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15 Tage zwischen Flaute und Sturm

10 Sept., 2015
von Markus Berger
Ägäis, Griechenland
Oceanis 38 m. Plotter im Cockpit

Kein Revier für Familientörns und die Distanzen sind erheblich

Ankunft

Tag 1 am 20 Juni, 2015

Wir hatten einen ruhigen Flug von Bergamo per Ryanair nach Athen und wurden dort am Flughafen schon von unserem Chauffeur (Transfer von MasterYachting organisiert 50 Euro - Rückfahrt auf eigene Faust 60 Euro) erwartet und keine halbe Stunde später waren wir an Bord.
Die Übergabe gestaltete sich unkompliziert, einer vom Team erklärte das Schiff mit Einrichtung und anschließend der nächste die Technik. CoSkipper wurde keiner verlangt und nach Bezahlung der Kaution hätte es losgehen können zu einem ersten Schlag auf den Saronischen Golf, denn die Marina ist heruntergekommen, man liegt fast direkt an der Diskothek. Die Verproviantierung verhinderte ein Auslaufen. Unsere Damen waren beim Einkauf und dieser hätte bis ans Schiff gebracht werden sollen. Er kam erst nach 3 Stunden und somit wars für diesen Tag vorbei .

Griechenland mal anders

Tag 2 am 21 Juni, 2015

Frühmorgens gings los, absolute Flaute. Also Eisengenua angeworfen und ab bis nach Kythnos. Am späten Nachmittag Ankunft in einer herrlichen Bucht mit kleinem Restaurant - kein Aufreger, unterdurchschnittliche Küche. Das erste Bad im kristallklaren Wasser der Ägäis. Haben eine ruhige Nacht vor Anker verbracht.

Es geht auch anders

Tag 3 am 22 Juni, 2015

Morgens nach dem Früstück erstmal schwimmen und anschließend Wetterbericht verfolgen. Es sind 12 bis 18 Knoten aus Nordost vorausgesagt, perfektes Segelwetter.
Wir starten mit Ziel Serifos. Perfektes Vorwindsegeln bis an die Südkante von Kythnos. Kaum ums Eck Richtung Serifos : nur mehr Schaumkronen, Wellenhöhe 2-3 Meter und der Wind nimmt sofort zu bis auf 25 Knoten. Sofort das Grossegel runter, laut Refftabelle vom Vercharterer, nun nur mit Genua bei halbem Wind Richtung Serifos. Der Wind nimmt kontinuierlich zu bis auf maximal 38 Knoten in den Böen, unseren Frauen ist nicht mehr ganz wohl aufgrund der Wellenberge. Zwischenzeitlich haben wir auch bei der Genua das 2. Reff und nun Halbwind mit über 9 Knoten dahin, für die Männer ein heidenspass, für die Frauen weniger.
Kaum im Hafen von Serifos angekommen ergattern wir noch die Boje eines großen Fischerbootes welches mehrere Tage weg sein soll. Kaum am Haken krallen sich unsere Frauen auch schon das Beiboot und nichts wie runter vom Schiff, endlich wieder festen Boden unter den Füßen.
Für den nächsten Tag ist wieder Starkwind vorausgesagt also will ich unsere Mannschaft nicht allzu stressen und verspreche einen Hafentag.
Gegen Abend beruhigt sich der Wind und weht nur mehr mit 12-18 Knoten. Wir verbringen nach einem opulenten Abendessen eine relativ ruhige Nacht

Nachtfahrt nach Paros

Tag 4 am 23 Juni, 2015

Wie versprochen vergnügt sich meine Crew am Sandstrand. Mein Bruder sucht einen Friseur aus um sich einen Sommerschnitt verpassen zu lassen.
Nach dem Abendessen mache ich den Vorschlag nach Paros bei Nacht zu segeln.
Nach kurzer Vorbereitung , Lifelines ziehen, alle werden eingepackt, Schwimmwesten werden bereitgelegt und mit dem letzten Licht gegen 22 Uhr geht's los.
Super Wind um die 15 Knoten Halbwind geht's auf Kurs. Ein traumhafter Sternenhimmel begleitet uns bis Paros, wo wir bei stockdunkler Nacht in der Bucht von Naoussa unseren Anker werfen und uns schlafen legen.

Schwimmen und rasten

Tag 5 am 24 Juni, 2015

Den ganzen Tag verbringen wir in dieser traumhaften Bucht mit Schwimmen, Schnorcheln und Sonnenbaden.

