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Hebriden und Meer

15 Okt., 2015
von Dominik Kruchen
Scotland, Vereinigtes Königreich
Hanse 400

Hebriden und Meer, Schottland-Törn 2015

Ein erster Höhepunkt des Törns war sicherlich die Anreise. Mit dem Ausgangspunkt Badachro wurde die am weitest nördlich liegende Yachtcharterstation in Schottland gewählt. Dem entsprechend langwierig gestaltete sich die individuelle Anreise. Wir z.B. wählten das Wohnmobil und ließen uns viel Zeit. Zunächst mit der Fähre von Ijmuiden nach Newcastle und dann mit einigen Stationen im Landesinneren in die Bucht von Garloch, oberhalb von Sky. In Fort William wurde vorher noch ein Crewmitglied aufgesammelt, es war nach Glasgow geflogen und mit dem Bus weiter gereist. Ohne Absprache verpassten wir da knapp ein weiteres Team, sie waren stielecht mit einem rechts gelenktem Wagen aus den 70ziger Jahren angereist und besorgten in der Stadt schon mal den frischen Proviant, da in der Nähe der Station die Versorgungsmöglichkeiten doch recht dünn waren. Mitten auf dem Weg zwischen Fort William und Bardacho passierte, was man ja eigentlich nicht mehr vermutet: Reifenschaden mit Platten- und der Ersatzreifen lässt sich dank verkehrten Schrauben nicht montieren. Gut, wenn so etwas nicht unter Zeitnot passiert, aber die schottischen Werkstätten zeigten sich hier zuverlässig und hilfsbereit. So traf die Crew am Vorabend der Bootsübernahme wohl behalten am Ort ein und konnte noch ein gemütliches Abendessen im Preis gekröntem Badachro-Inn einnehmen.

Am nächsten Tag konnte gegen Mittag das Boot übernommen werden. Im Inn gab es die ersten Instruktionen und gleich eine Bitte von Peter Henderson, dem Inhaber von „Spirit of June Yachtcharter“. Da in Oban eine Yacht ausgefallen war bat er uns, das Boot dorthin zu überführen, für einen entsprechenden Rücktransport würde gesorgt. Auch wenn die geplante Umrundung von Sky damit dahin war, willigten wir doch nach kurzer Beratung ein. Schließlich bekommt man nicht alle Tage einen kostenlosen One-Way-Törn angeboten und für einige stellte Oban als Ziel eine willkommene Abkürzung der Rückreise dar. Das Beladen der "Tioram", einer Hanse 400 aus dem Jahr 2007, stellte sich als etwas ungewöhnlich dar. Die besonders geschützte Bucht von Badachro verfügt nicht über einen Schwimmsteg oder einer Hafenmole mit ausreichend tiefem Wasser. Deshalb mussten alle Vorräte und Gepäck mit einem RIB zum Boot gebracht werden. Mit ein paar Fahrten war dies allerdings schneller wie befürchtet erledigt und so konnte noch am gleichen Nachmittag von der Boje abgelegt werden.
Als Etappenziel wurde Portree auserkoren, dem hübschen, touristischem Hauptort der Insel Sky. Kaum aus der Bucht, konnten die Segel zum ersten mal gesetzt werden, auf einem Charterschiff immer ein spannender Augenblick. Der erste prüfende Blick ergab: Großsegel OK, die Genua sollte vielleicht mal ausgetauscht werden. Wie in Schottland üblich, verfügte das Groß über Lazy-Jacks und drei Patent-Reffs. Die starken Winde erfordern häufig gut reffbare Segel, ein Rollgroß wird man dort selten antreffen. Auf dem letztem Teil der Strecke musste, wegen der Landabdeckung der Isle of Raasay, unter Motor gefahren werden. In der Bucht von Portree angekommen, nutzen wir eine der für Besucher ausgelegten Mooring-Tonnen, eine häufig anzutreffende Einrichtung im Fahrgebiet. Oft werden diese von Gasthäusern angeboten und man hat die Wahl, entweder eine Gebühr zwischen 10 und 15 Pf. zu bezahlen oder in dem Pub sein Abendessen einzunehmen.
Die Anzahl von Häfen mit Schwimmstegen und auch der Möglichkeit Wasser zu bunkern, sind in der Tat ebenfalls übersichtlich. Deshalb musste mit dem Wasservorräten sorgfältig gehaushaltet werden und die Nutzung der Dusche war nur eingeschränkt möglich. Nicht jede Crew mit immerhin vier weiblichen Mitgliedern hätte dies so klaglos hingenommen.
Für Landausflüge stand uns ein ordentliches Schlauchboot zur Verfügung, was praktisch am Heck eingeklinkt werden konnte und dann nur noch nach oben angeklappt werden musste. Auch dies stellte in diesem Fahrgebiet eine durchaus sinnvolle Einrichtung dar, im Mittelmeer würde man sich damit die Bademöglichkeiten behindern oder auch das Anlegen mit dem Heck erschweren. Vor allem das Baden aber erschien uns bei den vorherrschenden Temperaturen verzichtbar.

