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...es kommt immer anders als gedacht!

20 März, 2017
von Gerulf Trnka
Istrien, Kroatien
Bavaria 33 Cruiser

Eigentlich war es so gar nicht geplant! Aber wir wissen ja: es kommt immer anders als geplant.


Unser ursprüngliches vorhaben: Mit dem Auto von Wien nach OPATIJA, dort auf die bereits bestens vertraute, alte Stahlyacht Vanguard 950 „ROBIN I“ eines Freundes, und ab in den Süden! Ich war schon sehr oft damit unterwegs, viele Seemeilen hatte ich bereits auf dem alte, aber sehr stabilen und gemütlichen kleinen Schiff in den Beinen, wenig Technik, viel Spaß.

14 Tage entspanntes Segeln waren unser Vorhaben, aber leider lief dann vieles schief!
Zum Glück allerdings, sonst hätten wir die hervorragende Leistung von Master Yachting nicht erfahren können, und die fast neue BAVARIA 33 „IVO“ in der Marina VERUDA wäre uns auch entgangen.

Nun aber der Reihe nach……………

03 September: Ankunft in OPATIJA, einkaufen, Schiff fertig machen zum Auslaufen.
Ablegen, Kurs Richtung PUNAT/KRK. Alles lief ohne Probleme, nur der Motor sendete "schwarzgraue Rauchzeichen" aus dem Auspuff, die sich aber wieder legten.

04 September: Hafentag in KRK wegen Schlechtwetter, Besichtigung der Marina...nichts Aufregendes. Wind heftig, Regen, kühl, wenig Sonne….ein Tag zum Ausschlafen.

05 September: Ablegen Richtung RAB, (Auspuff raucht zuerst heftig Grau, lässt aber dann nach und tut seinen Dienst) Ankunft am späteren Nachmittag in der ACI RAB. Kurz nach dem Passieren der Hafenmole nehme ich das Gas zurück = Motor aus! Alle Startversuche vergebens, mit letzten Schwung erreichen wir den Steg der ACI RAB. Nach stundenlangen Check erste Diagnose: Wasser im Diesel, Wasser im Öl, Wasser im gesamten Tank, Wasser im gesamten Motor. Mit Hilfe eines (teuren) Taxibootes verholen wir 25m an den Servicesteg in der ACI RAB...dort die erste Diagnose: Einspritzventile durchgebrannt, Ersatzteile am übernächsten Tag aus RIJEKA. Bis dahin Motoröl ablassen, alles reinigen spülen säubern und wieder zusammenbauen. Dürfte „etwas“ Wasser in den Motor gelangt sein…..auf welchem Weg bleibt vorerst unklar.

06 September: Hafentag in RAB, Besichtigung der alten Stadt. Swir schlendern herum und freuen uns schon auf die Weiterfahrt. Weitere Diagnose: Eventuell hat es die Zylinderkopfdichtung nicht überlebt, kommt aber mit den neuen Düsen morgen an. Hoffnungsvolles Warten....

07 September: Einbau der neuen Düsen, alles Startversuche bleiben erfolglos. Diagnose: Kopfdichtung muss auch getauscht werden, also Motor zerlegen. OK, dann ab in den Motorraum (es hat gefühlte 70° im Boot)...! Kopf geht aber nicht runter, lange Gesichter. Telefonat mit dem Eigner....Ratlos. Mehrere Mechaniker uns angebliche „BUKH-spezialisten“ beäugen den Motor…..alles ergebnislos.

08 September: Weitere Reparaturversuche vergehen erfolglos. Dieseltank komplett leergepumpt (etwa 120l bester, wasserverseuchter Diesel aus OPATIJA) und gereinigt, alle Filter und Leitungen zerlegt und gereinigt, getauscht und zusammengebaut. Es stinkt im Boot, alles ist schmutzig, die Laune ist im Keller (oder Bilge).

09 September: Alles Scheitert, der alte BUKH will nicht richtig laufen. Frust am Steg, Frust bei uns im Hafen. Nur der Besitzer der kleinen Werkstatt freut sich unendlich, alleine die Liegegebühren am Servicesteg fressen unsere Urlaubskassa auf, die Ersatzteile sind auch kein Geschenk.

10. September: Neuer Versuch, Motor läuft plötzlich relativ gut, schnell Zahlen und auslaufen, Richtung OLIB. Wir kommen allerdings nur bis zur Hafenausfahrt, dort ertönt der Piepser der Motorwarnung! Ich wende sofort, zurück an den Servicesteg. Nach Prüfung des Ölstabes weitere Diagnose: Wieder Wasser im Öl, sehr viel Wasser....Totalschaden. Lange Gesichter bei uns. Anruf beim Eigner, der organisiert via SEA HELP das Abschleppen nach RIJEKA in eine Werft.

