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Kykladen und Dodekanes vom 28.09. – 11.10.2015

26 Nov., 2015
von Max-Günter Michelsen
Ägäis, Griechenland
Sun Odyssey 409

Waren wir in den vergangenen Jahren überwiegend in der türkischen Ägäis unterwegs, haben griechische Inseln oft nur aus der Ferne gesehen oder sind daran vorbeigesegelt, so wollten wir in diesem Jahr Mehr erleben - die südliche Ägäis. Ein anspruchsvolles Segelrevier mit Etappen von 30 - 40 sm, erfordert eine ordentliche Seemannschaft ein gutes Schiff und passendes Wetter. Das Wichtigste ist jedoch eine gute Törnvorbereitung, die von unserem Co-Skipper in hervorragender Weise geleistet wurde. Höhepunkte waren unser Abstecher nach Santorin und die Insel Nisyros, ein Muss, wenn man in diese Bereiche vordringt.

Strecke:
Athen, Marina Alimos Kalamaki – Bucht Anavyssos 22 sm
Kythnos – Bucht Fykiada 35 sm
Kythnos Mericha, Stadthafen 5 sm
Syphnos, Vathi-Bucht 38 sm
Ios, Stadthafen 33 sm
Amorgos – Bucht Kolotaritisa 33 sm
Astipalaja – Vathi-Bucht 36 sm
Nysiros – Hafen Pali 43 sm
Kos – Marina 23 sm
Gesamtstrecke über Grund 268 sm

Anreise

Tag 1 am 28 Sept., 2015

Beim Einsteigen in die Mainfrankenbahn in Kitzingen um 06:30 Uhr treffen Max und Arthur bereits auf unseren Co-Skipper Günter, der in Markt Bibart zugestiegen ist. Wir erreichen pünktlich Würzburg und treffen dort Thomas und Kurt die mit uns kurze Zeit später die Weiterfahrt im ICE Richtung Frankfurt Flughafen antreten. Dort um 08:22 angekommen treffen wir auf Dieter, der bei seiner Schwester in Wiesbaden übernachtet hatte. Nun ist die Crew komplett. Wir haben noch etwas Zeit und fahren mit dem Flughafen-Express zum Terminal 1. Um 11:05 geht unser Flug planmäßig mit der griechischen Aegan Airline (Airbus A 320) über die Startbahn West nach Thessaloniki wo wir gegen 14:45 Uhr eintreffen. Der Weiterflug nach Athen startet um 15:45 Uhr und wir erreichen nahezu pünktlich Athen um 16:30 Uhr. Nach Erhalt des Reisegepäcks lösen wir an der Bushaltestelle vor dem Flughafengebäude die Bustickets für rd. 5,00 Euro für die Fahrtstrecke der Buslinie X96 zur Haltestelle Edem, Nähe der Marina Alimos Kalamaki. Um 18:30 Uhr sind wir nach einem kleinen Fußmarsch am Büro des griechischen Vercharterer KIRIACOULIS wo an Pier 2 bereits die bestellte Sun Odyssee 409 „Sirene II“ liegt. Der Kühlschrank läuft bereits und das bestellte Anfangskontingent von Bier und Wasser finden wir darin vor. Nach Erledigung der Formalitäten (Abgabe des Sportbootführerscheins See, Segelschein und Funksprechzeugnis, Kaution von 2000,00 Euro durch Belastung Visa Card) erhalten wir die Schiffspapiere. Während Arthur, Thomas und Kurt mit einem Taxi zum Einkaufen in einen nahe gelegenen Lidl Markt fahren, erledigt Stavros von Kiriacoulis mit uns die Übergabe und Einweisung. Das Boot macht zumindest innen einen gepflegten Eindruck, die Kojen sind bereits mit blauen Spannbetttüchern überzogen, Bettlaken und Decken vorhanden und für jeden Chartergast liegen ein Badetuch und ein Handtuch bereit. Zur Ausrüstung des Bootes gehören 9 Automatik-Schwimmwesten mit Sorgleinen und Lifebelts. 3 Feuerlöscher befinden sich an Bord sowie zwei gefüllte Gasflaschen. Die Bordbatterien zeigen eine gute Ladespannung auf, die sicherlich auch auf die vorhandene Solaranlage auf dem Biminitop zurück zuführen ist. Laut Stavros bedarf es beim Segeln nicht der Abschaltung des Kühlschranks, da über Solar die Stromzufuhr weiterhin gesichert sein soll. Dies entsprach auch den Erfahrungen unterwegs. Laut Tankanzeige war der Dieseltank gefüllt. Wassertank 1 wurde noch aufgefüllt. Die Segel waren in ordentlichem Zustand, die Fallen und Schoten etwas schwergängig. Der Verbandskasten wurde wegen unzurei-chendem Inhalt ausgetauscht. Die Bilgen waren trocken, der Motor in einem sauberen Zustand. Alle Instrumente einschließlich des Kartenplotters und Funkgerätes am Doppelruderstand funktionierten. Auch ein Zweitanker war an Bord, ansonsten erwies sich die Ausrüstung als komplett. Nach Rückkehr des Taxis mit den Einkäufen wurden diese verstaut und die Kojen bezogen. Nach einem „Absacker“ kehrte bald die Nachtruhe ein, die jedoch durch laute Musik von einem Nachbarsteg mehrmals gestört wurde.

Bucht Anavyssos

Tag 2 am 29 Sept., 2015

Der desolate und unsaubere Zustand der sanitären Anlagen der Marina Alimos , wie in der Revier-information für Segler beschrieben, bestätigte sich leider. So zogen wir es vor, an Bord zu duschen und nach dem Frühstück nochmals Wasser nachzufüllen. Nach den letzten Einweisungen durch Stavros, Hinterlegung der Kaution mittels Visa Card und Einweisung der Crew sowie Anprobe der Schwimmwesten und Lifebelts hieß es um 11:00 Uhr Leinen los. Der Zählerstand des Motors zeigte beim Ablegen 167,2 Stunden an. Bei schwachem Wind von 2 – 3 kn motorten wir zunächst 1 Stunde in südöstlicher Richtung, vorbei an den Hafenanlagen von Alimos und diverser Yachtclubs. Bei 15 Knoten Wind setzten wir dann alle Segel und kamen mit rd. 4,5 Knoten gut voran. Später frischte der Wind auf bis zu 28 Knoten auf sodass Vor- und Großsegel zu 1/3 eingerefft wurden. Südlich vorbei an der Insel Fleves erreichen wir um 17:15 Uhr die Bucht Anavyssos.
Wir entschieden uns auf der besser geschützten Nordseite zu ankern. Hier lagen bereits einige Segler. Der 2. Ankerversuch war bereits erfolgreich. Unsere Position 37 43.-082 N, 23 55.589 E. Tagesstrecke über Grund 22 sm. Nach dem Abendessen an Bord erste Musikprobe mit den „Ouzo-Singers“.

