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Erster Skippertörn

4 Juli, 2014
von Christoph Zieger
Kroatien-Nord, Kroatien
Bavaria 40 Cruiser

Nachdem die letzten beiden Winter und Urlaube dazu genutzt wurden, um die Anforderungen des SKS zu erfüllen, wird 2014 nun zum erten Mal eine Yacht in Eigenregie gechartert. Zu sechst machen wir uns auf den Weg von Sukosan ausgehend, die schöne Inselwelt Kroatiens und die blaue Adria zu erleben.

Mast und Schotbruch!

Ankunft Zadar/Sukosan

Tag 1 am 31 Mai, 2014

Nach einer langen und anstengenden 12-stündigen Fahrt erreichen wir sechs um ca. 11 Uhr Zadar, unweit unseres Ausgangshafens Sukosan. Zadars Altstand lädt zum Zeitvertreib und flanieren ein, so dass die Zeit bis zum ersehnten check-in angenehm vergeht. Sehenswert sind insbesondere die Wellenorgel entlang des Stadtkais, wie auch, sofern man früh genug ankommt, das quirlige Treiben auf dem Fischmarkt. Die zahlreichen Lokale verleiten zum verharren und Sonne genießen. So vergehen, mit vielen schönen Eindrücken, flux 3 Stunden, so dass wir uns auf dem Weg zum Proviantkauf im nahe gelegenen Spar-Markt und die Marina machen.

Wie gewohnt verläuft der check-in bei Asta problemlos und zügig. Alles Material ist vollzählig vorhanden und für unseren Schlag in genügender Qualität vorhanden. Das Boot ist sauber klariert, aufgeräumt und wird anstandlos übernommen. Lediglich die Gangway scheint ihre besten Tage gehabt zu haben, sollte uns aber über die Zeit des Törns noch tragen. Bavaria-typisch gleicht das Bimini eher einer Notlösung als einem durchdachten und funktionalem Konzept. Auf Nachfrage beim Base-Personal erhalte ich noch einen zusätzlichen Kugelfender (30 cm) für achtern, da der Spiegel der Yacht durch die Badeplattform extrem breit ausgelegt ist - sicher ist sicher. Nachdem alles Gepäck für 6 Personen nahezu unsichtbar in Klappen und Backskisten verstaut ist, kehrt Ruhe ein. Nach der langen Reise genießen wir den restlichen Tag auf unserer Yacht beim gemeinsamen Abendessen und verharren in der Marina, in freudiger Erwartung auf das morgige Auslaufen zum ersten Törnziel.

Yacht: Bavaria 40 Cruiser Bj.14
Base: Asta Yachting
Hinweis: Kuna sollte man Samstags vormittags vor Ort wechseln, die Banken haben geöffnet. Der Kurs EUR/Kuna lag dort bei 1:7,5. in Deutschland lag er bei 1:6,9.

1ter Schlag von Sukosan nach Veli Iz

Tag 2 am 1 Juni, 2014

Der Sonntagmorgen bricht an und alle sind früh wach - jeder möchte los. Frühstück gibt es draußen, nur keine Zeit verlieren - um 8:30 Uhr legen wir ab. Obwohl kaum Wind gemeldet, brist es erfreulicherweise nach unserem Frühstück auf, so dass wir nach der Sicherheitsunterweisung Segel setzen können und mit vollem Zeug zu unserem Ziel kreuzen können. Unser erstes Ziel heißt Veli Iz. Kein sonderlich schöner Hafen, aber mit einer sehr heimischen, dörflichen Idylle. Explizit lockt das Steakhouse Mandrac - das für mich beste Steak, das man kriegen kann. Das Lokal ist gemütlich, die Preise noch günstig. Danach noch auf die andere Seite des Hafens und im Eiscafe noch eine kleine Sünde zu sich nehmen. Der Liegeplatz mit Strom und Wasser liegt bei 496 Kuna.

Hinweis: Die Fahrgassen zu den Liegeplätzen in Sukosan sind tw. sehr eng. Aufgund der Murings, die weit und relativ flach ins Becken reichen, schätze ich die befahrbare Breite auf ca. 9-10 Meter. Für ungeübte Skipper und Crews (inkl. mir) eine erste Herausforderung. Empfehle jedem, für den schnellen Eingriff, sicherheitshalber Kissenfender bereitzuhalten.

