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Einhand in Kroatien

30 Mai, 2017
von Stefan Schweizer
Kroatien-Nord, Kroatien
Hanse 385 - Comfort

Es ist wieder soweit. Einhandsegeln im Mittelmeer. Es bedarf einiger Organisation, das Einhandsegeln auf einer gecharterten Yacht zu ermöglichen, denn in Kroatien besteht eine Minimumbesatzung aus 2 Personen. Master Yachting hatte aber schnell eine Lösung parat und präsentierte mir einen Vercharterer, der Einhandsegeln erlaubt.

Also kann es losgehen. Erstmals bin ich seglerisch im Mai unterwegs. Es sollte eigentlich schon warm genug sein. Letztes Jahr war ich auch in Kastela Mitte Oktober, aber da war es nachts anfangs mit 8° doch sehr frisch.

Das tolle am Einhandsegeln ist, man muss auf niemanden Rücksicht nehmen, es gibt keine Kompromisse. Ich kann tun und lassen, was ich will und wann ich es will. Ein Traum!
Gut, man hat zu tun. Ein Anlegemanöver im Hafen mit 2 Achterleinen und 2 Bugmoorings, die alleine ausgebracht werden müssen, sind anspruchsvoll, aber wenn man gut vorbereitet und trainiert ist, ist es ein Kinderspiel.

Letztes Jahr war ich im November einhand auf den Kanaren unterwegs. Rund um Teneriffa. Da hatte man mit Wind und Seegang zu tun. Das war anspruchsvoll alleine. Dieses Mal ist es Kroatien!

Also, den Supermarkt plündern und los geht's!

Ankunft Kastela

Tag 1 am 13 Mai, 2017

Der erste Tag geht leider durch einchecken, vertraut machen mit dem Boot und Einkauf im Supermarkt drauf.
Allerdings war ich diesmal wirklich schnell. Ich war bereits um 13 Uhr in der Marina und konnte um 13:30 Uhr schon auf's Boot. Der Checkin ging reibungslos, sehr freundliche Mitarbeiter bei NOA Yachting.
Nach Einweisung auf dem Boot beginne ich immer mit einer zweiten Runde. Das heißt, ich hole meine eigene Checkliste und prüfe Punkt für Punkt, ob alles an Bord ist und ob alles funktioniert.
Die Einweisung des Vercharterers ist zwar gut, aber alles im Detail kann nicht durchgesprochen werden. Außerdem haben die Mitarbeiter auch noch andere Boote zu übergeben, so daß die Zeit meist fehlt.
Ich überprüfe dann ganz in Ruhe sämtliches Equipment und jede Funktion und bei Unklarheiten schnappe ich mir einen Mitarbeiter, der mir dann weiterhilft.
Das dauert in der Regel 2-3 Stunden. Dann weiß ich über die Yacht bescheid und in der Regel hören die Vercharterer dann auch nichts mehr von mir, weil es keine Unklarheiten mehr gibt.

Bei meinem Segeltörn im Januar in den British Virgin Islands hatte ich eine Entdeckung gemacht, wo selbst der Eigentümer der Yacht gestaunt hat. Die Notpinne wird ja in der Regel auf Vohandensein geprüft, aber selten wird überprüft, ob sie auch auf den Stutzen passt!
Ich stellte jedenfalls fest, dass die Öffnung für den Zugang zum Notpinn-Stutzen falsch ausgefräst war. Die Notpinne konnte nicht mit dem Stutzen verbunden werden! Das ist dem Eigner bei Übernahme der Hanse Yacht in Greifswald 5 Jahre zuvor nicht aufgefallen...

Ich war jedenfalls diesmal recht schnell und gegen 17 Uhr war alles erledigt. Da ich aber als erste Etappe Rogoznica geplant hatte, machte Auslaufen noch am Samstag abend leider keinen Sinn.
Davon abgesehen war das Wetter zwar phänomenal, aber überhaupt kein Wind! Und mit Motor durch die Gegend gondeln, war nicht meins.

Also erste Übernachtung auf der Tino, eine Hanse 385, in der Marina Kastela bei Split.

