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Der 2. Kanarentörn

2 Juli, 2013
von Stefan Maierhofer
Kanarische Inseln
Grand Soleil 46.3

Nach unserem Törn im letzten Jahr, der uns sehr gefallen und gefordert hatte, haben wir uns wieder entschlossen auf die Kanaren zu fliegen, um die restlichen Inseln zu besuchen. Diesmal wollten wir Teneriffa, Gomera und La Palma ansteuern. Die Crew war etwas kleiner (5 Peronen), dafür war das Schiff größer (Gran Soleil 46.6).

Anreise und Übernahme

Tag 1 am 15 Juni, 2013

Am Samstag sind wir 5 von Zürich nach Teneriffa geflogen. Sofort nach der Ankunft abends haben wir uns ein Taxi geschnappt und sind zur Marina San Miguel gefahren. Die Marina haben wir schon gekannt, da wir letztes Jahr auch schon eine Nacht dort gelegen sind.
Die Julia haben wir gleich bei unserer Ankunft in der Marina an ihrem schönen blauen Rumpf erkannt. Wolf und Siegi haben uns das Schiff übergeben und alle Einzelheiten erklärt. Am Ende der Einweisung ist dann auch gleich die Warnung gekommen, dass wir uns für den Dienstag einen sicheren Hafen suchen sollten, da die Prognosen Wind in Sturmstärke voraussagen, was wir auch sofort geglaubt haben, da es bereits ordentlich geblasen hat.
Unser Schiff die Julia ist Baujahr 2004 und war in einem recht guten Zustand, nur das Großsegel wurde schon einige Male repariert und der Autopilot ist bei der Überstellung kaputt gegangen.
Noch am selben Abend haben wir uns auf den Weg gemacht um Proviant zu bunkern. Eigentlich ist beim Einkaufen immer klar was wir nehmen, aber die schwierigste Frage stellt sich immer in der Menge des Biers, da dies keinesfalls ausgehen darf!

Teneriffa / San Miguel - Gomera / San Sebastian

Tag 2 am 16 Juni, 2013

Nach einer sehr ruhigen Nacht im Hafen haben wir uns bei einem gemütlich Frühstück gestärkt und sind dann in Richtung Gomera ausgelaufen.
Das Wetter war perfekt und etwas Wind aus Nord-Ost hat uns in Richtung Gomera geschoben. Die ersten Meilen unter Motor und Segel haben gezeigt, dass die Julia recht gut manövriert und auch gut segelt.
Nachdem der Wind etwas aufgefrischt hatte, haben wir das 1. Reff ins Groß eingebunden und sind recht sportlich an die Süd-Westspitze von Teneriffa gesegelt.
Sobald wir über Teneriffa hinaus waren, hat der Wind nachgelassen und wir haben das Groß wieder voll gesetzt.
Ca. 1 Meile westlich von Teneriffa haben wir dann Schweinswale und Delfine beobachten können - unser Revierführer hatte bereits darauf hingewiesen, dass zwischen Teneriffa und Gomera die Chancen dafür gut stehen.
Nach weiteren 5 Meilen im Schneckentempo hat der Wind rasch aufgefrischt und innerhalb von 10 Minuten hatten wir 30 Knoten Wind und 2 m Welle = Düse vor Gomera. Das Reffen unter diesen Bedingungen war nicht ganz einfach. Dies war auch das letzte Mal, dass wir unser Großsegel ohne Reff gesehen haben, von dort an war die ganze Woche entweder extrem viel Wind, oder gar keiner (nur sehr selten in Abdeckungen).
Mit 9 Knoten Fahrt haben wir uns schnell San Sebastian auf Gomera genähert und gehofft, dass der Wind kurz vor Gomera nachlässt, damit wir ohne Streß anlegen können. Aber wir hatten uns getäuscht, der Wind ist genau so bis zur riesigen Hafenmauer stehen geblieben.
Das Anlegen ist trotzdem sehr gut gegangen, da im Hafenbecken der Wind dann etwas schwächer war und auch der freundliche Marinero (kommt auch Nürnberg) geholfen hat.
Wie immer haben wir das Manöver mit einem ordentlichen Manöverschluck abgeschlossen und dem Hund des Marineros ein Stück Wurst spendiert.
Das Städtchen San Sebastian ist sehr nett und sicher einen Besuch wert!
Leider waren Sonntagabend die meisten Lokale geschlossen, deshalb trat der Smutje in Aktion und hat uns mit Spaghetti und Salat verwöhnt.
In der Nacht sind dann starke Fallwinde von den Bergen über den Hafen gezogen und die Masten haben uns in den Schlaf geheult.
Strecke: ca. 30 Meilen

