18.09.11 - 29.09.11, Sunsail 36i

05 Oct 2011

18.09.11 - 29.09.11, Sunsail 36i Törnbericht Segeltörn in den Nördlichen Sporaden im Sept. 2011 Sonntag, 18.9.2011 Der erste Urlaubstag ist schnell erzählt: Anreise mit Ryan Air, Flug von Hahn (kalt, regnerisch) nach Volos (Sonne und warm), Weiterfahrt mit dem Taxi (107 EUR pro Taxi) zur Charterbasis Vathoudi Bay nahe nahe Milina. Es gibt keine Großraumtaxis. Die Busverbindung ist nicht nützlich. Übernahme einer Sunsail 36i, Baujahr 2010, gründliche Einweisung durch den Vercharterer (auf Englisch). Wasser gebunkert, verproviantiert zunächst nur mit dem Nötigsten (Einkauf im hochpreisigen Minimarkt an der Charterbasis). Abendessen in der Taverne. Montag, 19.9.2011 Morgens erfolgte ein sehr gründliches Revierbriefing durch den Vercharterer, der zahlreiche Flotillen geführt hat und wertvolle Reviertipps gab. Der erste Segeltag in Stichworten:Ablegen unter Maschine, Yacht lag mit dem Heck zur Pier mit Mooringleinen. Zunächst E 3 Bft., wolkenlos. Sicherheitsmanöver. Segeln unter vollem Groß und Genua. Zum Badestopp Segel kurz geborgen. Später SE 5 Bft. Groß erstes Reff gesteckt, Genua 1m weggerollt. Unser Segelneuling wird zunehmend seekrank. Nach Durchfahrt Stenon Volou entschlossen wir uns daher, „rechts abzubiegen“ Richtung Oreio auf Euböa anstelle weiter nach Skiathos zu fahren. Wir haben das Groß geborgen und die Genua ausgerefft. Der nun anliegende Raumschotskurs verstärkt die Seekrankheit der Betroffenen jedoch noch... und dann war es soweit, zum Glück in Lee. Am späten Nachmittag legen wir in Oreio mit dem Heck zur Pier unter Buganker, der im zweiten Anlauf greift, an. Alle Liegeplätze werden im Laufe des Abends voll. Es gibt Strom und Wasser gegen geringes Entgelt. Es werden keine Hafengebühren erhoben. Bemerkenswert ist das Verhalten unseres ausgesprochen unsympathischen deutschen Liegeplatznachbarn. Nach dem Essen in einer Taverne verproviantieren wir uns im Minimarkt, der kaum billiger als in Milina ist. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen. Dienstag, 20.9.2011 In der Nacht dreht der Wind auf SW: Wir mussten daher die Heckleinen um ca. 1/2 m fieren und den Anker entsprechend holen. Gegen 10:00 Uhr heißt es Leinen los und Anker auf. Der Wind kommt zunächst aus NW mit 3 Bft., im Tagesverlauf zunehmend mit 5 Bft, bei 3/4-Bewölkung. Wieder sind wir mit dem1 Reff unterwegs. Ein Tief zieht durch, dies muss wohl die Warmfront sein. Da der Wind abends und in der Nacht auf Süd drehen soll, wird Skiathos backbord liegen gelassen und die Bucht Panormou auf Skopelos angelaufen. Trotz Ankermanöver (mit Landleinen) schon gegen 15:30 Uhr (bei leichten Regenschauern) war die Bucht schon ziemlich belegt! Bei schönem Wetter ist Panormou sicher eine tolle Bucht, aber es nieselt gerade. Der Wind dreht tatsächlich wie angekündigt, geht aber auf 2 Bft. zurück. Der Himmel ist vollständig bewölkt, und es gibt kurze Schauern. Wir teilen eine Ankerwache im Einstundentakt (Windstärke und -richtung beurteilen, Landleinen und Anker mit Suchscheinwerfer betrachten, Distanz zum nächsten Ankerlieger sowie gelotete Tiefe beobachten, dann wieder ab in die Koje) ein. Mittwoch, den 21.9.2011 Die