2ter Schlag von Veli Iz nach Katina

Tag 3 am 2 Juni, 2014

Den dritten Tag lassen wir ruhig und mit einer gehörigen Portion Schlaf angehen. Das nächste Ziel ist nicht allzu weit, weswegen wir uns die Zeit nehmen. Der Hafen von Veli Iz ist weitläufig und bietet viel Platz zum An- und Ablegen. Unter Motor verlassen wir den Hafen und können kurze Zeit später bereits Segel setzen. Mit achterlichem Wind und guten 5-6 Knoten Fahrt erreichen wir früh die enge Durchfahrt zu Katina. Unser Ziel ist ein kleiner Anleger mit Restaurant und einer handvoll Bojenplätzen, direkt vor der Zufahrt zum Nationalpark Kornati. Beim Anlegen waren die Muring zu den einzelnen Liegeplätzen nicht klariert, so dass wir eine über unserer Muring liegende Leine beim Betätigen des Bugstrahlruders in selbiges eingesogen haben. Seiner Schuld wohl bewusst hat sich der Marinero relativ schnell verzogen, so dass wir selbst das Problem beheben durften - also ab in die kalten Fluten und Muring aus dem Bugstrahlruder ziehen. Glücklicherweise entstand kein Schaden, so dass keine weitere Diskussion notwendig war. Kurz darauf wurden dann auch alle Muringleinen klariert und frisch im Becken abgelegt - also darauf achten. Die Liegeplätze bieten Wasser und Strom und sind für 100 Kuna pro Nacht ein Schnäppchen. Sanitäranlagen sind gut, Duschen gibt es aber keine. Das Restaurant hat eine gute Küche, jeodch sind die Preise für Fisch recht hoch (über 400 kuna pro kg Fisch). Vllt. ist dies durch den Inselzuschlag zu begründen. Für den Sonnenuntergang sollte man den nahegelegenen Berg/Hügel besteigen. Die Aussicht ist wunderbar und verleitet zum Verweilen und Genießen. Der Aufstieg ist aber nicht ohne, die Steine sind scharfkantig und der Weg steil, weswegen festes Schuhwerk ein Muss ist.

Hinweis: Das Hafenbecken ist nahe der Kaimauer recht seicht. Auch bei der üblicherweise vernachlässigbar kleinen Tide bei Katina, besteht die Gefahr, dass das Boot bei Niedrigwasser mit dem Kiel aufsitzt. Da auch größere Motoryachten anlegen droht starker Schwell, außerdem ist der Seegang und die Wellenhöhe bei stärkerem Wind recht hoch. Wer unsicher ist kann eine Boje nutzen, anstatt einen Muringplatz zu belegen. Wer aber die Länge der Gangway maximal ausnutzt, sollte mit dem Kiel und Ruder in ausreichend tiefes Wasser gelangen, so dass man beruhigt schlafen kann.

3ter Schlag von Katina über Sali nach Prvic Luka

Tag 4 am 3 Juni, 2014

Uns steht ein gößerer Schalg bevor, weswegen wir früh aus den Kojen kommen und aus der Bucht auslaufen. Bevor wir jedoch unserer Weg über das Murter More antreten, laufen wir Sali an, um unseren Proviant aufzufüllen. Sali ist ein ansehnlicher und großzügig ausgelegter Hafen mit einer großen Zahl an Liegeplätzen. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort sind gegeben und ein kurzes Anlegen von 1-2 Stunden wird kostenfrei toleriert. Der örtliche Supermarkt, in unmittelbarer Nähe zum Liegeplatz, bietet alles, was die wir für die Pantry brauchen. Das Lokal am Steg lädt ein zur Erfrischung, so dass wir doch fast 2 Stunden in Sali zubringen. Nach dem Auslaufen aus dem Hafen können wir wieder kurz darauf Segel, mit einem achterlichen Wind, setzen. Dieser täut uns über die gesamte Fahrtstrecke entlang der Kornaten bis kurz vor unser geplantes Ziel - Kaprije. Der Wind brist zunehmend auf 3-4 Windstärken auf. Die Wellen steigen merklich höher und erreichen zwischen 1-1,5 Meter. Das Boot windet sich durch die nachlaufenden achterlichen Wellen, so dass wir auch erste Seekranke zu verzeichnen haben - was aber nur kurz anhält, alles gut. Der Welle und der unsauberen Verankerung des Boothakens geschuldet, geht dieser während der Überfahrt unbeobachtet und auf nimmer Wiedersehen über Bord. Da der Seegang und Wind auch bei Erreichen des Bojenfeldes bei Karpije nicht abgenommen hatte und zu allem Übel der verlängerte Arm (Bootshaken) verschwunden war, verzichten wir auf halsbrecherische Bojen-Fangmanöver in der ungeschützten Bucht und laufen den nahegelegenen Hafen von Prvic Luka an. Dieser ist, zu aller Freude und Überraschung, sehr schön in einer Bucht mit tollem Panaroma angelegt. Da durch die Wellenbrecher der Hafeneinfahrt das Meer spürbar ruhiger ist, entscheiden wir uns für einen Bojenplatz im Hafenbecken, was ohne Schwierigkeiten auf Anhieb klappt. Löblich: Die Bojen müssen nicht aus dem Wasser gehoben werden, der Ring zum Festmachen ist oben an der Boje :) Der Bojenplatz kostet 220 Kuna, inkl. der Möglichkeit, die sanitären Einrichtungen zu benutzen und Frischwasser zu tanken. Das Abendessen genießen wir auf dem Boot, setzen aber noch mit dem Dingi über, um das Dorf zu erkunden. Schöne Lokalitäten reihen sich entlang der Uferpromenda aneinander - ideal für einen Absacker nach einem langen Segeltag.

