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5 Seemänner und die türkische Südküste (Golf von Fethiye) 09.05.15 - 16.05.15

26 Nov., 2015
von Reinhard Bauer
Türkischen Küste, Türkei
Jeanneau 53 brilliante Flotte

Wir, 5 Ü50 Herren,langjährige Tennisfreunde und echte Kumpels, beschließen gemeinsam
in See zu stechen. 2 Haben Scheine/Erfahrung, 3 haben Mut und sind lernfähig, bzw.
ist es für einen der drei der zweite Törn, so das echtem Segelvergnügen nichts im Wege steht.
Der Flug geht von Frankfurt nach Dalaman (Sunexpress würden wir nicht mehr fliegen, besser Condor). Gechartert ist eine Jeanneau 53 Bj.2010.

Anreise D-Marina Göcek

Tag 1 am 9 Mai, 2015

Gebucht haben wir alles aus einer Hand bei Masteryachting, Partner vor Ort ist EEG Yachting, die auch den kostenlosen Transfer von Dalaman nach Göcek organisieren.
Wir kommen erst spät Abends an, wissen aber bereits das unsere Jeanneau Jessie A heisst
und richten uns auf dem Schiff ein, kaufen im Steinwurf entfernten Supermarkt Proviant
(Supermärkte ausserhalb der D-Marina sind natürlich wesentlich günstiger, aber wir sind mehr auf Restaurantbesuche eingestellt und bunkern daher nur kühle Getränke), der angeliefert wird und gehen erst mal zum Abendessen ins nahe Restaurant. Ein Teil lässt den ersten Abend beim Absacker an Bord ausklingen und ein Teil der Crew macht sich, angelockt durch Musik in der Nachbarschaft, auf den Weg und landet mitten in einer türkischen Hochzeit. Der Urlaub fängt jedenfalls super an. Hinweis zum einkaufen: Erdogan hat eine sehr hohe Steuer auf Alkohol eingeführt, glaube bei Wein sind es ca. 30% bei Bier 20%, das spiegelt sich natürlich im Supermarkt und auch im Restaurant wieder, also nicht gleich über die Preise schimpfen wenn man z.B. von Griechenland dahingehend verwöhnt ist, die Wirte sind selbst am bedauern.(Bierdose Supermarkt 2,-, trinkbarer Wein ab 10-15 Euro, im Restaurant ca. 30,-Euro aufwärts für eine Fl.Wein)

Einweisung, Probeschlag und auf nach Kapi

Tag 2 am 10 Mai, 2015

Das Basisbüro von EGG liegt gleich am Anfang der überschaubaren Marina über einem
Cafe/Restaurant (wird von einem netten Berliner geführt mit reichlich Tipps),wo wir
gemütlich frühstücken um anschließend die Schiffspapiere zu übernehmen und die Einweisung zu machen. Zum einen möchte ich die hoch professionelle Abwicklung vor Ort durch EGG loben und zum anderen muss ich sagen, die betreuten Segelyachten sind 1a in Schuß und gepflegt. (Nach dem mich unsere Jeanneau schon angenehm überrascht hat, habe ich mal einen Blick auf die Nachbaryachten geworfen, unter anderem eine 2006er Bavaria,
die ebenfalls strahlte als wäre sie gerade vom Stapel gelaufen) Angenehm ist auch die Einweisung in deutscher Sprache. Kurzum, das war die bisher beste Basis/Schiffsübernahme,
mein Co-Skipper Hardy sieht dies ebenso und Hardy segelt bereits seit mehr als 25 Jahren in Karibik, Fernost und Mittelmeer. Für mich ist das der siebte Törn in Verantwortung.
Nachdem auch Segelneulinge an Bord sind, gibt's eine gründliche Einweisung nebst Verteilung der Schwimmwesten. Dann heisst es Festmacher los, Mooring fällt und wir verlassen die Marina durch den betonnten Fahrweg. Das schöne am Golf von Fethiye sind die möglichen kurzen Schläge, so das am ersten Tag genügend Zeit bleibt und jeder mal zur Übung und um das Schiff im Handling kennen zu lernen ans Steuer kann, unter Motor wie unter Segeln. Unsere Jessie A hat Rollsegel mit elektr. Winschen, deren Sicherungen ich jedoch zunächst "kappe", um zu sehen ob alle Leinen ordentlich laufen und damit mir keiner zu Anfang aufs Knöpfchen drückt ohne z.B. die Reffleine vorher zu lösen usw. Die Dinger haben richtig Kraft und können schon mal ein Schothorn ausreissen...
Jedenfalls haben wir gleich am ersten Segeltag einen schönen Halbwindkurs auf 225° mit
3-4 Bft., bis am frühen Nachmittag Wolken aufziehen und Co-Skipper Hardy Regen innerhalb der nächsten 1-2 Stunden voraussagt und Hardys Wetterprognosen stimmen immer. Also ziehen wir den Kurs auf Kapi, vor der Durchfahrt zwischen der vorgelagerten Insel Domuz und dem Festland rollen wir ein, passieren unter Motor die Enge. (leichte Düse, ablandiger Wind, Motor sollte in jedem Fall beim durchsegeln laufen, mir war das Risiko zu groß unter Segeln) Kaum mit dem Heck zum Steg (Mooring), direkt vorm Kneipentisch festgemacht, prasselte der Regen auch schon los. Sprayhood rauf, Anlegerbier und Zigarre zum "abwettern". Und was macht das Wetter in den Bergen und auf See, es schlägt auch genauso schnell wieder zum Guten um. Nach keinen 2 Std. sitzen wir bei passablen Temperaturen unter freiem Himmel am Tisch. Das Alleinstellungsmerkmal der Kneipe, in der kleinen malerischen Bucht, schlägt sich natürlich etwas in den Preisen nieder, wir fanden es dennoch ok, da es allen gut geschmeckt hat, (Vor-Haupt-Nachsp. Getränke,Raki und Wein ist ja generell teuer ca. 40,-p.P.) und keine Liegegebühr verlangt wurde.

