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Die Ostsee und der Bananendampfer

8 Mai, 2013
von Uwe Ritzinger
Deutsche Küste / Dänemark
Seewolf (Ketch)

Die Crew:

Uwe (Skipper wie immer)
Dieter
Gert
Peter
Jürgen
Sepp

Das Schiff: Ketsch „Seewolf“,16 m Lüa, 4,20 m Büa, Verdrängung 23 Tonnen, Masthöhe 19 m über Wasserlinie, Segelfläche am Wind 97m², 135 PS-Motor, Bj. 1990 (was es mit dem Bananendampfer auf sich hat, dazu später)

Die Aufstockung der Crew auf sechs Mann hatte nichts mit der Größe des Schiffes zu tun, auch nicht damit, dass von der üblichen Dreamteam – Besatzung 3/5 eine „7“ vorne bei den Lebensjahren haben – im Gegenteil, wir werden zwar älter, aber auch besser (oder bilden uns dies wenigstens ein)! Grund war vielmehr, dass Dieter vor einem Jahr seine Teilnahme für wenig wahrscheinlich hielt und so ein 5. Mann benötigt wurde. Um die badische Majorität nicht ins uferlose auswachsen zu lassen, war ein Schwabe für das Gleichgewicht einfach eine Zwangsläufigkeit. Dieter konnte erfreulicherweise doch mitgehen, womit eben das halbe Dutzend doch wieder voll war.

Da Jürgen, der vor seinem ersten Segeltörn stand, eine Bahnkarte für die 1. Klasse hat, war eine ICE-Buchung mit Reservierung in der Edelklasse für uns genau richtig. Kurz vor 07.15 Uhr waren Jürgen (begleitet bis dahin von seiner Ines), Uwe und meine kaum wahrnehmbare Unscheinbarkeit am Gleis 5 des Stuttgarter Hauptbahnhofes versammelt, um dann erwartungsvoll in dem für uns bis Hamburg gehenden ICE Platz zu nehmen. In Mannheim war der aus Baden-Baden kommende Peter zugestiegen. Natürlich wurden uns während der Fahrt nach Norden vom Zugbegleiter ein oder zwei Bierchen serviert.
In Hamburg Hbf mussten wir auf einen anderen, Richtung Kopenhagen fahrenden ICE umsteigen. Unser steirisch – eidgenössischer Freund Gert hatte uns schon in der Hansestadt erwartet. Es war einfach schön, sich nach einem Jahr wieder zu sehen.

Übernahme und Proviantierung

Tag 1 am 6 Juni, 2009

Puttgarden war für uns Endstation. Dort am Bahnhof holte uns Frau Dübe von der gleichnamigen Yachtreederei, also unsere Vercharterin, mit einem Bus ab und brachte uns zur Marina von Burgtiefe.
Das Wetter war trocken, kühl und windig. Dieter war zwar noch nicht da, aber den Weißwurstäquator hatte er nach Norden bereits überquert, was er uns per Handy wissen ließ.
Uwe und Gert ließen sich von Frau Dübe bei der Schiffübernahme in die Geheimnisse des Seewolfs einweisen, während wir anderen einem Supermarkt zustrebten, der laut Frau Dübe nur 500 m entfernt sei.
Die immer vor der Nase liegende Weite des Meeres hatte wohl das Schätzvermögen der an sich sehr charmanten und fachkundigen Dame getrübt. Es waren sicher knapp 4 x 500 m bis zu dem einzigen(!), wenn auch nicht übermäßig ausgestatteten Markt. Jeder von uns hatte einen gummibereiften Transportwagen hinter sich hergezogen (im Süden machen das die Esel), was sich dann mehr als notwenig erwiesen hatte.
Unsere Erstausstattung kostete jedenfalls etwas über € 250.-. Die Dame an der Kasse geriet fast in Panik, als wir mit unseren Einkaufswagen an den Bezahlschalter gerollt waren. Ihr Filialleiter half ihr und eröffnete zusätzlich für die unbedeutende Restkundschaft eine Zweitkasse. Anschießend zogen wir die schwer beladenen Karren wieder die ganze Strecke bis zu unserem Seewolf zurück.
Der Wind hatte uns schier vom Steg geblasen, als wir den Einkauf über den Bugkorb auf unser schwimmendes Seemannsheim schleppten. Kurz nach 18.00 Uhr war die Crew komplett, denn auch Dieter hatte die „Seewolf“, immer noch mit schlepp- statt rollbarem Gepäck, erreicht.
Nachdem die traditionelle und ehrwürdige Flaggenparade bewies, dass wir das Schiff übernommen hatten, strebten wir der einzig geöffnete Kneipe der Anlage, nämlich der „Tonne 21“, zum Essen zu.
Übrigens sei unbedingt noch angemerkt, Uwe hatte zwar seine „großherzoglich - badische“ Großfahne dabei, aber (zunächst) nicht aufgezogen.

