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Frühjahrstörn in der westlichen Ostsee

6 Juni, 2014
von Bernd Rohlfs
Deutsche Küste / Dänemark
Dufour 375

Ein 2 Generationen Frühjahrstörn auf der Ostsee. Anlass war der Wunsch meines Vaters mit seinen 83 Jahren doch auch endlich mal einen Segeltörn mit seinem Sohn machen zu wollen. Recht hatte er, Zeit war's und wir haben uns dann wegen der unkomplizierten Anreise (für die Norddeutschen) für die Ostsee entschieden.

An Bord waren neben dem Skipper, sein Vater und sein Schwager Andreas, sowie als Verstärkung für die erste Hälfte des Törns, Bernard, ein langjähriger Wegbegleiter des Skippers(nicht nur seglerisch)

Freitag - Check Out in Burgtiefe

Tag 1 am 23 Mai, 2014

Bei Buchung der Reise und selbst nach Erhalt der Reiseunterlagen ist mir zunächst nicht aufgefallen, dass die Dinge bei Real Sailing in Burgtiefe etwas anders funktionieren. Der sonst übliche Rhythmus: Anreise und Check Out am Samstag und Rückreise am Freitag Abend gilt hier nicht.

Man reist am Freitag an und der Check Out ist um 17:00. Am nächsten Donnerstag Abend muss man zurück sein und Check In ist dann am Freitag Vormittag. Grundsätzlich kein Problem. Man vermeidet sogar staugefährdete Hauptanreisetage. Man muss es nur wissen und darauf achten, wenn man z.B. Flüge bucht. Der Grund für diese Phasenverschiebung ist übrigens, dass am Samstag die Putzfrauen alle damit beschäftigt sind die Ferienwohnungen zu putzen.

Der Yachthafen in Burgtiefe ist schlicht & funktional und bietet keine Einkaufsmöglichkeiten. Anreise mit dem Auto ist einfach. Sollte man per Flugzeug anreisen (Hamburg) so empfiehlt sich ein Leihwagen von Avis, den man in Burg (4km von Burgtiefe) wieder abgeben kann. Das eigene Auto kann übrigens nicht in Burgtiefe stehen bleiben, weil die hunderte von Parkplätzen alle zu den Ferienwohnungen gehören. Real Sailing organisiert dankenswerterweise eine Parkmöglichkeit in der Nähe und den Shuttle hin und her.

Burgtiefe selbst finde ich persönlich geradezu deprimierend. Hier sollte man nicht länger festmachen, wenn man suizidal veranlagt ist. Hunderte von Ferienwohnungen in Plattenbauweise. Das empfohlene Restaurant (Haus am Strand) war selbst in der Vorsaison total überlastet und man wurde innerhalb von 30 Sekunden gleich von 2 Kellnern abgekanzelt. ('wenn sie nicht reserviert haben, brauchen sie gar nicht reingehen' & 'ich sag ihnen gleich: mindestens eine Stunde Wartezeit!)

Drüben in Burgstaaken gibt es das Lotsenhus, wo man freundlich bedient wird und sehr lecker Fisch essen kann. Die Taxifahrt lohnt sich, wenn man - so wie wir - den ersten Abend in Burgtiefe bleibt.

Der Check Out von Real Sailing war freundlich und kompetent. Der Chef hat eher norddeutschen Charme, aber seine Damen sind sehr nett und kennen sich aus.

Unser Boot, die 'Dolce Vita', eine Dufour 375 war in gutem Zustand es gab nur Kleinigkeiten zu bemängeln. Note Gut für die Charterfirma.

Burgtiefe - Aeroskobing

Tag 2 am 24 Mai, 2014

Am Samstag früh ging es dann auf den ersten langen Schlag Richtung Nordwesten. Wetter war schön und für die Jahreszeit angenehm warm. Der Wind war war zunächst ganz brauchbar mit 2-3 Bft aus Nord, lies dann aber im Laufe des Vormittags immer weiter nach. Irgendwann haben wir dann den Motor angeworfen und Kurs auf Marstal an der Südostspitze von Aero genommen. Dann an Marstal vorbei und ins enge Fahrwasser Richtung Aerosköbing. Bei Null Wind und unter Maschine alles ganz einfach. Für Aero Neulinge empfiehlt sich dennoch ein gründlicher Blick in die Seekarte, damit einem klar wird, dass man wirklich im Fahrwasser bleiben sollte.