Facts dieses Tages ohne vollständige Sätze ;-) : 10:30 Landleinen los, Anker auf. Wind inzwischen bei NW 4-5 Bft. Bewölkung drei Viertel. Groß 1. Reff, Genua 1 m weggerollt und Kurs auf Alonnisos. Im Tagesverlauf geht Wind zurück, ausgerefft. Bewölkung nur noch ein Halb. Anlegen unter Buganker mit Heck zur Pier in Steni Vala (Alonnisos), ein sehr schöner winziger Hafen mit Tavernen-Promenade. Keine Hafengebühren. Wegen flachen Wassers an der Kaimauer rd. 4m Abstand zwischen Heck und Pier, Personentransport mit dem Dinghy. Die Crew geht zum Baden an den wenige Minuten entfernten Strand. Wenig später zieht es sich rasch zu und beginnt zu donnern und zu blitzen. Im Spurt laufen wir zurück zum Schiff. Als wir ankommen, tost das eine Kaltfront begleitende Gewitter bereits und der Anker des luvwärtigen Nachbarn ist ausgebrochen. Der Seitenwind drückt ihn gegen uns, glücklicherweise ohne Schäden zu verursachen. Wir starten unsere Maschine und dampfen mit 3000 Umdrehungen in die Achterleinen ein, um den Anker zu entlasten. Es stürmt, der Regen prasselt, die Sicht ist gleich Null. Als es kurz abflaut, fahren wir den Anker, den wir des Slippens verdächtigen, neu ein. Gut getimet, der Regen und der Wind nehmen wieder zu. Nun können wir uns umziehen und in der Taverne essen. Das Gewitter hält bis zum frühen Morgen an, wenngleich der Wind nachlässt. Donnerstag, den 22.9.2011 Der Wetterbericht sagt weitere Gewitter und starken Wind voraus, obwohl der Himmel gar nicht mehr danach aussieht. Nach dem Wasserbunkern (für Supermarktkunden mit dem dortigen Preisaufschlag abgegolten, gleiches gilt für die Duschen hinter dem Minimarkt) entschließen wir uns, bei N 4 Bft. den winzigen Schlag nach Peristeri in den Ormos Peristeri zu segeln – schließlich sind unsere Segeljacken noch nass vom Vortag. So wird Skyros vom Törnplan gestrichen – macht nichts, es braucht niemand an Bord Seemeilen. Wieder ist Ankern mit Landleine angesagt, zwei weitere Yachten ankern bereits in der Bucht. Zum Nachmittag geht der Wind auf 2 Bft. zurück und es klart sich auf 1/4-Bewölkung auf. Dennoch: wegen der Gewitterwarnung teilen wir auch heute eine Ankerwache im Einstundensystem ein. Negativschlagzeile des Tages: Ein Crewmitglied gerät mit dem Finger in die Winsch. Der mitreisende Chirurg schient den Finger mit Bordmitteln - aber das war's dann mit Backschaft für den Rest der Reise... Eine Crew schwerhöriger ergrauter Herren sorgt noch für „Buchtkino“. Aufgrund deren abnehmenden Distanz bringen wir Fender aus. Auch ist uns klar, dass sie ihren Anker über unseren legen, wo doch so viel Platz in der Bucht ist. Aber wer wird denn kritisch sein. Nur als sie ihre Landleine an einem Bromberbusch befestigen, erlauben wir uns einen Hinweis. Gut, dass daneben ein passender Felsen parat steht. Weitere Gewitter oder Starkwinde blieben im Übrigen aus. Toller Wetterbericht... Spätestens jetzt beschließen wir, nicht mehr dem DWD oder dem griechischen HNMS zu vertrauen, sondern dem wesentlich treffsicheren Windfinder. Freitag, den 23.9.2011 Morgens verlässt unser Nachbar-Ankerlieger als erstes die Bucht. Beim Ankeraufgehen reißt er auch unser Grundeisen aus dem Schlick. Ruhig Blut, wir wollen ja