Bucht Fykiada, Kythnos

Tag 3 am 30 Sept., 2015

Nach ruhiger Nacht um 09:45 Uhr Anker auf. Wind zunächst aus NW mit 4 – 5 bft, später bis 7 wie vorhergesagt. Günter, unser Co-Skipper und Navigator ist heute Rudergänger. Gegen 11:00 querab östlich der Südspitze von Kea Wind mit 7 bft später mit 9 aus N bis NE. Zunehmender Wellengang bis 4 m, Delphine begleiten uns trotz stürmischer See. Reff anfangs Vor- und Großsegel ½, dann 1/3. Bei weiter zunehmendem Wind gibt Günter die Order, alle Segel einzuholen und unter Motor bis Kythnos weiter zu fahren. Hintergrund ist, dass bis auf ihn und unseren Neuling Kurt, alle mit der Seekrankheit kämpfen. Die Kameraden sind, soweit dazu in der Lage, mit Schwimmwesten und Sorgleinen in der Plicht gesichert. Endlich nähern wir uns am Nachmittag der Westseite von Kythnos. Eine Fähre, wohl von Merichas kommend, kreuzt unseren Kurs. Es stellt sich die Frage, die Bucht Kolona anzulaufen oder die durch eine Sandbank getrennte Bucht Fykiada, eingerahmt durch steil aufragende Küste und der vorgelagerten Insel Blopkaotko. Ein Anlaufen des Stadthafens von Merichas erscheint uns angesichts des Starkwindes, des Schwells und der Ungewissheit einen Liegeplatz zu bekommen, als zu riskant. Wir entscheiden uns für Fykiada und fahren um ca. 17:15 Uhr unser Ankermanöver im Westteil der Bucht, Nähe der Sandbank. Wir sind drei Stunden motort (167,7). In unserer unmittelbaren Nähe liegen ein Katamaran und ein weiterer Segler, der sich jedoch bald nach unserem Eintreffen in den NW-Teil der Bucht verlegt. Beim zweiten Versuch hält unser Anker auf rd. 5 m. Bei Rückwärtsfahrt mit 2000 Umdrehungen gibt es keinerlei Veränderungen. Zur Ankerkontrolle taucht Dieter noch sicherheitshalber ab. Da der Schwell auch in der Bucht noch unangenehm ist, verzichten wir auf ein Bad im Meer. Eine nahe liegende Taverne hat wohl bereits geschlossen, der Betreiber fährt mit seinem Pkw davon. So nehmen wir unser Abendessen aus unseren Vorräten ein und genehmigen uns auch noch ein Bierchen. Günter stellt auf seinem LT über das GPS den „Ankeralarm“ auf 30 m ein. Zusätzlich teilen wir jedoch für jeweils 2 Stunden Ankerwachen ein. Dieter, Max und Arthur übernehmen bis 06:00 Uhr früh diesen Dienst. Teilweise fallen Böen bis 50 kn ein. Es sind aus Nord über die Hügelkette einbrechende Fallwinde. Gegen 03:30 Uhr hat sich der Wind auf 25 kn beruhigt. Auch wenn wir in dieser Nacht alle nicht viel Schlaf finden, allein unser Anker sitzt fest. Der benachbarte Katamaran rutscht mitsamt seinem Anker in den frühen Morgenstunden in Richtung Klippen der vorgelagerten Insel. Die Crew verlegt den Kat etwas weiter in Richtung Mitte der Bucht und setzt den Anker neu, der dann auch hält.

Hafen Mericha, Kythnos

Tag 4 am 1 Okt., 2015

Ab 07:00 Uhr nimmt der Wind wieder an Stärke zu und erreicht in der Bucht bis 45 kn. Wir warten erst mal ab und nehmen unser Frühstück ein. Wir wollen in den Hafen Mericha über- setzen. Der Katamaran hat wohl die gleiche Absicht, allein der Anker will nicht hoch. Sie fahren etliche Manöver, offensichtlich hat sich die Ankerkette mit einer Tripleine ver- dreht. Erst nach mehreren Versuchen kommen sie frei. Die aus N bis NO kommenden Böen ent- wickeln über dem Wasser weit sichtbare Gischtwolken. Gegen 10 Uhr beruhigt sich der Wind etwas und wir gehen Anker auf. Dies gelingt auch super. Unter Motor steuern wir direkt den Hafen Mericha an. Die Untiefen am Eingang der Bucht lassen wir steuerbords liegen. Es sind nur wenige Plätze an der Pier belegt. Wir müssen mit Buganker und Heckleinen anlegen, Moorings sind nicht vorhanden. Beim ersten Ankerversuch stellen wir fest, dass wir den Anker zu früh ausgebracht haben, die Kette reicht nicht. 4 m vor Erreichen der Pier ist Ende. Also Wiederholung und dieses Mal gelingt es. Unter Hilfe des Nachbarbootes werden die Heckleinen ausgebracht und wir liegen nach 5 sm um 11:30 Uhr an der Pier. Der Skipper unse- res backbord liegenden Nachbarbootes ist jedoch unzufrieden und befürchtet, dass wir unsere Ankerkette über die seinige gelegt hätten. Da er am nächsten Morgen frühzeitig ablegen wolle, könne dies Schwierigkeiten geben. Also legen wir nochmal ab und bringen den Anker mehr steuerbords aus, was wohl auch sehr sinnvoll war, wie wir später feststellten. Nach und nach treffen mehr Segler ein und gegen 16:00 Uhr ist der Hafen gut gefüllt. Wir haben Strom- u. Wasseranschluss, bezahlen dafür 10,00 Euro. Sanitäre Anlagen sind nicht vorhan- den. Trotz Landstromanschluß zeigt das Voltmeter keinerlei Reaktion. Wir stellen fest, dass ein FI-Schalter hinter dem Sicherungskasten Landanschluss umgelegt ist. Dieter nimmt sich der Sache an und verkabelt den Landanschluss mit Erfolg neu. Neben uns macht eine Crew aus Niederbayern fest. Sie sind auf dem Weg nach Lavrion zur Abgabe ihres Schiffes. Sie haben Probleme mit der Radsteuerung (Kette) und verständigen ihren Vercharterer. Wir stellen fest, dass es rund um den Hafen jede Menge Lokale gibt. Bei einem Rundgang werden Max und Günter von dem Loka-besitzer des „Byzantio“ zu Kaffee und Ouzo eingeladen. Er bietet uns an, bei ihm das Abendessen einzunehmen, das Essen des Skippers wäre frei. So kehren wir am Abend bei ihm ein und bestellen eine Fischplatte mit Vorspeisenteller für 6 Personen und bezahlen am Ende mit Getränken 106,00 Euro.