Da wir von der Anreise alle müde waren und auch am nächsten Morgen baldiges Auslaufen angesagt war, haben wir nach einer üblichen medizinischen Indikation die Kojen für die erste Nacht getestet.
Zur Yacht muss noch gesagt werden, dass diese im Gegensatz zu allen bisher von uns gefahrenen Schiffen einige bauliche Eigenarten hatte. Gefahrenträchtig waren vor allem Stufen unten neben dem Niedergang. So gingen backbordseitig zwei Stufen zunächst zur Pantry und in Verlängerung der Gang durch eine Nasszelle zur Kabine. Steuerbord waren es drei Treppenstufen, die in Verlängerung eine Begehbarkeit nach hinten erst durch eine Stockbettschlafstelle, dann Toilette und Dusche, zur Steuerbord - Backskabine ermöglichte. Auch zum Vorschiff musste vom Salon aus eine Stufe als Stolperfalle heil überwunden werden. Alle bisher von uns über die Meere geschipperten Yachten waren ab dem Niedergang ohne Stolperfallen, wie Treppen etc., wenn man von Türschwellen zu
den Kajüten absieht. Der Salon selbst hatte schon fast Wohnzimmerformat, vor allem von der Höhe und den großen Glasflächen her. Na ja, jeder der auf dem Kahn war, wird sich noch erinnern können.

Unser Chefnavigator Gert hatte nicht nur Seekarten (zum Kritzeln), GPS und Radar zum Spielen, auch noch einen Plotter gab es, der allerdings nicht am Kartentisch unter Deck, sondern am Ruderstand in der Plicht seinen Platz hatte.

Travemünde

Tag 2 am 7 Juni, 2009

Trübes windiges und kaltes Wetter. Meine 1991 gemachten negativen Ostsee- Erfahrungen schienen eine Fortsetzung zu finden. Allerdings war schon ein grundsätzlicher und sehr entscheidender Unterschied vom Boot und der Besatzung her gegeben: 1991 sieben Mann auf eine Gib Sea 106 (Lüa 10 m, Büa 3,6 m, 3 Kajüten), nun sechs Mann „Dreamteam“ auf einer Ketsch.
Das heutige Ziel war Travemünde. Alle waren wir in Ölzeug gehüllt. Noch ahnten wir nicht, dass dies für den ganzen Törn unsere ständige Tageskleidung sein würde!

Als Handicap erwies sich der Umstand, dass der Autopilot nicht funktionierte, was zwangsläufig immer einen Mann am Ruder erforderte. Auch die nicht direkte Ruderreaktion (da hydraulisch und nicht über Seilzüge) war gewöhnungsbedürftig.
Aber der Ostwind machte es möglich, dass die ganze Strecke unter Segeln mit Vollzeug gelaufen werden konnte. Unser Neuling Jürgen überstand zu unserer Freude, aber wohl auch noch mehr zu seiner eigenen Erleichterung, den deutlich merkbaren Seegang unbeschadet. Damit hatte er die Feuertaufe bestanden und konnte vom Schiffsjungen zum Leichtmatrosen aufsteigen.

Schon von weitem erkannten wir das Hochhaus des Maritim Hotels als Ansteuerungsmarke von Travemünde.

In Travemünde machten wir nicht im Yachthafen, sondern längsseits an einem Steg am Leuchtenfeld auf der Stadtseite beim Travemünder Yachtclub fest – genau gegenüber der Viermastbark „Passat“.

Hier eine kurze Historie zur „Passat“ und dem am 21.09.1957 untergegangenen Schwesterschiff „Pamir“:

Die „Pamir“ wurde 1905 von der Hamburger Werft Blohm & Voss gebaut. Nach dem 1. Weltkrieg musste sie als Reparationsleistung an Italien abgegeben werden und wurde 1924 durch die Reederei Laeisz für 7.000 Pfund Sterling zurückgekauft. 1931 ging
Sie schließlich an den finnischen Reeder Erikson, war von 1941 bis 1948 unter neuseeländischer Flagge. Bis 1950 fuhr sie wieder finnischer Flagge bis sie schließlich vor dem Abwracken gerettet wurde und schlussendlich unter deutscher Flagge als Schul- und Frachtschiff zum Einsatz kam. Im September 1957 fuhr die „Pamir“ von Südamerika kommend mit 86 Mann Besatzung, darunter überwiegend Seekadetten, und 3750 t Gerste (nicht Reis) über den Atlantik zurück. 600 Meilen west-südwestlich der Azoren kam die Viermastbark in einen Sturm und sank am 21.09.1957 wohl infolge der verrutschten Ladung sehr rasch. Trotz einer großangelegten Rettungsaktion konnten von 86 Mann Besatzung nur 6 Männer gerettet werden, fünf am 23.09. von dem amerikanischen Dampfer „Saxon“ aus einem Rettungsboot, der Sechste am 24.09. von dem US-Küstenschutzboot „Absecon“.

Das Schwesterschiff „Passat“ wurde von der gleichen Werft gebaut und machte 1911 seine Jungfernfahrt. Auch die „Passat“ ging an andere Staaten als Kriegsfolge, wurde aber 1951 wieder unter deutsche Flagge genommen. Im Herbst 1957, kurz nach der Pamir-Katastrophe, war die „Passat“ auf dem Weg von Montevideo nach Deutschland, als sie bei Sturm beschädigt und nur mit Mühe und schwerer Schlagseite in Lissabon einlaufen konnte. Damit war das Ende der Schul- und Frachtsegler gekommen und die „Passat“ fand ihren Platz in Travemünde.