11 September: Wir schleppen die schwere VANGUARD fast 7 Stunden von RAB nach RIJEKA in die Werft. Diagnose: Motor Totalschaden. Viele Teile im Einsspritzbereich sind wegen der hohen Temperatur (Warnsummer hat nicht funktioniert) verbrannt, Kolben durchgebrannt.....unser Urlaub endet in der stinkenden und heißen Werft hoch am Servicebock. Unendlicher Frust, die Laune ist dahin. Wir packen zusammen, schlafen in RIJEKA in einem schäbigen Hotelzimmer und planen die Heimreise nach WIEN.

12 September: Wir beginnen das Auto zu beladen, da erinnere ich mich an das leckere Restaurant in der Marina VERUDA neben PULA. Da der Weg dorthin kein großer Umweg ist beschließen wir die Heimreise etwas zu „entschleunigen“ und nehmen uns vor noch in paar Tage durch Istrien zu bummeln…mit dem Auto halt. Und dann, ganz plötzlich, fällt es mir ein!
Spätcharter, Charterboote die am Steg hängen, weil sie nicht gebucht wurden! Da muss doch was zu finden sein? In der größten Marina in Istrien? Selber suchen…..ja, fein, von einem Steg zum nächsten Steg ziehen, anklopfen, fragen….gar nicht so einfach! Und nach gefühlten 190 Fehlversuchen die Idee: da war doch die nette Dame vom MASTER YACHTING, die Ruf ich jetzt einfach mal an und frag ganz frech ob sie nicht ein kleines Boot in PULA kennt das zufällig noch frei ist?!

Gesagt/Getan….und schon beginnt endlich unser Segelurlaub!

Übergabe, Beladen und

Tag 1 am 12 Sept., 2015

Das ging aber wirklich flott! Ein paar Telefonate mit MASTER YACHTING, ein Abstecher zum nächsten Charterfirmen-Container, und schon war alles erledigt! Wir hatten unser Schiff…eine nahezu nagelneue BAVARIA 33, „IVO“ war der Namen. Der Preis ebenfalls sensationell, die Charterabwicklung dauerte keine 20 Minuten, und schon war alles erledigt. Hier nochmals ein RIESENGROSSES LOB und VIELEN DANK an alle Beteiligten, vor allem die tolle Unterstützung durch MASTER YACHTING und deren Mitarbeiter. Wir wollen bestimmt hier nicht „schleimen“, aber tolle Arbeit muss auch erwähnt werden. Kompliment! Denn mit unserer sehr stark beleidigten Urlaubskassa wäre ein normaler Chartertörn nicht mehr möglich gewesen!
Bootsübergabe und Beladung hat bereits begonnen, wir wollten unbedingt noch segeln. Es war zwar schon fast komplett Dunkel, aber wir lösten die Leinen und ich setzte die Wegpunkte „Leuchtturm PORER“, „Nordspitze UNJE“ und BUCHT MARACOL“ auf der Insel UNJE. Langsam tuckern wir aus der Marina VERUDA, umrunden den Südzipfel von ISTRIEN und erleben eine tollen Sonnenuntergang über den KVARNER. Angekommen in der Bucht MARACOL/UNJE finden wir eine ruhige Boje, nehmen noch einen Abenddrink und genießen den ersten unbeschwerten Segelabend.

Kurzer Trip UNJE - LOSINJ

Tag 2 am 13 Sept., 2015

Nach einer ruhigen Nacht an der Boje erkunden wir zuerst das kleine Städtchen UNJE auf der anderen Seite der Insel, sortieren unsere restlichen Sachen im Schiff und segeln dann weiter Richtung MALI LOSINJ auf der Insel LOSINJ. Das Wetter ist halbwegs OK, wenig Wind, angenehme Temperaturen.

In der belebten Hafeneinfahrt, unweit der kleinen Werft tauchen vor unserem Bug unerwartet mehrere Delfine auf, wir sind begeistert. Diese Tiere versprühen so eine Ruhe und Gelassenheit, wir sind augenblicklich entspannt und haben die letzten Tage rasch vergessen.
Jetzt nur noch am neuen Schwimmsteg angelegt, duschen und ab in die Stadt zum Bummeln.

Der erste, entspannte Tag auf See geht ruhig zu Ende, wir schlafen trotz Lärm und Trubel am Steg recht gut.

