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14-tägiger Segeltörn an der Lyrischen Küste/Türkei (gesamt 206 sm)

20 Juni, 2012
von Ursula Steinle
Türkischen Küste, Türkei
Moorings Oceanis 39.3 Club

26.05.2012 bis 09.06.2012 - Wir fliegen von Düsseldorf nach Dalaman. Nach ca. 3 1/2 Stunden sind wir da. Es ist überhaupt kein Problem in Dalaman ein Taxi zu bekommen, das einen dann für 38 Euro nach Göcek in die Club Marina bringt. Da wir nur 2 Personen sind ist diese Variante bedeutend preiswerter, als den Transfer mit Moorings zu organisieren.

Wir sind sehr gespannt auf die Marina und auf unser gechartertes Schiff, eine Ozeans 39.3. Und wir sind neugierig auf die Türkei. Was erwartet uns hier? Wie sind die Menschen? Wie ist das Segelrevier? Eben alle diese Fragen, die man sich vor jedem Urlaub in ein Land stellt in dem man noch nie Urlaub gemacht hat.

Abflug in Düsseldorf 6 Uhr - Ankunft in Göcek 10.25 Uhr

Tag 1 am 26 Mai, 2012

Mit dem Taxi zur Marina klappt super. 38 Euro. In der Marina können wir sofort auf das Schiff, eine Ozeans 39.3 namens Helios.

Verwöhnt vom Katamaran auf Guadeloupe im März diesen Jahres erscheint uns das Schiff zuerst sehr klein und unübersichtlich. Das Bett im Bug ist am Fußende nur ca. 30 cm breit. Wir probieren ob wir so zu zweit schlafen können, aber das ist wirklich ungemütlich. Also ziehe ich zum Schlafen um.

In Göcek gibt es mehrere Marinas, die Moorings Base ist in der Club Marina. Hier gibt es alles was für einen guten Start in den Segelurlaub nötig ist. Saubere WCs und Duschen und einen kleinen Supermarkt, in dem man noch das Nötigste einkaufen kann. Wasser und Grundausstattung an Lebensmitteln, Müllbeutel, Spüli etc. haben wir vorab bestellt und sind bereits an Bord.

Da wir immer gerne erst einmal ankommen, und uns auf das Schiff eingrooven wollen, bleiben wir nach der technischen Einweisung und der wirklich tollen Revierbeschreibung von Paul Colin, die in der Mooringsbase stattfindet, im Hafen. Wir starten erst am nächsten Morgen.

Zum Abendessen gehen wir in das Restaurant in der Marina. Das Essen ist sehr gut, Preis gut, die Bedienung sehr nett. Wir kommen mit englisch sehr gut zurecht. Der Urlaub kann beginnen.

Ziel: Wall Bay - Entfernung: ca. 9 sm - Start: 10 Uhr

Tag 2 am 27 Mai, 2012

Wir müssen noch das Schlauchboot mit Luft befüllen und es ins Wasser bringen. Also, um 10 Uhr geht es los. Unser erstes Ziel ist eine ca 9 sm entfernte Bucht namens Wall Bay.

Wall Bay liegt noch in der Fethiye Bucht, die sehr schön ist. Man fährt umgeben von grün bewachsenen Bergen und Hügeln durch türkisblaues Wasser.
In der Bucht angekommen, fahren wir unser erstes Ankermanöver mit unserer Helios. Das Wasser ist ca. 14 m tief. Der Anker sitzt, dann müssen die Landleinen ausgebracht werden.

Der Plan: mit dem Schlauchboot an Land fahren, Stein oder Baum finden (Baum finden ist eigenlich nicht erlaubt, macht aber jeder), Schiff anbinden, fertig. Die Durchführung: Motor am Schlauchboot anbringen. Klappt. Etwas Zeitdruck, da das Schiff ja noch nicht sicher liegt. Ich wollte ins Schlauchboot weil mein Skipper das Schiff sichert. Kleines Missverständnis, einer sagt ich nehme die Leine vom Schlauchboot und der andere lässt die Leine los, Leine liegt im Wasser und das Boot treibt langsam ab. Was tun? Du oder ich? Ich! Platsch mit den Klamotten und Sonnenbrille ins Wasser. Alles nass, alles voller Salzwasser. Und die Landleine ist noch immer nicht fest. Der nette Herr der bis dahin an Land stand um die Leine für mich festzubinden, hat in der Zwischenzeit aufgegeben. Er ist weg und ich versuche den Schlauchbootmotor anzumachen. Schaff ich nicht, Hände sind nass und rutschig und ich vergesse den Benzinhahn zu öffnen. Habe wohl schon länger kein Schlauchboot mehr gestartet. Also Programmänderung: Berthold fährt an Land. Aussteigen, Einsteigen, Motor springt an, jetzt fluppt alles. Nicht ganz, denn an Land sind scharfe Steine.

Tipp - Bitte immer Schwimmschuhe mit dicker Seeige-Sohle anziehen.

Jetzt liegt das Schiff in einer traumhaften Bucht. Nach einer Pause und einem herrlichen frischen Salat aus Möhren, Tomaten und Lauchzwiebeln mit Zitrone und Olivenöl und köstlichem türkischem Brot, machen wir uns auf. Wir fahren mit dem Schlauchboot an Land und binden es neben einer Ruine im Wasser die sich Kleopatras Bad nennt fest. Wir ziehen unsere "festen" Schuhe" an und gehen den Weg nach oben über den Hügel zur anderen Seite. Dort finden wir eine schöne Bucht, genau wie Paul es uns beschrieben hat. Der Weg dahin ist wunderschön. Mir war gar nicht klar, dass die lykische Küste so bergig, gebirgig, ist. Wir genießen das Gehen und Schauen und sind glücklich.

Noch ein Tipp: Auf jeden Fall gute Wanderschuhe mitnehmen, denn es gibt wirklich einige schöne Wanderstrecken, die eine Abwechslung zum Segeln und Küste bieten.