Uwe, Peter und ich erregten dank unserer imposanten Gestalten und sturmerprobter Physiognomie an Deck unserer Ketsch das Interesse einer Journalistin der „Lübecker Nachrichten“, welche uns nach kurzem Interview ablichtete und, so ihre Aussage, am 17.07.2009 in einer Beilage ihres Blattes der Öffentlichkeit preisgeben will.
Also Freunde, sucht im Internet nach unseren Konterfeis, ihr werdet begeistert sein!

Uwe hatte vorher Käsespätzle gemacht, was wir aber der Pressemaus nicht sagten, da sie als „Fischköpfin“ ohnehin nicht gewusst hätte was das war. Das erste Abendessen an Bord konnte also stilecht schwäbadisch stattfinden.

Peter hatte seine Mütze an diesem Tage der Ostsee geopfert, d.h. der Wind hat ihm das Ding vom Schädel geblasen.

Start:Burgtiefe
Ziel: Travemünde
Segeln 24.7 sm
Motor 6,0 sm
Total 30,7 sm

Warnemünde

Tag 3 am 8 Juni, 2009

Unverändertes Wetter, trübe, aber nicht mehr so kalt wie am Vortag, mindestens am Morgen am Steg in Travemünde. Ohne Ölzeug ging aber nichts. Bis Warnemünde waren es 43,3 sm, die wir mangels geeignetem Wind motoren mussten. Mit einer schlapp am Heck hängenden Fahne dieselten wir also nach Warnemünde. Bekanntlich liegt Warnemünde an der Einfahrt zu dem nach Rostock führenden Kanal. Wir vermieden es wiederum in die sterile Marina zu fahren, sondern hatten uns den „alten Strom“ auf der Stadtseite zum anlegen ausgeguckt. Bis dahin wurden wir immer wieder von Regenschauern geduscht. Wir gingen im „Alten Strom“ längsseits in die Leinen und waren um 18:20 Uhr fest. Direkt hinter uns lag ein Seenotkreuzer der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger). Ausgesprochen schön renovierte Häuschen stehen entlang des „Alten Stroms“.
Auch der Regen war etwas weniger geworden, was schon Freude ausgelöst hatte.
Einem gemütlichen Abend im heizbaren Salon unseres „Seewolfs“ sahen wir entgegen und freuten uns auf Spaghetti mit Tomatensalat.
Nun der Schreck!
Die gekauften und natürlich bezahlten Tomaten, die mehrere Crewmitglieder im Schiff gesehen haben wollten, waren verschwunden. Trotz gründlichster Suche waren diese Nachtschattengewächse mit ihrer Signalfarbe nicht mehr auffindbar. Da wir sicher sind, dass eine Beraubung durch Piraten oder die evtl. noch im Verborgenen arbeitende Stasi (schließlich waren wir in der Ex-DDR) ausgeschlossen werden konnte, gabt es nur drei Möglichkeiten:
>>ein Mitglied des Teams hat das ganze Kilo heimlich gegessen
(wenig wahrscheinlich)
>>ein Crewangehöriger ist IM (Informativer Mitarbeiter) der Stasi und so für
das Verschwinden verantwortlich (wer war nicht alles IM!!!)
>>das rote Gemüse blieb im Supermarkt liegen und alle, die die Tomaten auf
dem Schiff gesehen haben wollen (auch ich), hatten Tomaten auf den
Augen. Dies scheint am Wahrscheinlichsten gewesen zu sein!

Nachdem die Spaghetti auch ohne Tomatensalat gegessen waren, gingen Gert, Jürgen, Uwe und ich noch auf einen abendlichen Bummel. Dieter fühlt sich nicht wohl und ging mit Aspirin (das war keine kleine Dänin) zu Bett.
Auf der anderen Seite des Stroms genossen wir noch etwas Espresso mit Cognac und später auf dem Schiff gab Gert (bekanntlich auch für die Medizin zuständig) uns vorsorglich, um nicht durch Dieter angesteckt zu werden, ein übel schmeckendes flüssiges Medikament ein. Was man nicht alles trinken musste!

Start: Travemünde
Ziel: Warnemünde
Segeln: 0,0 sm
Motor: 43,3 sm
Total: 43,3 SM

Hafentag

Tag 4 am 9 Juni, 2009

Der Wetterbericht war wenig erfreulich:

Regen, Gewitter und stürmischen Wind aus Nordost.

Eigentlich wollten wir Richtung Nordosten, nach Hiddensee, aber die gegebenen Wetterverhältnisse ließen uns rasch einig werden, den Tag in Warnemünde zu verbringen. Diese Entscheidung war gut, denn den ganzen Tag fegten Böen über die ganze Ostsee und dies bei Dauerregen.

Wir ergänzten unsere Vorräte und unser immer noch kränkelnder Dieter hatte seine Ruhe und Aspirin!
Übrigens hatte Uwe in Warnemünde geräucherten Aal gekauft. Nicht alle Crew-Mitglieder mochten das. Das verstand ich nun überhaupt nicht, da ich doch auch mit Geschichten über Aale als Aasfresser zur Genusssteigerung Beiträge leisten konnte.