Marina Kastela - Marina Frapa Rogoznica

Tag 2 am 14 Mai, 2017

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wecker um 5 Uhr gestellt, die Sonne geht um 05:30 Uhr auf. Keine wertvolle Segelzeit verschwenden!
05:20 Uhr ausgelaufen. Wolkenloser Himmel, leider immer noch kein Wind. Die erste Etappe zur Bucht Uvala Movarstica leider nur unter Motor.

In der Bucht geankert und erst mal ein zweites Frühstück eingenommen. Es gibt nichts schöneres, als früh morgens in einer Bucht zu liegen und den Ausblick zu genießen.

Als ich merke, dass der Wind langsam erwacht, lichte ich den Anker und los geht's. Endlich die Segel gesetzt und Motor aus. Ein herrliches Gefühl! Diese Ruhe!

Der Wind weht aus Nordwest und genau da muss ich hin. Also ist ordentlich kreuzen angesagt. Bei der Hanse ist das aber kinderleicht. Sie hat eine self-tacking Jib, d. h. die Fock ist an einer Schiene befestigt, die bei einer Wende selbständig auf die andere Seite rutscht. Man muss am Wind also gar nichts machen außer die Wende einzuleiten. Die Segel bleiben unverändert stehen.
Die Tino hat netterweise auch noch eine elektrische Winsche auf der Steuerbordseite, so daß man sich einhand wirklich nicht kaputt macht.

So segel ich mit gemütlichen 2-3 Beaufort gen Norden. Da der Wind eher schwach ist und ich durch die Kreuzerei wenig Strecke mache, brauche ich gute 7 Stunden, bis ich in die Marina Frapa in Rogoznica einlaufe.

Beim Anlegemanöver muss ich zunächst warten, da der Mariniero mit einer anderen Yacht beschäftigt ist, die das Anlegemanöver immer wieder abbricht und neu versucht. Fast überall in Kroatien wird Heck zur Kaimauer angelegt und in der Marina Frapa weht ein ordentlicher Seitenwind, so dass man aufpassen muss, dass der Bug nicht verweht.
Allerdings sind sie zu sechst auf dem Boot, das sollte machbar sein.

Schließlich haben sie festgemacht und nun bin ich an der Reihe. Ich ernte natürlich erstaunte Blicke, als ich mich rückwärts der Kaimauer nähere und den Zuschauern klar wird, dass ich alleine auf dem Boot bin.
Aber wie schon erwähnt, wenn man die Reihenfolge konsequent einhält, ist auch ein Anlegemanöver allein mit Seitenwind kein Hexenwerk.

Da der Wind von Steuerbord weht, übergebe ich dem Mariniero als erstes die Achterleine Steuerbord, also immer die Luv-seitige Achterleine. Er macht sie fest und ich dampfe in die Achterleine ein, d.h. das Ruder wird hart Steuerbord gesetzt und mit dem Motor gebe ich so viel Gas, bis die Nase korrekt nach vorn zeigt. Gebe ich zuviel Gas, dreht die Nase nach Steuerbord, zu wenig, wird der Bug nach Backbord verweht.
Das war's schon! Ab jetzt habe ich Zeit. Das Boot hängt fest an der Achterleine Steuerbord und wird vom Motor gerade gehalten. Nun nehme ich in aller Ruhe die Steuerbord Mooringleine auf und mache sie vorn an Steuerbord fest.
Danach folgt die Achterleine Backbord und die Mooringleine Backbord. Nach Eindampfen rückwärts in die Mooringleinen werden die Achterleinen noch korrigiert und das Boot ist fest und der Motor geht aus.

Das schlimmste, was einem bei einem Anlegemanöver passieren kann, ist, wenn man sich von außen reinquatschen lässt. Jeder an Land möchte gerne helfen und hat auch immer eine Idee. Die Idee kenne ich aber nicht und wenn ich mich auf die Ideen der Helfer verlasse, gebe ich meinen eigenen Plan auf (vorausgesetzt ich habe einen!). Wenn die Idee dann mäßig bis falsch ist, habe ich ein Problem.
So ist es auch häufig mit den Marinieros. Sie haben immer einen schlauen, meist genervten Kommentar oder Rat. Sie fordern auch ein, dass man das tut, was sie dir sagen. Aber ich habe oft schlechte Erfahrung gemacht. So hat mir ein Mariniero in Kroatien mal eine Backbord Mooringleine angegeben, die aber eigentlich die Steuerbord Mooring war. Prompt hat sich die Leine unterm Boot im Propeller verhangen, da sie diagonal unter dem Boot hergeführt wurde. Wenn man jetzt den Motor eingekuppelt hat, ist die Leine ratzfatz im Getriebe.