Die Akkus sind leer

Tag 6 am 25 Juni, 2015

Am Nachmittag entschließen wir uns, das Schiff in die Marina von Naoussa zu verholen. Der Marinachef klärt uns über die Preise auf : Liegeplatz 25 Euro, Strom 1,9 pro KW uns Wasser 1,50 pro 100 Liter. Wir sind freudig überrascht von dieser Privatmarina. Alles ist sauber, perfekt organisiert und das Dorf ist eine Wucht. Kleine enge Gassen im typischen Kykladenstil,jede Menge Kneipen und Restaurants, ein Paradies. Endlich können wir wieder die Akkus unserer Handys und Ipads wieder aufladen, wir haben WLAN auf dem Schiff und dies wird auch ausgiebig genutzt, nicht nur für den Wetterbericht.

Naxos

Tag 7 am 26 Juni, 2015

Am nächsten Tag geht's wieder raus in die davorliegende Bucht. Am Nachmittag Aufbruch nach Naxos.
Nach ca 1,5 Stunden stehen wir vor dem Hafen. Für die Nacht und die nächsten Tage ist Sturm gemeldet, also nichts wie rein. Dies haben allerdings alle anderen Segler mitbekommen und der Hafen ist schon rappenvoll. Wir bekommen keinen Platz, auch nicht im Päckchen, also wieder raus und in den Vorhafen nördlich vom Fähranlieger.
Wir ergattern einen Ankerplatz auf gut haltenden Sandgrund auf 5 Meter Wassertiefe. Wir legen 60 Meter Kette und trotzdem habe ich ein mulmiges Gefühl obwohl der Anker gut eingegraben ist. Noch ist es relativ ruhig und wir können an Land zum Essen. Und in der Nacht geht's dann los. .....

Sturm

Tag 8 am 27 Juni, 2015

Nach Mitternacht nimmt der Wind immer mehr zu, erst 25 , dann 30, 35 und schließlich kratzt due Windanzeige an der 40 Knotenmarke. Ich bin wach und verbringe etwas beunruhigt die restliche Nacht im Cockpit.
Am Morgen will keine Ruhe einkehren und mein Bruder gibt mir die Möglichkeit etwas Schlaf nachzuholen.
Den ganzen Tag über schwankt die Windgeschwindigkeit zwischen 28 bis 35 Knoten in den Böen.
Großes Kino ist keine 150 Meter entfernt der Fähranleger, wo die Kapitäne der Fähren ihr ganzes Können beweisen müssen, was nicht immer im ersten Anlauf gelingt.

Sturm Tag 2

Tag 9 am 28 Juni, 2015

Auch dieser Tag fiel dem Motto : vom Winde verweht zum Opfer.

Mykonos Voraus und es kommt anders

Tag 10 am 29 Juni, 2015

Am Morgen bläst es noch mit 20-25 Knoten, aber wir entscheiden nach Mykonos zu segeln.
Es steht noch eine Riesenwelle vom Vortagssturm und die 25 Knoten machen ihr Übriges. Die Wellen sind so steil, dass wir trotz gerefftem Gross und gereffter Genua immer in die Wellentäler krachen mit einem Knall als ob es das Boot zerreißen würde. Nach anderthalb Stunden haben wir noch keine 5 Meilen geschafft.
Kurze Diskussion und ohne Gegenstimme optieren wir zur Rückkehr nach Paros, Halbwind voller Speed.
Unsere Frauen sind erleichtert,denn irgendwie können sie sich mit diesen hohen steilen Wellen nicht anfreunden.
Also ab in die Bucht vor Naoussa und wieder vor Anker. Zum Abend hin verholen wir uns wieder in die Marina, der Wind frischt wieder auf und ich will wieder mal ruhig schlafen.
Zum Abendessen geht's zu meinem Geheimtipp: Reataurant Karina am Westende des Dorfes, 250 Meter von der Marina.
Essen vom Feinsten, verfeinerte griechische Küche und wer mal was besonderes hier will : Schweinshaxe auf Kartoffelpüree mit Balsamico, unbedingt probieren.

