Törnberich von Dietrich Oberg

Kroatien-Nord, Kroatien
25 May 2002

Törnberich von Dietrich Oberg Anreise und Bootsübernahme Da es uns ein wenig Stress verursacht hat, sollte der Hinweis auf notwendige Formalien ganz oben anstehen: Unbedingt vor der Abreise prüfen, ob alle einen gültigen Pass oder Personalausweis dabeihaben. Die slowenischen Grenzer am Karawankentunnel sind da ziemlich humorlos. Im negativen Fall bleibt einem nur die Rückfahrt bis Bad Reichenhall. Dort bekommt man auf der diensthabenden Polizeistation einen Ersatzpass (8,00 EUR). Es ist aber nicht gesagt, daß die Slowenen einem damit nicht auch noch Schwierigkeiten machen, bei uns hat es bei Ein- und Ausreise dann geklappt. Nachdem wir dann aber ohne weitere Probleme via Ljubljana - Koper nach Pula kamen und auch die Marina Veruda gefunden hatten, gab es eine routinierte und zügige Bootsübernahme. In diesem Fall nach dem Schema, Checkliste selber abarbeiten, Fragen und fehlende Details aufführen und diese mit dem Bootsübergeber am Schluss erledigen. Hat prima geklappt, Kompliment an die Basis von Nautic Adria, die das Schiff verantwortlich führt. Zur Organisation kann man vielleicht mit dem Hinweis etwas anfangen, dass in Kroatien überall EUR akzeptiert werden (kroatischer Kuna zu EUR liegt bei ca. 7,30 kn = 1 EUR; slowenischer Tolar liegt bei ca. 224,00 sit = 1 EUR). Auch die Mautstellen können mit EUR zu normalen Kursen bezahlt werden, so dass der Tausch von Tolar eigentlich überflüssig ist und auch Kuna eigentlich nicht geholt werden müssen, wenn man sich mit EUR eingedeckt hat. Das sollte man auf jeden Fall spätestens bis Pula gemacht haben, weil in der Marina Veruda selbst kein Bankomat ist und die Wechselstube nur Bargeld in Kuna wechselt. Den Basiseinkauf kann man, wenn man nicht alles schon dabei hat, während des Check-Ins von einem Crewmitglied in einem der großen Supermärkte von Pula machen lassen. Deren Hinweisschilder sieht man schon bei der Anreise. Die für Kroatien offiziell vorgeschriebene Funk-Lizenz (UKW-Betriebszeugnis) wurde von uns in dieser Woche von niemandem verlangt ! 1. Tag Am Sonntag hieß es bei bewölktem Himmel und mäßig frischem Nordwestwind Leinen los und Kurs auf die Südspitze der Halbinsel. Wir wollten zum 'Aufwärmen' nur einen kleinen Schlag in die Bucht von Medulin machen, damit die Frauen, die bis auf Birgit noch keine Hochseeerfahrung hatten, sich langsam an das Thema gewöhnen könnten. Da sich aber in den Vortagen eine kräftige Welle aus Südwest gebildet hatte konnten wir für unsere Jüngste schon nach kürzester Zeit die Pütz in Arbeitsstellung bringen und dort blieb diese auch bis zum Anlegen. Danach war aber ein für alle Mal Schluss und alle Mägen hatten sich ans Meer gewöhnt. Birgit halfen drei Stunden Rudergehen über diese kritische Anfangsphase hinweg. Besonders angenehm war, dass uns der Wind sehr rasch und kräftig zum Leuchtturm Porer trieb und dann vor Medulin in viel ruhigerem Gewässer die ersten Manöverkurse für die Kinder bei inzwischen strahlendem Sonnenschein ein durchaus positiveres Segelgefühl vermittelten. Kurz vor Medulin entschieden wir uns auf grund der ungenauen Angaben im Hafenhandbuch für die etwas weiter drinnen liegende ACI Marina von Pomer. Für diese - wie auch für die anderen ACI Marinas - galt im Übrigen, dass bereits beim Einlaufen eine Liegeplatzzuweisung mit Leinenunterstützung und Mooringvorbereitung