Die Marina Frapa ist wunderschön. Sie sieht nagelneu aus, sehr gepflegt. Sie ist aber tatsächlich schon im Jahre 2000 eröffnet worden, wird aber sehr gut geführt und das ist deutlich zu erkennen. Sie kostet mit 63 Euro die Nacht zwar mehr als die anderen Marinas, aber das ist sie auch allemal wert! Die Sanitäranlagen sind wie geleckt und die Restaurants sind auch sehr zu empfehlen.

Marina Frapa - Kaprije Bay

Tag 3 am 15 Mai, 2017

Mein Ziel ist es, an den 6 Tagen, die mir zur Verfügung stehen, bis Biograd zu kommen. Das ist machbar. Ich habe 3 Tage Zeit, bis dorthin zu kommen und 3 Tage für die Rückfahrt.
Heute habe ich mir eine schöne Bucht auf der Insel Kaprije ausgesucht. Sind auf direktem Wege nur 15 Seemeilen, aber der Wind kommt nach wie vor aus NW und durch kreuzen wird es locker das doppelte.

Also bin ich wieder früh auf den Beinen, um Zeit genug für meine Etappe zu haben. Als ich wach werde kurz vor Sonnenaufgang, bietet sich mir ein atemberaubendes Bild. Der Himmel ist feuerrot und diese fast kitschigen Farben spiegeln sich im Meer. Wahnsinn!

Ich sollte Recht behalten. Ich kreuze den ganzen Tag und nach 7 Stunden erreiche ich die Bucht Kaprije Bay.
Dabei halte ich die ganze Zeit ein sich näherndes Gewitter im Auge. War zwar nicht angesagt, aber es ist trotzdem da und zwar ordentlich.
Netterweise bleibt es aber über der Küste und breitet sich nicht weiter über dem Meer aus.
Beim Festmachen an der Boje muss ich mich aber beeilen, denn inzwischen erreicht die Böenwalze des Gewitters die Bucht und ich habe alle Hände voll zu tun, die Yacht vernünftig und sicher an der Boje zu verzurren.
Es gibt auch eine kleine Marina, wo man rückwärts an der Kaimauer festmachen kann, aber ich entscheide mich für die Boje, weil ich denke, sie bietet mehr Sicherheit bei stürmischem Wetter, da die Boote nicht gegeneinander krachen wie in der Marina.

Der Mariniero ist der gleichen Meinung und eröffnet mir, dass die Bora heute Nacht kommt und ich die Yacht vernünftig sichern sollte.
Das mache ich dann auch. Die Bora ist ein Wind, der bis Sturmstärke auf dem Balkan vorkommt. Mit ihm habe ich bereits in Apulien vor Jahren Bekanntschaft gemacht. Ich segelte gemütlich auf einem kleinen Hobbycat daher, alleine, versteht sich und ZACK hat irgendjemand von einer Sekunde auf die nächste den Wind angeknipst. Von 2 Beaufort auf 6! Ich habe gekämpft bis zur totalen Erschöpfung, das Boot ohne zu kentern zurück zum Strand zu bringen. Es hat geklappt, aber ich hatte auch viel Glück dabei.

Zumindest zog das Gewitter unverrichteter Dinge davon und der Rest des Abends verlief wettertechnisch ruhig.
Leider war es nicht ruhig in der Bucht, da zwei kroatische Segelyachten eine riesige Karaoke Party feierten, was schlafen nicht wirklich möglich machte. Egal. Mitfeiern oder aushalten! ;-)

Kaprije Bay- Marina Zadar - Marina Kornati Biograd

Tag 4 am 16 Mai, 2017

Die Nacht blieb ruhig. Im Gegenteil. Es war absolut windstill und das Meer präsentierte sich bei Sonnenaufgang wie ein Ententeich.

Ich überlegte tatsächlich, ob es überhaupt Sinn macht, so früh raus zu fahren. Motoren wollte ich nicht, aber bis Biograd war es ein gutes Stück, also entschloss ich mich, es zu versuchen.