Hafentag mit Inselausflug

Tag 5 am 2 Okt., 2015

Wir frühstücken zusammen in einem nahegelegenen Bistro. Ein mit der Fähre eingetroffener Mechaniker repariert die Steuerkette des Nachbarbootes sodass die Crew anschließend Richtung Lavrion auslaufen kann. Dieter, Artur und Max entscheiden sich für einen Motorrollerausflug über die Insel (Nordseite Loutra, heiße Quellen, Kanala, Südbucht Ag. Dimitios). Kurt, Günter und Thomas erkunden Mericha bzw. unternehmen einen Spaziergang um den Ort bis zur nächsten Bucht.

Siphnos

Tag 6 am 3 Okt., 2015

Um 08:50 Uhr laufen wir aus. 15 kn Wind aus N – NW und Sonnenschein begleiten uns. Artur ist heute Rudergänger. Nach weiter Umrundung der Klippen am Eingang der Bucht nehmen wir Kurs 180 bei voller Besegelung auf. Nach passieren der Südspitze von Kythnos nimmt der Wind auf bis zu 30 kn zu. Wir reffen das Vorsegel auf 2/3, das Groß auf ½ und legen neuen Kurs mit 160° Richtung Insel Seriphos an. Die Wellenhöhe hat merklich abgenommen und beträgt nur noch ca. 1 m. Wir machen 5 – 6 kn Fahrt und können nach passieren der Insel Seriphos wieder zu vollem Tuch zurückkehren. Wir segeln an der Südküste von Seriphos mit eindrucks- voller Berglandschaft im Abstand von 10 sm vorbei. Wir ändern den Kurs auf 130° und steuern die Vathy Bucht an der Südwestseite von Syphnos an. Kursänderung auf 128°, später 125°. Der Wind ist zwar auf 16 kn zurück gegangen, Geschwindigkeit jedoch immer noch zwischen 4 u. 5 kn. Um 15:45 Uhr gehen wir nach 38 sm vor Bug-anker in der Vathy Bucht, unweit der gleich- namigen Ortschaft. Wir hätten auch per Buganker am Dorfanleger auf rd. 2 m Tiefe anlegen können, entschließen uns jedoch unseren Platz beizubehalten, genießen unser „Anlegebier- chen“ und gehen lieber Schwimmen. Dieter und Max unternehmen eine Schlauchbooterkundung der Bucht. Am Ende der Bucht liegt eine weitere kleine Ortschaft namens Bastion. Dort unmittel- bar am Strand liegt das Elies Resort Hotel. Gäste sind nicht mehr auszumachen. Daneben gibt es noch ein Lokal, welches wohl bereits geschlossen ist. Wir kehren zur „Sirene II“ zurück. Thomas hat inzwischen ein leckeres Schmorgulasch mit viel Zwiebeln und Knoblauch vorberei- tet. Dazu gibt es Nudeln und einen deftigen griechischen Salt mit Schafskäse. Wir sind vom Essen begeistert und lassen uns dazu einen trockenen Rotwein gut schmecken.

Ios (Hafen Gialos)

Tag 7 am 4 Okt., 2015

Nach dem Bad in der Bucht und einem ausgiebigen Sonntagsfrühstück mit Rühreiern und Speck lichten wir um 09:45 Uhr bei fast wolkenlosem Himmel den Anker. Dieter übernimmt heute das Ruder. Bis zur Ausfahrt auf das offene Meer legen wir Kurs 150° an. Vorsegel und Groß werden voll durchgesetzt. Wir lassen die Milos vorgelagerten kleineren Inseln Kimolos und Polyaigos steuerbords liegen. Bis zur Südspitze der Insel Folgeandros ändern wir Kurs auf 135°. Leider schläft gegen 16:00 Uhr der Wind ein und wir müssen den „Dieselwind“ zu Hilfe nehmen. Wir lassen jedoch das Großsegel unterstützend stehen. Aus Richtung Paros kommend kreuzt eine Schnellfähre im Abstand von rd. 150 m unseren Kurs. In der Ferne, zwischen den Inseln Folegandros und Sikinos ist Santorin auszumachen. Nach Sikinos kommt die Nordspitze von Ios zum Vorschein. Wir verändern den Kurs auf 93° und holen erst in der Bucht von Ios das Großsegel ein. Zum Glück ist im Hafen ausreichend Platz und wir legen am Ostkai des Hafenbeckens über Buganker an. Erst als wir die Heckleinen belegen, stellen wir fest, dass Moorings vorhanden sind und entdecken auch eine Boje im Hafenbecken, die ein Ankerverbot signalisiert. Da jedoch auch Nachbarboote Anker ausgebracht haben, holen wir den unsrigen nicht mehr ein, zumal er bereits vor der Boje ausgebracht wurde. Wir gehen davon aus, dass auf Höhe der Boje wohl eine Kette liegt, sodass Anker u.U. an dieser hängen bleiben könn- ten. Das muss beim Anker aufholen beachtet werden. Nach erfolgreichem Anlegemanöver um 16:30 Uhr liegen 33 Seemeilen Fahrt über Grund hinter uns (Pos.36° 43.353' N 25° 016.167' E). Am Kai gibt es Strom und Wasser, eine entsprechende Chipkarte lösen wir für 12,00 Euro an der nahegelegenen Tourist-Info.
Als nächstes Ziel hatten wir uns Santorin gesetzt. Wir haben uns die ganze Zeit bereits Gedanken gemacht, ob es angesichts der raren Anker- und knappen Liegeplätze in der kleinen und immer wieder versandenden Marina Vlichada nicht sinnvoller wäre, von Ios aus mit der Schnellfähre überzusetzen. Leider erfahren wir in der Tourist-Info, dass es nicht möglich ist, den Trip an einem Tag zu schaffen. Die Schnellfähre legt um 12:00 Uhr ab, ist um 13:15 Uhr in Santorin und startet von dort erst am nächsten Tag um 13:10 Uhr zurück nach Ios. Es gibt also keine Tagesverbindung. Wenn wir das so durchführen wollen, müssen wir also eine Übernachtung auf Santorin in Kauf nehmen. Der Trip kostet mit Überfahrt hin u. zurück einschl.Übernachtung mit Frühstück in einem 3-Sterne Hotel und den Transfers 92,00 Euro im DZ. Nach kurzer Beratung sind alle Segelkameraden einverstanden und wir buchen gemeinsam das Arrangement. Da es in Gialos genügend Restaurants gibt und wir unsere Köche für weitere kulinarische Hochleistungen schonen wollen, suchen wir für den heutigen Abend ein Lokal am Hafen auf und werden in Grandma’s Restaurant fündig. Die Wirtin spricht per- fekt Deutsch und freut sich über ihre Gäste. Anschließend nehmen wir noch einen Absacker an Bord. Dieter und Max gehen noch auf einen Drink in einem zur Bar umfunktionierten alten Segelschiff unweit unseres Liegeplatzes.

