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Herbsttörn 2015 - Ijsselmeer

9 Okt., 2015
von Georg Brau
Niederlande
Bavaria 46 Cruiser

Die erste individuelle Charter der Yachtschule Brau: Vier junge Männer sind an mich herangetreten mit dem Wunsch, die im letzten Jahr in einem Sportbootführerscheinkurs erworbenen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Trotz meiner anfänglichen Bedenken (ich hatte bisher noch keine eigenen Segelerfahrungen auf dem Ijsselmeer) setzten wir den Plan in die Tat um und charterten eine Bavaria 46 Cruiser, Tiefgang: 1,95 m! Als ich später auf die Karte sah und feststellte, dass im IJsselmeer überwiegend Tiefen von 2.50 m bis 6,50 m vorhanden sind, kamen zunächst große Bedenken auf, aber bei sorgfältiger Navigation muss man keine Angst vor geringen Wassertiefen haben.

Übernahme

Tag 1 am 17 Sept., 2015

Nach einer anstrengenden Autofahrt mit heftigen Regenschauern erreichte ich den Hafen von Lemmer gegen 14.00 Uhr. Das Wetter änderte sich schlagartig mit meinem Eintreffen auf dem Marinegelände. Von der freundlichen Basisangestellten "Monika" bekam ich eine Checkliste und wurde gebeten, das Schiff nach dieser Checkliste zu überprüfen. Ein Mitarbeiter der Charterfirma würde später vorbeikommen und Fragen beantworten bzw. nicht gefundene Ausrüstungsgegenstände zeigen.
Alles verlief reibungslos: Aufgrund einer sehr guten Beschreibung wurde alles gefunden, das sonst zur Ausstattung dazu gehörende Dingi gab es nicht, "das braucht man auf dem IJsselmeer nicht", genauso wenig wie eine Rettungsinsel. Da am Vortag ein Blitz in den Mast eingeschlagen war, wurde der Autopilot funktionsunfähig, als Gegenleistung für den nicht funktionierenden Autopiloten bekamen wir Bettwäsche und Handtücher zum Nulltarif - großzügige Regelung.
Nicht zufriedenstellend für mich war die Regelung mit der Kaution. Sie musste in bar hinterlegt werden, wenn man nicht die 4% Kosten für die Kreditkarte bezahlen wollte. Von der EC-Karte wäre die Kaution abgebucht worden und eine Woche später wieder zurück überwiesen worden. Diese Regelung ging bisher bei allen anderen Vercharterern anders.
Die restliche Crew erreichte das Schiff gegen 19.00 Uhr, wir gingen im Marinarestaurant essen (sehr zu empfehlen!), danach besprachen wir an Bord einige Sicherheitsregeln und planten den Törnverlauf. Da ein weiteres Crewmitglied am nächsten Abend erwartet wurde, nahmen wir uns den Ort "Stavoren" als Liegeplatz für die kommende Nacht vor.

Erster Segeltag bei Sonne und Wind

Tag 2 am 18 Sept., 2015

Kurz nach dem Frühstück fuhren wir unter Maschine zur "Prinzess Margrietsluis". Schnell verstanden wir das System: Sportboote fahren in eine "Sportbootgasse", machen dort fest und warten, bis die Berufsschifffahrt in die Schleuse eingefahren ist. Bei "Grün" dürfen auch die Sportboote einfahren. Trotz des seitlichen Windes gelang es uns, an der Luvseite der Schleuse unsere Leinen über kleine Poller zu werfen, das erleichterte unser Ablegemanöver später.
Nach dem Schleusen benutzten wir zunächst ein betonntes Fahrwasser, später verließen wir dieses und fuhren dann unter Segel Richtung Enkhuizen. Wind mit 4-5 Bft sorgte dafür, dass wir schnell vorankamen. Das Schiff krängte fast bis zur Scheuerleiste bei starkem Ruderdruck. Konsequenz: Wir refften zunächst das Groß- danach auch das Vorsegel, anschließend hatten wir weniger Krängung und behielten fast unsere Geschwindigkeit von über 8 kn. Auch unsere "Neulinge" übernahmen das Ruder, beide konnten auf Anhieb den Kurs halten und genossen diesen super schönen Segeltag bei Sonne und Wind.
Am Nachmittag nahmen wir Kurs auf die "Johann Frisosluis" vor der Einfahrt vom Hafen von Stavoren. Wir bekamen einen Liegeplatz längsseits an der Kaimauer direkt im Ort Stavoren. Hier warteten wir auf ein weiteres Crewmitglied, das abends mit seinem Wohnmobil anreiste. Jetzt waren wir vollzählig! Unser Plan für den nächsten Tag: Hoorn.