Und ich wurde positiv überrascht. Der Wind war erst für 12 Uhr Mittags vorhergesagt, aber er blies bereits kräftig morgens um 6. Ich hatte in Böen gute 20 Knoten und kam segeltechnisch endlich so richtig auf meine Kosten.

Zwischen den Inseln war es sehr böig, so dass sich die Yacht wie ein Pendel immer wieder auf die Seite legte und wieder aufrichtete. Das war ein lustiges Schauspiel.

Im Laufe des Tages nahm der Wind weiter zu und erreichte bis zum späten Vormittag in Spitzen 32 Knoten, also gute 7 Beaufort. Das tolle war allerdings, dass es keinen Seegang gab, die Wellen waren flach und man konnte tatsächlich immer noch volle Tücher fahren, ich musste nicht reffen. Der Vorteil bei einer self-tacking jib ist, dass das Vorsegel eine Fock ist und keine Genua. Die Fock ist deutlich kleiner als die Genua, so daß die Fock wie eine gereffte Genua wirkt.

Ich hatte jedenfalls bei 7 Beaufort meinen Spaß. Aber trotzdem ist man natürlich auch auf der Hut, denn weder war der Wind so stark vorhergesagt, noch weiß man, ob er nicht noch deutlich stärker wird.
Ich bereitete also alle möglichen Ausweichhäfen und Buchten vor für den Fall, dass der Wind zu brutal würde.
Aber er wurde nicht stärker. Im Gegenteil, er nahm wieder ab. Aber ich kam super vorran. Der Wind hatte auf Ost-Nordost gedreht und so konnte ich die ganze Strecke mit halbem Wind fahren. Innerhalb kürzester Zeit war ich in Biograd. Ich hatte für die Strecke wieder 7 Stunden berechnet für eventuelles kreuzen, war nun aber schon nach 3 1/2 Stunden da!

Das einzige, was mich wirklich verwunderte, war, dass ich auf der ganzen Fahrt nicht eine einzige Segelyacht gesehen habe. Entweder sie warteten alle auf den Wind am Mittag laut Vorhersage, oder sie trauten sich nicht, bei diesen Windbedingungen raus zu gehen. Ich weiß es nicht.

Querab von Biograd sah ich dann plötzlich einen ganzen Haufen Segelyachten, die alle aus der Marina Kornati ausliefen. Sie fuhren alle mit Motor südwärts, anstatt den tollen Wind zu nutzen! Ich habe es nicht verstanden.
Irgendwann wurde es mir dann doch klar, als ich an den Booten Startnummern sah. Eine Regatta! Sie fuhren mit Motor zum Startpunkt, nur wenige hatten schon Segel gesetzt.

Tja, bisschen spät Freunde, dachte ich mir. Der Wind ließ inzwischen deutlich nach und wir hatten maximal noch 3 Beaufort, Tendenz Richtung 2. Sind die Jungs ein bisschen spät aufgestanden! ;-)

Da ich so früh Biograd erreichte, wurde ich übermütig und nahm mir vor, noch Zadar zu erreichen, bevor der Wind gänzlich abstirbt.
Das gelang auch fast, die letzten 2 Meilen musste ich dann nach Zadar motoren.

Zur Mittagszeit meldete ich mich in der Marina Zadar an und fragte, ob Anlegen nur für eine Stunde Lunch möglich wäre. Es ist möglich und so lief ich ein.
Die Marina ist sehr eng und man kommt sich vor wie auf einem engen Kanal. Hier ist Wachsamkeit gefragt und man sollte keine Angst vor nahen Gebäuden und Riesenschiffen haben, die man in Handbreite passiert. Der Mariniero wies mir den Anlegeplatz zu und ich legte rückwärts an der Kaimauer an.

An der Rezeption erfuhr ich dann netterweise, dass ich einen kompletten Übernachtungspreis zu bezahlen hätte, stundenweise gäb es keine Möglichkeit.
Dass ich aber genau das über Funk besprochen und vereinbart hatte und mir zugesagt wurde, dass das geht, interessierte hier niemanden.
Ich nahm kurzerhand wieder meine Unterlagen, drehte mich auf dem Absatz um und legte 10 Minuten nach meiner Ankunft wieder ab. Das war mir dann doch zu blöd.
Aber egal, ein schönes Anlegemanöver habe ich machen können, das war es allemal wert!