BORA und xxx-Wetter

Tag 3 am 14 Sept., 2015

Leider ist das Wetter heute eher schlecht, es regnet zeitweise, und es legt sich eine leichte Bora über die Gegend.

Da wir es nicht wirklich eilig haben beschießen wir einen Hafentag einzulegen und erkunden die Umgebung von MALI LOSINJ.

Außerdem müssen auch noch wichtige Dinge erledigt werden für die bisher keine Zeit war. ;)

Am Abend wird es doch noch was......

Tag 4 am 15 Sept., 2015

Auch der nächste Morgen hat am Wetter nichts verändert: Es nieselt zeitweise, der Wind ist noch immer bei guten 20kn im geschützten Hafenbecken, und die Sonne lächelt nur ganz selten hervor.

Wieder schlüpfen wir in die Strassenkleider und wandern herum. Am späten Nachmittag wird es dann etwas besser, und so beschließen wir den Abendtermin für die Drehbrücke bei der Werft zu nehmen und laufen Richtung Südspitze von CRES aus. Es ist immer wieder ein Abendteuer zuzusehen wie sich diese schwere, alte Stahlbrücke langsam zur Seite dreht um den vielen Schiffen auf beiden Seiten der Durchfahrt Platz zu machen. Der Andrang ist auch jetzt noch relativ groß, eine ganze Runde südlich um LOSINJ herum bedeutet viele Stunden Fahrzeit.

Einen kurzen Blick in die Bucht POGANA, dann fahren wir weiter „ums Eck“ in die schöne, tiefe und sichere Bucht „PUNTA KRIZA/KOLORAT“. Es sind wenige Schiffe an den Bojen, und so haben wir ein wenig Gelegenheit das Bojenmanöver zu üben.
Nach toller Leistung gönnen wir uns ein paar flüssige Belohnungen und genießen den sehr ruhigen Abend in dieser schönen Bucht.

Die Ruhe vor dem....

Tag 5 am 16 Sept., 2015

Auch heute kein besseres Wetter in der Früh, es ist relativ kühl und noch immer windig. Wir genehmigen uns einen ruhigen Vormittag am Boot und vertiefen uns mit Musik und Büchern ins „nichts tun“! Schließlich ist ja Urlaub, doch noch…. ;)

Am Nachmittag wird es uns aber zu langweilig, daher „Leinen los“ und ab Richtung LOSINJ. Da wir rechtzeitig wieder den Abendtermin der Drehbrücke erreichen und der Wind jetzt gut steht beschließen wir gleich weiter Richtung UNJE/MARACOL zu segeln. Bis zur Ankunft in der Bucht ist der Wind dann fast gänzlich eingeschlafen.

Da laut Wetterprognose kein besseres Wetter für diese Woche zu erwarten ist legen wir uns lieber gleich in die Nähe der berüchtigten KVARNER BUCHT um diese bei gutem Wetter schnell überqueren zu können.

Einen Ritt bei BORA wollen wir uns ersparen…aber es kommt ja eh wieder Alles anders als gedacht.

Alles halb so wild......

Tag 6 am 17 Sept., 2015

Die Sonne weckt uns heute relativ früh, welch wohltat? Wir genießen unser Frühstück im Cockpit, räumen alles auf und hoffen auf eine ruhige Überfahrt über den KVARNER.
Das Auslaufen aus der Bucht kennen wir nun schon gut, wir kürzen daher dicht unter Land ab und nehmen Kurs auf den Nordspitz von UNJE. Entlang der ruhigen Landlinie kreuzen wir auf, je näher wir dem offenen Wasser kommen, desto heftiger wird der Wind. Das Wasser ist hier, zwischen UNJE und LOSINJ noch sehr ruhig, wir sind schon auf den offenen Bereich gespannt.

Naja, also, in der Bucht war es natürlich noch viel ruhiger, aber die 25ktn Wind haben doch schon wieder eine kurze und unangenehme See erzeugt. Die KVARNER BUCHT zeigt sich von einer stürmischen, aber trotzdem angenehmen Seite. Wir verschwenden keine Zeit, setzen (etwas Zuviel) Vollzeug und brettern im Sauseschritt über die KVARNER BUCHT. Gelegentlich legt sich die gutmütige und doch sehr solide verarbeitete BAVARIA 33 zur Seite, aber sie läuft nicht aus dem Ruder wenn die eine oder andere größere Welle von Achtern unterm Boot durchrollt.