Abends haben wir gar keine Lust mit dem Schlauchboot ins nahe Restaurant zu fahren. Wir bleiben an Bord. Gehen noch schwimmen und duschen draußen und gehen bald schlafen.

Ziel: Cold Water Bay - Entfernung: ca. 16 sm - Start: 10 Uhr

Tag 3 am 28 Mai, 2012

Nach dem Frühstück, Spülen, Schiff aufräumen, Betten machen, gehts los. Badehose an, Schwimmschuhe, Schlauchboot, Motor an, Landleine los, Anker hoch - fertig. Ganz in Ruhe. Schön, jetzt sind wir auf der Helios richtig angekommen. Obwohl wir doch viel segeln, müssen wir uns immer erst einmal einfinden. Jedes Schiff ist anders.

Unser Ziel ist die Cold Water Bay - auf türkisch: Kalevezi Koyu.

Leider ist das Wetter nicht so schön, es sind viele Wolken am Himmel. Aber das Wasser ist türkis, bis hellblau, bis dunkelblau. Trotz des bewölkten Himmels ist es wunderbar warm. Berge, Felsen, Höhlen, säumen das Ufer. Diese Landschaft ist wirklich beeindruckend. So viele unverbaute Berge und Hügel. Natur pur.

Wir segeln eine Weile. Müssen ein bisschen kreuzen und kommen nach ca. 4 Stunden in der Cold Water Bay an. Wir werden schon bei der Einfahrt in die Bucht von einem Mann mit Boot gefragt, ob wir Brot möchten, ein Eis oder Apfelplunder. Wir sagen ja, Brot gerne morgen früh, aber wir würden uns jetzt doch gerne erst einmal ums Anlegen kümmern und einen Liegeplatz finden. Wir bitten ihn aber, am Nachmittag in die Bucht zu kommen, um alles zu besprechen.

In der Bucht kommt das nächste Boot auf uns zu und ein netter Mann sagt uns wo wir vor Anker gehen sollen. Zeigt uns sogar die Stelle wo wir den Anker fallen lassen sollen, nimmt die Landleine entgegen und befestigt sie und noch eine zweite und schwups schon liegen wir in einer wunderschönen Bucht. Nach und nach kommen immer weitere Schiffe. Der Mann mit dem Boot hat mittlerweile einen Helfer mit einem zweiten Boot und er dirigiert sämtliche Schiffe an ihr Plätze. Die beiden bringen sämtliche Landleinen aus und haben richtig viel zu tun. Wir sitzen an Bord und betrachten das Schauspiel. Wahnsinn, wie viele Schiffe der Mann auf diese Weise und mit aller Ruhe, unterbringt.

Zwischendurch kommen zwei Gulets voller englischer Touristen, von denen manche ins Wasser springen, ein riesen Geschrei veranstalten und Spass in der Menge haben. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. Dann ist die Bucht auch zu voll um weitere Gulets aufzunehmen.

Wir packen unsere Landschuhe in die Tasche und fahren mit dem Schlauchboot an Land. Wir gehen den Berg hoch zum Restaurant, das dem netten Herrn gehört, der die Segelschiffe dirigiert. Dort bestellen einen Tisch für den Abend und fragen nach einem Spazierweg. Man spricht deutsch. Danach gehen wir ca. 1 Stunde spazieren. Genießen das Gehen, kommen immer höher, blicken in die Ferne, gehen durch blau blühende Rosmarinhaine, schauen von oben über die herrliche Bucht.

Eigentlich kann man diesen Weg weiter gehen bis zu einem verlassenen griechischen Dorf, das wohl sehr sehenswert ist. Aber das schaffen wir nun nicht mehr, es ist zu spät am Tag.

Zurück an Bord ziehen wir unsere Badesachen an und wollen jetzt endlich das Geheimnis der Cold Water Bay herausfinden. Es gibt hier viele kalte Quellen. Das Wasser ist mal kalt mal warm, mal oben kalt und unten warm. Mein erster Sprung uns Wasser ist direkt in eine sehr kalte Stelle. Aber dann wird es warm. Das ist wirklich ein merkwürdiges Gefühl durch ständig unterschiedliche Wassertemperaturen zu schwimmen. Macht Spaß.

Wir lassen uns von dem netten Landleinen-Anker-Helfer abends von Bord abholen. Was für ein super Service in einer einfachen Bucht und völlig umsonst. Oben im Restaurant wird man freundlichst empfangen. Höflich aber nicht anbiedernd oder aufdringlich. Angenehm. Es gibt keine Speisenkarte, aber die Bedienung informiert über die Hauptspeisen. Die Vorspeisen sind für alle gleich. Vorspeise: ein Teller mit frischem Salat, eine große gefüllte Tomate, verschiedene gegrillte Gemüse und zwei verschiedene Meze.

ich habe eine gegrillte Dorade gegessen und mein Mann Wildschweinkasserolle. Zum Abschluss gab es einen großen Teller mit Orangenstücken und zwei Baklava. Für alles das, inkl. einer Flasche Wasser und zwei Flaschen Efes-Bier, haben wir 65 Euro bezahlt. Das ist völlig in Ordnung.

Ziel: Kalkan - Entfernung: 31 sm - Start: 10.30 Uhr

Tag 4 am 29 Mai, 2012

Um kurz nach 7 Uhr höre ich den "Brot-Mann" mit dem Boot an unserem Schiff. Wie vereinbart legt er mir ein frisches Brot an Deck, ich habe ihm gestern nachmittags bereits das Geld dafür gegeben. Gegen 8 Uhr stehen wir auf und frühstücken das leckere Brot. Danach ein Sprung ins Wechselbad. Wir schwimmen ein-/zweimal ums Schiff herum, das muss fürs erste genügen.

Die eine, durchhängende Landleine können wir schon wegnehmen. Das Bad hat erfrischt. Nach einer flüchtigen Außendusche machen wir das Schiff klar. Wir befestigen den Motor vom Schlauchboot an Bord. Ich ziehe Badeanzug und Schwimmschuhe an, dann ziehe ich mich an der zweiten Landleine entlang und löse sie. Mein Mann zieht mich mit der Landleine samt Schlauchboot zurück zum Schiff. Schlauchboot festmachen, Badeleiter nach oben und dann nach vorne Anker hoch und weiter geht es durch blaues türkisches lykisches Gewässer.