Vorsaison ist toll! Im Stadthafen von Aerosköbing habe ich bisher noch nie die freie Auswahl an Liegeplätzen gehabt!!
Vorsaison ist blöd!! Alle Restaurants in der wirklich schnuckligen Altstadt geschlossen. Mach nix. Spagetti gekocht und die herrliche Abendstimmung in Aerosköbing genossen. Ein wirklich schöner erster Tag.

Aeroskobing - Dyvig

Tag 3 am 25 Mai, 2014

Auch am nächsten Morgen hatten wir zunächst herrliches Mai Wetter und sind bei 2 Bft Richtung Nordwesten weitergesegelt. Der Wind hat uns dann wieder gegen Mittag im Stich gelassen und wir sind weiter Richtung Nordseite der Insel Als motort. Auf dem Weg haben wir mehrmals Schweinswale gesichtet, teilweise direkt am Boot. Sehr toll! An der Nordseite von Als ist dann wieder Wind aufgekommen und wir sind bei perfekten Segelbedingungen (Sonnenschein und 3 Bft.) die Nordküste entlang in den Als Fjord gesegelt. Gleich am Eingang geht es links rein nach Dyvig. Ein absoluter Dänemark Segeltraum! Eine Einfahrt durch ein superenges Fahrwasser (ca. 12m breit) und dann rein in eine putzige kleine Bucht, in der man ankern kann oder im örtlichen Yachthafen sicher in einer Box sicher festmachen kann.

EIN KLEINOD!! Eine der schönsten Buchten, die ich kenne.

Es gibt einen kleinen Tante Emma Laden, eine ganze Menge Grills, die man benutzen kann und gute sanitäre Einrichtungen. Dyvig bekommt eine ganz dicke Empfehlung und wenn in die Nähe kommt, dann solle man unbedingt versuchen dort einen Platz zu bekommen.

Dyvig - Kappeln

Tag 4 am 26 Mai, 2014

Dritter Tag, gleiches Wetter! Dänemark segeln vom feinsten. Es ging den Als Sund runter Richtung Sonderburg. Sehr idyllisch. Man kommt sich vor, als sei man in einem dieser Inga Lindström Filme. Links und rechts wechseln sich grüne Wiesen und Wälder ab mit hübschen Landgütern und Bauernkaten. In Sonderburg kurz warten, bis die Klappbrücke aufmacht und dann raus auf die Flensburger Förde. Kurs Südost. Wind hat sich bei 3-4 Bft eingependelt. Leider können wir die Ecke nicht ganz anliegen und kreuzen die Förde raus und um den Leuchtturm Kalkgrund herum. Dann weiter Richtung Südsüdost nach Schleimünde.
Der Wetterbericht für die nächsten 2-3 Tage sah miserabel aus (Sturm aus Ost) und wir wollten das so geschützt wie möglich abwettern. Also rein nach Kappeln. Die Schlei raufsegeln ist immer wieder schön und es ging ein zweites Mal an diesem Tag durch eine herrliche Landschaft.

In Kappeln dann durch die Brücke zum Arnisser Yacht Club, gleich hinter der Brücke. Der einzige Hafen in Kappeln, der auch noch durch eine Mole in Richtung Ost geschützt ist. Man liegt sehr schön in den üblichen Ostsee Boxen und ist zu Fuss in 3 Minuten in der Stadt. Vorsicht beim einparken. Hier geht häufig spürbare Strömung! Mal rein, mal raus. Unbedingt darauf achten.

Für uns war das Anlegemanöver dann besonders prickelnd. Kurz vor der Schleibrücke in Kappeln hatten wir zusehends Probleme mit dem Ruder, das dann beim anlegen mehr oder weniger komplett blockierte. Was passiert war erzähle ich morgen....

Festgeweht in Kappeln

Tag 5 am 27 Mai, 2014

Leider war der Wetterbericht korrekt und über Nacht wurde das schöne Mai Wetter von einem kalten Oststurm davon geblasen. Die Temperatur fiel drastisch und es gab zeitweise bis zu 35 Knoten Wind aus Ost.

Was uns die Gelegenheit gab dem blockierten Ruder auf die Spur zu kommen. Ein interessanter Fehler, den ich so in all den Jahren auch noch nie gesehen habe. Der Real Sailing Vercharterer meinte später, wenn ihm jemand die Geschichte erzählt hätte, dann hätte er sie nicht geglaubt.