Der Wind war leider immer noch komplett verschwunden und so fuhr ich unter Motor nach Süden. Ich besuchte die Bucht Kukljica-Ugljan und ankerte schließlich südlich davon in der Bucht Zaglav.

Dort kochte ich mir ein leckeres Mittagessen und ging danach im Meer schwimmen. Brrr, noch nicht wirklich warm das Mittelmeer, aber sehr erfrischend.

Eigentlich hatte ich vor, noch gegenüber der Marina Damacija einen Besuch abzustatten, aber als ich auslief, empfing mich ein herrlicher, strammer Wind und so konnte ich unmöglich die frisch gesetzten Segel wieder einholen und bin weitergesegelt.

Gegen Abend lief ich dann in der Marina Kornati bei Biograd ein. Eine riesige Marina. Ich habe sie mir genauer angesehen, denn im Juni bin ich mit meiner Frau dort für einen 2-wöchigen Segeltörn.

Wie der Zufall es will, liegt die Yacht, mit der wir im Juni segeln werden, direkt gegenüber! Ich habe mich natürlich artig bei ihr vorgestellt, eine Hanse 415.

Das war ein toller Segeltag! 62 Seemeilen hatte ich schließlich auf der Logge, knappe 12 Stunden habe ich gebraucht.

Abends bin ich noch lecker essen gegangen. Restaurants gibt es außerhalb der Marina reichlich.

Bei wunderschönem Sonnenuntergang viel ich dann erschlagen in die Koje.

Biograd - Tijat

Tag 5 am 17 Mai, 2017

Für meine Verhältnisse geht es heute spät los. Erst um kurz vor 9 Uhr lege ich in Biograd ab und segel mit entspanntem Halbwind (2 Bft) zur Insel Tijat.
Dort umkreise ich die Insel südlich und ankere in der Bucht Tijasnica. Allerdings habe ich mal wieder nur gute 5 Stunden für den Trip gebraucht.
Nach einem guten Mittagessen entschließe ich mich, noch ein bisschen zur Nachbarinsel zu segeln und am Abend dann wieder hierhin zurückzukehren, um zu ankern oder an einer Boje festzumachen.

Beim Auslaufen fällt mir eine Segelyacht auf, die direkt vor der Miniinsel Kamenica vor Anker liegt. Ich denke mir noch, dass das ein merkwürdiger Ort zum Ankern ist, zumal diese kleine Insel auf dem offen Meer liegt und zu keiner Seite irgendwie geschützt ist. Und schön ist der Ankergrund dort auch nicht.
Naja, Geschmacksache halt.

Aber es klärt sich schnell auf, was diese Yacht dort macht. Sie ist Zieldurchfahrt einer Segelregatta.
Urplötzlich befinde ich mich mitten im Regattafeld, welches mit irrer Geschwindigkeit von Süden her angeprescht kommt.
Ich schlage einen Haken nach dem anderen und kann schließlich entkommen und habe zum Glück keinen behindert.
Mit genügend Abstand schaue ich mir den Zieleinlauf an und stelle fest, dass die Crews um jeden Zentimeter kämpfen und oft wenige Zentimeter fehlen, um zu kollidieren.

Die Bucht Prvic Luka auf der Nachbarinsel Sepurine ist nichts Besonderes. Nach kurzer Druchfahrt mache ich mich auf den Weg zurück nach Tijat. Leider schläft der Wind wieder ein und die Rückfahrt wird mit Motor durchgeführt.

In Tijat würde ich am liebsten Ankern, aber leider passt der Schwojenkreis nicht, da die Bucht durch ein großes Bojenfeld recht eng ist. Also entschließe ich mich, an der Boje festzumachen.

Da ich noch etwas Zeit habe, trainiere ich das Anlegemanöver an der Boje, ohne sie zu berühren. Hört sich merkwürdig an, geht aber.
Ich bereite einen Palstek an einer Leine vor, die an der Bugklampe festgemacht ist. Nun hänge ich die Schlaufe der Leine über den Bootshaken. Bei Erreichen der Boje führe ich den Bootshaken samt Schlaufe durch den Haltering der Boje, löse die Schlaufe, ziehe den Bootshaken wieder auf dem Haltering der Boje und greife von außen an die Schlaufe und ziehe sie wieder hoch und mache sie an der Klampe fest. So habe ich, ohne mich mühsam nach der Boje zu bücken das Boot festgemacht.
Die meisten Crews greifen mit dem Bootshaken nach der Boje. Doof ist nur, wenn das Boot abtreibt und man mit dem Bootshaken an der Boje hängt und verzweifelt versucht, das Boot wieder an die Boje ran zu ziehen. Das geht meist schief und der Bootshaken liegt im Wasser.