Vitte / Hiddensee

Tag 5 am 10 Juni, 2009

Leider hatte sich Dieter immer noch nicht ganz erholt, was wir dem Umstand entnahmen, dass er gewisse Suchtverhalten seiner Mitsegler ohne die sonst üblichen Kommentare zur Kenntnis genommen hatte. Um 08.00 Uhr legten wir ab und dies bei strahlendem Sonnenschein! Jürgen übernahm das Ruder.Aber schon zwei Stunden später waren wir alle wieder im Ölzeug. Unser Tagesziel war Vitte auf Hiddensee. Nur teilweise konnten wir segeln, überwiegend war schon wieder der Diesel gefordert. Einen üblen Streich spielte mir Uwe. Als ich einmal ganz kurz an Deck eingeschlummert war, wurde ich durch einen grässlichen Lärm hochgeschreckt. Der Skipper blies unmittelbar neben mir in das Nebelhorn, so dass mich fast der Schlag gerührt hätte. Na ja, einige Tage später rächte ich mich! Als nämlich Uwe im Salon sich der Schönheitspflege hingab und schlief, schlug ich die Schiffsglocke. Seine erschrocken aufgerissenen Augen versöhnten mich mit der von ihm bei mir verursachten Schlafunterbrechung die Tage davor!
Durch die enge und betonte Einfahrt nach Vitte steuert Jürgen schon richtig gekonnt das Boot. Nach knapp 51 sm erreichten wir das Ziel und legten im Stadthafen an.Erfreulich war, dass der Regen ziemlich aufgehört hatte, ja einige Male sich sogar die Sonne zeigte. Sehr kühl blieb es trotzdem.
In Warnemünde hatten unsere Einkäufer ein Teflon-Pfannenset gekauft, da die auf der Yacht vorhandene Edelstahlpfanne wenig tauglich war. Uwe war an diesem Tage mit seinem Geschnetzelten nebst Rösti an der Reihe. Allerdings ist unter der Wucht der Rösti gleich mal der Pfannenstiel gebrochen. Da das erworbene Set aus drei Pfannen bestand, kamen wir trotzdem gut über die Runden.

Nach dem Essen, während der von Gert verordneten und streng überwachten Medikamenteneinnahme, führte uns Uwe sein neues Outfit als Skipper vor. Auf dem Flohmarkt hatte er eine schwarze Schirmmütze erstanden, die seine Würde als unumschränkter Herrscher auf dem Schiff dokumentieren sollte.
Allerdings war sein Erfolg bei seinen Matrosen sehr mäßig: Wir konnten ihm einstimmig versichern, dass er sich damit als „Schwarzer Radler“ (Leichentransporteur) auf dem Pragfriedhof in Stuttgart ausgezeichnet machen würde – mehr aber gebe diese Schädelbedeckung nicht her, jedenfalls keine Würde!
Nach einem Abendbummel und je zwei Bierchen auf dem Weg zum Schiff (immer noch ohne den maladen Dieter) kehrte Ruhe auf der Seewolf ein. Dass mich ein Bekannter aus Stuttgart ein paar Minuten vor Mitternacht telefonisch weckte, war störend und überflüssig – aber ich hätte eben nicht vergessen dürfen mein Handy auszuschalten.

Start: Warnemünde
Ziel: Vitte / Hiddensee
Segeln: 5 sm
Motor: 45,9 sm
Total: 50,9 sm

Trelleborg (statt Bornholm)

Tag 6 am 11 Juni, 2009

An diesem Tage sollte es nach Bornholm gehen, was gut 70 sm sind. Also war früher Start gefordert. Da allerdings in Vitte der EDEKA-Laden erst um 08.00 Uhr öffnete und wir somit erst spät frisches Brot bekamen, verschob sich das Ablegen auf 08.15 Uhr. Dieter ging es auch wieder ganz gut. Der aus Nordost kommende Wind blies uns genau auf die Nase. Gegen 11.15 Uhr einigten wir uns darauf, Bornholm zu vergessen und statt dessen Trelleborg in Schweden vor den Bug zu nehmen.
Bei Windstärke 6, in Böen deutlich höher, steuerte der wieder genesene Dieter unsere Yacht unter vollen Segeln gegen Norden. Über 10 Knoten Geschwindigkeit waren die Spitzenwerte.Da wir auf einer Hauptschifffahrtsstraße waren, hatten wir nicht nur den Regen von oben, sondern auch viele Frachter, Fähren, etc. um, vor, und entgegen unserer RouteNach einer heißer Segelfahrt legten wir kurz vor 18.00 Uhr in einem großen, aber auf unserer Liegeseite ziemlich öden Fracht- und Fährhafen in Trelleborg an. Zum Anlegergetränk gab es zusätzlich etwas besonderes, nämlich Kieler Sprotten.Da weder Lokale noch Geschäfte in der Nähe waren, konnten wir nur Spaghetti machen, mehr hatten wir nicht an Bord. Wenigstens mussten wir nicht dürsten!

