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Mit dem Katamaran, Kindern und Tauchen in der Karibik - Guadeloupe / Antigua

13 Mai, 2015
von Rainer Herzog
Windward Islands, Karibik
Lipari 41

Erst mal Baden

Tag 1 am 28 März, 2015

Dieses Jahr hatten wir ein besonders Segelprojekt geplant. Wir wollten in der Karibik segeln, mit Kinder (3 + 11 Jahre) und wieder einmal direkt vom Boot aus Tauchen gehen. Aus Platz- und Sicherheitsgründen lag die Entscheidung für einen Katamaran nahe und das Layout sprach für die Lipari 41.
Nach der Bootsübernahme und der ersten Nacht in der Marina ging es dann gleich bei Sonnenaufgang los. Vor dem Frühstück wollten wir unbedingt Baden. Nach einer Stunde erreichten wir ein kleines Riff, Anker gesetzt und ab ins kristallklare Wasser. 26℃, herrlich!
Da der Wind gut war entschieden wir uns bis auf die andere Seite der Insel durch zu fahren, knapp 40nm bis Deshaies an der Nordwestspitze von Guadeloupe. Eine schöne und sichere Bucht, ein kleines Örtchen mit hübschen Häusern und allen Versorgungsmöglichkeiten. Hier erlebten wir den ersten spektakulären Sonnenuntergang.

Fakten
Guadeloupe bietet an sich schon ein schönes Segelrevier. Versorgung und Infrastruktur ist sehr gut. Anreise etwas schwierig, alle Flüge gehen von Paris Orly (ORY), die meisten Flüge von D nach Paris gehen aber nach CDG, so ist ein Bustransfer nötig. Dauert eine gute Stunde und kostet 21,-€. Dafür sind die Preise gut, 2/3 billiger als Antigua.
Jedes Café und Resturant hat freies WLAN und wenn man nahe am Strand ankert reicht es oft bis an Bord.
Wetter haben wir über Handy und Windfinder geholt. Stimmte ziemlich gut, nur die Windstärke ist in Wirklichkeit höher, immer 5kn dazurechnen! Gleiches höhrten wir über Windguru. Wir hatten durchweg 15-20kn, Böen 25kn, immer aus Ost. Aus den Bergen weht der Wind durch die Täler als Düse, 30kn und Flaute wechseln sich hier stetig ab.

Angekommen

Tag 2 am 29 März, 2015

Endlich da. Wieder schwimmen, frische Croissants und ein Tag zum faulenzen. Wir erkunden die Bucht, Schnorcheln und bummeln durch den Ort. So langsam kommen wir auf Islandtime. Alles ist sehr bedächtig, die kleinen Cafés gemütlich und so lassen wir unseren ersten ruhigen Tag so dahinplätschern.

Ein Tag extra

Tag 3 am 30 März, 2015

Nach dem ersten Bad und dem Frühstück hatten schon viele Segler die Bucht verlassen. Wir wollten das Boot umsetzen. Etwas näher an den Strand, da wir hier in Deshaies die Tauchflaschen an Bord nehmen wollten. Dabei stellte sich heraus, dass die Ruderanlage einen Schaden hatte und vor Weiterfahrt repariert werden musste. Der Service von Dreamyacht Charter hat gut funktioniert, am Abend war alles wieder gut. Das war für uns nicht ganz so schlimm, konnten wir doch die Tauchausrüstung testen und die ersten Tauchgänge machen. Außerdem war da ja noch dieses kleine Café mit den frischen Baquettes und den leckeren Törtchen... An Abend klarierten wir aus und bereiteten alles vor für die Überfahrt am nächsten Tag, nach Antigua.

Antigua, wir kommen!

Tag 4 am 31 März, 2015

Heute ging es auf die große Reise nach Antigua, etwa 40nm. Es ging früh los, wollten wir doch rechtzeitig da sein um noch einklarieren zu können. Das ist da alles sehr streng, hörten wir. Der Wind war immer noch beständig aus O-NO, bis 20kn und eine gemeine Welle. Aber das Wetter war gut, die Regenfelder machten einen Bogen um uns und wir kamen gut voran. Leider mussten wir den Motor mitlaufen lassen. Wir waren leicht am Wind unterwegs, in der Welle stampfte sich die Lipari fest und die Abdrift war beträchtlich. Wir ließen die Angel mitlaufen und hatten auch Glück, etwas zumindest. Ein prächtige Goldmakrele blitze in der Sonne, doch kurz bevor wir sie an Bord hatten ging sie vom Haken. Aber gesehen hatten wir sie, Ehrenwort! Die Kinder hatten sich schnell an das Auf und Ab des Bootes gewöhnt, besser als mancher Erwachsene. Egal wie der Seegang, sie schauten unterdeck stundenlang Videos auf dem Tablet oder liesen. Unglaublich.
Einklarieren ging problemlos. Sehr nette Zöllner, die gerne helfen. Man sollte unbedingt vorher alle Daten online in das System Eseaclear (www.eseaclear.com) eingeben, dann liegen alle Daten schon vor. Sonst muss man es vor Ort machen. Es gibt nur zwei Computer und oft lange Schlangen. Wir waren, obwohl knapp 20 Formulare unterschrieben und gestempelt werden mussten, in einer halben Stunde wieder draußen.