Ich übe dieses Manöver 4-5 Mal und gebe mich dann zufrieden. Alleine klappt es nicht immer auf Anhieb. Ich muss bei Annäherung an die Boje gutes Timing haben, denn ich darf nicht zu schnell an die Boje ran, aber auch nicht zu langsam. Wenn ich denke, es passt, flitze ich aus dem Cockpit nach vorn und nehme den Bootshaken in die Hand. Manchmal bin ich doch zu weit weg, manchmal treibt der Bug ab und ich kann die Boje nicht erreichen.
Das Bojenmanöver ist zu zweit tatsächlich einfacher.

Ich falle jedenfalls zufrieden ins Bett. Es ist recht früh, gerade mal 20 Uhr durch, aber das passt mir gut, ich werde nämlich um 3 Uhr aufstehen. Eine Nachtfahrt steht an. Da freue ich mich schon lange drauf!

Tijat - Primosten - Sicenica

Tag 6 am 18 Mai, 2017

Als der Wecker um 3 Uhr morgens klingelt, denke ich schon darüber nach, einfach drauf zu hauen und weiter zu poofen. Ich bin doch ganz schön müde. Aber bei der Vorstellung, im Dunkeln bei sternklarem Himmel und Mondschein über das Mittelmeer zu segeln, beflügelt mich doch sehr und ich springe aus der Koje.

In der Nacht bin ich um kurz nach 1 Uhr wach geworden, um die Toilette aufzusuchen. Dabei sah ich, dass es stockdunkel war. Kein Mond weit und breit. Ohne Mond, dachte ich mir, werde ich nicht rausfahren. Da sehe ich nicht mal die Bojen und dengel womöglich noch irgendwo drüber.
Ein kurzer Blick in's Navionics bestätigte mir aber, dass der Mond kommen wird. Er geht um 01:32 Uhr auf. Na bitte, auf ihn ist Verlass.

So war es um 3 Uhr auch. Er stand hoch am Himmel und leuchtete mir brav die Bucht aus.

Da ich nun passender Weise nach Südosten fuhr, hatte ich den Mondschein auf dem Wasser genau voraus, so dass ich keine Schwierigkeiten mit schlecht beleuchteten Fischerbooten hatte. Man konnte alles hervorragend sehen.

Kurz nach 7 Uhr morgens näherte sich von Backbord ein kleines Motorboot mit zwei dunklen Gestalten darauf. Ich bekam im ersten Moment ein mulmiges Gefühl und hoffte, das Boot würde mich einfach passieren. Aber leider hielten sie geradewegs auf mich zu.
Es schießen gleich Gedanken über Piraten durch den Kopf. Aber Piraten in Kroatien? Noch nie gehört. Oder Polizei? Gerne, ich habe nichts zu verbergen.

Die beiden Gestalten hatten Army Combat Kleidung an, sahen also im ersten Moment nicht sehr vertrauenserweckend aus. Als einer von ihnen dann aber sehr freundlich einen guten Morgen wünschte und beide sich brav vorstellten, war ich erleichtert.
Sie waren Soldaten und informierten mich über eine bevorstehende Militärübung auf dem Wasser. Da mit Kriegsschiffen scharf geschossen würde, müsste ich bitte den nächsten Hafen anlaufen oder alternativ nah an der Küste weiter Richtung Süden fahren, da weiter draußen das Seegebiet bis 13 Uhr gesperrt wäre.

Also gut, dann einen Haken in Richtung Festland schlagen und die nächste Bucht oder Marina ist meine.

Das passte mir eigentlich gar nicht so schlecht. Ich war nämlich ziemlich müde und freute mich, mir nochmal eine ordentliche Mütze Schlaf zu gönnen.
Es war eh inzwischen hell und der Wind auch nicht wirklich spannend.

Ich lief die Bucht Primosten an und machte an der Boje fest, was Dank meiner Übungen am Vortag auf Anhieb klappte.