erfolgte. Das machte das Anlegen trotz unerfahrener Besatzung zum Kinderspiel (im wahrsten Sinne des Wortes). Auch in den Marinas gab es ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Info zu Pomer Liegegebühr 26,24 EUR/193,18 kn. Frauen-Sanitär vorrübergehend zu Renovierung geschlossen, was im Männertrakt immer wieder für heitere Begebenheiten sorgte. Am 21.05. wurde der Frauentrakt weder freigegeben und war blitzsauber und schön. In Pomer bemerkten wir, dass unser Kühlschrank seine Funktion eingestellt hatte. Ein Anruf bei Nautic Adria genügte. Am frühen Morgen stand ein 'Meister' vor dem Schiff und machte sich sachkundig und erfolgreich an die Reparatur. Er hatte es nicht leicht, da sich das Element der elektronischen Steuerung verabschiedet hatte und dieses ein Modell mit nicht mehr gängigen Steckmodulen war. So brauchte er eine gute Stunde, bis er alle seine Kollegen abgeklappert und das passende Teil gefunden hatte. 2. Tag Den härtesten Schlag taten wir uns am Montag an, da wir uns eigentlich vorgenommen hatten, nach Cres zu kommen. Leider hatte sich der Wind entschieden, mit kräftigen 3 von Ost zu kommen. So begannen wir mit dem Versuch, den langen Weg nach Losinj zu machen, brachen das aber gegen Mittag ab und definierten den Fjord von Trget am Festland als neues Ziel. Auch dabei waren wir nicht ganz vom Glück verfolgt, da der Ost später auf Nordost drehte und stärker wurde. Aber die Kreuz unter Land war recht angenehm und die abendliche Einfahrt in den Fjord ein beeindruckendes Erlebnis. Info zu Trget 45° 01' N 14° 04' E - Keine Liegegebühr, keine Kontrollen, kein Wasser, kein Strom - nicht bekannt, ob das die Regel ist. Es gibt nur einen Pier an dem wie für uns geschaffen genau noch Platz für unsere kleine Elan war. Es würden aber maximal höchstens 4 Schiffe längsliegend dran passen. Ansonsten gäbe es jedoch genügend Ankermöglichkeiten. Da wir als Selbstversorger ('großes' Abendessen mit Spaghetti) nicht auf Versorgungsmöglichkeiten angewiesen waren, haben wir dazu keine Erkenntnisse gewonnen. Sichtbar vor der Pier ist eine Kneipe/Restaurant, die auch geöffnet hatte und ein wenig von Einheimischen frequentiert wurde. Andere, im Hafenhandbuch erwähnte, Einrichtungen konnten wir nicht ausmachen. 3. Tag Weil wir im Ort Pomer ein nettes Restaurant ausprobieren wollten, beschlossen wir dorthin mit Badestopps zurückzusegeln. Das schien am Anfang bei fast Null Wind eine Dieselfahrt werden zu wollen, hat sich aber, als das Baden vom Boot aus - ein Mordsspass für Kinder, sich im Lifebelt hinterherziehen zu lassen - langsam zu langweilig wurde, mit gutem Wind zu einem sehr schönen Segeltag entwickelt. Abends wurde der Hafen dann noch mit dem Beiboot durchpflügt (Vater pullt, Kinder haben Spass) und am Campingplatz Steinstrand gebadet. Info zu Pomer Falls man einen Platz an der Betonpier erhält, muss man die Tide beachten (ca. 50 - 80 cm); also Strom und Festmacher lang genug, bzw. nachspannen. Nachdem man alles im Leben ja einmal erlebt haben sollte, passierte es uns am späten Nachmittag, dass eine Tochter fröhlich vermeldete, dass die Bordtoilette nicht mehr abpumpt. Dieser Super-GAU war nun Skipper-Aufgabe, während die Damen mangels Bankomat in Pomer prüften, in welchem der zur Auswahl stehenden Restaurants man mit Kreditkarte bezahlen könnte. Nachdem ich einige Zeit in der Scheiße gewühlt hatte, erkannte ich, dass ich es ohne