Fakten
Die Lipari ist keine Rennziege. Ehrlich gesagt waren wir von den Segeleigenschaften etwas enttäuscht. Kreuzen ist bekanntlich nicht die Kompetenz eines Katamarans, aber man fährt die meiste Zeit ohnehin Halbwind. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Steuerung. Die Ruderblätter erschienen uns etwas unterdimensioniert und man musste stark einschlagen, bevor sie reagierte. Sie liegen außerdem vor der Schraube und enge Manöver im Hafen müssen mit den Motoren unterstützt werden. Das Setzten des Großsegels war kompliziert, da es erst eingehakt werden musste. Dafür brauchte man 2 Personen. Der Komfort jedoch war super, die Solarpanels leistungsfähig.

Tauchen Tauchen Tauchen

Tag 5 am 1 April, 2015

Heute schippern wir entlang der Südküste rechtsherum, machen zwei Tauchstopps und Badepausen. Abends laufen wir mit dem letzten Licht in die Bucht vor Jolly Harbour ein. Hellblaues Wasser, auch ohne Sonne. Das verspricht für den nächsten Tag ein spektakuläres Bild.
Tauchen strengt an und so lassen wir uns zum Dinner in einem der vielen Strandlokale nieder. Die Cocktail wirken schnell und der Weg mit dem Dinghi ist nicht weit. Zum Glück keine Alkoholkontrollen.

Baden und Einkaufen

Tag 6 am 2 April, 2015

Wir lassen es ruhig angehen. Planschen im türkiesen Wasser und eine Expedition geht einkaufen. Hier gibt es alles, aber zu gesalzenen Preisen. Hätten wir doch nur in Guadeloupe mehr gebunkert. Die Bucht ist wirklich traumhaft und so fließt der Tag dahin. Lesen im Netz zwischen den Rümpfen liegend, Island time.

Robinson, wir kommen

Tag 7 am 3 April, 2015

Heute steht die Überfahrt nach Barbuda an, ist es doch unser Hauptziel auf dieser Reise. Die Bilder auf Google Earth waren einfach zu verlockend. Da ist Nichts! Nur blaues Wasser, endloser Strand und Palmen. Also nichts wie hin. Allerdings stellt sich uns die Frage, woher weiß das Wetter immer genau wohin wir wollen? War der Wind die letzten Tage leicht südlicher als Ost, so dreht er ausgerechnet heute eher nördlicher. Dazu wieder die Welle und ohne Motor würden wir die Insel meilenweit verpassen. Das bringt uns zwar ein paar Knoten Speed, aber das dauernde Brummen nervt. Diesmal beißt leider kein Fisch obwohl wir unsere Einholtechnik verbessert haben und gut vorbereitet sind. Wir hatten uns das sooo schön vorgestellt, den Fisch am langen Strand im Sonnenunetrgang zu grillen, dazu ein kaltes Bier... Nur noch acht Meilen aber immer noch nichts zu sehen. Sind wir hier richtig? Die Insel ist sehr flach, das Gebiet "Highlands" (heißt wirklich so) liegt bei 38m. Dann, endlich, taucht sie auf und wir nähern uns der weiten, flachen und türkisblauen Bucht auf der Westseite. Die Farbschattierungen passen nicht ganz mit der Karte zusammen, die Sandbänke wandern doch zu stark und wir sind sehr vorsichtig. Das Panorama ist überwältigend. 11km Stand, Palmen und ganze drei Häuser. Drei weitere Segler verteilen sich hier großzügig. Robinson, wir sind da, der Weg hat sich gelohnt! Zufrieden geniessen wir unser Ankerbier und genießen einen weitern spektakulären Sonnenuntergang.

Fakten
Auf Barbuda gibt es wirklich Nichts. 2 Läden auf der ganzen Insel, nur mit dem Taxi zu erreichen. Der Hafen ( einfache Mauer für die Versorgungsfrachter) hat keine Möglichkeit Wasser zu nehmen. An der Südostspitze gibt es ein Hotel, sonst ist es menschenleer. Wer hierher will muss alles mitbringen. Aber es lohnt sich wirklich. Vorsicht mit der Karte, die Untiefen stimmen nicht genau, der letzte Hurricane hat hier einiges verändert. Tolles Gebiet an den vorgelagerten Riffen zum Tauchen und Schnorcheln.