Ich zog mich in meine Koje zurück und schlief direkt ein.

Ein paar Stunden später wurde ich wach und warf einen Blick nach draußen. Es legten einige Yachten ab und ich sah, dass draußen guter Wind war. Also legte ich auch kurzerhand ab und stach in See. Es war zwar noch lange nicht 13 Uhr, aber die Soldaten sagten ja, nah der Küste konnte ich fahren.
Beim Verlassen der Bucht wurde ich noch von einem Bojenkassierer abgefangen. Ob ich denn die Übernachtungsgebühr für die Boje schon bezahlt hätte, fragte er ein wenig barsch.
Ich erwiderte, dass ich nicht übernachtet habe, sondern nur zwei Stunden pausiert hatte. Das stellte ihn zufrieden und er zischte ab.

Der Wind hatte inzwischen auf Süd gedreht und ich musste ordentlich kreuzen. Mein Ziel war wieder Rogoznica, das nicht weit weg war, aber durch die Kreuzerei und immer mehr nachlassendem Wind brauchte ich fast 6 Stunden, um querab der Marina Frapa zu sein.

Draußen auf dem Meer war die Ballerei der Kriegsschiffe deutlich zu hören. Gut, dass ich da nicht rein geraten bin!

Ein weiteres Mal wollte ich allerdings nicht in der Marina Frapa nächtigen. Kannte ich ja schon. Die Nachbarbucht sah einladend aus, aber stellte sich dann als sehr langweilig heraus, so dass ich weiterfuhr.

Ich klapperte einige Buchten ab und entschied mich schließlich für die Bucht Uvala Sicenica. Der Nordwestarm sah sehr schön aus, ankern schien hier möglich, auch wenn der Schwojenkreis mal wieder nicht ausreichte. Aber man konnte sich mit einer Landleine behelfen.
In Kroatien ist das Wasser recht tief auch nah an Land, so dass viel Ankerkette gesteckt werden muss.

Ich wählte meine Position und ließ den Anker hinunter. Beim Rückwärtsfahren entdeckte ich plötzlich unter Wasser ein aufgegebenes Bojenfeld. Die Bojen waren nicht mehr da, aber die Betonklötze am Boden waren noch da und die Taue, die die Klötze miteinander verbanden. Die Taue reichten bis 2 Meter unter die Wasserlinie!
Eine perfekte Einladung, den Anker bzw. die Kette hier zu verhaken oder zu verdrehen.
Zum Glück konnte man bis zum Grund schauen trotz 7 Meter Wassertiefe. Meine Kette hatte sich bereits um einen dieser Betonklötze geschlungen. Ich hatte nun alle Hände voll zu tun, einerseits zu manövrieren und am besten gleichzeitig zu schauen, was meine Manöver denn gebracht haben!

Ich fuhr also seitlich vorwärts, um die Kette wieder aussen herum um den Betonklotz zu führen und damit zu lösen. Das gelang mir, aber nun legte sich die Kette weiter weg um einen anderen Betonkübel. In den Infos war keine Rede von diesen Dingen. Auch diesem Kübel konnte ich entkommen und sammelte die Ankerkette schnell wieder ein.

Ich hatte genug gesehen und machte weiter südlich mal wieder an einer Boje fest. Geht langsam in's Geld, dachte ich mir, da pro Bojenübernachtung immer bezahlt werden muss.
Aber in den Navionics Infos stand geschrieben, dass die Übernachtung gratis ist, wenn man im benachbarten Restaurant isst.

Das passte mir gut. Die Vorräte waren fast aufgebraucht und das Restaurant "Lanterna" sah sehr einladend aus. Erstmalig liess ich mein Dingi zu Wasser und warf den Aussenborder an.
Ich habe fürstlich gespeist und fiel mal wieder glücklich, aber leider viel zu vollgestopft ins Bett.

Sicenica - Trogir - Marina Kastela

Tag 7 am 19 Mai, 2017

Oje. Der letzte Tag ist angebrochen. Die Woche ist schon wieder vorbei. Viel zu schnell!

Das heißt: Nochmal in die Vollen! Segel gesetzt und Vollgas. Aber leider spielt der Wind nicht mit. Wenn wir 1 Beaufort haben, dann ist es geschmeichelt. Weiter draußen haben wir wenigstens 2 Bft, so dass es einigermaßen vorwärts geht.