Start: Vitte / Hiddensee
Ziel: (Bornholm - gestrichen) Trelleborg
Segeln: 43,8 sm
Motor: 15,0 sm
Total: 58,8 sm

Hafentag in Trelleborg

Tag 7 am 12 Juni, 2009

Außerhalb unserer Yacht Seewolf tobte richtig Sturm und es goss, was nur herunter kommen konnte. So war klar, dass wir den Yachthafen für diesen Tag nicht verlassen konnten.
Wir saßen alle lesend und dösend im Salon. Nicht einmal zum Rauchen konnte man an Deck gehen, so schüttete es. Also haben Peter und ich im Klo geraucht! Der starke Wind sorgte auch dafür, dass ständig die Fender quietschten. Vermutlich hatte Jürgen deshalb eine unruhig Nacht hinter sich. Uns andere See-, Wind- und Sturmerprobten Fahrensleute stören solche Geräusche nicht sehr.
Da bis zum frühen Nachmittag keine Wetterbesserung in Sicht war, unsere Nahrungs- und Getränkeversorgung aber im höchsten Maße gefährdet waren, musste ein Weg zum Einkauf angetreten werden. Dies, obwohl der starke Wind den Regen waagrecht kommen ließ und einem fast den Atem nahm.
Dieter, Gert, Jürgen und Uwe zogen mit Ölzeug und in Gummistiefeln los. Ein im Hafen zufällig vorbei kommendes Taxi brachte den Einkaufstrupp zu einem Supermarkt, allerdings zurück mussten die sturm- und regenerprobten Burschen zu Fuß gehen. Jedenfalls ist in der Vergangenheit noch nie von uns ein so bekleideter Trupp zum Einkauf losgezogen.
Trotzdem herrschte beste Laune auf dem Schiff, wir hatten wieder genügend Futter und Getränke an Bord und der Salon hatte Wohnzimmerformat mit Heizung!

Kopenhagen

Tag 8 am 13 Juni, 2009

Der Regen hatte nachgelassen, ja dann sogar aufgehört, aber starker Wind war geblieben. Aber unsere Reise musste weitergehen, die dänische Hauptstadt Kopenhagen war das Ziel. Den Vorteil der EU - Mitgliedschaft Schwedens und Dänemarks genossen wir in der Form, dass das Ein- und Ausklarieren überflüssig geworden war. Es hat keinen Menschen interessiert, von wo nach wo wir unterwegs waren. Allerdings haben die beiden von uns besuchten skandinavischen Staaten nicht den Euro, sondern eben noch ihre schwedischen bzw. dänischen Kronen.
Wir mussten unter Motor laufen. Gegen Mittag zeigte sich sogar noch die Sonne, wenngleich es reichlich kühl blieb.
Kurz vor 12.00 Uhr waren wir im Falstebro – Kanal vor der Hubbrücke, die immer zur vollen Stunde aufgemacht wird.Gegen 17.00 Uhr liefen wir an den neuen Fähranlegern vorbei in Kopenhagen ein. An Steuerbord grüßte uns die bekannte Statue der kleinen Meerjungfrau. Schloss Amalienborg (Eigentumswohnung der Königin Margarete, auch Gretl genannt), passierten wir, um dann die übliche Hafenrundfahrt zu machen.Über einen mehrfach dann rechtwinklig weitergehenden Kanal suchten wir eine Anlegestelle im Christianshavn, der in der „Freistadt Christiania“ einem 34 ha großen Teil Kopenhagens liegt. 1972 wurde diese autonome Region als soziales Experiment gestartet, es gibt dort weder Grundbesitz noch Mietverträge, Räumungen seitens der Behörden wurden seither immer durch die hohe Zahl der Bewohner verhindert. Jedenfalls hatten wir irgendwann das Gefühl, unser Boot könnte wie ein Korken im Flaschenhals stecken bleiben, so eng und „zugeparkt“ war das Gewässer. Uwe gab später zu, den Eindruck gehabt zu haben, in eine Fischreuse einzufahren, ohne jemals wieder herauszukommen. Wie wir da mit unserem großen Pott wieder herauskommen sollten, war zunächst auch niemand so ganz klar. Aber an einer weiteren (Gott sei Dank!) Abzweigung konnten wir unseren „Seewolf“ dann doch wenden und wieder herausfahren.
Also legten wir mit der Steuerbordseite im Amalienhafen, dem früheren Fährhafen, direkt an der Uferpromenade vor einem Hotel an. Auf der anderen Seite des Hafenbeckens ist die neue Oper, vor uns das königliche Schauspielhaus. Besser hätte auch die Yacht des einstigen Tankerkönig Onassis nicht liegen können, Als ich vom Bugkorb an Land sprang, machte ich es wie der frühere Papst Johannes Paul II, der bekanntlich bei Auslandsbesuchen immer den Boden küsste. Allerdings war ich schneller am Boden wie einst Karol Wojtila, ich fiel schlichtweg auf die Schnauze.
Nach dem Abendessen (Gulasch mit Spätzle und Salat) bummelten wir noch bis zur „bürgerlichen Dämmerung“ durch die Stadt. Kopenhagen ist eine sehr schöne Stadt. Wir waren uns einig, am Folgetag in Kopenhagen zu bleiben.