Kultur ist angesagt, Schlag nach Ekincik, antike Stadt Kaunos

Tag 3 am 11 Mai, 2015

Heute geht's ca.30 SM Kurs 312° nach Ekincik in die My Marina. Auf Insidersegeln.de habe ich schon viel negatives über My Marina gelesen, wollte mir aber selbst ein Bild machen und ziehe auch gerne einen schönen Steg dem ankern vor. Der Wind ist uns Hold und so läuft Jessie wie am Schnürchen mit gut 6,5 Knoten am Wind, so das wir zeitig ankommen.
Die Steganlage der My Marina ist sehr gepflegt, Mooring vorhanden, ein kleiner Laden fürs nötigste. Die etwas erhöht erreichbaren Duschen/WC sind Top gepflegt und auch das einzige Lokal am Hang hat eine Traumsicht auf die Bucht. Zugegeben, gespeist wird auf hohem Niveau und man versucht gehobenen Service zu bieten (was eigentl. so übertrieben gar nicht nötig wäre), es gab leckere Vorspeisen, frischen Fisch, Steaks vom Grill usw.,
trotz Lokalbesuch wurden für unsere 53 Fuß Yacht ca. 46 Euro Liegegebühr verlangt, wir fanden es dennoch vertretbar, da so eine gute Infrastruktur ja irgendwie finanziert werden muß. Auch meine immer durstige Crew war mit der Rechnung im Lokal (5 Pers. 220,-Euro) einverstanden, da in Deutschland ein vielfaches fällig gewesen wäre. Info:
Nach dem anlegen kommen Mitarbeiter der Fischerei-Kooperative von Kaunos und fragen ab, ob man ein Ausflugsboot zu den antiken Stätten buchen möchte. (geht nur Crewweise) Wir buchen für den nächsten Morgen einen Halbtagsausflug und erleben ein echtes Highlight, sehr zu empfehlen!!! Und noch eine kleine Erinnerung wird uns mit My Marina verbinden: Kurz nach dem festmachen legt in der Nachbarschaft eine Schweizer Crew an, der Skipper kugelt sich beim Anlegemanöver im Steuer den Arm aus, glücklicherweise haben wir zwei Ärzte in der Crew und ohne unseren Hardy, der wieder einkugelt wäre die Reise für den Kameraden zu ende gewesen.