4ter Schlag von Prvic Luka nach Skradin

Tag 5 am 4 Juni, 2014

Mit dem 5ten Tag naht auch das Highlight, welches wir für unseren Törn geplant haben. Ziel für heute ist das nicht allzu weit weg gelegene Skradin, auf das wir uns im Vorfeld so gefreut haben. So machen wir uns nach einem stressfreien Start um 09:30 von der Boje los und laufen unter Motor zur Einfahrt in den Kanal nach Sibenik und weiter nach Skradin. Die Anfahrt ist bereits sehr beschaulich, ruhig und bietet tw. phänomenale landschaftliche Einblicke. So frühstücken wir auch wieder auf dem Wasser während der Fahrt. Die auf dem Weg liegenden Brücken lassen sich alle problemlos queren. Es bleibt sogar noch Zeit, in einer beschaulichen Bucht zu ankern und schwimmen zu gehen. Um ca. 12:30 Uhr erreichen wir den wunderschön gelegenen Hafen von Skradin und machen fest. Der Ort bietet alles, um eine angenehme Zeit zu verbringen. Die Sanitäranlagen sind vorbildlich ausgebaut, jedoch in etwas geringer Stückzahl. Restaurants und Touristenshops reihen sich entlang des Stadtkais aneinander.

Der erste Weg führt uns jedoch zur nahegelegenen Fähre, welche uns zu den Krka-Wasserfällen führt. Für 110 Kuna pro Person ist der Eintritt, Hin- und RÜckfahrt geregelt - und diese Ausgabe lohnt ohne Zweifel. Die Wasserfälle sind ein wunderschönes Naturschauspiel und alles ist sehr naturbelassen. Außerdem, anders als z.B. in den USA, wird den Besuchern zugetraut vernünftig und vorsichtig die Landschaft zu erkunden, so dass nur wenig Absperrungen, Aufseher oder Geländer den Wanderweg um die Wasserfälle zieren. In Summe ist man für die Große Runde gut und gerne 2 Stunden unterwegs, wobei aber nie das Gefühl von Langeweile aufkommt. Im Gegenteil, die zahlreichen Aussichtsplattformen bieten stets Möglichkeit für Pulizerpreis-verdächtige Schnappschüsse. Die Krönung des ganzen ist die Möglichkeit, direkt im Tiefbecken der Wasserfälle schwimmen zu gehen - ein Traum. Vorsicht, die Felsen im Wasser sind scharfkantig, Schuhe sind zu empfehlen. Nach einem ausgedehnten und unvergesslichen Bad, machen wir uns auf den Rückweg und verbringen den restlichen Abend im Dorf, bei einer hervorragend zubereiteten 3kg Zahnbrasse in einem der zahlreichen Restaurants im Ort.

Hinweis: Der Liegeplatz nebst Strom und Wasser liegt in Skradin bei 499,50 Kuna. Besonders zu empfehlen ist das Restaurant, welches nahe der Brücke vom Yachthafen zum Dorf gelegen ist. Sehr schön "schiffig" eingerichtet, eine tolle Speisekasrte und Spanferkel direkt vom Holzkohlegrill. Die örtliche Burg bietet einen tollen Blick über den gesamten Yachthafen.