Sturmwarnung

Tag 11 am 30 Juni, 2015

Am Nächsten Morgen ein Anruf des Vercharterers Kavas: für Donnerstag und Freitag ist stärker Meltemi vorausgesagt, wir sollten uns langsam in den Saronischen Golf Vorarbeiten um dem ärgsten zu entgehen.
Wir Fackeln nicht lange, aber wohin : es fällt die Entscheidung einen langen Schlag bis in die Bucht unseres ersten Tages nach Kythnos zu wagen und losgehst.
Wie schon üblich alle angeleint und bei mittlerweilen für uns schon moderater Welle geht es hart am Wind Richtung Kythnos.
Ein herrlicher Segeltag bei fast konstanten 20 Knoten und am späten Nachmittag sind wir wohlbehalten in unserer Traumbucht.
Und wie gewünscht, zum Abendessen schläft der Wind ein, sicherheitshalber legen wir eine Landleine mit dem Heck gegen Norden, was sich als perfekt herausstellt, denn nach Mitternacht bläst es wieder.

Buchten

Tag 12 am 1 Juli, 2015

Wir bleiben den ganzen Tag hier und genießen das Schwimmen und Faulenzen.
Gegen Abend schläft der Wind ein.

Marina Lavrion

Tag 13 am 2 Juli, 2015

Am Morgen starten wir Richtung Marina Lavrion, wir wollen uns den Sonnenuntergang am Kap Sunion reinziehen.
Kaum angekommen organisieren wir uns ein Auto zum Preis von Euro 40 inklusive Sprit, Schlüssel können wir nach Rückkehr einfach in den Postkasten werfen.
Der Sonnenuntergang meinst nicht gut mit uns, es hängen Wolken am Horizont.
Wir besuchen trotzdem die Tempelanlage und lassen es uns unterhalb des Tempelberges mit Sicht auf die Bucht so richtig schmecken bei einem vorzüglichen Abendessen.
In der Marina zurück laden wir ein paar Blauwassersegler auf unser Boot ein und können bei ihren Erlebnissen so richtig mitträumen. Zu später Stunde werden alle immer redseliger, Schuld auch der erstklassige Rum der sich zu uns an Bord verirrt hat.

Richtung Heimathafen

Tag 14 am 3 Juli, 2015

Am Morgen starten wir Richtung Alimos Marina, nicht ohne einen ausgedehnten Zwischenstopp in einer Bucht zum Schwimmen. Gegen Nachmittag frischt der Wind auf und bei Wind von 20-25 Knoten geht's die letzten Meilen Richtung Athen.
Bei ordentlich Wind und einigem Respekt fahren wir in die Marina ein und siehe da, sie ist so geschützt, dass nur noch knappe 12 Knoten Wind zu spüren sind.
Anlegen kein Problem und wir sind wieder wohlbehalten und ohne Schäden am Schiff zu Hause.
Man hilft uns noch beim Entgegenehmen der Festmacher und erklärt uns, dass am kommenden Morgen ausgeheckt wird.
Nun ab ins Restaurant und gebührend angestoßen auf einen erfolgreich absolvierten Törn.

Akropolis

Tag 15 am 4 Juli, 2015

Beim Auschecken wird fast überfallartig das Boot geentert. Sage und schreibe 6 Mann kommen an Bord und checken alles durch, auch die Gabeln und Löffel werden gezählt. Nach knappen 20 Minuten ist der Überfall vorbei und man teilt uns mit, dass am Nachmittag der Taucher noch vorbeischauen wird.
Wir starten zur Besichtigung der Akropolis und der Athener Innenstadt und währenddessen hat der Meltemi an Sturmstärke gewonnen.
Uns beeindrucken nicht nur die geschichtlich reizvollen Bauten, nein auch die langen Schlangen vor den Bankomaten, da die Griechen jetzt nur noch 60 Euro am Tag beheben dürfen. Irgendwie tun Sie uns leid.
Zurück in der Marina ist draußen auf dem Meer die Kacke am Dampfen. Der Meltemi zeigt was er kann und schon kommen die ersten mit beschädigtem Gross, zerrissener Genua, Probleme mit dem Baum und ziemlich fertig schauen die Jungs drein,die jetzt reinkommen. Einige Crews Funken den Stützpunkt an, sie wollen vor dem Hafen geholt werden, denn sie sehen sich nicht in der Lage bei diesem Sturm anzulegen. Großes Hafenkino.
Resümee: unser Boot war perfekt, man müsste allerdings früh Reffen, aber durch die Photovoltaik Platten-Hafenunabhängig,(außer Geräte mit Ladegeräten für 220 Volt), Kavas Charter zu empfehlen, die Marina allerdings nicht,
Der Staat hat kein Geld mehr für Instandhaltung, laut und dreckig, taugt nur zum Starten, die Griechen sind ultrafreundlich, Wind wieviel du haben willst, manchmal auch zu viel des Guten, Betreuung durch MasterYachting wie immer vorbildlich.