Vormittags Kaunos, Mittags nach Sarsala

Tag 4 am 12 Mai, 2015

Pünktlich um 8h steigen wir ins Fischerboot und erleben einen tollen Ausflug zu den antiken Stätten (man ist zwar Euroverwöhnt, aber Eintritt geht nur mit TL) von Kaunos.
Schon die Anfahrt durch das Labyrinth des Schilfgürtels ins Delta des Flusses Dalyan ist ein Erlebnis, später auf der Fahrt ins Örtchen Dalyanköy sieht man noch die antiken Felsgräber. Die Schlammbäder lassen wir ausfallen, da heute Abend Fußball (Bayern spielt) angesagt ist und wir einen längeren Schlag nach Sarsala eingeplant haben.
Also heißt es am späten Mittag, Leinen los und zurück in den Golf von Fethiye. Die ca. 30 SM können bis runter zum Golf gesegelt werden, bei kräftig Wind raumschots, die Logge
zeigt teilw. die 8 KN, das ist mein persönlicher Rekord. Auch kurz vorm Ziel lässt der kräftige Wind nicht nach, wir rollen zur Durchfahrt zwischen den Inseln ein und motoren in die altbekannte Bucht. Bedingt durch die Nebensaison ist noch ausreichend Platz am Steg des Restaurants. Für mich ist Sarsala Koyu die schönste Bucht des Törns. Außerdem haben wir Glück, der Wirt (ein wirklich netter Kerl) schaltet nach dem Essen den Flachbildschirm ein und alle Crews wollen ebenfalls Fußball schauen. (die Bayern verlieren) Nachdem am nächsten Morgen nur ein kurzer Schlag nach Karacaören ansteht, heißt der Plan, ausschlafen, ausgiebig Frühstücken, die Sonne genießen.

Karacaören zum Tischtennis

Tag 5 am 13 Mai, 2015

Nach ein paar herrlichen Segelstunden erreichen wir die Bucht von Karacaören. Kurz vor der Einfahrt (von West kommend) sind ein paar kleinere Inseln, dazwischen Untiefen, also bitte keinen Abkürzungsversuch machen (das schreibe ich nur, weil einer unserer Segelneulinge doch tatsächlich meinte, da geht's doch bequem durch). Es ist klar ein Kardinalzeichen (östl. Umschiffung) zu erkennen und man muß die "große" Insel Karacaören Adasi nicht umfahren, sondern läßt sie an Steuerbord liegen und passiert mittig bei 10-12m Wassertiefe. Vorm Restaurant angekommen ist ein Bojenfeld, normalerweise kommt der Wirt und nimmt die Leine an, das wußten wir offen gesagt zunächst nicht, war auch kein Problem. Wir sind Rückwärts (wie gelernt) an die große Eisenboje gefahren, haben unsere Bugleine bequem eingezogen, zurück gesetzt und die zweite Bug Klampe belegt. Der Wirt hat sich noch entschuldigt, das er uns nicht gleich gesehen hat, also wer möchte kann eine Weile dümpeln, bis der Wirt zur Hilfe auftaucht. Man kann mit dem Dingi übersetzen zum Restaurant oder winken, pfeifen und wird vom Wirt abgeholt. Der hölzerne Bau, unten hängen Fischernetze, oben drüber in den Hang gebaut, sitzt man sozusagen wie auf einem großen Balkon, ist mal eine ganz andere Location. Überall hängen Fahnen, ein kleiner Gemüse Markt im Lokal und mitten drin eine Tischtennisplatte. Die Betreiber sind junge Leute und es geht locker zu. Beim Abendessen taucht dann der Wirt mit einer Schubkarre auf, in der Kräuter glimmen und qualmen, das sei zum vertreiben der Stechmücken wird uns erklärt und unser "Backbordfestmacher" Volker übernimmt sofort die weitere Fahrt. Sehr zum Unmut der Crew am Nachbartisch, die sich gestört fühlt. Volker bricht also ab, obwohl
wir lieber geräuchert als gestochen sind... Zu später Stunde fährt ein Teil der Crew mit dem Dingi und der Rest wird vom Wirt übergesetzt zum Schiff. Der Absacker fällt aus, die Flasche Captain Morgan nach dem Essen macht doch zu schaffen.

Fethiye Yacht Classic Club Marina

Tag 6 am 14 Mai, 2015

Einige freuen sich, das heute nur 15 SM auf die Logge kommen, da der Vorabend doch etwas
heftig war. Der Mitarbeiter von EGG Yachting, der die Schiffsübergabe machte, legte uns auf die Frage nach einem tollen Tipp für den Abschluß, die Yacht classic Club Marina in Fethiye ans Herz. Und das ist wirklich ein Tipp für Freunde des Luxus. Direkt hinter der offiziellen Marina liegt dieses Luxushotel mit eigenem Anleger, wir ergattern einen der letzten Liegeplätze. Die Facilities sind erstklassig (Marmor, Granit, vom Duschgel bis zum Föhn alles da, Pool), das Restaurant direkt am Wasser. Eine klasse Atmosphäre,
gehobene Küche. (wir zahlen ca. 240,- Euro 5P. die absolut gerechtfertigt waren, und wer
seinen Schiffsnamen angibt zahlt keine Liegegebühr) Fethiye ist übrigens eine etwas größere Stadt, wo man auch seine Mitbringsel usw. gut kaufen kann. (in Göcek gibt's eher nix)