Was war passiert? Am Ruderquadranten, der von den Steuerseilen bewegt wird greift von Steuerbord die Schubstange des Autopiloten an und von Backbord die Geberstange für den Lagesensor, damit, der Autopilot auch weiss, wo er ist. Diese beiden Stangen treffen sich quasi auf einem gemeinsamen Blech, das dann wiederum am Ruderquadranten befestigt wird. Dieses Blech hatte sich aus unerfindlichen Gründen um 180 Grad in der horizontalen gedreht und ragte jetzt nach hinten über den Quadranten hinaus. Dort hat sich dann einfach zwischen Ruderquadranten und der inneren Bordwand eingeklemmt und so das ganze Ruder blockiert. Dabei wurde dann auch noch die Geberstange wegen des falschen Winkels komplett verbogen. Wenn sich das Bild vom verbogenen Blech anschaut, dann kann man sich vorstellen, welche Kräfte dort gewirkt haben.

Es war eine wunderschöne Yachtreparatur. In der Heckkoje liegend, mit Grubenlampe, über Kopf schrauben, Muttern, die dauernd runterfallen und schwer wieder zu finden sind...... Dann nach Ausbau hat uns der Arnisser Yachtclub mit seiner Werkstatt Infrastruktur ausgeholfen und wir haben Blech und Stange wieder gerichtet.

Der Einbau war noch ein bisschen fummeliger, als der Ausbau aber am Ende hat dann alles wieder funktioniert.

Leider musste uns an diesem Tag auch Bernard verlassen und hat sich per Bahn auf den Heimweg nach Hamburg gemacht.

Immer noch Kappeln

Tag 6 am 28 Mai, 2014

Das Wetter hielt. Unsere Frisur auch...

Wir hatten einen faulen Tag in Kappeln. Dort liegt man nicht nur gut geschützt, sondern es gibt alle Einkaufsmöglichkeiten und jede Menge Restaurants in der Stadt. Es hätte uns also schlimmer treffen können.

Durch den anhaltenden Oststurm ist der Wasserpegel in der Schlei innerhalb von 12 Stunden um ca. 1 Meter angestiegen, so dass es am Schluss schon schwer an und von Bord zu kommen.

Die Fotos sind von früheren, schöneren Tagen. Wer will schon Kappeln im Regen sehen...

Kappeln - Burgtiefe

Tag 7 am 29 Mai, 2014

Letzter Tag. Heute Abend sollten wir wieder in Burgtiefe sein. Ein langer Schlag, knapp 50 Seemeilen. Das Wetter hatte sich beruhigt und der Wetterbericht sah gut aus. Wir sind dann entsprechend früh aufgebrochen. In Schleimünde stand noch eine mörderische Grundsee vom Sturm der letzten Tage aber weiter draussen war es ganz gut zu fahren. 4-5 Windstärken aus Nordost und wir konnten den Kurs Richtung Fehmarnsund so gut anliegen. 1 Reff im Groß und die Dufour 375 hat sich als schnelles Boot erwiesen, die sehr gutmütig am Ruder lag. Viele Stunden später hat dann der Wind zusehends abgeflaut um unter der Sundbrücke komplett einzuschlafen. Kurz vor 18:00 sind wir dann unter Motor im Sundfahrwasser Richtung Burgtiefe.

Ca. 2 Seemeilen vom nächsten Land trieb dann ein Nacra Katamaran vom Bootsverleih am Südstrand bei exakt 0,0 Wind. Die beiden jungen Menschen haben unser Angebot sie ein Stück mitzunehmen dankbar angenommen und wir haben sie dann bis Burgtiefe in Schlepp genommen.

Fest in Burgtiefe um 18:30. Wetter war zwar noch kühl aber wieder schön.

Resümee: ein wirklich schöner Törn, der auch durch die 2 festgewehten Tage nicht wesentlich gelitten hat.

Die dänische Südsee ist nach meiner Meinung immer noch eines der schönsten Segelreviere überhaupt.

Check In und Abreise

Tag 8 am 30 Mai, 2014

Check In am nächsten Morgen ging schnell. Der Real Sailing Chef war sichtlich dankbar, dass wir sein Schiff wieder instand gesetzt hatten und die Übergabe ging reibungslos und unbürokratisch über die Bühne. Note Gut also auch insgesamt für Real Sailing.

Bei den Bildern einfach noch ein paar Eindrücke aus der Woche