Santorin

Tag 8 am 5 Okt., 2015

Heute erlauben wir uns außerbords zu frühstücken und treffen uns in einem Bistro am Hafen. Dies bietet sich auch in Ermangelung sanitärer Anlagen im Hafenbereich an. Um 11:30 Uhr treffen wir mit kleinem Gepäck an der Fährstation ein. Pünktlich kurz vor 12:00 Uhr kommt die Fähre Seajet 1 nach Piräus und kurze Zeit später trifft die kleinere Seajet 2 nach Santorin ein. Die Überfahrt ist aufgrund der ruhigen See sehr angenehm. Wir haben numme-rierte Sessel. Dieter geht auf das Oberdeck um zu Filmen. Nach einer Stunde Fahrt mit 70 km/h legen wir im Hafen von Santorin an. Schon die Einfahrt in die Caldera ist grandios. Wir kommen aus nördlicher Richtung und fahren zwischen den Inseln Therasia steuerbords und Santorin auf der anderen Seite unterhalb von Oia in den Krater ein. Beindruckend die schrof fen, steil abfallenden Lavawände und darüber die schmucken, in der Sonne einen unüber-sehbaren Kontrast bildenden weiß-blauen Gebäude. Nachdem wir an Steuerbord die inaktive Kraterinsel Nea Kameni (Neue Verbrannte) passieren taucht unser Fährhafen Athinios Port an Backbord auf. An der Mole zwischen den Ausflugsbussen und Taxen wartet bereits der Kleinbus unseres Hotels, der uns in einer 30 minütigen Fahrt zum Hotel „Solaris“ nach Fira bringt. Das kleine aber behaglich wirkende Hotel mit Außenpool liegt an der dem Flugplatz zugewand- ten Ostseite der Insel mit Blick auf das Meer und den höchsten Berg der Insel, Profitis Ilias, etwa 15 Minuten Fußweg zum Zentrum von Fira. Nach dem Eincheck begeben wir uns ins Zentrum, lassen zunächst von einem Café am Rande der Caldera aus die ersten unbeschreib- lichen Eindrücke in der Gewissheit auf uns wirken, dass dies wohl der Höhepunkt unserer Segelreise sein wird. Anschließend laufen wir den Kraterrandweg in den oberen Gassen wei- ter. Ständig ist die Aussicht nach unten eine andere, aber auch der Blick nach rechts in eine der zahlreichen, wunderbar ausgestatteten Innenhöfe, oftmals mit einem kleinen Pool, umgeben mit uns unbekannten Blühpflanzen, weckt unser Interesse. Wir überqueren dabei die Seilbahntrasse und den Fußweg, der vom alten Hafen nach Fira führt. Da ein Kreuzfahrt-schiff in der Caldera liegt, werden ständig Touristen mittels der Tenderboote an Land gebracht, die dann entweder mittels Seilbahn, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Maultieres nach Fira hoch kommen. Der Weg geht ständig bergan. Am Kloster Agios Nikolaos in Firesto- fani beenden wir unseren ausgedehnten Trip zu Fuß, wir sind auch ziemlich durchgeschwitzt. Wir laufen wieder den Kraterrandweg zurück und kehren, da es bereits nach 18:00 Uhr ist, in einer der Tavernen mit Blick in den Krater ein. Auf der Terrasse erleben wir während des Abendessens einen herrlichen Sonnenuntergang. Anschließend machen wir uns getrennt auf den Rückweg zum Hotel. Dieter geht noch auf eigene Erkundungs- und Einkaufstour. Artur, Günter und Max besuchen die auf dem Weg liegende Katholische Kirche von Fira. Gegen 21:30 sind wir wieder am Hotel. Max und Günter nehmen noch einen Absacker an der Poolbar, wo sich auch Gäste eines benachbarten Hotels eingefunden haben, mit denen wir ins Gespräch kommen.

Santorin – Ios

Tag 9 am 6 Okt., 2015

Das Frühstück am nächsten Morgen ist etwas spartanischer als an Bord, aber wir sind zufrie- den. Max hat bereits ein Bad im Pool eingenommen. Wir haben vereinbart, dass wir um 12:00 Uhr mit dem Kleinbus wieder zum Hafen gebracht werden. Die Fähre nach Ios geht um 13:10 Uhr. Es bleibt also noch genügend Zeit für Besichtigungen und Einkaufsbummel. So treffen wir uns erst wieder kurz vor 12:00 Uhr im Hotel und fahren anschließend mit dem Hotelbus zum Hafen. Dort reicht die Zeit noch für einen Drink bevor wir mit der Fähre wieder zurück nach Ios gelangen.
Die „Sirene II“ liegt noch unversehrt an ihrem Liegeplatz. Neue Nachbarn aus Österreich sind mit einem Katamaran eingetroffen. Kurz nach 15:00 Uhr trifft der am Vortag vom Skipper bestellte Tankwagen ein da es im Bereich des Hafens keine Tankstelle gibt. Dies ist auf den Inseln hier allgemein üblich. Wir wollen keine Überraschungen erleben, falls wir doch noch länger mit Motor unterwegs sein sollten. Obwohl die Tankanzeige auf voll stand, wissen wir nicht, ob der Tank beim Auslaufen in Kalamaki tatsächlich gefüllt war Wir denken an die Vorkommnisse im letzten Jahr im Hafen Icemeler, Türkei. Allerdings haben wir auch 40 Ltr. als Reserve in Kanistern an Bord. Es gehen auch nur 23 (28,75 Euro) Liter in den Tank bei rund bisher angezeigten 9 Stunden Motorfahrt. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von knapp 2,6 Ltr. pro Stunde, kaum zu glauben aber wohl ein Nachweis, dass der Tank bei Törnbeginn tatsächlich voll war. Thomas geht noch zum Einkauf und kommt mit Lammkeule zurück. Es erwartet uns also ein kulinarischer Hochgenuss. Artur und Dieter mieten sich noch einen Motorroller und wollen zum Grab des Homer. Verschiedene Legenden der Insel berichten, dass Homer auf Ios geboren und er selbst dort begraben sein soll. Für die Inselbesucher ist die kleine befestigte Grabanlage von Homer auf einem Hügel an der Nordküste der Insel ein beliebtes Ausflugsziel und vermutlich mit der Grund, weshalb die Ergebnisse der Datierung gerne verschwiegen werden. Bereits im Altertum wurde von der Inselbevölkerung der Mythos des berühmten Dichters ausgiebig ausgenutzt. Begeistert von ihrem Trip kommen beide wieder gut zurück. Sie haben auf einer relativ neuen Straße etwa 11 km ins Innere der Insel zurück gelegt. An der Grabstelle endet die Straße.

