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Starkwindsegeln im Oktober

2 Nov., 2014
von Lutz Schertel
Ägäis, Griechenland
Bavaria 45 Cruiser

So spät im Jahr waren wir eigentlich noch nicht unterwaegs, aber 22 Grad Wassertemperatur lt. Klimadiagramm hatten uns überzeugt. In der Woche war dann allerdings Wind bis zu 10 Bft. So verzichteten wir weitgehend aufs Baden und passten kurzentschlossen unsere Route den Gegebenheiten an. Viele Stunden auf See, davon 3 Tage 7-9 Bft nach Süd, einen Tag Flaute, und dann bis 10 Bft Wind nach Nord.

Ankunft in Lavrion

Tag 1 am 18 Okt., 2014

Der Direktflug von München nach Athen war problemlos, Aegaean Air als Fluggesellschaft kann ich empfehlen. Der bestellte Taxitransfer funktionierte auch perfekt, so waren wir gegen 15:00h in Lavrion. Die Kollegen kauften Proviant ein, ich übernahm das Boot, der ganze Stab war sehr freundlich und kompetent.

Lavrion nach Milos

Tag 2 am 19 Okt., 2014

Nachdem 7 Bft nach Süden angesagt war, brachen wir zeitig auf, um die 70 sm nach Milos in Angriff zu nehmen. Viel Segel war nicht nötig, um mit bis zu 8 kn durch drei Meter Welle zu pflügen. Nach 10 Stunden Fahrt hatte ich an den Daumen tatsächlich Blasen, im Hafen von Adamantas auf Milos gab der Wind dann gottseidank etwas nach und wir konnten anlegen. Ende Oktober hat man fast die ganze Kaimauer zur Verfügung, also legten wir direkt vor einem Restaurant an. Strom und Wasser stand zur Verfügung, es kam aber kein Mensch, um Gebühren zu kassieren. Diese angenehme Siuation wiederholte sich dann die ganze Woche.

Milos nach Siphnos

Tag 3 am 20 Okt., 2014

Am Morgen sahen wir uns erst einmal die Mondlandschaft von Sarakiniko im Noden von Milos an. Man könnte die 4 km laufen, wir entschieden uns fürs Taxi, je 8 € für Hin- und Rückfahrt. Die Gegend dort besteht aus Bimsstein, der vom Meer ziemlich zerfressen und absolut sehenswert ist. Leider konnte man nicht ins Wasse, bei 7 Bft Wind wären wir am Bimsstein zerschellt. Gehen Mittag liefen wir aus und entschieden uns für einen kurzen Schlag nach Siphnos, im Süden liegt der Hafen Platis Gialos, windgeschützt bei Nordwind, was schon sehr angenehm war. Der Hafen gehörte uns allein, der Ort selbst war Ende Oktober ziemlich ausgestorben, aber ein Restaurant hatte noch offen. Dort haben wir gut und sehr preiswert gegessen.

Siphnos nach Mykonos

Tag 4 am 21 Okt., 2014

Nachdem uns der Nordwind zwei Tage eingeheizt hatte, machten wir uns nach dem Frühstück und einem Bad in der Bucht von Platis Gialos auf den Weg nach Mykonos. Bei angenehmen 4 Bft ging es los, der Wind wurde dann zur Brise und schließlich zum Lüftchen, so fuhren wir größtenteils mit Motorunterstützung nach Mykonos, erst bei der Einfahrt in den Hafen kam wieder Wind auf. Die Marina liegt nun ca 6 km nörlich des alten Stadthafens von Mykonos, zum Einheitspreis von 8 € kommt man mit dem Taxi in die Stadt. Während die Gegend um die Marina eher trostlos wirkt, ist die Stadt Mykonos immer einen Besuch wert. Ein Kreuzfahrer hatte ca. 1.000 Japaner ausgespuckt, also war auch Ende Oktober Betrieb in den engen Gäßchen. So eng es auch ist, manchmal muß man doch zur Seite springen, weil ein Mensch mit Motorroller angebraust kommt.