Heute liegen ca. 31 sm vor uns. Wind und Wetter gut. Wir fahren nach Kalkan. Wieder an grün bewachsenen Bergen und Felsen vorbei. Lange Strecken unbewohntes Land.
Dann sehen wir einen wirklich endlos wirkenden langen Sandstrand. Es bietet sich ein schöner Anblick: Direkt vor dem Schiff ist das Meer dunkelblau. Weiter entfernt, ein schmaler Streifen vor dem Strand leuchtet das Wasser türkis. Dann kommt der Strand, gelb, und danach ein grünes Tal, dahinter ein paar Hügel und dahinter wieder die Berge. Und noch weiter dahinter sieht man hinter manchen Einbuchtungen der Berge sogar Schnee bedeckte Berggipfel.

In Kalkan liegen wir im Hafen. Wir können Wasser auffüllen, uns an den Landstrom anschließen und brauchen nicht so sehr mit den Ressourcen zu haushalten. Wir essen im Hafenrestaurant türkische Meze, trinken ein Eves und sind zufrieden. Wie in der Revierbeschreibung angekündigt ist Kalian "fest in englischer Hand". Sehr touristisch. Aber ein guter Ausgangspunkt, um am nächsten Tag mit dem Auto nach Xantos und nach Patara zu fahren um ein paar der Kulturstätten zu besichtigen. Wir haben einen Guide gebucht, der uns zu diesen Plätzen fährt. Dort gibt es Ruinen aus der griechischen, römischen, persischen und lykischen Vergangenheit dieser Region. Ich bin sehr gespannt.

Der Hafen in Kalkan ist ganz o.k. Es liegen viele Gulets hier. Der Hafenmitarbeiter ist sehr freundlich und wirklich sehr hilfsbereit. Wir benötigen sowohl für Strom, als auch für Wasser einen Adapter, den wir sofort bekommen. Die Duschen sind sauber und nach einer ausführlichen Dusche fühlt man sich gleich wohler. Aber in einer Bucht ist es doch immer schöner.

Es ist jetzt 20:24 Uhr und von zwei Moscheen rufen die Iman zum Gebet. Das hört sich doch sehr orientalisch an.

Fahrt mit dem Guide nach Xanthos und Patara - kein Segeltag

Tag 5 am 30 Mai, 2012

Das war ein ereignisreicher Tag. Um 10 Uhr holte uns unser Guide ab. Umut. Wir begleiten ihn zu Fuß bis zum Büro, dort wartet der Fahrer. Wir sind ein wenig überrascht, denn wir dachten, dass uns nur jemand fährt und wir doch selbständiger unterwegs sind. Aber Umut ist nett, er ist ausgebildeter Fremdenführer und weiß, wie sich bei den Besichtigungen herausstellt, eine Menge über die Geschichte und Hintergründe. Er spricht englisch.

Zuerst fahren wir nach Xanthos. Dort bewundern wir die Überbleibsel aus frühen lykischen Zeiten. Zeiten in denen die Römer dort gelebt haben und die Griechen. Auch die Perser hatten Interesse an diesem Landstrich. Nach dieser Besichtigung mit ausführlicher Beschreibung fuhren wir weiter ins Landesinnere.

Der Guide möchte uns noch einen wunderschönen Canyon zeigen, der 17 km lang ist und dessen Anfang man über einen Steg besichtigen kann. Eine Wanderung durch den kompletten Canyon würde 2 Tage benötigen. Der Canyon heißt Gizlikent Kanyonu/Selale und wird gespeist von Wasser das an verschiedenen Stellen direkt aus den Bergen gesprudelt kommt. Jetzt so früh im Jahr kommt es sehr wild aus dem Berg und von dem Steg des begehbaren ersten Teils des Canyons sehen wir viele FlipFlops die den Fluß hinunter trieben. An einer Stelle etwas weiter oben versuchen immer wieder Menschen den Fluß zu überqueren, was sehr viele die Schuhe kostet. Das war sehr amüsant.

Dann sagten wir dem Guide, dass wir ihn und den Fahrer gerne zum Essen einladen wollen. Wir sagten, dass wir gerne türkisches Essen in einem schlichten Restaurant essen möchten. Wenn man über Land fährt bietet fast jedes Haus entlang der Straße etwas zu essen an. Jeder hat ein paar Stühle und einen Tisch vor dem Haus stehen. Das würde uns sehr gut gefallen. Aber Umut telefonierte und sagte dann, er würde uns zu einer landwirtschaftlichen Kooperative bringen, die vom Staat unterstützt würde, eine sehr interessante Einrichtung, die er uns auch zeigen möchte und dort könnten wir zu Mittag essen.

Als wir dort ankamen war ich etwas enttäuscht, weil dort unzählige Handarbeiten aufgebaut und aufgehängt waren, Taschen, Tücher, Teppiche, Schmuck etc. Mir hätte so ein "Restaurant" am Straßenrand besser gefallen. Aber dann wurden wir in einen ganz schlichten Raum geführt, offenbar die Kantine der Teppichweberei, in dem nur ein paar Arbeiter der Kooperative saßen und gegessen haben. Das war wirklich schön und spannend. Es bekam jeder einen Teller mit Bohnen in Tomatensoße und dazu gab es türkischen Reis und Brot. Eben das, was die Arbeiter auch bekamen. Dann stellten sie noch einen Teller mit frischem Salat auf den Tisch und eine Joghurtknoblauchsoße für das Brot. Das war sehr köstlich. Schlicht, aber wirklich gut und wir waren satt.