Armorgos – Bucht Kalotaritissa

Tag 10 am 7 Okt., 2015

Wir laufen um 09:45 Uhr aus. Nach Ablassen der Mooring und vorsichtigem Lösen der Heck- leinen gehen wir mit langsamer Fahrt in Höhe unseres Ankers und holen diesen erst dort ein. Das Manöver gelingt gleich beim ersten Versuch. Alle sind erleichtert, dass wir keine Ankerkette eines Nachbarbootes mit hochgezogen haben bzw. an der quer gespannten und durch die Boje markierten Kette hängen geblieben sind. Wir nehmen nach Verlassen der Hafenbucht Kurs auf die Halbinsel Koumpara, umfahren jedoch zunächst die vorgelagerte Klippe sehr weitläufig und gehen dann auf rund 45 ° in NE Richtung, an der NW Seite von Ios vorbei. Wir haben alle Segel voll durchgesetzt und bewegen uns jedoch nur mit 2,5 – 3 sm Fahrt durchs Wasser. Auch an der Nordspitze der stark zerklüfteten Insel wird die Situation nicht besser. Trotz halbem Wind ändert sich die Windlage nicht und wir nehmen den Motor bei ein- geholtem Vorsegel mit hinzu. So kommen wir wenigstens auf 5 kn Fahrt. Wir laufen mit nahezu 90 ° Kurs die Westspitze der Insel Amorgos an und erreichen die Durchfahrt zwischen der nördlich gelegenen kleinen Insel Gramvoussa und der Halbinsel Kalotaritissa. Da Untiefen eingezeichnet sind, tasten wir uns umsichtig voran und drehen dann 90° in die vom Meer aus nicht sichtbare Bucht von Kalotaritissa ein. Diese öffnet sich weit nach Westen und läuft in einem Sandstrand aus. Wir lassen auf 3 Meter den Anker ab. Zunächst stellen wir fest, dass wir im Schwojkreis dem Südufer der Bucht zu nahe kommen. Beim zweiten Ankermanöver sind wir zufrieden. Dieter kontrolliert dies per Abtauchen und signalisiert sein o.k. (Pos. 36°47 7 N – 025° 45 E nach 33 sm) . Wir lassen die Badeplattform ab und gehen Schwimmen. Nördlich unserer Position befindet sich eine Betonmole an der, wie überhaupt im gesamten nördlichen Teil der Bucht verstreut, Fischerboote an Bojen liegen. Die Fischer verladen hier wohl ihren Fang in ihre Fahrzeuge. Auch ein kleinerer Lkw ist zu sehen. An- sonsten gibt es außer ein paar kleinen, unbewohnten Hütten, keine Gebäude, oder Versorgung am Ufer. Eine Holzhütte, wohl Strandbar im Sommer, ist geschlossen. Es herrscht bei den Fischern reges Treiben, da diese wohl ihre Boote zum abendlichen Fischen klar machen. Plötzlich rasen aus allen Ecken und Enden Ziegen und Schafe heran, die in der Nähe der Betonmole gefüttert und gemolken werden. Es sind sicherlich so um die 50 Tiere. Die Fischer sind wohl aus der ca. 3 km entfernten Ortschaft Kalotaritissa, die jedoch nicht am Wasser liegt. In einer der Ortschaft näher liegenden, allerdings wesentlich kleineren Liveros Bucht liegt das bereits auseinander gebrochene Schiffswrack der „Olympia“. Dieses Schiff war einst ein modernes Piratenboot und ist auf seiner letzten Schmugglerfahrt dort gestran- det. Nach dem ausgiebigen Essen (Linsen mit Spätzle, Wurst und Rindfleisch) treten die Ouzo-Singers wieder in Aktion. Erst jetzt nach Einbruch der Dunkelheit bemerken wir, dass die Straße zu der Betonmole beleuchtet ist. Wir entdecken dann auf Google-Earth eine Solaranlage an der Südseite der Bucht und den Umspanner unterhalb eines Strommastes. Daher kommt offensichtlich auch die Energie welche in die Ortschaft weiter geleitet wird. Gegen 02:00 Uhr morgens bemerken wir starkes Wetterleuchten Richtung Westen und bald zieht auch ein Gewitter heran, welches sich jedoch weitgehend über dem Meer entlädt. Wir bekommen nur einige Regentropfen ab, nach einer Stunde ist das Naturschauspiel wieder vorüber und wir können unseren Nachtschlaf beruhigt fortsetzen.