Unterwegs auf See habe ich mal wieder Lust auf ein Übungsmanöver. Mensch über Bord! Mit mir alleine auf dem Boot zwar völlig sinnlos, denn wenn ich von Bord gehe, ist der Drops gelutscht. Die Tino wird dann weiterfahren, bis sie irgendwo einschlägt.
Aus diesem Grunde trage ich auch immer brav meine Automatikweste und bin immer eingehakt. Ist zwar tierisch nervig, aber meine Lebensversicherung!

Netterweise hat sich mangels Personen an Bord der Kugelfender bereit erklärt, für die MOB-Übung über Bord zu gehen.
Mit Motor ist die Übung eher selbst erklärend und langweilig. Unter Segeln ist es schon anspruchsvoller. Ich habe allerdings viel Zeit, da der Wind schwach ist.
Es klappt alles hervorragend, der Kugelfender treibt auf See, die Q-Wende sitzt, nur der Aufschießer hätte besser sein können, denn eigentlich wollte ich den Fender an Backbord aufnehmen, es wurde dann aber doch Steuerbord.

Allerdings vergesse ich ein wenig die Zeit. Ich soll um 18 Uhr spätestens in der Marina für den Checkout sein. Als ich mal überschlage, wie lange ich denn brauche, bekomme ich rote Ohren. 23 Uhr rechnet mir mein Navi aus. Noch nicht mal knapp daneben!

Eigentlich will ich noch in Trogir vorbei zum Tanken. Ich denke nämlich, in der Marina Kastela kommen alle Boote abends rein und alle müssen tanken. Aber diesen Abstecher kann ich mir wohl stecken.

Ich rufe den Vercharterer an und frage, ob ich auch später als 18 Uhr eintreffen kann. Er ist völlig entspannt und sagt sogar, ich könnte auch erst am Samstag kommen. Ich müsste halt spätestens morgens um 9 Uhr da sein. Na also! Das passt doch perfekt. Also doch Trogir.

Ich segele gemütlich weiter, koche das letzte Essen während der Fahrt und treffe am späten Nachmittag in Trogir ein. Die Marinieros melden sich partout nicht am Funk, also laufe ich einfach ein und suche die Tankstelle. Ich werde fündig und ich bin sogar die Nummer zwei zum Tanken. Das fluppt ja!

Nach 10 Minuten Tankstop bin ich auch schon wieder unterwegs. Leider wird die Swingbridge in Trogir nicht mehr genutzt, so muss man ganz aussen um die Insel herum.
Aber egal, ich habe ja Zeit.

Der Wind läßt leider immer mehr nach und am Abend muss ich für die restlichen 3 Meilen den Motor anwerfen.

Wehmütig nehme ich Kurs auf den Heimathafen. In der Abenddämmerung bekomme ich dann tollerweise Besuch von einem Delphinpäärchen, dass mich eine ganze Viertelstunde am Bug begleitet. Ich habe tolle Filmaufnahmen mit der Kamera gemacht.
Die Delphine haben immer zu mir hochgeschaut und als sie sich entfernten und ich gewunken habe, kamen sie zurück! War bestimmt Zufall, aber es war ein unglaublich schönes Erlebnis. Wenn das nicht ein perfekter Abschluss eines perfekten Törns war, dann weiß ich es nicht!

Ich habe 7 Tage bestes Wetter gehabt, bis auf das Gewitter fast keine einzige Wolke gesehen. Wind war in allen Stärken da. Es war einfach grandios!

Ich erreiche die Marina Kastela schließlich noch so rechtzeitig, dass der Checkout noch am Abend durchgeführt werden konnte.

Am Abend verzehre ich noch die Reste an Bord, dusche erstmalig auf dem Boot, weil die Marina mal wieder kein heißes Wasser hat und verbringe meine letzte Nacht an Bord.

Abflug

Tag 8 am 20 Mai, 2017

Ein letztes Frühstück an Bord und dann geht's zum Flughafen.

Es war eine grandiose Woche. Der Abschied von der Tino fällt mir nicht so schwer. Ich habe bereits eine weitere Reise mit ihr im September gebucht. Die Idee reifte während dieser großartigen Woche.

Wir waren ein gutes Team. Ich und das Boot. Einhand in Kroatien. Danke Tino. Gerne im September wieder!