Wenn Schleusen zu Stolpersteinen werden

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Montag, 02. Juni 2008
von Jürgen Vogler
Foto: Jürgen Vogler
"Canal du Midi". Wer je die reizvolle Wasserstraße in Südfrankreich befahren hat, träumt sicher heute noch davon. Es ist eine Welt von malerischen Dörfern, prachtvollen Alleen, Sonne und Wein, erlebt und erobert im beschaulichen Tempo an Bord eines wohleingerichteten Bootes. Immer wieder unterbrochen von den notwendigen Aktivitäten zur Bewältigung der nächsten "Wasserstufe", einer Schleuse. Grundsätzlich eine segensreiche Erfindung, um auch Höhenunterscheide auf dem Wasser zu überwinden, doch es muss gelernt sein. Manchmal klappt`s, aber manchmal auch nicht! "Wie war denn der Urlaub auf dem Canal du Midi?" "Eigentlich ganz schön, wenn nicht die vielen Schleusen gewesen wären!" Dieses kann eine Sicht der Dinge sein. Ebenso wäre aber auch eine ganz andere Antwort möglich: "Traumhaft und durch die vielen Schleusen immer wieder spannend und abwechslungsreich!" Wie so oft im Leben kann man auch hier entscheiden, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Wer das Schleusen bei einer idyllischen Kanalfahrt als belebendes Element des Urlaubs empfindet, wird auch die wiederkehrenden Unwägbarkeiten eines solchen Vorgangs stets gut vorbereitet und souverän bewältigen. Sind Schleusen dagegen ein notwendiges Übel und werden sie als störend beurteilt, kann auch der eigentliche Schleusungsvorgang schnell zum Horrortrip werden. Über 114 Schleusen verfügte der Canal du Midi, als sein Erbauer Pierre Paul Riquet seine einmalige Ingenieurleistung im 17. Jahrhundert zu Zeiten des Sonnenkönigs fertig stellte. Heute sind es durch ständige Umbauten nur noch 63 Schleusenanlagen mit 98 Schleusenbecken, aber auch die müssen möglichst gekonnt gemeistert werden. Wer beispielsweise die links und rechts vor der Schleuse liegenden Boote ignoriert und bis zum Schleusentor durchfährt, um dort im Fahrwasser kreuzend auf die Öffnung zu warten, hat sich zumindest schon einmal keine Freunde gemacht und sich letztlich als Unwissender oder gar Prolet geoutet. Auf welche Weise jeweils geschleust wird, ob auf oder ab, ob per Hand oder elektrisch, verrät bekanntermaßen jeder Kanalführer rechtzeitig. Das schließt jedoch nicht aus, dass man immer wieder erstaunte Gesichter beobachten kann, die hilflos mit der Festmacherleine vor der drei Meter hohen Schleusenwand stehen und nicht wissen, wie sie denn nun ihr Boot belegen können. Der Aufstieg über eine glitschige Leiter " wenn denn vorhanden " um den erlösenden Poller oder Ring zu erreichen, wäre eine Lösung des Problems, das Absetzen eines Mitglieds der Crew vor der Schleuse sicherlich aber die bessere. So mancher Schleusenwärter ist auch auf dem Canal du Midi ganz dankbar, wenn jemand von der Bootsbesatzung ihm zur Hand geht, zumal wenn bei den Schiebern und Schleusentoren noch Muskelkraft verlangt wird. Leider ist auch bei dem Kanal im Süden Frankreichs der technische Fortschritt nicht aufzuhalten. Immer seltener werden die von älteren Schleusenwärterinnen liebevoll gepflegten Häuser, die Boote und Besatzungen mit einer Blütenpracht begrüßen. Auf wackeligen Tischen lockten noch vor Jahren Weintrauben, Feigen, Honig und Wein, in der Hoffnung die Bordverpflegung ergänzen zu können. Nicht immer ganz preiswert, aber doch mit viel Herz und Liebe angerichtet, stets verbunden mit ein paar netten Worten und dem neuesten Wetterbericht. Wer hier beim kräftezehrende Kurbeln der Schieber und Öffnen der Schleusentore bereitwillig mit zugreift, kann sich eines fröhlichen Lächelns und winkenden Grußes beim Auslaufen ganz sicher sein. Doch wie schon gesagt, das Schleusen will gelernt sein, und Schleusenwärter beiderlei Geschlechts können auch auf dem Canal du Midi ein Lied davon singen, auf welche mögliche und unmögliche Weise so mancher touristische Skipper Boot und Schleusenkammer malträtieren. Selbst wenn das Einlaufen in die Schleuse mehr oder wenig zufällig ohne größere Havarien geklappt hat, kann immer noch " wie schon erwähnt " die Suche nach der richtige Stelle zum Festmachen für Unruhe an Bord sorgen. Nicht selten werden solche Aktionen auch noch von lauten und die Crew meist noch mehr verwirrenden Kommandos des jeweiligen Skippers begleitet. Wer meint, dass dann, wenn alle ihren Platz gefunden haben und sich langsam die Schleusentore schließen, Ruhe einkehrt, der irrt. Für manche Crews sind die plötzlich tanzenden Boote beim Einströmen des Wassers in die Schleusenkammer immer wieder unvorhersehbare Naturereignisse verbunden mit entsprechenden hektischen Reaktionen. Die größte Notlage in der Schleusendramaturgie ist ohne Frage das "Aufhängen". Wer sich gutverzurrt in der Schleusenkammer gemütlich zum Käffchen aufs Achterdeck zurückgezogen hat und wenig später seine Kaffeetasse vom Tisch rutschen sieht, kommt diesem Phänomen bedenklich nahe. Sinkt der Wasserspiegel beim Abschleusen, müssen naturgemäß auch die Leinen mit geslippt werden. Geschieht dieses nicht, hängt man das Boot an der Schleusenwand auf. Um größere Schäden zu vermeiden, hilft nur das schnelle Kappen der Leinen. Ein geschlossenes grünes Blätterdach der Platanen durch das vereinzelte Sonnenstrahlen ihre Blitze senden, mit verschränkten Armen hinter dem Kopf auf dem Deck dem leisen Tuckern des Bootes lauschen, das ist Erholung pur. Bis zu nächsten Schleuse, wenn wieder jeder Hand gebraucht und Aufmerksamkeit von der ganzen Crew verlangt wird. Ganz nach dem Motto eines alten Schleusenwärters am Canal du Midi. "Ein Kanal ohne Schleusen ist wie ein Himmel ohne Sterne!"

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