Astypalaia - Vathi-Bucht

Tag 11 am 8 Okt., 2015

Wir gehen Anker auf um 09:30 Uhr und laufen bei 9 kn Wind unter Motor und umrunden die Nordspitze der Insel Ios Richtung Süd, um zunächst ausreichend Abstand zur Steilküste der Insel zu gewinnen. Kurt, unser Neuling ist heute am Ruder und muss sich erst in die Gegeben-heiten der Ruderanlage unter Beachtung des Kompasses und des Verhaltens des Schiffes ein- finden. Dieter assistiert ihm dabei in vorbildlicher Weise. In der Ferne können wir das Felsenkloster Panagio ausmachen. Infolge Landabdeckung durch die Insel lässt auch der Wind zunehmend nach und wir können leider noch nicht segeln. Nachdem wir erst 112° laufen, ändern wir später auf 150 ° und können zunächst beide Segel setzen. Bald nehmen wir jedoch wieder den „Dieselwind“ hinzu, da wir uns nur mit ca. 3 sm/h fortbewegen und die Vathy Bucht im östlichen Teil der Insel Astypalaja noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen. Max steuert das Boot in die Vathy Bucht, die von See her, nach drei kleineren Buchten kaum auszumachen ist, ein. Der trichterförmige Zugang wird am Ende immer enger und es muss Abstand zum steuerbord liegenden Sandufer gehalten werden. Schließlich sind wir durch und es eröffnet sich eine sehr große, in E – W Richtung laufende Bucht, umgeben von sanften Hügeln. Wir drehen um 20° westlich in die Bucht ein und lassen bei 4 m Wassertiefe den Anker ab. Dieser hält bereits beim ersten Versuch. Wir haben 36 sm hinter uns. Es liegen nur 4 Segler in der weiträumigen Bucht. Unser östlich liegender Nachbar ist ein Schiff aus Southampton, das mit einem englischen Eignerehepaar durch die Ägäis schippert. Wir treffen das freundliche ältere Paar noch beim Abendessen in der am Nordufer liegenden Taverne. Als wir mit dem Schlauchboot übersetzen, legt auch ein Fischerboot an. Artur unternimmt bis zum Sonnenuntergang einen Spaziergang durch den unscheinbaren Ort. Die Wir- tin der Taverne zeigt uns was sie zum Abendessen zubereiten kann. Sie hat im Moment nur tiefgefrorenen Fisch oder Fleisch. Wir bestellen Fisch mit Beilagen, überwiegend bestehend aus Salaten und Tsatsiki. Die Fischportionen sind übermäßig groß und gut zubereitet, wir können es kaum schaffen. Die Augen waren wohl größer als der Hunger bzw. wollte die Wirtin wohl ihren gefrorenen Fisch loswerden. Mit Getränken (1 Ltr. Wasser und ½ Ltr. Wein) be- zahlen wir dann p.P. um die 35 Euro. Das war dann auch mit Abstand das teuerste Abendessen des Törns. Nach dem Essen fahren wir mit Dieter, unserem Schlauchi-Pilot in zwei Etappen zurück zum Schiff. Die Ouzo-Singers kommen nochmal zum Einsatz. Um 21:30 Uhr stellen wir Gesang und Gitarrenspiel jedoch ein. Wir haben eine ungestörte Nachtruhe in der von allen Seiten sehr gut geschützten Bucht.

Nisyros, Hafen Pali

Tag 12 am 9 Okt., 2015

Beim Morgenbad in der Bucht stellen wir fest, dass unsere englischen Nachbarn bereits ausgelaufen sind. Sie wollten zur Insel Tilos. Arthur ist heute Rudergänger und wir laufen bereits um 09:00 Uhr mit Motor aus. Es steht heute der weiteste Schlag mit über 40 sm an. Bis zur Nordspitze der Insel Astipalaija, kleine Halbinsel Floudha fahren wir unter Motor bei kappeliger See und Wellen mit gut 1,5 m. Bei Windstärke 5 setzten wir bei halben bis achterlich drehenden Winden, volle Segel,zunächst 93 ° Richtung Nysiros. Wir machen gut 5-6 kn Fahrt. Gegen Mittag schläft der Wind ein. Wir müssen bis 15:00 Uhr den Motor laufen lassen. Danach reicht der Wind für beide Segel wieder aus. Ab 16:00 Uhr nehmen wir den Motor wieder unterstützend zu Hilfe. Wir laufen nördlich an der kleinen Insel Pergousa vorbei und können bereits den Hauptort der Insel Nisyros, Mandraki, erkennen. Dort befindet sich der Fährhafen u.a. mit Verbindung nach Kos, sowie eine kleine Marina. An Backbord erkennen wir die Bimsabbauanlagen der kleinen Vulkaninsel Giali die zur Gemeinde Nisyros gehört. Um 16:45 Uhr haben wir nach 43 sm unser heutiges Ziel, den Hafen Pali erreicht. Nach Umrundung des Wellenbrechers legen wir mit Buganker vor der Südmole des Hafens an. Es gibt Strom- und Wasser sowie WLan der visavis liegenden Gaststätte. Außer ein paar Tavernen im Hafenbereich, einem kleinen Laden und einem Bäcker gibt es keine Versorgungsmöglich- keiten. Wir entdecken das Schiff der Engländer, denen wohl der Schlag nach Tilos doch zu weit war. Sie kommen auf dem Weg zum Abendessen bei uns kurz vorbei. Dieter erkundet jedoch noch am gleichen Abend die Lage und reserviert beim gegenüber unserem Liegeplatz ansässigen Fahrzeugverleiher für den kommenden Morgen drei Motorroller. Wir wollen die Insel erkunden und vor allem dem Vulkankrater einen Besuch abstatten. Nach Auskunft des Vermieters sollten wir in jedem Fall bereits vor 11:00 Uhr am Krater sein, da anschließend die Touristenbusse eintreffen. Nach dem Abendessen gibt’s dann noch Ouzo-Singers live from Harbour Pali.