Überfahrt nach Hoorn

Tag 3 am 19 Sept., 2015

Unmittelbar nach dem Verlassen der Schleuse setzten wir wieder die Segel und fuhren hoch am Wind Richtung Den Oever. Als das Wasser flacher wurde, wendeten wir und fuhren raumschots Richtung Spuisluis, dann durch die Schleuse bei Krabbersgat. Hier benutzen wir als Segelyacht mit einem langen Mast die neu gebaute Schleuse und ersparten dadurch das Schließen einer Brücke, denn für die Autos war ein Tunnel unterhalb der Schleuse gebaut worden! Wir schleusten zusammen mit zwei großen Plattbodenschiffen. Nach der Schleuse setzten wir zunächst nur unsere Genua. Als die Plattbodenschiffe dann aber "Vollzeug" fuhren und sich von uns entfernten, packte uns der Ehrgeiz: Das Großsegel wurde gesetzt, und tatsächlich gelang es uns, zwischen den beiden "Großen" hindurchzufahren. Deutlich konnten wir erkennen, dass auf beiden Schiffen versucht wurde, die Segelstellung zu optimieren, wir waren trotzdem schneller und erreichten den Hafen von Hoorn als erste.
Dem Handbuch entnahmen wir, dass es in Hoorn nicht nur die Marina gab, sondern auch einen "Stadthafen". Der Wind war inzwischen abgeflaut, deshalb wagten wir es, mit unserem relativ großen Schiff durch eine enge Zufahrt in den Hafen von Hoorn einzulaufen. Wir hatten Glück und fanden ganz am Ende des Hafens noch einen Platz neben einem privaten Plattbodenschiff. Zum Essen gingen wir in ein schnuckeliges Restaurant in der "ersten Reihe". Es wurde ein gemütlicher Abend. Aufgrund des milden Wetters konnten wir später in der Plicht unserer Yacht diesen Abend ausklingen lassen mit einem "Absacken" (Gerston, Bended Malt Scotch Whisky).

Rückfahrt

Tag 4 am 20 Sept., 2015

Kurz nach dem Sonnenaufgang und vor dem Frühstück verließen wir unseren gemütlichen Liegeplatz wieder und machten uns auf den Weg zurück nach Lemmer. Während wir durch das "Nadelöhr" aus dem Hafen hinausfuhren, malten wir uns aus, wie es wohl einige Stunden später hier aussehen würde, wenn viele Yachten gleichzeitig den Hafen verlassen würden!
Das Wetter meinte es auch an diesem Tag gut mit uns: Bei leicht bewölktem Himmel und gutem Segelwind fuhren wir zunächst wieder zur Schleuse, danach konnten wir raumschots direkt die Einfahrt zum Hafen von Lemmer anhalten. Gegen 15.00 Uhr machten wir in der Marina fest, das Schiff wurde ohne besondere Vorkommnisse übergeben, und wir traten die Heimreise an.
Fazit: Das Segeln auf dem IJsselmeer hat uns positiv überrascht! Die Agentur "Enjoy Sailing" verfügt über viele gepflegte Schiffe, das Personal ist freundlich und kompetent, für uns stand fest: Diese Station ist unbedingt zu empfehlen!