Mykonos nach Syros

Tag 5 am 22 Okt., 2014

Der Wind hatte sich nun nach einem Tag Flaute umorientiert und blies nun mit 7 Bft nach Norden. Wir legten ab, fuhren noch eine Runde durch den alten Hafen von Mykonos und segelten dann wieder flott nach Syros in die Stadt Ermoupoli. Dort gibt es zwar eine moderne Marina, wir bevorzugten aber den alten Stadthafen und konnten uns an der Promenade den Platz aussuchen.Ein wirklich schönes Städtchen, gepflegt, in den engen Gäßchen läuft man über Marmor, von unserem Boot hatten wir ins Restaurant ca. 10m zu laufen, der freundliche Wirt machte uns auch noch einen Sonderpreis, damit er seine Doraden los werden konnte. Uns war es recht. Zwar ist Mykonos der Touristenmagnet, aber mein Favorit heißt ab jetzt Ermoupolis. Am Morgen kam noch eine Dame vom Finanzamt dabei, wollte den Chartervertrag sehen und notierte die Steuernummer des lokalen Vercharterers, die Troika hat offensichtlich doch schon einiges bewegt.

Syros nach Kea

Tag 6 am 23 Okt., 2014

Nachdem wir die ganze Zeit viel Wind, aber trockenes Wetter hatten, ging die Prognose nun für Freitag nachmittag von Regen und Gewitter aus. Also entschlossen wir uns, bereits am Donnerstag ein großes Stück zurück Richtung Lavrion zu fahren. Unser Ziel war Korissia an der Nord-Westseite von Kea, von dort aus wäre es dann nur noch ein kurzes Stück nach Lavrion. Kaum hatten wir den Hafen von Syros verlassen, blies der Wind von hinten stärker und stärker, unser Segel wurde mehr und mehr gerefft, trotzdem pflügten wir mit Rumpfgeschwindigkeit nach Norden. Als wir das erste mal die 9 Bft auf der Anzeige sahen, holten wir die Segel ein, kurz danach sahen wir die 10 auf der Anzeige. Nach 1 1/2 Stunden waren an Syros vorbei und der wind ging auf 7 Bft zurück, so daß wir unter Segel bis nach Kea fahren konnten, lediglich die letzten Meilen kam der Wind direkt von vorne. Wir fuhren also die letzte Stunde unter Motor und schafften bei dem Gegenwind gerade mal 3 kn COG. Mit dem Sonnenuntergang trafen wir in Korissia ein, wie immer diese Woche gab es Strom zum Nulltarif, auch Anlegegebühren wollte niemand haben.

Kea nach Lavrion

Tag 7 am 24 Okt., 2014

Die Prognose "Gewitter am nachmittag" ließ uns zeitig aufbrechen, der Wind stand günstig, mit 6 Bft halbem Wind und ordentlicher Krängung rauschten wir Richtung Lavrion. Dort angekommen, kamen wir gerade noch so in unsere Parkbucht, als der Wind stärker und stärker in den Hafen hineinblies. Bei Südostwind ist Lavrion kein sicherer Hafen, mußten wir dann feststellen. Nach uns kommende Boote konnten nicht mehr anlegen und drehten im Hafenbecken ihre Kreise, da das Anlegen zu riskant wurde. Ein paar Österreicher, die kurz nach uns kamen, waren ziemlich happy, als sie ihr Boot endlich vertäut hatten, wie man im Bild sieht. Der Hauptfilm im Hafenkino lief aber zwei Stunden später, als eine auslaufende Fähre trotz Schlepperunterstützung vom Wind an den Kai gedrückt wurde und einige Boote zerdrückte. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber ein paar Boote wurden beschädigt, einige sogar total zerstört. Ruhiger wurde es erst nach 20:00h, da fehlten Navigare-Yachting aber immer noch 5 Boote, die jedoch in sicheren Häfen lagen und sich nicht hinaus getraut hatten. Viel Arbeit also für die Leute, da am nächsten Tag ja wieder neue Gäste erwartet wurden. Kompliment aber an die Leute, obwohl deren Stress enorm war, konnten alles nötige sauber geregelt werden.

Lavrion nach München

Tag 8 am 25 Okt., 2014

Um 5:30h kam pünktlich unser Taxi und brachte uns zum Flughafen, so daß wir noch rechtzeitig zum Weißwurstfrühstück München erreichten.

So schnell werden wir diesen Törn nicht vergessen, der Wind hätte alle Fälle für mindestens zwei Wochen gereicht.