Zurück nach Göcek

Tag 7 am 15 Mai, 2015

Wir gehen`s gemütlich an und legen auf den ca. 14 SM "nach Hause" noch einen ausgiebigen Badestopp ein. Dann geht es in die Hafenbucht von Göcek zum Tanken und leeren der F-Tanks und zurück in die D-Marina, wo wir uns kurz per Funk anmelden und einen Platz zugewiesen bekommen. Beim leeren der F-Tanks muß die Bluecard (erhält man mit den Schiffspapieren) entwertet werden, sonst kann das Schiff nicht abgenommen werden.
(das sind die neuen strengen Umweltgesetze in der Türkei, unterwegs gabs auch oft Mülltrennung, so das man Bierdosen, Flaschen, Restm. gleich separat stauen sollte)
Zur Rückgabe des Schiffes bat man uns für einige Minuten von Bord, so das das Abnahmeteam innerhalb kürzester Zeit durch war, Taucher noch ins Wasser und hoch professionell war alles erledigt. (Segel prüfen, Motortest, Schwimmwesten zählen usw.)
Am frühen Abend flanieren wir die Hafenmeile in Göcek entlang und kehren in einem der dutzenden Restaurants ein um den letzten Abend zu genießen. Anmerken möchte ich noch, was mir bei der Schiffsrückgabe besonders gut gefallen hat: Schon oft erlebt, das beim Anlegen, noch bevor man am Steg richtig festgemacht hat, bereits ein Mitarbeiter der Basis z.B. übers liegenden Nachbarschiff od. vom Steg überspringt, dazu der eine hüh der andere hot ruft, weil man meint, man könne das besser oder warum auch immer.(Ich meine wer Hilfe braucht, muß nicht zu stolz sein um diese ggfs. anzufordern) Hier lief das mal ganz anders: Nachdem uns ein voraus fahrendes Dingi den Liegeplatz gezeigt hat, haben wir erst mal zurückgesetzt und an einer Stelle mit genügend Platz das Schiff gedreht um Rückwärts anlegen zu können. Dann haben wir in aller Ruhe angelegt und ein Basismitarbeiter fragt ob alles ok sei, ob wir endgültig liegen. Ich sage nein, nachdem ich sehe, das wir zum Nachbarn Backbord noch 1 m Luft haben. Also Steuerbordleine nochmals los, Vorwärtsgang rein und das Schiff holt sich bei. Festmacher und Mooring endgültig belegt, Motor aus. Keine Hektik, alles Bestens. (Moorings haben in der D-Marina einen eingespleißten Ring, durch den man eine eigene Leine zieht)

Bummeln in Fethiye, Heimreise

Tag 8 am 16 Mai, 2015

Da wir erst am Abend nach Hause fliegen, schauen wir uns nach dem Frühstück (beim Berliner unter dem Basisbüro, im Basisbüro kann man auch sein Gepäck bis zum Abflug lagern) mal genauer in der D-Marina um und siehe da, am Ende der Anlage liegt noch ein
Club Restaurant vom Feinsten, mit kleinem Strand, Liegen usw. Sehr einladend zum chillen
bis z.B. der Flieger geht.
Uns fehlen jedoch z.T. noch Mitbringsel usw., der Tatendrang ist auch noch groß, so das uns die Basis einen Minibus nach Fethiye organisiert. Hier gibt's auch mehr zu sehen wie in Göcek. (Fischmarkt, Hafen, Basar mit Gewürzen, Leder- und Bekleidungsgeschäfte, aber klar die Marken sind nicht echt ) Ein wirklich toller Abschluss. Pünktlich kommt unser Minibus zum vereinbarten Treffpunkt und es geht zur D-Marina retour um unser Gepäck aufzupicken. Nach einem letzten Espresso und herzlicher Verabschiedung beim Basispersonal, kommt unser Flughafentransfer und es geht heim. Innerlich weis jeder, wir kommen irgendwann wieder, zu EEG Yachting nach Göcek.