Nach dem Essen kam ein netter türkischer Mann, der perfekt deutsch sprach und sagte, dass er unseren Besuch gerne nutzen würde um uns die Kooperation ein bisschen näher zu bringen. Also erklärte er, dass sie eine vom Staat geförderte Kooperation sind und dass für diese Kooperation viele Menschen arbeiten, zum Teil dort in den Räumen, aber auch viele Frauen von zu Hause aus. Sie stellen traditionelle Handarbeiten her. Hier vor Ort wurden Teppiche geknüpft. Wir wurden in die Halle geführt in der die Frauen Teppiche weben. Er erzählte uns viel über das Weben, Techniken, Bezahlung der Frauen etc.

Und urplötzlich landeten wir in der Teppichausstellung. Uns dämmerte so langsam, wo der Hase hin läuft. Es wurden auf einmal immer mehr Teppiche vor uns ausgebreitet und der nette Herr legte ein unglaubliches Verkaufsgeschick an den Tag. Wir entkamen wirklich nur knapp einem Teppichkauf. Wir fühlten uns sehr unwohl. Wir wollten nicht unhöflich sein, aber auch nichts kaufen. Es war ein bisschen so, wie wir uns eine Kaffeefahrt vorstellen. Wir waren irgendwann ziemlich sauer auf Umut, dass er uns in eine solche, für uns sehr unangenehme, Situation gebracht hat. Beschämend empfanden wir dann zusätzlich, dass wir noch nicht einmal für das Essen zahlen durften. So kam man sich richtig doof vor, weil wir nichts gekauft haben.

Auf dem Weg nach Patara brauchten wir eine ganze Weile um uns zu erholen. Schlimm. Aber wir haben uns dann entschlossen, die Aussicht zu genießen und einigermaßen gelang es auch. Aber irgendwie war dann auch ein bisschen der Wurm drin und wir waren nur halbherzig an dieser großen Römersiedlung interessiert. Und froh, als es danach zurück nach Kalkan ging und wir wieder auf unser Schiff gehen konnten.

Alles in allem war es ein interessanter Ausflug und noch einmal eine andere Türkei, als sie sich von der Wasserseite zeigt. Abends sind wir in Kalkan essen gegangen und haben noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Kalkan hat uns nicht so gut gefallen, weil es doch sehr touristisch und sehr Touri-Party-englisch ist = sehr laut. Ein bisschen Düsseldorfer Altstadt auf türkisch und mit Engländern. Im Hafen hallt die laute Musik von der Stadt. Und die hört man bis in die frühen Morgenstunden.

Ziel: Kastelorizon - geändertes Ziel: Kas - Entfernung: 14 sm - Start: 9.30 Uhr

Tag 6 am 31 Mai, 2012

Der Plan: wir segeln nach Kastellorizon. Das ist eine griechische Insel, die 5 km vor der türkischen Küste liegt.

Kurz vor der griechischen Grenze wollen wir die Gastlandsfahne aus dem Navigations-Tisch nehmen und stellen fest, dass da zwar eine blau/weiße Fahne ist, die aber nichts mit Griechenland zu tun hat, sondern sie ist der Buchstabe N aus dem Flaggenalphabet. Also müssen wir unseren Plan ändern. Wir fahren also zuerst nach Kas.

Dort gibt es eine funkelnagelneue Marina, haben wir gehört. Als wir dort ankamen war es mittlerweile sehr windig. Starkwind, sagt mein Skipper. Ich habe großen Respekt vor dem Anlegemanöver. Der Hafen ist relativ leer. Dennoch, der Wind bläst und wir sehen keinen Hafenmitarbeiter, der uns einen Platz anweist. Als wir uns gerade für einen Platz entschieden hatten, kam doch jemand und zeigte uns einen Liegeplatz. Wir müssen die Mooringleine vorne befestigen. Ich stehe mit dem Bootshaken da, aber er hat die Leine an einem Schwimmball, den er mir zuwirft. Toll, das ist super. Also, schnell den sperrigen Haken weg. Ball fangen und nach vorne. Mooring hochziehen. Der Wind bläst. Mein Mann fährt rückwärts Richtung Steg. Ich komme nach hinten und werfe dem Hafenmitarbeiter die Festmacherleine zu. Das Schiff liegt fest. Jetzt wird nur noch zurechtgerückt, dass es gerade liegt und nah genug am Steg, so dass man von Bord kommt. Der Wind pfeift immer noch wie verrückt. Das mag ich ja gar nicht so gerne.

Dann gehen wir ins chice moderne Hafenbüro und melden und an. 57 Euro inkl. 2x WLAN, sind ein stattlicher Preis, aber die Dame sagte, wir dürfen auch gerne zwei Nächte bleiben zum gleichen Preis. Das wollen wir ja nicht, weil wir weiter wollen. Aber das Angebot ist sehr gut. Wir gehen zurück an Bord, machen uns Kas-fein und gehen die 15 Minuten zum Städtchen. Kas gefällt uns viel viel besser als dieser Altstadt-Engländer-Party-Trubel den wir in Kalkan erlebt haben. Ein wirklich schönes Städtchen. Wir suchen uns ein kleines Restaurant und essen köstliches türkisches Essen. Ich esse Hähnchenfleisch in einer Joghurt-Auberginen-Soße, dazu Reis und Gemüse und Salat. Mein Mann ißt das Gleiche nur mit Lammfleisch. Danach schlendern wir noch durch den Ort, kaufen Postkarten und Gewürze und frisches Brot und gehen zurück zur Marina.

Das ist die schönste und modernste Marina, die ich je gesehen habe!

Am Abend lässt der Wind endlich nach. Nach dem Abendbrot gehen wir noch eine Runde und bewundern die wirklich super tolle neue Marina mit allem Schnick und Schnack.

Ziel: Kekova, Bucht Karaloz - Entfernung: 21 sm - Start: 9 Uhr

Tag 7 am 1 Juni, 2012

Heute wollen wir zu einer langgezogenen Insel fahren, an der es wunderschöne Buchten geben soll. Die Insel heißt Kekova. Bis dahin sind es 21 sm. Das Wetter ist wunderbar, der Wind leider sehr schwach. Zu schwach zum Segeln. Er hat sich wohl gestern verausgabt.