5ter Schlag von Skradin nach Marina Hramina (Murter)

Tag 6 am 5 Juni, 2014

Von Skradin aus wollen wir heute möglichst viel Höhe Richtung Norden machen, da uns lediglich 2 weitere Seetage bleiben. Also starten wir und fahren unter Motor den Kanal über Sibenic bis zur Ausfahrt. Dort können wir gleich mit einsetzendem Wind, 3-4 Stärken, Segel setzen. Da er aus nordwestlicher Richtung kommt, bleibt uns nur zu kreuzen. Wir wählen die Route an Vodice vorbei. Das Tagesziel ist die Marina Hramina auf Murter. Die Anfahrt ist nicht ohne, wenn man den Weg zwischen den vorgelagerten Inseln wählt. Die Wassertiefe ist tw. unter 2 Meter. Daher wählen wir den längeren, jedoch sichereren Weg über die nördliche Spitze der Inselkette. Hier fällt das Wasser auf minimal 3,5 Meter ab, ist aber gut ausgetonnt. Die Zufahrt zum Hafen ist einfach, die Gastliegerplätze sind gut erreichbar und in einer offen gelegenen Einbuchtung. Das Anlegen gestaltet sich als problemlos. Der Hafen selbst ist voll ausgestattet (Wasser, Strom, sehr gute Sanitäre Einrichtungen), jedoch bietet er wenig außergewöhnliches und zwingend sehenswertes. Am letzten Abend starten wir eine kleine Erkundungstour durch die nahe gelegene Stadt und decken uns mit Souvenirs ein.

Hinweis: Der Liegeplatz liegt bei 470 Kuna.

6ter Schlag von Marina Hramina nach Sukosan

Tag 7 am 6 Juni, 2014

Unser letzter Seetag brincht an und den wollen wir nochmal nutzen. Auf der Crew-Wunschliste steht nochmal "baden" und "segeln". Kurzerhand nehmen wir nach dem Ablegen daher Kurs auf einige Badebuchten südlich von Pasman. Für die Ausfahrt von Murter nehmen wir die gleiche sichere Route, wie auf dem Hinweg. Die Badebucht erreichen wir ca. 2 Stunden später. Das Wasser ist kristallklar und geht mit ca. 5-10 Meter Wassertiefe weit in die Bucht hinein, so dass genügend Platz zum Ankern ist. Nach einer Stunde Badespaß geht es weiter. Auf dem Weg nach Biograd setzen wir das letzte Mal Segel und kreuzen gen Norden. Um ca. 16:30 Uhr erreichen wir Sukosan und fahren die Tankstelle an. Hier haben wir eine kleine Überraschung zu verdauen, da wir für gut 66 EUR Sprit bunkern. Einzige Erklärung - der Tank war von Beginn an nicht voll, da wir zweifellos nicht für 65 EUR Diesel verfahren haben können. Ein Wehrmutstrotpfen, aber ok.

Die Anfahrt zum Liegeplatz ist wieder spannend, die Einfahrt ist seit unserer Abfahrt nicht breiter geworden. Und so kommt was kommen muss, zum Schluss fangen wir noch die Muring des Nachbarbootes mit dem Kiel ein. Jedoch scheint das die Marineros der Base nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, routiniert wird die Situation gelöst. Anscheinend passiert das regelmäßig. Schaden kam dabei keiner an das Boot. Die Abnahme erfolgte schnell, ehrlich und fair. Ein Taucher sichtete noch das Bugstrahlruder, ob dieses auch tatsächlich bei der Misere auf Katina, keinen Schaden genommen hat - es wurde jedoch Schadenfreiheit attestiert. Nach den üblichen Formalien machen wir uns um 18:30 Uhr schweren Herzens auf die lange Heimfahrt.

Hinweis: Der Parkplatz für unseren 9-Sitzerbus kostete für die Woche 300 Kuna.

Heimfahrt

Tag 8 am 7 Juni, 2014

Bilanz: Kroatien hat sich einmal mehr als tolles Segelrevier mit idealen Segelverhältnissen erwiesen. Landschaftlich wie seglerisch blieben keine Wünsche offen - auch nach dem nun dritten Besuch dieses Reviers. Als Neuling in der Charterei halte ich Kroatien als ein geeignetes Einsteigerrevier, mit stets kurzen Wegen zu Häfen und Anlegestellen. Wetter und Seeverhältnisse lassen selten (außer wohl bei Bora) kritische Situationen aufkommen, die für Neulinge nicht mehr zu beherrschen wären. Wer große Häfen meidet, wird auch keine grauen Haare bei Hafen- und Anlegemanöver bekommen. Die Preise haben über die letzten 3 Jahre deutlich angezogen, gerade was die Preise der Liegeplätze angeht. Im Gegenzug haben sich aber auch Qualität und Ausstattung, insbesondere in Hinblick auf die Sanitäranlagen, in vielen Häfen sehr zum Besseren entwickelt.

Es wird sicherlich nicht der letzte Törn in diesem sehens- und erlebniswerten Land für mich gewesen sein.