Start: Trelleborg
Ziel: Kopenhagen
Segeln: 5,0 sm
Motor: 31,8 sm
Total: 36,8 sm

Kopenhagen bei Sonnenschein

Tag 9 am 14 Juni, 2009

Hafentag bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Wir konnten ohne Ölzeug das Schiff verlassen.
Da ich mir bei meiner „Landbegrüßung“ kräftig den Knöchel verstaucht hatte, war mein Radius eingeschränkt. Die Crew bummelte ausgiebig durch die Stadt.
Zur Wachablösung vor dem königlichen Palast ging ich natürlich, was sich aber als eine ziemlich unspektakuläre Sache herausstellte.Da wir so nahe bei der königlichen Wohnung lagen, zog Uwe vorübergehend seine gelb – rot – gelbe, großherzoglich-badische Großfahne auf. Trotzdem lud uns die „Gretl“ nicht zum Kaffee ein!

Abends sind wir dann gemeinsam zum Essen losgezogen. Die Kosten in den Speiselokalen sind schon gepfeffert. Lobster ließen wir uns trotzdem schmecken.

Rödvig / Seeland

Tag 10 am 15 Juni, 2009

Nachdem ich mit Uwe noch etwas einkaufen war, legten wir um 09.30 Uhr ab. Vorbei an der königlichen Yacht „Dannebrog“ verließen wir Kopenhagen.
Das Wetter war zunächst sonnig, wenig windig, aber kühl.Ich möchte nur wissen, wo diese im Fernsehen stets gezeigten Filme aus Dänemark und Schweden gedreht werden, die dauern Sonnenschein, leichtbekleidete bis nackte Skandinavierinnen an warmen Badeseen zeigen!?

Ziel des Tages war Rödvig im Südosten von Seeland. Wieder sind wir, als der Wind dann auffrischte, mit Spitzenwerten bis zu 10 kn gesegelt und das natürlich im Ölzeug.Mittags gab es auf See meistens nur belegtes Brot oder Brötchen. Nun meldet der eine oder andere Herr (so ein gewissen U.R.) Sonderwünsche an. So Butter unter die Wurst oder Käse mit Wurst und Senf! Aber auf einem Luxusschiff ist so was natürlich dann Standart. Vom Samstag waren noch Spätzle in Kühlschrank. Mittags wollte ich damit die Fische füttern, aber Uwe griff sich den Rest der Teigwaren und briet diese.
Unter Schmatzen und wohligen Gutturallauten vertilgten Uwe und Dieter den Mehl/Eier/Salz – Essensrest total. In Rödvig ergänzten wir unsere Vorräte, auch an Getränken, für DKr. 725.-.
Mit der Wasserpumpe gab es Probleme, so dass nur in Raten geduscht werden konnte.

Start: Kopenhagen
Ziel: Rødvik auf Seeland
Segeln: 30,5 sm
Motor; 3,0 sm
Total: 33,5 sm

Klintholm auf Möen

Tag 11 am 16 Juni, 2009

Da die Tagesstrecke nach Klintholm auf der Insel Möen nicht groß war, liefen wir erst um 10.20 Uhr aus, nachdem Gert und Jürgen nochmals einiges eingekauft hatten.
Obwohl sonniges Wetter, war Ölzeug eben wieder die modische Tageskleidung. Ansonsten hätte man sich den Allerwertesten abgefroren.Bei gutem Segelwind fuhren wir an den Kreidefelsen von Möen vorbei. Für mich sind diese Kalkfelsen so schön wie die hochgelobten von Rügen. Aber Caspar David Friedrich hatte eben nur die Rügener gemalt und damit bekannt gemacht.
Unterwegs lieferte uns einige Zeit ein gaffelgetakelter Segler einen kleinen Wettbewerb. Aber Gert als Rudergänger ließ ihm keine Chance – gnadenlos versägte er ihn.
Um ca. 16.00 Uhr waren wir nach knapp 29 sm in Klintholm. Die Hafeneinfahrt ist eng, und der Wind stand so ungünstig, dass die Schiffe regelrecht in die Marina einsurften.Es wurde sehr voll in dem Hafen. Nahe uns legte eine unter sächsischen Flagge fahrende Yacht an. Wir mussten etwas helfen, da sonst der Sachsenkreuzer mit dem Bug in den Steg gefahren wäre. Nachdem wir mit verschiedenen Leinen das Boot fest hatten, erklärte der Skipper leicht verlegen, dass die Schwierigkeiten zu vermeiden gewesen wären, wenn er das Bugstrahlruder genutzt hätte. Ging aber nicht, da er vergessen hatte, es einzuschalten!
Diese Hilfe bei dem Anlegemanöver war so kompliziert, dass Uwe beim Festmachen der Leinen gleich eine Laterne der Stegbeleuchtung abgerissen hatte. Glücklicherweise musste unser Skipper nur eine Leine festmachen, ansonsten hätte er die ganze Steganlage demoliert!

Da wir eine Menge Mehl hatten, machte Uwe wieder Käsespätzle. In der Vergangenheit hatte der Geschirrspültrupp, an der Spitze Peter, immer heftig gemault, wenn es das Geschirr nach dieser Teigspezialität abwaschen musste. Dass man Teigreste dieser Art erst mit Kaltwasser entfernen musste, war wohl nicht bekannt und so hatten sie wahrscheinlich das Geschirr zunächst in heißes Wasser getan, und festgebacken ist der Teig natürlich nur schwer zu entfernen. Diesmal waren die Handgeschirrspüler und Abtrockner arbeitslos, wir hatten eine Spülmaschine an Bord und wenn wir Landstrom (also 220 Volt) haben, dann überlassen wir das Spülen gerne der Maschine.