Also Motor an. So kommen wir gut voran und kommen am frühen Nachmittag an der Insel an. Es gibt hier drei interessante Buchten. Und wir haben uns für heute die Bucht Karaloz ausgesucht.

Man biegt in die Bucht ein, dann knickt sie noch einmal nach links ab und .....wir sind ALLEINE. Wahnsinn. Ringsum Felsen auf denen Bäume und Sträucher wachsen, man hört Ziegen meckern irgendwo, ein paar Vögel zwitschern ... sonst nichts ... Großartig - Romantisch - Beeindruckend - Wunderschön.

Wir werfen den Anker, ich ziehe meine Schwimmschuhe an, springe ins Wasser, das erstaunlich kühl und wirklich glasklar ist und schwimme in Richtung Land. Kurz bevor ich ankomme, muss mein Skipper korrigieren und ich werde wieder ein paar Meter zurück gezogen. So geht das eine ganze Weile, bis ich es endlich geschafft habe an Land zu kommen. Wir haben viel Spaß dabei. Es ist fast windstill, wir liegen mit dem Anker sicher und haben "alle Zeit der Welt" (ein Lieblingsspruch meines Mannes).

Nachdem ich es an Land geschafft habe, binde ich die Landleine fest. Gut dass ich Schuhe anhabe es gibt hier doch etliche Seeigel. Aber ich vermeide natürlich dennoch darauf zu treten. Wir binden die zweite Landleine. Korrigieren noch so zwei-/dreimal. Wir haben ja die große Auswahl, außer uns ist ja keiner da.

Irgendwann liegt das Schiff so wie es uns gefällt. Ich dusche das Salzwasser ab und ziehe mich an. Es ist ganz schön frisch. Dann sitzen wir in absoluter Stille, essen Wassermelone und freuen uns über das Glück, das wir im Leben haben, nämlich solche wunderbaren Plätze sehen zu dürfen.

Unter uns ist ein riesiger Schwarm kleiner Fische. Nur ein einziges ziemlich großes Exemplar, ich glaube es ist ein Trompetenfisch, schwimmt im glasklaren Wasser. Später kochen wir Abendessen. Es gibt Nudeln mit einer Dreierleitomatenlauchzwiebelrotweinsoße und noch Zucchini-Möhrengemüse extra. Mein Mann kann soooo toll kochen. Das Essen ist Sterne verdächtig. Während mein Mann kocht mache ich das Schiff ein bisschen sauber.

Nach dem Essen sitzen wir noch draußen und genießen diese absolute Stille. Nur noch ab und zu meckert eine Ziege. Ein Käuzchen schreit, ich sehe eine Fledermaus. Die Felsen leuchten weiß im Mondlicht. So eine Ruhe. ROMANTISCH !!!!

Ziel: Kekova, Bucht Gokkaya Koyu - Entfernung: 12 sm - Start: 10 Uhr

Tag 8 am 2 Juni, 2012

Heute ganz früh am Morgen kommt ein Fischerboot in die Bucht. Das Boot macht ein gutes Stück von uns entfernt fest. Es sind zwei ältere Männer ab Bord, die dann da sitzen und Netze flicken. Ein schöner Arbeitsplatz.

Wir frühstücken und freuen uns, weil rings um uns herum, die Ziegen über die Steine und Felsen nach unten zum Wasser hin kommen, wohl weil sich da in den Vertiefungen in den Felsen Süßwasser gesammelt hat. Das sieht lustig aus wenn zwei oder drei Ziegen die Köpfe in ein Loch stecken und nur noch ihre Hintern zu sehen sind. Es ist erstaunlich wie geschickt und schnell sie die Felsen auf und ab springen.

Nach dem Frühstück schwimmen wir noch ein wenig im glasklaren Wasser, umgeben von unzähligen kleinen, vielleicht 5 cm großen Fischchen. Der große Fisch schwimmt auch immer mal um unser Schiff herum. Unten am Grund natürlich.

Um 10 Uhr ungefähr machen wir uns startklar. Alle Fenster zu, Paddel vom Schlauchboot an Bord. Ich setze mich ins Schlauchboot und ziehe mich wieder an der Landleine entlang. Löse die erste Leine, mein Mann zieht mich zurück. ich ziehe mich an der zweiten Landleine entlang, will mich diesmal selbst zurück ziehen. Klappt gut, ist aber trotzdem doof, weil wir jetzt die lange Leine vom Schlauchboot an Bord hieven müssen. In diesem Fall ist es gut, dass es windstill ist. Das machen wir so aber nicht mehr. Wieder etwas gelernt.

Während wir ablegen kommt ein Segelboot in "unsere" Bucht. Wir hatten so ein großes Glück, dass wir sie einen Nachmittag und eine Nacht nur für uns hatten.

Heute haben wir nur eine sehr kurze Strecke vor uns. Nur 12 sm. 2 Stunden ungefähr. Wir kommen in einer schönen, wenn auch komplett anderen Bucht an. Gokkaya Koyu. Dort lagen schon vier Segelyachten, aber es war genug Abstand zwischen den Schiffen, so dass jeder ein bisschen für sich war. Wir finden eine schöne Stelle und lassen den Anker ins Wasser. Rückwärts fahren, Anker eingraben, sitzt. Hier brauchen wir keine Landleine. Hier lässt man das Schiff "schwoien". Wir gehen erst einmal schwimmen.

(Kurze Anmerkung: wir haben überall auf diesem Törn super guten Ankergrund vorgefunden.)

Auch hier gibt es wieder viele unterirdische Kaltwasserquellen. Brrr. Witziger Weise sieht das Wasser um einen herum so aus, als wäre es Gelee. Aber es fühlt sich natürlich ganz normal an. Bis auf die eisig kalten Stellen ist es ein toller Badespaß. Und wenn man sich daran gewöhnt hat, sind die Stellen auch sehr erfrischend.

