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Segeln beiderseits der Straße von Bonifacio

25 Feb., 2015
von Frank Tschichholz
Sardinien, Italien
Sunsail 42i

Eigentlich bin ich nur umständehalber Skipper. Unsere langjährigen Skipper sind häuslich geworden oder stehen aus anderen Gründen nicht mehr als Schiffsführer zur Verfügung. Um trotzdem weiter auf Yachten segeln zu können blieb mir nichts anderes übrig, als selber zu Skippern. Dabei bin ich mir über meine Grenzen durchaus im klaren. Entsprechend vorsichtig bin ich bei für mich neuen Revieren. Meine bisherigen Erfahrungen beschränkten sich auf die Ägäis und einzelne, leicht zu besegelnde Reviere in der Karibik. Nun wollte meine Crew endlich mal etwas anderes sehen und hatte sich Sardinien und Korsika in den Kopf gesetzt. Mit eher gemischten Gefühlen ging ich es also an. Ich hatte einiges über den plötzlich auftretenden Mistral und die vielen Klippen gelesen.

Um es vorweg zu nehmen:
Es gab keinen Mistral, alle Klippen haben wir umschifft und wir haben ein fantastisches Revier mit romantischen Buchten, faszinierenden Felsen und pittoresken Orten kennen gelernt.

Ruhiger erster Tag

Tag 1 am 21 Sept., 2013

Am ersten Tag lassen wir es ruhig angehen. Nach der (leider ziemlich langwierigen) Schiffsübernahme und der Proviantierung machen wir eine kurzen Probeschlag in die Südbucht von Caprera, baden kurz und fahren wieder zurück nach Cannigione.

Reede zwischen den Inseln St. Maria, Budelli und Razzoli

Tag 2 am 22 Sept., 2013

Heute wollen wir endlich richtig segeln: Wir machen einen langen Schlag von Cannigione in die Reede zwischen den Inseln St. Maria, Budelli und Razzoli. Dabei nehmen wir die nördliche, nach Westen offene Einfahrt. Dies ist ein magischer, der Welt sehr weit entrückter Ort. Wir genießen einen unbeschreiblichen Sternenhimmel bis der Mond groß und gelb über den gezackten Hügeln, die den Horizont bilden aufgeht. Wie an vielen Stellen im Maddalenenarchipel gibt es hier mit gelben Bojen gekennzeichnete Moorings, die man kostenlos nutzen darf.

Zum ersten Mal die Straße von Bonifacio

Tag 3 am 23 Sept., 2013

Heute durchfahren wir zum ersten Mal die Straße von Bonifacio. Der Wettergott ist uns gnädig, wir haben entspannende 7 Knoten Wind und eine fast flache See. Vorher machen wir noch eine Sightseeingrunde durch die Cala (Bucht) Lunga. Absolut sehenswerte, fantastische Felsformationen!

Südwestlich der kleinen Insel Piana legen wir einen Badestop ein und planschen im türkisfarbenen, warmen Meer. Anschließend laufen wir die Rondinariobucht an. Eine landschaftlich schöne Bucht in vollkommener Muschelform. Es gibt eine schicke neue Strandbar, die allerdings völlig ausverkauft war Also dîner an Bord.

Bonifacio

Tag 4 am 24 Sept., 2013

Heute geht es nach Bonifacio. Wieder legen wir bei Piana einen Badestopp ein. Dieses Mal aber nordwestlich der kleinen Insel.

Die Einfahrt durch den von hohen weißen Kreidefelsen gebildeten schmalen Fjord ist ein einmaliges Erlebnis! Wir sind dankbar, dass wir in dieser Zeit leben und hier segeln dürfen und nicht, als die MG-Nester, die sich immer noch am Anfang des Fjordes befinden besetzt und „in Funktion“ waren.

Im Hafen selbst weist uns ein eher kurz angebundener Hafenmeister mürrisch einen nicht ganz einfach anzufahrenden Liegeplatz zu. Ohne seine Hilfe (das kennen wir aus der Türkei völlig anders) brauchen wir 3 Anläufe, bis unsere „Vega“ unmittelbar vor einem Café sicher vertäut liegt. Dankenswerterweise interessiert sich kaum einer der Flâneure für unser Hafenkino. Bonifacio selbst ist eine sehr sehenswerte Stadt, es macht Spaß hier zu bummeln.

Weiter nach Nordwesten

Tag 5 am 25 Sept., 2013

Heute wollen wir nur in die Roccupina Anse, wir haben also Zeit. Einen guten Teil davon verbringen wir in der Fazzulobucht etwas westlich von Bonifacio. Dies ist eine der schönsten Buchten, die wir gesehen haben Leider hält der Anker hier sehr schlecht. Für eine Mittagspause aber reicht es. Die Roccupina Anse ist eine ebenfalls schöne Bucht mit sehr klarem Wasser und gut haltendem Grund. Die Riffe und Untiefen sind gut erkennbar und leicht zu umschiffen.

Cala d'Orzu

Tag 6 am 26 Sept., 2013

Auf dem Weg nach Ajaccio ist heute die Cala d'Orzu unser Etappenziel. Unsere Mittags- und Badepause legen wir in der Cala de Conca ein. Eine traumhaft schöne, von pittoresken Felsen eingerahmte Bucht.