Gomera / San Sebastian - La Palma / Tazacorte

Tag 3 am 17 Juni, 2013

Das Ziel unseres Törns war auf der Insel La Palma den riesigen Vulkankrater zu besuchen. Der freundliche Marinero hat uns am Vortag noch geraten nicht östlich von Gomera nach La Palma zu segeln sondern westlich vorbei, da dort keine Düse sei und wir nicht gegen die Wellen ankämpfen müssten.
Gesagt - getan, nach dem Ablegen um 09.00 Uhr (es hat ganz leicht für 10 min. geregnet) sind wir dann in Richtung Westen ausgelaufen. Hinter der Hafenmauer haben wir schon gesehen, dass der Wind über Nacht noch etwas zugelegt hat und ca. 1 Meile vor der Küste ordentlich Welle steht. Die Julia ist dann mit dem 2. Reff im Groß ganz locker vor dem Wind der Küste, die wirklich sehenswert ist, entlang gesegelt. An der Südspitze von Gomera hat der Wind nachgelassen und ist dann ganz weggeblieben. Also Vorsegel eingerollt und unter Motor weiter. Ein Snack und die schöne Steilküste haben uns die Zeit vertrieben. Delfine haben uns immer wieder begleitet. Nach ca. 5 Meilen haben wir dann in Sichtweite Schaumkronen entdeckt: "Wie kann das sein, hier kein Wind und dort Schaumkronen?". Die Antwort war klar, das ist die Düse an der Nordseite von Gomera.
Vorsegel 1/3 raus und langsam unter Motor in Richtung Schaumkronen. Nach einigen Winddrehern frischte es schnell auf 25 Knoten und 2 m Welle auf, dies ging bis ca. 5 Meilen vor der Südspitze von La Palma so - wie schön kann Segeln sein!
Vor der Südspitze von La Palma hat der Wind dann auf 40 Knoten zugelegt und das Segeln wurde schlagartig weniger entspannt, Druck raus aus dem Groß und Vorsegel noch etwas mehr wegrollen - Spitzengeschwindigkeit 10,4 Knoten!
Nach 45 Minuten war der Spuk vorbei, ca. 3 Meilen an der Westseite von La Palma hoch ist der Wind wieder auf 10 Knoten zurückgegangen.
Der Hafen von Tazacorte ist von Weitem sehr gut zu erkennen, aber das Riff und die Felsen ca. 0,5 Meilen südlich sind nicht markiert. Das Anlegen im absolut windstillen und ruhigen Hafen war einfach und der Manöverschluck um 19:00 Uhr hat den Segeltag abgeschlossen.
Der Hafen von Tazacorte ist empfehlenswert: Viel Platz, Einzelduschen und WC - neu und gepflegt und absolut sichere Schwimmstege.
Das Abendessen in einem der Strandrestaurants hat uns nach dem anstrengenden Tag sehr geschmeckt!
Ca. 65 Meilen