An dieser Stelle großes Lob nach Giebelstadt. Wir hatte eher die Befürchtung mit diesem „Tupperbecher“ in raueren Bedingungen an die Grenze des Bootes zu kommen. Schließlich sind wir ja bei der Bootsgröße mehr als doppelt so viel Gewicht gewohnt, zusätzlich einen Langkieler und alle Segelflächen gut verstellbar. Selbst als ein paar Wellen von Achtern ins Cockpit einsteigen bekommen wir keine Unruhe, und da die Lufttemperatur ungewöhnlich Mild ist trocknen wir uns im angenehmen Luftstrom der BORA. Zum Glück verhindert der kurze Rand am Niedergang ein Einsteigen des Wassers ins Boot, hier sehnen wir uns aber dann doch wieder traditionellen Bootsbau, mit Brückendeck, wie auf der VANGUARD 950 „ROBIN I“. es knarrt aber nichts, die Schapps und Laden bleiben alle geschlossen, nichts fliegt ungewollt herum. Entweder hat die Werft ein wenig mehr Qualität ins Programm gebracht, oder aber liegt es nur daran dass das Boot nahezu neu am Chartermarkt ist und noch nicht „vergewaltigt“ wurde. Nach unserer anfänglichen Skepsis gegenüber Bavaria und Charterschiffe im Allgemeinen können wir uns durchaus wieder vorstellen mit solchen Booten herumzusegeln.

Je näher wir unserem Ziel, der kleinen Bucht im Westen von MEDULIN kommen, desto ruhiger wird das Meer. Die Sonne erscheint am späten Nachmittagshimmel, und ohne Stress fahren wir unsere 5 Ankermanöver in den sandigen Boden der Bucht. Der Sandboden ist so hart das ich anfangs mit Zuviel Gas zurückstoße, erst ein gaaaaanz behutsames Einfahren des Ankers vergräbt das Eisen Bombenfest im Boden. Wir machen uns Landfein, lassen die „Gummiblunze“ zu Wasser und begeben uns in die sagenhafte „SAFARIBAR“. Nur so viel dazu: wer diese Location am südl. Zipfel von Istrien nicht kennt hat definitiv viel Verpasst. Es gibt keinen besseren Platz in der ganzen Umgebung um wirklich ALLES auf einem Ort zu erleben: Tolle Bar, tolle sitzplätz in und unter den Stauden, sensationeller Ausblick übers Meer an den Außenplätzen, stille Rückzugsplätze für Zweisamkeit, wilde Partys mit den Einheimischen und viele viele tolle Erinnerungen an die Stunden unter dem geheimnisvollen „Grün“ der Anlage. Gerne kommen wir

Der letzte Tag

Tag 7 am 18 Sept., 2015

Der letzte Tag ist angebrochen…..eh klar, strahlender Sonnenschein! Kein Wind, es ist heiß und wir genießen unseren ersten und letzten echten Badetag.



Am späten Nachmittag holen wir den fest sitzenden Anker auf und tuckern noch einmal um den Leuchtturm PORER herum Richtung Marina VERUDA. Kurzer Tankstopp an der Tankstelle, ein paar Liter Diesel eingefüllt, und langsam schieben wir uns durch die volle Marina zum Pier 15. Dort wartet auch schon der nette Mann von der Charterfirma XXX und nimmt das Schiff schnell und professionell in Empfang. Nichts fehlt, nichts kaputt, wir sind zufrieden und tauschen unsere Visitenkarten aus.




Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder, hier in der Marina Veruda?

.....Ende gut, Alles gut!

Tag 8 am 19 Sept., 2015

Zeitig Aufstehen, Boot geräumt, kurzer Blick zurück….und dann geht es ab auf die Autobahn, zurück nach Wien.
Nein, unsere Segelsaison endet nicht hier, zum Glück können wir die Segeltage an heimischen Seen etwas verlängern.
Danke nochmals an alle Beteiligten, aus dem eher traurigen Beginn unserer 2 wöchigen Segeltour wurde dann doch noch ein schöner, kurzer Ausflug in die herrliche Region Dalamtiens/Istriens.
Wir kommen wieder, das ist fix!

Wir hoffen Ihr hatten Spaß beim Lesen,
wir wünschen Euch allen „ eine handbreit…...“, eh klar.


PS: Vor der Heimfahrt werfen wir doch noch einen Blick auf unsere "ROBIN I". Der Motor ist bei der überholung, einige Bereiche im Unterwasserschiff wurden bei dieser Gelegenheit gleich mit erneuert und ausgebessert.....vielleicht gibt es ja doch noch ein paar schöne Stunden mit dem Schiff?