Kenntnisse des Innenlebens der Toiletteneinheit nicht schaffen würde und wandte mich erneut an die Basis von Nautic Adria. Wenn ich auch daraufhin gewiesen wurde, dass mich, für den unwahrscheinlichen Fall, dass wir eine Verstopfung verursacht hätten, für diesen Einsatz aufkommen müsste, so war doch keine 20 Minuten nach meinem Anruf ein Mann mit geeigneter Ausrüstung und scheinbar großer Erfahrung am Boot. Nach mehrfachem erfolglosem Zerlegen und Funktionsprüfung der Pumpe gab es schließlich nur noch die Möglichkeit, daß sich am Auslass ein Propfen gebildet hatte, so daß der Mann den Auslassschlauch lösen musste und dort tatsächlich einen (50 EUR teuren) Zellulosestopfen fand. Aus dieser Drecksarbeit, die überhaupt nur einigermaßen sauber mit Einsatz eines industriellen Hydrosaugers möglich war, habe ich gute Lehren über Sinn und Bedeutung des intensiven Spülvorganges (- soviel Wasser, wie nur möglich hinterherschießen -), über die technischen Details des gesamten Funktionsaufbaus einer Bordtoilette und über die Tücke ggf. längerer Auslassschläuche gewonnen. Mit diesem Wissen widmeten wir uns dann freudig den angenehmeren Herausforderungen und fielen im Restaurant 'Ostriga' ein. Dort bekamen wir eine vorzügliche Fischplatte, guten Wein, freundliche Bedienung und einen Chef, der auch bei der Bezahlung mit der Kreditkarte seine Laune nicht beim Versagen der Telefonleitung nach Zagreb verlor. Wir einigten uns darauf, daß wir die Rechnung (400,00 kn/4 Pers E+T) in nächsten Tagen via Überweisung auf seine Bank in Pula begleichen würden. 4. Tag Herrlicher Südostwind begünstigte unser Entscheidung, die historischen Vorzüge von Pula in Angriff zu nehmen. Das Rauskreuzen aus der Bucht von Medulin war ein Vergnügen und wurde zu einer kleinen, heimlichen Regatta verwendet, über deren Ausgang wegen des Abdrehen des 'gegnerischen' Bootes Unklarheit herrscht. Dann, nachdem die Spitze gerundet war ging es auf schwungvollem Schmetterlingskurs (die Damen in der Sonne auf dem Badeheck, der Vater genussvoll am Steuer darauf achtend, dass die Sonne immer aus der richtigen, gewünschten Richtung kommt) nach Nordwesten. Dabei war der Schwung so groß (soll heißen der Speed so unerwartet hoch), dass wir doch tatsächlich den die Einfahrt nach Pula nahezu unmissverständlich markierenden Leuchtturm 'Peneda' ignorierten, weil er es eigentlich noch nicht sein konnte. Diese Entscheidung wurde dann aber kurze Zeit später durch erneutes Kartenstudium revidiert und nach einer Halse demonstriert, wie sich der 'warme' Schmetterlingswind an der Kreuz doch recht kalt anfühlen kann. Nachdem wir dann doch die richtige Einfahrt gefunden hatten, machten wir um 18h in der ACI Marina von Pula fest. Erkenntnis des Tages: Hinter jedem kleinen Fischerboot schwimmt eine Möwe und wartet geduldig. Info zu Pula Pula ist eine beeindruckende Stadt mit großer historischer Vergangenheit. Die Marina (tidenunabhängige Schwimmstege) liegt in Steinwurfentfernung des großen Amphitheaters (das angeblich drittgrößte der Welt, geöffnet bis 21h; normalerweise kostet es Eintritt, wenn man aber um 20:45h reinkommt, wird man freundlich reingelassen, mit dem Hinweis, dass man in wenigen Minuten schliessen würde) an einer belebten Straße. Ein Bummel durch die Innenstadt lässt einen auf Schritt und Tritt Antikes finden. Man kann sich am besten in der Touristeninformation (aus der Marina rechts die Riva