Ziel: Kekova, Bucht Ucagiz - Entfernung: 8 sm - Start: 10 Uhr

Tag 9 am 3 Juni, 2012

Vor 10 Uhr wird das wohl nichts mit uns und losfahren. Aber heute fahren wir nur 8 sm. Wozu also Eile. Wir wollen zu einer weiteren Bucht in der Kekova Gegend (in der Karte steht Geyikova).

Vor dem Dorf Ucagiz gehen wir vor Anker. Auch hier wird geankert, ohne Landleinen. Es gibt hier Burgruinen und eine Menge Lykier-Gräber zu besichtigen.
Wir essen bei Hassan zu Mittag. Eine Kleinigkeit, weil wir lieber abends "richtig" essen. Wir teilen uns Meze, einen Salat und einen leckeren Fleischspiess und verabreden uns für den Abend mit Hassan, er soll uns doch bitte einen Tisch reservieren, wir möchten gerne Fisch essen. Hassan, seine Frau und die Tochter sprechen deutsch und sind sehr freundlich. Wir legen mit dem Schlauchboot abends direkt vor dem Restaurant an. Das Essen ist wirklich gut und der Preis völlig in Ordnung. Immer noch preiswert für unsere deutschen Verhältnisse.

Morgen wollen wir zu der griechischen Insel Kastellorizon segeln. Eine griechische Gastlandsfahne haben wir jetzt ja mittlerweile gekauft.

Ziel: Kastelorizon/Griechenland - Entfernung: 17 sm - Start: 10 Uhr

Tag 10 am 4 Juni, 2012

Als ich heute früh kurz nach Sonnenaufgang aufgewacht bin, habe ich mich für eine Weile an Deck gesetzt und habe gewartet, bis die Sonne hinter einem Berg hervor kommt. Das Meer lag ganz still und auf den Schiffen in unserer Nähe schliefen noch alle. Wer sich jetzt himmlische Ruhe und seichtes Dümpeln an Bord vorstellt, hat sich schwer getäuscht. In Ucagiz scheint es in jedem Haushalt einen Hahn zu geben. Und alle diese Hähne konkurrieren, wer der lauteste ist. Es war ein wirkliches Geschrei. Ein Hahn war besonders bemüht. Er fing immer extralaut mit einem wohlklingenden "kickeriiiiie" an, aber dann versagte vor lauter Ehrgeiz die Stimme und statt "kiiiiee" kam nur noch ein Krächzet. Das hat mir sehr gut gefallen.

So gegen 10 Uhr haben wir den Anker hoch und sind Richtung Griechenland gestartet. Es war eine schöne Fahrt, wenn auch nur mit Motor, denn es gab wieder keinen Segelwind.

Gegen 13 Uhr waren wir in Kastellorizon. Wir legen direkt im Dorf Megisti vor einem Restaurant an. Dort muss man dann auch zu Abend essen. So steht es im nautischen Reiseführer. Die Wirte scheinen keinen Spaß zu verstehen, wenn man vor dem Restaurant anlegt und in einem anderen isst.

Wir setzen uns also ins Restaurant vor unserem Schiff, der Tisch steht eigentlich direkt vor unserer Gangway und wir essen die besten frittierten Shrimps die ich je gegessen habe! Dazu noch einen griechischen Bauernsalat, jeder ein Glas kühlen Weißwein, das uns der Wirt schenkt und eine Flasche Wasser. Danach noch einen Espresso. Was will man mehr. Die Preise sind in Ordnung.

Am Tisch hinter uns sitzt ein junges, türkisches Paar aus Ankara, die Urlaub für ein paar Tage in Kas machen. Sie sind mit einem Tagesausflugsschiff von Kas hierher gekommen. Wir kamen ins Gespräch. Es war interessant, was sie über die Türken in Deutschland gesagt haben. Sie waren vor Kurzem beruflich für ein paar Tage in Berlin und offenbar erstaunt (erschrocken), wer dort wie ihr Land repräsentiert. Wir haben über Segeln, Alter und verheiratet sein gesprochen, sie haben erst vor 8 Monaten geheiratet. Es war eine schöne Begegnung.

Dann sind mein Mann und ich durch das Dorf gegangen. Wir haben im Supermarkt und beim Bäcker das Nötigste gekauft und an Bord gebracht. Danach sind wir den Hügel hoch, bis zur Burg und auf der anderen Seite wieder hinunter und waren auch schon wieder an der U-förmigen Uferpromenade an der sich ein Café und Restaurant an das andere reiht. Sehr idyllisch.

Gerade zerlegt "unser" Wirt an der Promenade vor uns einen großen Fisch. Er nennt ihn Kingfish. Wir müssen einmal nachsehen, wie er bei uns heißen würde. (Anmerkung: wir haben mittlerweile nachgesehen, es ist wohl eine Seebrasse oder Meerbrasse) Leider gehen die Katzen, die sich um unseren Wirt scharen leer aus. Er wirft die Abfälle ins Meer.

Ich freue mich schon auf das Abendessen.

Morgen liegen 41 sm vor uns. Das ist eine weite Strecke, die wir gegen an fahren müssen. Deshalb starten wir sehr früh, denn morgens bis zum Mittag ist es immer fast windstill. Dann wird das gegen an Fahren nicht so anstrengend. 5 oder 6 Uhr soll es los gehen.

Ziel: Cold Water Bay (weil es so schön war) - Entfernung: 42 sm - Start: 6 Uhr

Tag 11 am 5 Juni, 2012

Ich konnte in dieser Nacht kaum schlafen. Es waren immer irgendwelche Geräusche zu hören. Dann war es auch noch ziemlich warm in der Nacht und kein Windchen kam ins Boot. Wahrscheinlich lag es aber auch am Vollmond.

Um 6 Uhr ging es los und wir konnten unterwegs sogar ein Stück segeln. Heute früh ist es recht diesig. Wir haben kurz nach Kastellorizon die griechische Gastlandsfahne wieder gegen die türkische getauscht. Ein- und Ausklarieren muss man ausnahmsweise nicht, wenn man von der Türkei nach Kastelorizon fährt. Aber es ist wohl sehr wichtig, dass man rechtzeitig die griechische Fahne hoch zieht. Also haben wir auf dem Weg zurück in die Türkei auch rechtzeitig, die türkische Fahne wieder hochgezogen.