La Palma - Rundfahrt und Vulkanbesuch

Tag 4 am 18 Juni, 2013

Das war unser Hafentag, den wir für die Besichtigung der Insel La Palma vorgesehen hatten. Nach dem Frühstück haben wir in der Marina für 2 Nächte eingecheckt und einen Mietwagen bestellt.
Bis der Mietwagen gekommen ist, haben wir in einem Hafencafé Koffein getankt und sind dann mit dem Auto zum Nationalpark gefahren. Wenn man sich anmeldet, kann man mit dem Auto bis an den Kraterrand fahren und dort - je nach Lust und Laune - Wanderungen von 30 min. bis zu mehreren Stunden absolvieren. Der Park und die Aussichten in den Krater sind jedenfalls sehenswert. Besonders beeindruckend war wie die Wolken über einen Kamm der Berge richtig herunterfliessen.
Mit dem Auto ging es dann weiter nach Santa Cruz, beim Hafen hat sich gezeigt, dass der Tipp des Marinero in Gomera besser Tazacorte als Santa Cruz anzulaufen perfekt war. Der Hafen von Santa Cruz war fast leer, viel Welle und eine Baustelle ringsum.
In der Altstadt von Santa Cruz ließen wir uns das Mittagessen schmecken, bevor wir zum Observatorium auf der anderen Seite des Kraters aufgebrochen sind. Die Fahrt auf der sehr kurvigen Straße bis auf 2.400 m Höhe wurde durch sensationelle Ausblicke und die Besichtigung des Observatoriums belohnt.
Zurück nach Tazacorte sind wir über die Küstenstraße an zahllosen Bananenplantagen vorbeigekommen.
Das Auto konnten wir einfach im Hafen stehenlassen und und das Abendessen genießen.
Ca. 150 Autokilometer

La Palma / Tazacorte - Gomera / San Sebastian

Tag 5 am 19 Juni, 2013

Nach dem tollen Ausflug auf La Palma sind wir um 08:30 in Tazacorte in Richtung Gomera aufgebrochen. Die Windvorhersagen prognostizierten mindestens 20 kn. Gut - wir wussten ja schon Bescheid - ab der Südspitze von La Palma wird es wieder ordentlich kacheln. Und genau so war es auch bei 2-3 m Welle und 25 - 35 kn Wind sind wir nach Gomera gesegelt.
Wenn man die Düse schon kennt, dann ist alles wesentlich entspannter. Die Julia hat uns wieder mit 10 kn Geschwindigkeit begeistert.
Diesmal war die Ostseite von Gomera dran, das war wesentlich unangenehmer und feuchter, als die Hinfahrt, da wir ca. 30 Meilen fast gegen die Wellen angekämpft haben.
Vor San Sebastian auf Gomera dann das Gleiche wie vor 3 Tagen: Welle und Wind bis zur Hafenmauer. Nur diesmal blies der Wind, der auch sehr böhig war, mit 25 kn auch im Hafenbecken. Entsprechend vorsichtig gingen wir auch das Anlegemanöver an, was uns auch recht gut gelungen ist - wieder dank der Hilfe des Marineros und seines Hunds MAXI (wurde diesmal mit Mortadella belohnt). Und ganz wichtig: Am Ende des Manövers nicht den Anlegeschluck vergessen!
Abendessen waren wir in der Altstadt von San Sebastian im Tasca: Steak war angesagt!
Die ganze Nacht über heulten wieder die Masten im stetig wehenden Wind.
ca. 65 Meilen

Gomera / San Sebastian - Teneriffa / La Miguell

Tag 6 am 20 Juni, 2013

Morgens in San Sebstian hat uns ein Blick aus der Koje sofort gezeigt, dass heute wieder ordentlich Wind ist. Im Hafen standen immer noch 20 kn. Draussen über der Hafenmauer war auch die Düse klar zu erkennen.
Aber wir wussten ja schon Bescheid, also vorsichtig auslaufen, hinter der Hafenmauer noch das Groß setzen, 2. Reff rein und ca. 1/3 des Vorsegels raus.
Ca. 10 Meilen segelten wir bei tollem Wetter dahin bis die Düse vorbei war und der Wind bis auf 0 kn komplett ausfiel. Vorsegel einrollen und unter Motor in Richtung Teneriffa. Wieder waren Delfine zu sehen. An der Südspitze von Teneriffa frischte der Wind ganz schnell wieder auf 25 kn auf und wehte genau von vorne, auch die Welle traf uns frontal (ca. 2,5 m). Das Aufkreuzen war recht mühsam. Wir liefen den Hafen Las Galettas an und stellten fest, dass im Hafen der Wind mit 25 kn blies und das Anlegen sehr schwierig werden konnte - also wieder raus und weiter nach San Miguel. Auch dort waren 20 - 25 kn Wind im Hafenbecken, aber wir konnten längsseits anlegen, was ganz problemlos war.
Ca. 35 Meilen