Nisyros - Inselrundfahrt

Tag 13 am 10 Okt., 2015

Wir stehen um 07:30 Uhr auf. Nach dem Frühstück begeben wir uns gegen 09:00 zum Verleiher und lassen uns drei Motorroller, Doppelsitzer, geben. Unsere praxiserprobten Fahrer sind Arthur, Dieter und Thomas. Nach Anprobe der Helme und Aushändigung einer Inselkarte geht’s los. Zunächst bergauf in Richtung Mandraki kommen wir an eine Tankstelle, wo wir auftanken. Es ist die einzige Tankstelle auf der Insel. Wir biegen ab in Richtung Krater. Es geht ständig bergauf und immer wieder haben wir tolle Aussicht,auch auf unseren Hafen und hi- nüber zur Insel Kos. Nach Überquerung eines Bergsattels eröffnet sich plötzlich der im Durchmesser rd. 4 km breite Hauptkrater von Nisyros. Nach einigen Serpentinen im Krater angelangt, verspüren wir bereits die schwefelhaltige Luft, die uns von nun an begleitet. Nach weiteren 2 km erreichen wir die Absperrung des Kraters Stefanos, stellen die Roller auf dem kleinen Parkplatz ab und entrichten eine Eintrittsgebühr von 2,50 Euro p.P. bei der sehr freundlichen Kassiererin. Über einen markierten Fußweg gelangen wir an den Kraterrand und können von oben in den ca. 330 m im Durchmesser großen Krater blicken der vor 6000 Jahren entstand. Es gibt jedoch noch drei kleinere weitere Krater, die in den Jahren 1873 und 1887 entstanden. Darüber hinaus gibt es heiße Quellen im Meeresboden und Stellen unter der Meeresoberfläche an denen Gase aufsteigen. Auf der Nordseite des Kraters Stefanos befinden sich mehrere Öffnungen aus denen Schwefeldämpfe mit z.T. über 100° C austreten. Mittig des Kraters öffnen sich zahlreiche, durch Absperrung gesicherte Löcher mit bro- delndem Schlamm. Auf dem Kraterboden verteilt liegen Meßsonden die durch rote Steine mar- kiert sind die nicht verändert werden dürfen. Arthur ist als erster den Weg in den Krater gegangen und wir folgen in den Schwefeldunst nach. Wir sind fasziniert und beeindruckt,in einem Vulkankrater zu stehen. Nachdem wir ausgiebig fotografiert haben, steigen wir wieder nach oben und stärken uns in der kleinen Ausflugstaverne wo uns eine Fremdenführerin dan- kenswerter Weise für kurze Zeit ihre Schaumappe überlässt bevor sie eine der nun eintref-fenden Touristengruppen führen wird. Wir fahren weiter in das charmante Bergdorf Eborios, hoch oben am Rand der Caldera in 250 m Höhe. Vor dem Ort müssen wir die Roller abstellen, da die Gassen sehr eng sind und nur über Treppen erreichbar sind. Von dort bietet sich nochmals ein fantastischer Ausblick in den Krater. Wir gelangen durch enge Gassen, oftmals vorbei an zerfallenen Wohngebäuden, zur höchsten Erhebung innerhalb des Ortes, dem Vulkan- observatorium welches 2008 eröffnet wurde. Das kleine Dorf wird derzeit mit Hilfe von EU- Fördermitteln renoviert. Nach Besichtigung der Ortskirche kehren wir gegenüber im beschau-lichen, aber guten Gasthaus „Tabefaa“ ein und nehmen auf der Terrasse mit Kraterblick Platz. Wir bestellen jeweils nur ein kleines Gericht, werden aber vorzüglich auch mit einem guten Wein, sehr preiswert bewirtet. Anschließend setzen wir unsere Inseltour mit der Fahrt nach Nikia fort. Dieser Ort, der auf etwa 400 m Höhe liegt, ist ebenfalls auf dem Kraterrand gebaut. Dort befindet sich seit 2008 das Vulkanmuseum Nisyros mit anschaulichem Material zum Vulkanismus der Insel. Leider können wir unsere Rundfahrt von Nikia aus nicht fortsetzen, da es nur eine Wege- aber keine Straßenverbindung in Richtung Westen gibt. Wir fahren über eine ehemals asphaltierte Straße bergab durch Weideland und Olivenplantagen. Endstation ist an einer Kapelle, es ist niemand da, und einen Ort gibt es auch nicht, nur ein paar Ruinen und eben die Kapelle, die dem heiligen Panteleimonas geweiht ist. Sehr ordentlich und gepflegt, witzig die grinsenden Engelköpfchen an der steinernen Ikonostase. Das angrenzende Haus, wohl für die Wallfahrer, ist geschlossen. Tische und Bänke zum Ausruhen laden im Garten ein. Ein schmaler Treppenweg führt hinunter zum Strand und zu dem kleinen Hafenbecken das wohl früher in Betreib war. Angeblich soll es hier auch heiße Quel- len geben. Unser Ausblick geht hinüber zur Insel Tilos. Die weitere Route führt uns nun nach Mandraki, dem Hauptort der Insel. Dort herrscht reger Touristenverkehr auch auf der Hauptstraße, sodass wir mit den Rollern nur äußerst langsam und vorsichtig fahren können. In einer der Gassen verlieren wir uns, weil nirgends ein Schild zu erkennen ist. Eigentlich wollten wir zu der Johanniterburg. An einer Abzweigung am Strand treffen wir uns wieder, stellen die Roller ab und genehmigen uns einen Kaffee in einer Strandbar. Anschließend schaffen wir die Auffahrt zur antiken Akropolis Paliokastro mit ihren Mauern aus Basalt, eine der besterhaltenen Festungen aus der Zeit des 4.Jahrhunderts v. Chr. Die Anlage wurde zwischen 2003 und 2008 rekonstruiert und ist Besuchern heute frei und ohne Einschränkungen zugänglich. Von dort ein herrlicher Blick auf Mandraki mit seiner Johanniterburg und über das Meer zur Insel Kos. Da es bereits Abend werden will, fahren wir nach Pali zurück. Thomas gibt seinen Roller noch nicht ab und fährt nochmal nach Mandraki um dort Fleisch für ein Souflaki einzukaufen. So genießen wir ein sehr gutes Abendessen und lassen den Abend mit Gitarrenmusik und Liedern ausklingen.

Kos Marina

Tag 14 am 11 Okt., 2015

Wir verlassen Pali um 10:45 Uhr. Es ist bedeckt. Der Wind bläst zwischen 20 – 30 kn aus SE. Max steht nochmal am Ruder. Wir setzen zunächst Segel, gerefft Vor- u. Groß jeweils ½, nach 1 ½ Stunden nehmen wir die Reffs raus und legen Kurs 34° an. Die See ist kappelig, der Wind dreht öfters um 30 – 40 °. Ein paar Tropfen Regen fallen. Auch macht sich je näher wir an Kos kommen, die Strömung bemerkbar, die zwischen dem türkischen Festland Nahe Bodrum bzw. Turgutreis und der Insel Kos besteht. Um 14:15 in Sichtweite der türkischen Küste nehmen wir den Motor bis Kos zu Hilfe. Mittlerweile haben wir wieder 30 kn Wind der die Einfahrt in die Marina nicht leichter macht. Eigentlich müssten wir erst noch die vor der Marina liegende Tankstelle anlaufen. Dort herrscht jedoch großer Schwell, sodass wir darauf verzichten und mit gebührendem Abstand zum Wellenbrecher weiter in Richtung Einfahrt zur Marina fahren. Nach einer 90° Wende am Ende des Wellenbrechers wird die Einfahrt sichtbar. Ein Schlauchboot mit einem Lotsen signalisiert uns, am Steg B festzumachen. Er fährt uns in der engen Gasse voraus und verweist auf die vorletzte Box am Ende der Steganlage. Na Super ! Wir gehen zunächst noch ein Stück in Richtung Hafenbecken, schalten das Bugstrahlruder ein und fahren mit dem Heck voraus in Richtung unseres Liegeplatzes. Fast hätten wir eine Mooring gekappt, die Segelkameraden passen jedoch auf und uns gelingt es wieder unbeschadet freizukommen. Schließlich drehen wir mit Hilfe des Bugstrahlruders, das von Dieter bedient wird, in unsere Box zwischen zwei Schiffen ein. Wir nehmen letztmals die Mooring auf und belegen die Heckleinen. Es ist 15:30 Uhr, die letzte Etappe mit 22 sm war geschafft. Der Stützpunktleiter von Kiriacoulis, Pepos Ritsiardis und seine Marineros sind zwar noch anwesend, wollen jedoch heute keine Übernahme mehr machen. Er will morgen um 09:00 Uhr wieder kommen. Also haben wir alle Zeit der Welt für ein letztes Anlegebierchen. Thomas verkauft unseren Getränkeüberschuss an Bier und Orangensaft an eine polnische Crew, die gerade dabei ist, ihr Schiff zu bestücken. Unsere Nachbarn an backbord, ältere Herren aus Sachsen übernehmen nach Verkostung eine noch volle Flasche mit 1,5 Ltr. Ouzo. So wird die Bordkasse nochmal angereichert, sodass wir davon auch den Transfer zum Flughafen bestreiten können. Wir füllen noch die Wassertanks nach, bevor nach einer ausgiebigen Dusche in her- vorragenden Sanitärräumen der Gang in die Stadt angetreten wird. Wir kommen auf diesem Weg erst am Strand entlang. Dort liegen einige Schwimmwesten und ein defektes Schlauchboot, wohl von Flüchtlingen zurück gelassen. Wir kommen in der Nähe der Burg vorbei und sehen in einem der Parks nach dem Eingang ein großes Zelt und zur Essensausgabe anstehende Menschen. Die UN-Flüchtlingshilfe hat dort ein Camp errichtet. Wir kommen über den Hauptplatz mit Moschee und Kirche und tauchen in die Gassen des Bazars ein. An einem weiteren Platz lassen wir uns auf der Terrasse eines Lokals nieder. Der Wirt ist sehr freundlich, das Essen prima. Gut gestärkt gehen wir zurück zum Schiff und verabreden um 07:00 Uhr aufzustehen. Das Frühstück soll im Marina Restaurant eingenommen werden.