auch gleich weg, so lange hält er uns schon noch. Die Wetterbeobachtung zeigt, dass wir das Tief, das uns die vergangenen Tage störte, nun endgültig los sind. Das ermöglicht es uns, Kurs auf den Limin Planitis auf Pelagonisi zu nehmen. Die Durchfahrt ist nur 70m breit und der Revierführer warnt vor der Ein- oder Ausfahrt bei auflandigem Wind und Seegang (auflandig ist quasi immer bei Meltemi). Wir haben genug Proviant und Wasser und wagen es. Anfangs noch bei N 5 Bft. und später bei N 2 Bft. müssen wir kreuzen. Der bestens gegen Wind und Welle geschützte Ankerplatz entschädigt für die Kreuz und die Maschinenfahrt (als das Kreuzen keinen Spaß mehr machte). Der Anker hält beim zweiten Versuch, und die Landleinen werden an Felsen der Südostbucht befestigt. Vor Sonnenuntergang haben wir noch den „Berg“ bestiegen – hindurch durch die wilden Ziegen und den überall wachsenden Salbei. Eine Landschildkröte gibt sich die Ehre. Diese Bucht ist wirklich ein Highlight. Aus Furcht vor Fallböen verzichten wir auch heute nicht auf eine Ankerwache im Einstundensystem. Samstag, den 24.9.2011 Wie es der Revierführer rät, verlassen wir die Bucht sehr zeitig, bevor der Meltemi im Tagesverlauf erstarkt. Bei NNE 2 Bft. und 1/4-Bewölkung geht es raumschots Richtung Skopelos. Nicht sehr schnell, daher ist Baden während der Fahrt mit Fender am Festmacher als Sicherung auf 1000 m Wassertiefe ohne Gefahr möglich. Als es uns mit dem Segeln zu langsam wird, dampfen wir unter Maschine nach Skopelos Stadt: Buganker und Heck zur Pier, wie gewohnt. Es gibt Wasser an der Pier, aber der Stromanschluss funktioniert nicht. Der Hafenmeister ist nicht zu finden. Es werden erneut keine Hafengebühren erhoben (ist Griechenland eigentlich wirklich fast insolvent, fragt man sich da). Abends erkunden wir die erste Stadt unser Reise, die sich als sehr sehenswert erweist. Sonntag, den 25.9.2011 NNW 4 Bft – die Fahrt von Skopelos nach Skiathos ist ein leichtes Spiel. Den ganzen Tag ist der Himmel kaum bewölkt. In der „Mittagspause“ ankern wir im Ormos Limonari auf Skopelos. Dort finde wir eine sehr nette Strandbar. Aber Vorsicht, unser Anker hält zwar prima, der eines „Nachbarn“ auch nach vielen Versuchen nicht. Zum Spaß trainieren wir am Nachmittag ein paar Sicherheitsmanöver unter Segeln (Quickstopp), bevor wir auf den inzwischen ausgewählten Ankerplatz Ormos Koukounaries Kurs aufnehmen. Der winzige Hafen dort ist voll, daher wird erstmals „free-swinging“ geankert. Zur Beruhigung aller wird auch der Zweitanker gesteckt. Ankerwache wie gehabt.... Montag, den 26.9.2011 Da Skyros gestrichen wurde, habe wir heute viel Zeit. Wir segeln in Lee von Tsoungria und Tsoungiaki auf und ab, trainieren Wenden und auch Boje-über-Bord (Quickstop) bei NE 4 Bft. und 1/4-Bewölkung. Frühzeitig fahren wir nach Skiathos Stadt, der Hafen ist bekanntermaßen chronisch voll. Wir legen um 14:00 Uhr an, und das in der vorletzten Lücke! Danke an die Nachbarn, die je zwei Moorings beanspruchen. So sind wieder Anker und Heckleinen gefordert. Keine Hafengebühren, das kennen wir ja schon. Landstrom ist vorhanden, aber die Wasseranschlüsse funktionieren nicht. Es entsteht viel Schwell durch die Fähren, daher lassen