entlang, an einem quadratischen Turm italienischen Aussehens links auf den Platz auf der gegenüberliegenden Seite) einen kleinen Plan mit allen Sehenswürdigkeiten geben lassen und diese dann gemütlich ablaufen. Es gibt auch links von der Marina einen kleinen Park mit Spielplatz, auf dem ein Modell der Stadt sehr anschaulich präsentiert ist. Den Einkauf sollte man unbedingt auf dem Markt durchführen. Es lohnt alleine wegen der Atmosphäre. Es sollte auf jeden Fall vormittags sein, da Fisch und Fleisch gegen 14h geschlossen werden. Man findet die Märkte wenn man vom goldenen Tor weg von der Altstadt geht, nach ca. 300 m sieht man linker Hand die Markthalle, dahinter ist der Obstmarkt und nochmal dahinter ein Supermarkt. 5. Tag (Hafentag) In Pula fanden wir ein ganz neues Hilfsmittel zur Astronavigation. Wir konnten aber, da unverkäuflich, keinen Tauglichkeitstest vornehmen. Außerdem nutzten wir die Möglichkeit, den morgens anlegenden Fischern 1 Pfund Sardinen zu 5 kn abzukaufen, die dann in Öl gebraten zu einem ausgezeichneten Mittagessen verarbeitet wurden. Abends lädt die Stadt mit netter Beleuchtung und lebhaft bevölkerten Plätzen zu Ausgehen ein. Es lohnt auch ein Besuch im archäologischen Museum von Istrien (6 kn Kinder/12 kn Erwachsene, wobei wie beim Amphitheater da der Verkäufer selbst entscheidet, wer zahlen muss - bei uns nur ein Kind !?) 6. Tag Nichts im Leben ist perfekt, so dass auch nicht verwunderlich war, dass es an unserem letzten Segeltag in Strömen giessen musste. Aber wie wir alle unisono bemerkten, es wäre kein Segeltörn, wenn wir nicht auch einmal richtig von oben nass würden, also rein ins Ölzeug und raus in den Wind. Da es ja nur der kurze Schlag von Pula in die Marina Veruda war konnten wir absehen, dass wir nicht übermässig leiden mussten. Es war sehr schöner Segelwind und wir hatten viel Spass, bis wir uns dann gegen 15h in die Schlange an der Tankstelle einreihten um unsere mickrigen 7 Liter zu tanken. Ein halbe Stunde später lag die 'Fan Chuan II' wieder friedlich an ihrem Heimatsteg, wir schüttelten die nassen Klamotten aus und die Sonne begann, sich hinter den Wolken hervorzuwagen, so dass das verdiente Eis im Marina-Lokal 'Volaria' wohl schmeckte. Rückreise/Weiterreise Checkout ging Samstags um 8h sehr gut organisiert und enorm pünktlich über die Bühne. Ab 7:30h schwamm ein Taucher alle Rümpfe ab. Um 8:15h waren bereits alle Formalitäten erledigt. Wir hatten als einzigen Schaden ein Trinkglas zu vermelden und konnten uns dann über ein leckeres Frühstück im 'Volaria' hermachen. Da wir uns noch eine Anschlußwoche auf Rab gegönnt haben, ging es via Labin, Rijeka, Labanca auf die Fähre und in die Ferienwohnung der Fam. Heiden in Barbat 282 (39EUR/Tag, sehr schöne Wohnung, sehr schöne Lage). Nautische Informationen aus dieser Woche: Rab hat ACI Marina, wo ein Anlegen lohnenswert wäre, es gibt eine zweite ACI Marina in Supetarska Draga (NNW-Seite der Insel); vor Barbat (genau vor einem Restaurant Barbat, dessen Schild man unter Bäumen ausmachen kann, ca. 2 Kabellängen südöstlich einer kleinen Marina mit Kran) ist eine Pier, wo man vor Kopf Tiefgang über 2m hat und festmachen könnte, um dann ausgezeichnet Fisch (oder gar Hummer und Langusten!) essen zu gehen im Restaurant 'Kordic' (550 kn/4 Pers E+T), Barbat 176 nur wenige Meter hinter (nördlich) der Krananlage.


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