Heimreise Kos - München - Würzburg

Tag 15 am 12 Okt., 2015

Um 07:00 Uhr heißt es Aufstehen für die "Frankensegler", Duschen und Packen. Die noch übri- gen Vorräte stellen wir auf dem Salontisch zusammen. Der letzte Müll wird zum Container gebracht. Die Gepäckstücke reihen wir am Kai auf, da um 09:00 Uhr zunächst ein Beauftragter des Vercharterers erscheint, der das Boot mit Skipper und Günter an Bord zum Tanken fährt. Wir wollten das nicht mehr selbst erledigen. Bei der Fahrt ist er der Meinung, dass der Motor nicht rund laufe und die Drehzahl sich immer wieder verändern würde. Er teilt dies per Handy dem Stützpunktleiter mit. Nach dem Tanken bringt er das Boot nicht an den letzten Liegeplatz zurück, sondern fährt eine Gasse weiter, die wesentlich breiter angelegt ist. Dort parkt er rückwärts ein, die Marinieros besorgen das Festmachen. Der Stützpunktleiter Pepos Ritsiardis kommt an Bord. Er überprüft sämtliche Segel und kontrolliert Zahl der Fender und Festmacher. In der Kabine zählt er die Automatikwesen die neben dem Salontisch liegen. Nach Sichtung der Toiletten überprüft er die Instrumente, kontrolliert die Bilge und den Ölstand im Motor. Er fragt nach, ob es Probleme gleich welcher Art bzw. Schäden oder Mängel gab. Das hatten wir, abgesehen von Dieters Elektroreparatur nicht. Danach startet er den Motor und geht bis auf 3000 Umdrehungen. Die Maschine läuft ruhig und gleichmäßig. Auf den Einsatz eines Tauchers wird verzichtet. Wir können die übrigen Lebensmittel im Schiff stehen lassen, das Reinigungspersonal würde dies unter sich aufteilen und mitnehmen. Er bittet mich dann ins Büro zwecks Unterzeichnung des Abnahme- protokolls und Rückgabe des hinterlegten Visa-Kautionsscheines. Alles ist in Ordnung. Während Günter, Thomas und Max noch eine Kleinigkeit im Restaurant essen, erscheint um 10:45 Uhr bereits der Kleinbus der uns zum Flughafen bringen wird. Wir laden das Gepäck ein, fahren noch ein Stück durch die Stadt und über eine Ausfallstraße, vorbei an einem Schiffsfriedhof dem Flughafen entgegen, den wir nach 25 km erreichen. Wir haben noch viel Zeit , da unser Flieger erst um 13:10 nach München weggehen soll und der Air Berlin Schalter auch noch geschlossen hat. Nach und nach drängen jedoch immer mehr Touristen in die große Abflughalle. Endlich können wir einchecken. Die Gitarre geht wieder mit zum Handgepäck. Nach Absolvierung der Kontrollen warten wir auf das Boarding, das sich jedoch verzögert, weil der Flieger mit 20 minütiger Verspätung eingetroffen ist. Kurz nach 13:30 Uhr kommen wir jedoch weg, haben einen ruhigen Flug und sind um 16:15 Uhr in München. Nach- dem wir unser Gepäck in Empfang genommen haben bleibt noch ausreichend Zeit für ein Abend- essen im Airbräu. Draußen können wir nicht mehr Platz nehmen, da es doch schon kälter ge- worden ist und wir noch die Wärme der Ägäis gewohnt waren. Um 18:00 Uhr nehmen wir die S-Bahn zum Hauptbahnhof und steigen dort um 19:10 in den RE nach Nürnberg ein. Von dort geht’s mit der Mainfrankenbahn in Richtung Würzburg. Günter steigt als erster in Markt Bibart aus. Artur und Max verlassen in Kitzingen den Zug während Kurt, Thomas und Dieter noch bis Würzburg zu ihren Umstiegen weiter fahren.

Resümee:
Ein wunderbarer Törn ist zu Ende gegangen. Als Skipper bedanke mich bei der ganzen Mannschaft, besonders beim Organisator, Co-Skipper und Navigator Günter, der seine Aufgabe bestens erfüllt und besonders am zweiten Segeltag gefordert war. Die Kameradschaft war ausgezeichnet, jeder hat seine Aufgaben bedingungslos und umsichtig erledigt. Die einzelnen Segeletappen, aufgelockert durch Landgänge und Exkursionen, entsprachen unseren Erwartungen. Trotz anspruchsvollem Segeln in der südlichen Ägäis, die für uns nautisches Neuland war, hatten wir einen harmonischen Törn. Auch der tadellose Zustand des Bootes hat dazu wesentlich beigetragen. Mehr als rundum zufrieden kann ich, ohne die bisherigen Törns schmälern zu wollen guten Gewissens sagen: „Dies war mein schönster Törn“. Vielleicht geht’s Euch Kameraden genau so?

Mast- und Schotbruch!!!

Max