen spazieren wir durch das schöne Städtchen, gönnen uns einen heißen griechischen Kaffee zum Aufwärmen und halten Ausschau nach Souvenirs.
Wir kochen noch einmal an Bord und machen einen Abendspaziergang zu einem kleinen beleuchteten Kapellchen auf der Hafenmole. Auf dem Rückweg decken wir uns mit Pistazien ein, der Spezialität der Insel. Diese Nacht ist zum Glück deutlich ruhiger als die vorige trotz der Tragflächen-Fähre.

AIGINA – LAVRION

Tag 6 am 9 April, 2015

Der angekündigte Sturm hat uns erreicht. Wir liegen genau in der Düse zwischen einem Hoch zwischen Nord-Griechenland und einem Tief (985 mbar) über der Türkei.
Trotz steigendem Barometer ist die Ansage 7-8 Bft zunehmend, in Böen bis 100km/h, weshalb wir zeitig ablegen. Wir entscheiden uns nördlich um Aigina zu fahren, um achterlichen Wind und Landabdeckung zu bekommen. Tatsächlich kämpfen wir uns dann durch den 6-7 Bft Wind, das Queren des Verkehrstrennungsgebietes zwingt uns zwischendurch auf ungemütlichen Kurs und ab dem Kap Sounion bläst uns ein beständiger 7-Bft-Wind mit Böen bis 9 entgegen. Mit Motorunterstützung kämpfen wir uns bis Lavrion hoch. Nach 7,5 Stunden und 45 sm legen wir am Pier bei Master-Yachting an. Ein Abendessen, wieder nahe beim Fischmarkt, haben wir uns redlich verdient.

Hafentag - LAVRION / ATHEN / KAP SOUNION

Tag 7 am 10 April, 2015

Der angesagte Sturm bescherte uns dann eine extrem laute Nacht mit schlagenden Fallen und pfeifendem Getöse. Am Morgen erklimmen wir den kleinen Hügel am verlassenen Betonwerk südlich des Hafens, um uns bei einem Blick auf die Gischt, die weißen Schaumkronen und das fliegende Wasser in unserer Entscheidung bestätigt zu sehen. Wir sind froh nicht draußen zu sein. Ein Teil der Crew faulenzt in Lavrion und spaziert durch das unaufgeregte Städtchen, es ist orthodoxer Karfreitag und außer Kirchgängern wenig Leben auf der Straße. Der andere Teil der Crew fährt mit dem Bus nach Athen und besucht die Akropolis. Eine Taxifahrt entlang der südlichen Attikaküste im Abendlicht bringt sie zum Tempel am Kap Sounion, wo die andern schon auf sie warten. Leider wird aus dem Sonnenuntergang am Tempel dann ein Sonnenuntergang hinterm dem Tempel, weil wegen des Feiertages früher geschlossen wurde.
Faulenzen, Fahrt nach Athen, Akropolis unter blauem Himmel, Küstenfahrt mit Taxi im Abendlicht. Zurück in Lavrion bekommen wir dann endlich unsere vorbestellte Moussaka, die wir eine Woche lang vergeblich in den Restaurants kosten wollten.

LAVRION- STUTTGART

Tag 8 am 11 April, 2015

Nach ausgiebigem Frühstück an Bord, lassen wir unser Gepäck noch an der Charterbasis und spazieren zur Aqua-Bar. Wir freuen uns zum Abschluß doch noch in der wärmenden Sonne draußen sitzen zu können. Wieder mit einem über den Vercharterer organisiertes Shuttle fahren wir am frühen Nachmittag zum Flughafen nach Athen und kommen nach einem ereignislosen Flug glücklich zu Hause an.
Das hat Lust auf ein neues Erlebnis gemacht!