wir reichlich Platz zwischen Heck und Pier. Obwohl der Hafen in den Revierführern als Meltemi-sicher bezeichnet wird, können wir das nicht recht nachvollziehen. Selbst bei 3-4 Bft. entsteht schon eine ziemliche grobe See im Hafenbecken. Gut, dass wir in Lee der Pier liegen. Der Rest des Tages verfliegt mit einem Bummel durch die Altstadtgassen und die Shopping-Touri-Straße, wir genießen eine tolle Aussicht von der Windmühle auf dem Berg, besuchen eine Super-Bar und essen abends leckeres Gegrilltes in einer Taverne. Dienstag, den 27.9.2011 Heute ist Ablegen bei starkem Seitenwind angesagt – schwierig, zum Glück haben wir gut gefendert. „Hat prima geklappt, nun kann uns höchstens noch der Anker unklar kommen...“ sagte ich noch, als wir schon eine fremde Kette im eigenen Anker erblicken. Schnell mit der Leine unterfangen... Dabei gerät der Bootshaken in Gefahr. K.: „Wir müssen den Bootshaken aufgeben!“ T.:“Kommt nicht in Frage!“. Am Ende musste nichts aufgegeben werden und wir konnten uns befreien, noch bevor uns der Wind in die weiteren liegenden Schiffe vertrieben hatte. Einmal pro Törn muss es wohl zu so etwas kommen. Seglerisch ist dies der beste Tag unserer Reise: bei NE 5 Bft. fliegen wir förmlich raumschots in den Golf von Volos – da erreicht selbst eine kleine 36-Fuß-Yacht in der Spitze knappe 9 Knoten. Ruck Zuck sind wir in Pigadi und ergattern einen von zwei Liegeplätzen längsseits an der Pier – und das auch noch an der Leeseite! Es ist tolles Spätsommerwetter. Der Rest des Tages vergeht bei Rosé sowie Spaziergängen durch den kleinen Ort. Erneut bittet niemand um Hafengebühren. Mittwoch, den 28.9.2011 Der letzte Segeltag bringt einen kurzen Schlag in die Vathoudi Bay nahe Milina zur Sunsail Basis, leider mit 6 Bft. gegenan. Wir fahren unter Maschine und setzen später bei 5 Bft. Segel, als der erste anliegende Kurs steuerbar wird. Bei 1/4-Bewölkung und abnehmendem Wind endet unsere Reise gegen 14:30 Uhr. Die Rückgabe der Yacht vollzieht sich ausgesprochen unkompliziert („Any problems with the GPS?“, „No.“, „Cool. Any problems with the Anchor?“, „No.“, „Wicked!...). Ein letztes Essen in der Taverne, Sachen packen, und dann ab in die Koje. Donnerstag, den 29.9.2011 Mit dem Taxi zum Flughafen und mit Ryan Air nach Hahn. Urlaub zu Ende. Fazit Fast immer war guter Segelwind. Es bleibt bei einer einmal seekranken Mitseglerin und zweimal Ankersalat. Das nahezu neue Schiff hat gutes Segeltuch, aber wohl etwas zu wenig Kiel. Jedenfalls krängt es schnell und muss daher frühzeitig gerefft werden. Weitere Mängel (z.B. Türklinken fallen ab) betreffen den nicht-nautischen Bereich oder haben nichts mit dem Schiff an sich zu tun (z.B. nicht anspringender Dinghy-Motor). Als neue Schäden mussten wir lediglich den Coffeemaker und ein Weinglas melden. Es hätte im Schnitt täglich zwei Grad wärmer sein dürfen und das Tief sowie das Gewitter wären nicht nötig gewesen. Aber es ist ja schon Herbst. 230 sm an 10 Segeltagen – ein gemütlicher Törn im Vergleich zu den Segelreisen in den vergangenen Jahren. Aber auch das war gewollt. Die schönste Ankerbucht / Hafen war: Limin Planitis auf Pelagonisi


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