Unterwegs haben wir entschieden, dass wir noch einmal in die Cold Water Bay fahren, statt zu der eigentlich geplanten Bucht. Hier hat es uns am Anfang unserer Reise so gut gefallen, obwohl ja wirklich viel los war in der Bucht.

Gegen 14 Uhr sind wir angekommen. Wieder hat uns der nette Mann im Boot mit den Landleinen geholfen und uns einen schönen Platz angewiesen. Dann kam der Brotverkäufer, der uns direkt wieder erkannte und uns freudig begrüßt hat. Wir haben wieder ein frisches Brot für den nächsten Morgen bestellt. Wir haben die Gulets beobachtet, die kamen und gingen, waren schwimmen und sind abends hoch ins Restaurant zum Essen, das wieder köstlich war und der Service nett wie beim letzten Mal. Diesmal lagen deutlich weniger Schiffe in der Bucht.

Ziel: Fethiye - Entfernung: 16 sm - Start: 10 Uhr

Tag 12 am 6 Juni, 2012

Nach dem Frühstück heute Morgen waren wir erst einmal schwimmen. Wir sind in die hinterste Ecke der Cold Water Bay geschwommen, dort wo das Wasser aus dem Berg gesprudelt kommt. Ich hatte die Schnorchelbrille auf und konnte sehen, dass das Wasser hier auch wie Gelee aussieht. Das liegt an den vielen unterirdischen Quellen - Süßwasser trifft auf Salzwasser.

Um 10.30 Uhr ungefähr haben wir den Anker gehoben und sind losgefahren. Das Ziel heute ist Fethiye. Ich bin gespannt auf den Hafen.

Die Fahrt nach Fethiye war wirklich schön. Ca. 1 Std. bevor wir ankamen frischte der Wind auf. Als wir in den Hafen einfuhren war es wirklich ziemlich windig. Witzig, immer wenn wir einmal in einen Hafen fahren, bläst es wie verrückt.

Aber der Hafenservice ist super. Ein Mitarbeiter kam an Bord, er hat die Mooring herausgezogenen und befestigt und ich hatte gut damit zu tun, die Fender zwischen uns und dem Nachbarschiff zu platzieren, denn der Wind drückte uns mit Schmackes gegen das Schiff. Dazu noch die Schraube, die durch die Drehung das Schiff leider auch genau in diese Richtung drückte. Aber alles ging glatt und schnell und am Ende liegen wir gut.

Wir gehen ins Hafenbüro und melden uns an. Dann kaufen wir im Supermarkt daneben Gurken, Lauchzwiebeln und Ziegenkäse (Tomaten haben wir noch), gehen zurück an Bord und essen unseren Türkeiurlaubmittagessensklassiker: köstlichen Bauernsalat mit Brot.

Nach dem Essen gehen mein Mann und ich ins Städtchen. Fethiye ist wirklich ganz schön. Wir gehen durch die Altstadt, die wie ein großer Markt wirkt. Ein Geschäft neben dem anderen. Alles ist bunt und riecht irgendwie. Entweder nach Gewürzen, nach Teppichen, Essen, Mottenkugeln, Fisch. Es gibt viele Geschäfte die Fake-Marken-Taschen verkaufen, Lederjacken. Jeder spricht einen an und will seine Waren verkaufen. Wunderschöne bunte Baklava-Läden, Souvenierläden usw. Es macht Spaß hier durchzuschlendern.

Irgendwann kommen wir zum Fischmarkt. Dort werden wir von einem Verkäufer in deutsch angesprochen. Er will uns seinen Fisch verkaufen. Wir sagen ihm, dass wir heute essen gehen wollen. Daraufhin sagt er: "Ich sage euch einmal, wie das hier läuft. Ihr sucht euch bei mir euren Fisch aus und Kalamares und Shrimps vielleicht zur Vorspeise. Das kauft ihr bei mir. Dann empfehle ich euch ein Restaurant hier am Platz, die bereiten euch den Fisch zu, geben einen Salat und Knoblauchsoße dazu, das kostet nur 6 Türkische Lira."
Das hörte sich toll an. Machen wir, aber erst so gegen 7 Uhr. Das wäre kein Problem, er würde sich schon auf uns freuen.

Also sind wir weiter über den Markt und durch die Altstadt geschlendert. In irgendeiner Gasse wurde mein Mann angesprochen, ob er sich nicht rasieren lassen wollte. Da er schon morgens gesagt hat, er würde sich gerne mal wieder richtig rasieren, sagte er zu und so saßen wir kurz darauf bei einem echten Barbier, wie zu früheren Zeiten, im Laden. Mein Mann wurde eingeschäumt und rasiert und ich wollte eigentlich nur warten. Aber da dort auch Maniküre und Pediküre angeboten werden und die Leute so sympathisch waren, habe ich mir eine Pediküre gegönnt. Die Damen hat das wirklich sehr gut gemacht.

Als mein Mann mit der Rasur fertig war, war die Haut ganz glatt und entspannt. Toll. Wie schön mein Mann doch ist. Und meine Füße werden auch immer schöner. So gestylt machen wir uns wieder auf den Weg zum Fischmarkt.

Wir suchen uns einen Seebarsch aus der groß genug ist für uns beide und zur Vorspeise einen Kalamar und Shrimps. Dann gehen wir in das empfohlene Restaurant, bestellen uns eine Flasche Wein und Wasser dazu und etwas Tsatsiki und Brunnenkresse in Joghurt auch zur Vorspeise.

Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen und am Ende kostete uns der ganze Spaß ca 65 Euro. Wahnsinn. Wir sind noch einmal zu dem Fischverkäufer und haben uns bei ihm bedankt für den tollen Tipp und dafür, dass er uns angesprochen hat. Darüber hat er sich wirklich sehr gefreut. Hochstimmung bei der Besatzung der Helios.