Kommt der Osterhase?

Tag 8 am 4 April, 2015

Heute machen wir einen Gemütlichen. Ausschlafen, ein kleines Bad und wir tauchen direkt vom Boot aus bei einem der vielen kleinen Koralleninseln in der Bucht. Dann kommt die Idee eines Osterfeuers auf. Mit dem Dinghi schippern wir am Strand entlang und suchen den geeigneten Ort. Wir ankern mit dem Kat so nahe es geht am Ufer, um nur kurze Wege zu haben um alles Material für das Abendessen an den Strand zu bringen. Eine Vorhut sammelt Holz und türmt einen ordentlichen Haufen auf. Da kommt wieder das Dinghi mit den Leckereien vom Kat zurück an den Strand zurück und gerade als wir ausladen wollen kommt aus dem Nichts eine eigentlich kleine Welle daher und bricht sich genau über dem Dinghi. In einer Sekunde ist das Ding randvoll mit Wasser und wir alle pitsche naß. Unter großem Gelächter der Umstehenden retten wir die Lebensmittel. Gott sei Dank war alles gut in Tupperdosen verpackt. Kaum war die Sonne weg und das Feuer angezündet geht auf der anderen Seite der Insel der Vollmond auf. Fast schon kitschig, aber durchaus spektakulär.

Zurück nach Antigua

Tag 9 am 5 April, 2015

Eigentlich wollten wir noch einen weitern Tag in diesem Paradies bleiben, machen aber eine unangenehme Entdeckung. Der Brausekopf der Heckdusche hat sich gelöst und als wir alle schwimmen waren ist der ganze Frischwassertank leergelaufen. Das ist weit ab der Zivilisation ungünstig. Kurze Beratung und wir entschliessen uns nach dem Mittagessen wieder zurück nach Antigua zu fahren, auch wenn es später wird. Kennen wir doch unseren Ankerplatz in der Jolly Harbour Bucht schon und wissen wir können auch im Dunkeln dort ankern. So gehen wir noch zwei mal tauchen und machen uns auf den Weg. Diesmal ist der Wind besser und es geht auch ohne Motor gut voran. Wir planen unterwegs das Abendessen, als etwa eine Meile von uns entfernt ein Buckelwal aus dem Wasser springt! Nicht alle haben ihn gesehen, er kam ohne Vorwarung. Aber, Glück gehabt, er springt nocheinmal und ein Walkalb entdecken wir in seiner Nähe auch. Noch ganz beseelt von diesem Erlebnis segeln wir weiter als eine riesige Schule von Delfinen unseren Weg kreuzt. Sie sind überall. Aber es sollte noch besser werden. Kurz vor der Küste Antiguas fahren wir mitten durch eine Schule (oder sagt man bei Walen Herde?) von Grindwalen. Doppelt so groß wie Delfine, schwarzgrau uns ohne die spitze Schnauze. Wir zählen schnell und überschlagen, es sind mindestens 50 Stück. Es ist das Highlight des Törns und verweist das Osterfeuer auf den zweiten Platz.

Endlich Lobster

Tag 10 am 6 April, 2015

In English Harbour gönnen wir uns einen Platz in der Marina. Wir müssen endlich das Wasser auffüllen und keiner hat Lust zu kochen. Ausklarieren müssen wir auch, mit Eseasystem geht das flott und wir sind in 25 Minuten wieder raus. Schnell nur noch duschen, unbegrenzt Wasser will genossen werden. Vor dem Lobsterdinner noch ein Spaziergang in der Superyacht Marina. Bigger is better und es gilt auch hier der Grundsatz... Denke nie Du hast ein großes Boot! Andere sind größer :-)

Fakten
Leider hatten wir keine Adapter für das gültige System für Strom und Wasser an Bord. Anderes Land, andere Stecker. Bei Übernahme unbedingt drauf achten!

Home sweet home

Tag 11 am 7 April, 2015

Unspektakuläre Überfahrt nach Guadeloupe. Zurück in der Bucht von Deshaies fühlen wir uns wie zu Hause angekommen. Schnell Fleisch einkaufen, Grill anschmeißen und bei ein paar Bier über die Erlebnisse von Antigua plaudern. Alt sind wir nicht geworden.