In der Orzubucht haben wir – entgegen der Empfehlung aus unserem Revierführer - in der Nordostecke vor dem großen Strand auf gut haltendem Sand geankert.

Ajaccio

Tag 7 am 27 Sept., 2013

Heute laufen wir Ajaccio an. Eine elegante mediterrane Stadt, die zum Bummeln einlädt. Unser Abendessen nehmen wir in unmittelbarer Nachbarschaft des Maison Bonaparte ein. Hier kam also der bekannteste Franzose her, der, als er meine Stadt Leipzig 1813 „besuchte“, dort innerhalb von 3 Tagen mehr Kriegstote hinterließ als es in Deutschland früher und später jemals an einer Stelle in so kurzer Zeit gegeben hat.

Anse St. Barbe

Tag 8 am 28 Sept., 2013

Ein Teil der Crew fährt mit der Bahn nach Bastia, ein anderer zu Baden in die St. Barbe Bucht. Beides ist nicht wirklich spektakulär. Interessant ist es immer wieder fest zu stellen, wie wenig Englisch viele Franzosen offenbar verstehen. Wir versuchten, den beiden jungen Männern die im Hafenmeisterbüro die Stellung hielten eine Information über einen geeigneten Supermarkt zu entlocken – vergebens. Erst als wir das Wort „ Hypermarche“ aussprachen drückten Sie uns, etwas verlegen lächelnd, wortlos den Flyer eines Spar-Marktes in die Hand. Wohlgemerkt junge Leute, die täglich mit Touristen zu tun haben.

Baie de Figari

Tag 9 am 29 Sept., 2013

Während des heutigen Schlages, der uns in die fjordartige Baie de Figari führt segeln wir am Rand eines kräftigen Gewitters mit Böen bis 28 Knoten. Am Ende der Bucht machen wir an den Stegen der Marine de Pianottoi fest. Wir genießen die Vorzüge der Nachsaison: Es ist kein Hafenmeister, der kassieren könnte da. Wasser und Strom funktionieren dennoch einwandfrei!

Rauschesegeln in der Straße von Bonifacio

Tag 10 am 30 Sept., 2013

Heute ist Rauschesegeln angesagt! Bei achterlichen Winden zwischen 24 und 30 Knoten düsen wir an Bonifacio vorbei. Eigentlich wollten wir uns mit Freunden im Maddalenenarchipel treffen. Angesichts des Wetters und der beiden kleinen Kinder, die sie an Bord haben überreden sie uns jedoch, und in der Bucht „Golfe de St. Manza“ auf Korsika zu treffen. Also mitten in der Straße von Bonifacio wenden und nun gegen den kräftigen Nordwestwind ankreuzen! Aber auch das gehört zum Segeln dazu. Wir genießen diesen Kampf ebenso wie die plötzliche Stille und das ruhige Wasser als wir uns dem Strand von St. Manza nähern. Ein herrlicher Segeltag!

Zwischen St. Maria und Budelli

Tag 11 am 1 Okt., 2013

Jetzt geht es aber doch mit den zusammen mit den Freunden nach Maddalena. Wir machen an Moorings zwischen St. Maria und Budelli fest. Dort treffen wir 2 Mitarbeiter der Sunsailbasis aus Cannigione. Wir hatten Sie hergebeten, weil eine Naht des Rollgroßes einriss. Die beiden nahmen das Segel mit und montierten es wie vereinbart am nächsten Tag im Hafen von Cala Gavetta. Die Aktion hat hervorragend geklappt.

Cala Gavetta Hafen

Tag 12 am 2 Okt., 2013

Heute geht es in den Cala Gavetta Hafen an der Südküste von La Maddalena. Ein schöner Hafen mit hübschen Gebäuden. Wir genießen das mediterrane Flair. Unsere „Lunchbay“ ist heute Cala Corvara. Auch ein der vielen „schönsten Buchten“ dieses Törns. Unbedingt anlaufen und zwischen den Felsen spazieren gehen.

Cala Coticcio

Tag 13 am 3 Okt., 2013

Heute fahren wir in die Cala Coticcio. Ebenfalls eine der schönsten Buchten. Als wir vor knapp 2 Wochen über diese Bucht flogen ankterten hier 10 – 20 Schiffe. Jetzt, Anfang Oktober waren wir die Einzigen und konnten zwischen den beiden Moorings frei wählen. Eine fantastische Bucht mit leicht orangefarbenen, eigenartig geformten Felsen. Einige sehen aus, wie ausgeblasene Eier. Sie bestehen nur noch aus der dünnen Schale, innen sind sie hohl. Absolut sehenswert. Auch unter Wasser ist die Bucht interessant: Es gibt sehr viele Fische.

Porto Cervo

Tag 14 am 4 Okt., 2013

Zunächst segeln wir in den legendären Porto Cervo. Wir finden ein langweiliges und völlig ausgestorbenes Nest. Nicht die geringste Spur von Mondänität. Wir finden noch nicht einmal ein geöffnetes Restaurant. Nach kurzem Aufenthalt segeln wir zurück nach Cannigione wo die Rückgabe der Yacht unspektakulär erfolgt.


Fazit:

Ein sehr interessantes Revier, das zumindest außerhalb der Hochsaison, also der Zeit in der in Frankreich und Italien Schulferien sind, absolut empfehlenswert ist.

Tag 15 am 5 Okt., 2013