Start: Rødvik
Ziel: Klintholm / Möen
Segeln: 28,0 sm
Motor: 0,7 sm
Total: 28,7 sm

Gedser

Tag 12 am 17 Juni, 2009

Früher war dieser Tag in Deutschland Feiertag. Das wissen schon viele nicht mehr, vor allem nicht mehr, warum es ein Feiertag (Gedenktag) war.
Um 09.00 Uhr verließen wir Klintholm und fuhren Richtung Gedser auf Falster. Nach 32 sm waren wir um 16.40 Uhr im Yachthafen von Gedser. Die Strecke war überwiegend gesegelt worden. Zwar war es sonnig, aber kalt – eben ein (normaler) Ölzeugtag!Der Anlegevorgang ist an diesem Tage etwas in die Hose gegangen. Das kann auch einem Superteam wie uns passieren. Dadurch hat sich eben das Anlegergetränk etwas verzögert.
Ursprünglich wollten wir Essen gehen, aber die einzige Kneipe war geschlossen. Aber mit Schnitzel, Reis und Salat verhinderten wir unseren Hungertod.
Der Yachthafen in Gedser ist sehr schön und romantisch, aber ansonsten völlig tote Hose.

Dieter hatte schon gepackt, denn seine Abmusterung stand für den Folgetag an. Da er als Dozent für aktuelle Nahostgeschichte an der Ev. Akademie Bad Boll als Referent gebucht war, musste er uns vorzeitig verlassen.

Start: KlintholmZ
Ziel: Gedser
Segeln: 25,1 sm
Motor: 6,9 sm
Total: 32,0 sm

Rødbyhavn

Tag 13 am 18 Juni, 2009

Dieter war schon kurz nach 07.00 Uhr von Bord gegangen. Das Wetter war wieder sehr bescheiden, windig und leichter Regen, als wir um 09.15 Uhr Gedser über das betonnte Fahrwasser verließen. In der Fahrrinne hatten wir noch einen kleinen Aufsetzer im Sand, es war aber „nur“ der Skipper, der nicht in der Fahrrinne blieb, vom Fahrwasser abwich und da hineingesteuert hat. Aber nobody is perfect. Während unserer Fahrt zeigte sich die Sonne. Einen großen, im Meer stehenden Windkraftpark mussten wir umfahren, aber um 16.10 Uhr waren wir in einem Fähr- und Frachthafen. Bei einem Fischerbootanleger bekamen wir sogar Strom. Mannschaftsduschen war angesagt (natürlich einzeln, nicht als Gruppenwäsche!).An diesem Spätnachmittag in Rödby war es für ca. 2 Stunden so sonnig und warm, dass wir alle im T-Shirt an Deck sitzen konnten. Es war ein einmaliges Ereignis auf dem ganzen Törn!
Gert, Jürgen und Peter sind dann losgezogen, um Getränke zu erwerben. Schließlich waren mal wieder die Wein- und Biervorräte ausgegangen.
Dieter hatte sich über SMS gemeldet und uns kundgetan, dass die für seine Reise notwenigen Verbindungen besten geklappt hätten
Wie immer am letzten Tag vor der Rückkehr in den Heimathafen war Restevertilgung angesagt, nun eben die restlichen Spaghetti.
Schon seit drei Tagen war Uwe auf den Vorspeisentick gekommen und hatte stets kleine Häppchen (Heringe jeglicher Art, so mit Zimt, Curry etc.) als Hors d´oeuvre serviert. Lediglich dem „Nichtfischesser“ Peter musste eine Sonderwurst gebraten werden.

Apropos Braten! Wir hatten auch eine Mikrowelle auf dem Schiff. Sein (von ihm behauptetes) naturwissenschaftliches Geistesgut trug uns nun Skipper Uwe vor, dabei gründlich den Sinn einer Mikrowelle in Frage stellend. Wir hatten das Gerät zwar nie benutzt, aber Uwe war nicht mehr zu bremsen.
So wollte er uns vorführen, wie aus feuchtem Salz (da einige Tage zuvor von einem nicht näher ermittelten Mitsegler im Kühlschrank geparkt), trockenes Salz (in einem Marmeladeglas befindlich) in der Mikrowelle wird.
Nun, „Prof.Dr. rer.nat. Ritzinger“ holte stolz sein chemisches Experiment aus dem Apparat und starrte ratlos das Glas an, in welchem nun eine fast schwärzliche Substanz erkennbar war, wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es doch recht streng nach Verbranntem aus der Mikrowelle „duftete“. Bevor er das Glas aus der Mikrowelle holte, stellte Uwe in Schullehrermanier an sein staunendes Publikum und Auditorium die Frage, was nun aus dem nassen Salz geworden sei.
Jürgen erkannte das Ergebnis des wissenschaftlichen Experiments als Erster und erklärte unserem Bordchemiker gelassen, dass dies nun Zucker sei. Das konnte aber nach Uwes Sachverstand nicht sein. Da hätte er zwar nun grundsätzlich auch recht gehabt, wenn er zu Beginn seines Chemieunterrichts nicht übersehen hätte, dass er an Stelle von Salz das Zuckerglas in die Mikrowelle gestellt hatte! Damit war das Fach „Naturwissenschaft“ an der Bordhilfsschule beendet.