Abstecher nach Les Saints

Tag 12 am 8 April, 2015

Mit einer Nacht Unterbrechung machen wir uns auf den Weg nach Les Saints, der Inselgruppe im Südwesten von Guadeloupe. Unterwegs bekommen wir wieder ordentlich was auf die Mütze. Die Fallböen aus den Bergen kommen die Täler herab und gehen weit heraus aufs Meer. Wir messen teilweise über 30kn. Gott sei Dank kann man an den Schaumkronen die Böenfelder gut erkennen und wir sind vorbereitet. Über die Inseln zieht eine Regenwolke nach der anderen und wir werden regelmäßig geduscht. Aber so ist das Boot schön sauber und mittlerweile haben wir uns an die Wetterwechsel gewöhnt. Hier ist nur festmachen an der Boje erlaubt, soll uns Recht sein. Schnell noch mit dem Dinghi an Land, frisches Baquette einkaufen. Alle wollen mit, so sind wir doch noch für einen Sundowner länger geblieben.

Fakten
In den Hauptbuchten der Inseln sind große Bojenfelder zum Festmachen. Ankern ist dort nicht erlaubt. Der Preis ist ok, 8,-€ die Nacht. Manche Bojen sind recht weit vom Ufer entfernt und es gibt eine kleine Welle. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, wir haben uns, als eine Boje näher am Ufer frei wurde, umgesetzt. Die Fähren am Anleger haben uns nicht gestört, der Verkehr hält sich in Grenzen. Die Uferpromenade läd zum Schlendern ein und es gibt gute Möglichkeiten zum Einkaufen.

Schon vorbei!

Tag 13 am 9 April, 2015

Heute geht es zurück nach Pointè a Pitre, die zwei Wochen sind schon vorbei. Bevor wir ablegen statten wir noch der Festung Napoleon auf dem Berg einen Besuch ab. Es tut gut sich einmal zu bewegen. Wir haben einen tollen Blick über die Inseln, können auch Dominica im Süden gut erkennen. Das Museum im Fort zeigt viel Interessantes über die Geschichte Guadeloupes, hier hätten wir gerne mehr Zeit gehabt. Der Weg zurück in die Marina zieht sich und es wird später als geplant. Die Überfahrt ist ruppig, der Motor läuft wieder mit. Noch alles einmal vollgetankt und das Monster eingeparkt. Das ging supergut, wir haben uns aneinander gewöhnt, das Boot und ich. Alle wieder wohlbehalten zurück, keiner verletzt, nix verloren. Eher im Gegenteil. In der Einfahrt haben wir dann doch noch ein Stück Leine in der Schraube eingefangen und sie hat den Propeller beschädigt. Ein Taucher musste es richten und hat uns mehr gekostet als gehofft. Egal, vergessen, eine schöne Tour war es und wir hatten eine tolle Zeit!

Fazit

Tag 14 am 10 April, 2015

Hat unser Projekt funktioniert? Ein ganz klares Ja. Das Reisen mit Kinder war völlig unproblematisch. Der Katamaran bietet genug Platz und Sicherheit, die Kinder können sich in bestimmten Bereichen völlig frei bewegen. An das Leben an Bord, mit allen Besonderheiten und Regeln, haben sie sich umgehend eingestellt. Sie waren es sogar, die immer darauf geachtet haben wenn Wasser zu üppig genutzt wurde :-)
Tauchen vom Boot? Auch das ging völlig problemlos. Es gibt überall Tauchshops, bei denen man die Flaschen füllen kann. Auch Tipps für tolle Tauchplätze haben wir bekommen. Allerdings sollte man das Boot etwas vorbereiten, denn das Bewegen der Flaschen haut schnell mal eine Macke ins Gelcoat wenn man nicht aufpasst. Wir hatten ein Stück alten Teppich dabei um die Stellfläche zu schützen und haben uns vor Ort ein Brett besorgt an dem wir die Flaschen mit Gummistrapsen befestigt haben. Wenn nicht alle an Bord Tauchen sollte man ein gutes Auge für die Tagesabläufe haben. Es geht für einen Tauchgang alles in allem viel Zeit drauf und das findet vielleicht nicht jeder gut.
Karibik muss nicht teuer sein. In Guadeloupe haben wir Preise ähnlich wie zu Hause vorgefunden. 2 Wochen mit allem Drum und Dran haben knapp 2000,--€ pP gekostet. Das Revier für sich würde auch genug für 2 Wochen hergeben, es gibt genug zu entdecken. Buchten mit tollen Stränden sind auf der Leeseite nicht so häufig, aber jede schöne Bucht hat auch gleich ein Hotel. Unsere Route war recht ambitioniert, hier und da etwas mehr Ruhe hätte nicht geschadet. Das Ein/Ausklarieren ging diesmal flott und unproblematisch, das haben wir auch schon anders erlebt. Hier hilft eine gute Recherche im Vorfeld. Die Informationen in den Reisehandbüchern für Segler kamen uns alle etwas "Out of Date" for. Hier ist das Internet die bessere Informationsquelle.

Alles in Allem ein gelungener Törn.