Hinter dem Fischmarkt liegt der bunte, duftende Obst- und Gemüsemarkt. Dort kaufe ich noch Pfirsiche und Aprikosen. Dann gehen wir zurück zum Schiff.

Auf dem Weg spricht uns ein Junge an, der ca. 12 Jahre alt ist und eine Körperwaage unterm Arm trägt. Er fragt mich ob ich mich für 1 Türkische Lira wiegen will. Er schätzte mich auch gleich auf 65 kg. Ich sagte, dass es bestimmt 70 kg sind. "Macht nichts. Ist nicht schlimm", sagt er. aber ich will mich nicht wiegen. Schon gar nicht nach dem tollen Essen und auch nicht trotz 1/2 Flasche Wein.

Es ist schon interessant, auf welche Geschäftsideen die Menschen kommen. Z.B. geht ein Mann durch die Restaurantterrassen und fragt, ob er die Schuhe putzen kann. Und tatsächlich, es lassen sich Leute die Schuhe putzen während sie essen. Es ist eine gute Stimmung jeder möchte etwas tun und mit irgendetwas Geld verdienen. Nur noch einmal zurück zu unserem Barbier: Für die Rasur und meine Pediküre mussten wir nur 35 Türkische Lira zahlen. Das sind vielleicht 18 Euro. Wir hatten viel mehr erwartet.

Fazit: Fethiye ist ein wirklich schöner und sympathischer Ort. Morgen gehen wir, bevor wir weiter fahren noch einmal in die Altstadt, weil ich vergessen habe, die Post einzuwerfen. Ich freue mich darauf und denke über eine Maniküre nach.

Ziel: Tomb Bay (Quellenbucht) - Entfernung: 14 sm - Zeit: 11 Uhr

Tag 13 am 7 Juni, 2012

Heute Morgen nach dem Frühstück sind wir noch ins Hafenbüro um den Stromadapter abzugeben. 100 Türkische Lira Pfand. Eigentlich fehlte dieser Adapter wirklich an Bord, denn den gleichen brauchten wir auch schon in Kas.

Danach haben wir einen Briefkasten gesucht und gefunden und haben die letzte Urlaubspost eingeworfen. In die Altstadt sind wir nicht noch mal gegangen. Dann kaufen wir im Supermarkt in der Marina noch ein, um einen Bauernsalat machen zu können. Bald sind wir zurück an Bord und sind losgefahren. Schön war es in Fethiye.

So langsam ist Urlaubs-Ende-Stimmung. Aber heute wollen wir auf jeden Fall noch in eine Bucht um noch einmal schwimmen zu können.

Mein Mann hat die Quellenbucht ausgesucht. Sie heißt Tomb Bay. Es gibt ein Restaurant, in dem wir abends essen werden. Hier in der Tomb Bay gibt es einen Steg mit Moorings. Und ein junger Mann gibt die Leine an.

Jetzt liegen wir in wieder einer wunderschönen Bucht, um uns grüne Hügel auf denen sich Bäume, Sträucher und Felsen abwechseln. Überall in den Bergen müssen Quellen sein, denn es ist erstaunlich wie Grün es hier überall ist.

Am Nachmittag gehen wir schwimmen. Das Wasser ist hier relativ warm. Wobei es auch hier ein paar kalte Stellen gibt.

Am Nachmittag kommen immer weitere Schiffe an und wir sind froh, dass wir uns schon mittags einen Tisch direkt am Meer reserviert haben. Den bekommen wir auch. Wir teilen uns einen gegrillten Fisch, der uns gut schmeckt, teilen uns ein Fläschchen leckeren Weißwein und gehen dann zurück an Bord. Mein Mann raucht eine Monte Christo und wir schwatzeln noch ein bisschen und dann ist der vorletzte Tag vorbei.

Morgen müssen wir zurück nach Göcek. Aber es ist nur eine Stunde bis dahin. Wir werden also in Ruhe ausschlafen, frühstücken und noch einmal schwimmen und dann irgendwann erst losfahren.

Ziel: Göcek Club Marina - Entfernung: 6 sm - Zeit: 13 Uhr

Tag 14 am 8 Juni, 2012

Ich bin zwar um 7 Uhr aufgewacht, bin aber liegen geblieben und habe eine Stunde gelesen. Dann habe ich Kaffee gekocht und mir ein Marmeladenbrot gemacht und wieder mein Buch weiter gelesen.

Als mein Mann wach wurde haben wir gefrühstückt. Danach sind wir noch ins Meer zum Schwimmen. Wunderschön. Das Wasser ist nicht so kalt. Toll. Nach dem Duschen haben wir noch an Deck gesessen, gelesen oder haben die anderen Schiffe beobachtet. Den letzten Tag genießen.

So gegen 12.15 Uhr sind wir zum Restaurant und haben Meze gegessen. Zurück an Bord haben wir alles klar gemacht für unsere letzte Fahrt mit der Helios, zurück nach Göcek. Segeln hat leider nicht so gut funktioniert, es fehlte der Wind.

Da wären wir dann doch zu lange unterwegs. Also haben wir das Segel wieder eingerollt und sind gefahren. Gegen 15 Uhr kamen wir in der Marina an. Die Moorings-Leute haben uns beim Anlegen perfekt geholfen. Es kam jemand an Bord der für mich die Mooring festmachte und ich musste fast nichts tun, außer die Heckleinen an Land zu werfen. Da stand jemand von Moorings und hat das Schiff fest gemacht. Netter Service. Ich kam mir schon fast vor wie die vielen an Deck drapierten„Boots-Chiccas“, die wir beobachten konnten, während die Männer an Bord beim Anlegen geschuftet haben. Als einziges Crewmitglied an Bord war ich ja doch immer gut beschäftigt.

Danach kam Paul von Moorings an Bord, wir machten kurze Übergabe, dann mussten wir nur noch Packen, Duschen und Abendessen im Club Marina Restaurant.

Tag 15 am 9 Juni, 2012