Aber es gab noch ein paar andere Irrtümer während des Törns! So stellte sich in Kopenhagen eine Kirche tatsächlich als die Börse heraus und die Konturen von Rügen und Hiddensee waren in Wirklichkeit die Insel Möen! Aber wir sind trotzdem immer da gelandet, wo wir auch hin wollten, und man höre und staune, ohne auf die Bäckernavigation (Für Nichtseeleute: Morgens Brötchen kaufen und auf der Tüte schauen wo man sich befindet) angewiesen zu sein.

Jürgen, inzwischen bereits Leichtmatrose, musste sich natürlich noch philosophische Seglergrundsätze anhören, etwa

• Kreuzen heißt, den doppelten Weg in der dreifachen Zeit bei vierfacher Arbeit zurück legen,

oder

• Segeln ist die langsamste, unbequemste, aber teuerste Art zu reisen.

Start: Gedser
Ziel: Rødbyhavn
Segeln: 7,3 sm
Motor: 19,6 sm
Total: 26,9 sm

Burgtiefe

Tag 14 am 19 Juni, 2009

Nun ist es also wieder so weit. Der letzte Tag auf See ist angebrochen und es ging darum, den Seewolf nach Burgtiefe zurück zu bringen. Die 28,6 sm, also eine kurze Strecke, boten aber noch mal alles: Gewitter mit Blitz und Donner, heftigen Regen und Wind – eben Ostsee pur!In der Basis in Burgtiefe ging es zunächst an die Tankstelle. Die gut 300 l Diesel kosteten dort aber über € 420.-, Fehmarn-Spezialpreis!!! Das war zwar unverschämt, aber nicht zu ändern. Schließlich konnten wir mit dem Schiff an keine Tankstelle im Ort fahren, wo der Liter nur € 1,04 kostete.Nachdem Peter und ich das Leergut (wieder mit Eselkarren) zu dem 4 x 500 m entfernten Supermarkt gebracht hatten, ging es zum Abschiedsessen erneut in die „Tonne 21“. Danach wurden die restlichen Alkoholbestände vernichtet und es ging für die letzte Nacht in die Kojen.
Der Stolperfalle „Stufen“ fiel Jürgen an diesem Tage noch zum Opfer, aber nicht, weil er den Abgang übersehen hatte, sondern die unteren Treppen lose waren. Die Mängelliste für Frau Dübe umfasste nach meiner Erinnerung 13 Punkte.

Gert hatte dazu eine Beschreibung des Schiffes für Frau Dübe parat, welche diese verkrampft lächelnd zur Kenntnis nehmen musste:

„Bananendampfer, reift beim Kunden“!

Start: Rødbyhavn
Ziel: Burgtiefe
Segeln: 17,9 sm
Motor: 10,7 sm
Total: 28,6 sm

Gesamtmeilen:
Segeln: 187.3 sm (51%)
Motor: 182.9 sm (49%)
Gesamtmeilen: 370.2 sm

Heimreise

Tag 15 am 20 Juni, 2009

Nach der Schiffsabnahme fuhr uns ein Mitarbeiter der Charterfirma am Vormittag zum Bahnhof nach Puttgarten. So musste Gert gegen Mittag seinen Zug Richtung Hamburg nehmen, Peter etwas später seinen nach Baden-Baden, so dass eben Uwe, Jürgen und ich noch bis nach 15.00 Uhr auf die Abfahrt warten mussten. Das nutzten wir zu einem Imbiss in einem nahen Lokal. Bis auch unser Zug aus dem Bauch der Fähre aus Kopenhagen über Rödby kam.
Später hat dann auch in Hamburg alles geklappt und der ICE war pünktlich um 22.45 Uhr im Stuttgarter Hbf, wo Jürgen und Uwe von ihren Seemannsbräuten abgeholt wurden. Ich selbst hatte auch keine Lust, noch 30 Minuten auf die nächste S-Bahn zu warten, weshalb ich mit einem Taxifahrer einen Festpreis für meine Heimfahrt vereinbarte. Also landete auch ich wieder unversehrt in meinem eigenen Bett.

Nachbemerkung:

Uwe ist wohl in unser aller Namen Dank zu sagen, dass er wieder in zwar gewohnter aber doch sicher aufwendiger und zeitraubender Weise die gesamte An- und Rückreise besten organisiert und die Charterung getätigt hatte. So selbstverständlich ist das nicht, dass man nur noch auf die Durchgabe der Reisezeiten warten muss, sich aber sonst um gar nichts zu kümmern hat.

Der ganze Törn hat trotz der Witterungsverhältnisse Spaß gemacht, jedenfalls der Stammcrew. Jürgen wird inzwischen die Sache auch eingeordnet haben – jedenfalls hat er es überlebt. Für mich war es mit Sicherheit der letzte Ostseetörn. Zwar habe ich dies schon 1991 einmal gesagt, aber diesmal passt auch die biologische Uhr dazu.
So ihr Seepiraten, das war der Törnbericht 2009, bleibt mal alle schön gesund,

Sepp & Uwe