Von Portree aus sollte es am folgenden Tag durch die enge Durchfahrt Kyle of Lochalsh gehen. Diese Querung musste sorgfältig geplant sein, da dort je nach Gezeit Ströme bis zu 8 kn auftreten. Stellen die Gezeitenhöhen nicht oft ein Problem dar, da die meisten Häfen und Buchten natürlich geschaffen sind, kaum trocken fallen und auch keine Barren zu queren sind, muss der lokale Strom des Öfteren berücksichtigt werden. Besonders wenn Wind gegen Strom steht, können äusserst unangenehme Wellen und die berüchtigten Eddies entstehen. Bei der Anfahrt der Brücke über den Sky-Sund waren wir einigermaßen gespannt, hatten wir alle Zeiten auch richtig berechnet? Aber alles hatte gepasst, kaum Strom und direkt hinter der Brücke konnten wir an einem Schwimmsteg festmachen. Auch wenn der Ort mit einem kleinem öffentlichem Schwimmbad lockte, am nächsten Morgen musste um 4 Uhr 30 abgelegt werden, deshalb kam das örtliche Nachtleben ebenfalls ohne uns aus. So eine Fahrt im Morgengrauen hat seinen ganz besonderen Reiz, in grandioser, leicht Wolken verhangener Berglandschaft warfen wir die Leinen los. Eine einzigartige Natur, zwischenzeitlich 3-4 kn mitlaufender Strom, neugierige Robben und eine vielfältige Vogelwelt beeindruckte uns nicht nur an diesem Morgen. Die letzten Meilen in Loch Nevis überraschten uns schließlich mit reichlich Gegenwind bis 30 kn, der Crew jedoch machte das Aufkreuzen mit gerefftem Groß für eine überschaubare Zeit auch mal Spaß. Als schon um knapp nach 10 Uhr an der Boje des Pub's von Inverie festgemacht werden konnte, nutze man die gewonnenen Stunden für ein paar Stunden Schlaf. Abends ging's dann zum leckeren Dinner in die Gaststube, nur wer dort auch zu Abend isst, braucht die 15 Pfund Mooringgeld nicht zu zahlen.

Da die nicht mehr ganz taufrische Genua den starken Wind vom Vortag nicht komplett weggesteckt hatte, versuchten wir am nächsten Tag in Mallaig einen Segelmacher zu finden oder einen passenden Flicken zu bekommen. Beides war nicht aufzutreiben, kurzerhand nähten unsere Damen das gute Stück notdürftig zusammen, was aber deutlich besser hielt wie erwartet. Auf dem weiteren Weg zur malerischen Insel Canna konnte die so reparierte Fock dann gleich ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Die Hafenbucht zeigte sich rappel-voll, alle Mooringbojen belegt und schon einige Ankerlieger zwischendrin. Entsprechend Mühe machte das eigene Ankermanöver und wir lernten zunächst den Unter-Wasser-Gemüsegarten der schottischen Gewässer kennen. Der dritte Versuch schließlich saß, die traumhafte Umgebung entschädigte für alle Mühen und wir genossen diesen Abend an Bord.

Die Strecke von Canna nach Tobermory am Mittwoch betrug nahezu 40 Meilen, mit prima achterlichtem Wind kamen wir gut voran, obwohl wir nur die Genua setzten. Am liebsten hätten wir ja noch am gleichen Tag die dort ansässige Distillerie besichtigt, leider hatten wir an den dortigen Schwimmstege nicht rechtzeitig festmachen können. Doppeltes Pech, denn am nächsten Tag mussten wir feststellen, dass genau am diesem Tag die Whisky Brennerei wegen Wartungsarbeiten geschlossen war. Also begnügten wir uns mir einem Tasting und erstanden eine Flasche Tobermory zum baldigen Gebrauch.

Der Weg zu unserem vorletzten Ziel, Loch Spelve, führte ca. 17 sm durch den Sound of Mull. Wiederum achterlicher Wind schob unseren Schmetterling vorbei an der herrlichen Küste der Insel Mull, auch hier gibt es je nach Gezeit beachtliche Ströme. Gerade bei der Ausfahrt in den Firth of Lorn können diese zu äußerst unangenehmen "overfalls" führen, am nächsten Tag sollte wir eine Anmutung davon bekommen, wie Wind gegen Strom die Wellenberge türmen kann. Zunächst mussten wir noch die schmale Durchfahrt von Loch Spelve passieren, den tückischen „Mushroom-Felsen“ am Rande der Enge beachten und an zahlreichen Farmen leckerer schottischen Pfahlmuscheln vorbei zu unserem Ankerplatz. Noch einmal umgaben uns die verschlafenden grünen Hügel der hebridischen Inselwelt, eingetaucht in lichtgraue, Sprühregen spendende Wolken, die vom Atlantik kommend es so eilig haben ihre Wassermassen über den Highlands los zu werden. Norbert meinte dazu trocken: Vielleicht sollten wir das nächste mal doch im Sommer kommen. Die Schotten selber nehmen es ebenfalls mit Humor, sie sagen: wir nehmen das Wasser und etwas Gerste und 10 Jahre später wird Whisky daraus.
Der letzte Törn am Freitag brachte uns dann mit etwas wehmütiger Abschiedsstimmung nach Oban-Dunstaffnage, dem Herz der schottischen Segelszene. Der dann später einsetzende Regen erleichterte dann vielleicht doch das Einsteigen, Peter brachte uns zurück zum Startpunkt. Unser gemeinsames Fazit: Schottland hat uns nicht zum letzten mal gesehen.

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