Teneriffa / San Miguel - Gran Canaria / Puerto Mogan

Tag 7 am 21 Juni, 2013

Das war unser letzter Segeltag an diesem Törn und wir wollten ihn nochmals richtig geniessen. Die Windvorhersagen waren wie immer 20 - 25 kn.
Der Wind im Hafen hatte während der Nacht komplett nachgelassen und wir konnten ganz ruhig auslaufen. Hinter der Hafenmauer war schon ganz klar eine Düse (viele Schaumkronen) erkennbar. Also Groß rauf, 2. Reff rein und Vorsegel halb raus. Die 2-3 m hohen Wellen haben wir schnell zu spüren bekommen, dann hat die Julia auch im Wind schnell Fahrt gemacht. Wir strahlten: 11,4 kn!
Der Wind hat immer weiter zugenommen, 30 kn, 35 kn, 40 kn. Dann sind über UKW die Durchsagen gekommen: securité - all ships - yellow! Mhm - was bedeutet das? Wir sind weiter gesegelt, da wir auch schon ca. in der Mitte zwischen Teneriffa und Gran Canaria waren. Der Wind blies aus Nord-Ost und wir konnten mit einem Anlieger hart am Wind segeln - bald war alles Nass und auch im Schiff tropfte das Wasser durch den Niedergang. Die Wellen steigerten sich auf 4-5 m und der Wind blies in Böhen mit 46kn!
Das Groß hatte leider nur 2 Reffs, sonst hätten wir sicher auch das 3. Reff eingebunden und vom Vorsegel hatten wir nur mehr 1,5 m heraussen. Trozdem hatten wir extrem Lage und die Wellen rollten über das Vorschiff und wuschen laufend die ganze Crew. Der Wind löste jede Menge Wasser von den Wellenkämmen, was dem Steuermann laufend ins Gesicht peitschte. Die Sicht war teilweise nur 200 - 300 m.
Mit diesem Gefühl segelten wir ca. 5 Stunden, bis wir endlich Gran Canaria in diesem Getöse entdecken konnten. Ca. 5 Meilen vor Gran Canaria lies der Wind dann schnell nach, die Wellen wurden flacher, ca. 2 Meilen vor Puerto Mogan war es windstill.
Die Julia wurde in Puerto Mogan betankt und wir legten am Schwimmsteg mit Muring an.
Das Segeln für diesen Törn war vorbei - Schade!
Alle waren so geschafft von dieser Überfahrt, dass wir fast unseren Manöverschluck vergessen hätten.
Im Hafenmeisterbüro wurden wir dann aufgeklärt - yellow bedeutet: Sturmwarung, Schiffe sollten die Häfen nicht mehr verlassen! Rückblickend wäre das sicher nicht falsch gewesen - aber wir mussten die Julia ja zurück bringen.
Puerto Mogan ist ein typischer Touristenort mit einem netten Hafen und so gut wie keinen Sanitäranlagen.
Ca. 55 Meilen

Rückgabe und Heimreise

Tag 8 am 22 Juni, 2013

Nach der letzten Nacht auf de Julia hat der Siegi vom Vercharterer das Schiff wieder übernommen und wir haben noch ein paar ruhige Stunden im Hafen und Städtchen verbracht. Ein Bus hat uns zum Flughafen gebracht und die Fahrt der Küstenautobahn entlang hat gezeigt, dass weiter draussen immer noch der gleich starke Wind weht und die Welle steht.

Das sind die Kanaren - immer Wind und Welle - toll für Segler!