Mitmachen nicht erwünscht? Von der Schwierigkeit des Seelebaumelnlassens an Bord (Crewed Charter im westlichen Indik).

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Montag, 04. August 2008
von Matt - Muencheberg
Seelebaumelnlassen im St.Anne Marine National Park: Crewed Charter erfordert klare Absprachen zu Beginn des gemeinsamen Törns. Foto (c) nass-press.
Wer das Lied hört, müsse einfach nochmal auf die Inseln, meint mein Freund Hein: I left my island long ago/ I wanted to see the world/ I found out wherever I go/ I can´t forget that girl./ I can still remember that day/ When I sailed away/ She was standing by the sea/ Picking seashells on the shore... Mickey Mancham komponierte dieses Lied, welches sich vor allem durch seinen eingängigen Refrain sofort in unser Herz frisst: I`m going back to the Seychelles/ Where the clock chimes twice/ I`m going back to the Seychelles/ Isles of paradise. ? Ob anrührende Melodie eines ewig währenden Sommer-Gefühls oder raffinierter Marketing-Gag, egal, der Gedanke hat etwas, noch einmal hierher zu kommen. Gesagt, getan: Wir sind wieder einmal unterwegs zwischen den 115 Granit- und Koralleneilanden östlich Madagaskars. Wieder auf einem Kat (47 Fuß). - Nur eines ist bei unserem erneuten Abstecher in den westlichen Indik dieses mal anders: Wir chartern das Boot mit Crew. Oktav heißt ab sofort unser Koch, und das Sagen als Skipper hat der erst 24jährige Maurice. Die Crew sei eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung für die gesamte Besatzung eines Sportbootes, klärt mich Hein auf. Wenn also Koch und Skip die Crew stellen würden, seien wir ? die Mitsegler ? keine Crew im eigentlichen Sinne, sondern bloße Gäste, meint der alte Salzbuckel verächtlich. Na das kann ja heiter werden. Wie sich das anfühlt, als Gast an Bord einer Segelyacht zu sein, bekommen wir schnell zu spüren: Das Ablegemanöver läuft ohne uns. Ebenso das Segelsetzen, das Steuern, das Segelbergen. Und das Anlegen. Mitmachen unerwünscht. Zugegebenermaßen ist das für uns als Segler sehr gewöhnungsbedürftig. Abschalten, sagen wir uns. Die Seele baumeln lassen. Eigentlich ganz einfach. Wenn da nicht die Reflexe wären: die Genua killt, schon zuckt die Hand nach der Schot. Hat der Skip etwas zu erledigen, findet das Schiff unter Autopilot seinen Weg. Wie schön wäre es, jetzt das Steuerrad in seinen Händen halten zu können. Landausflug: Warten bis das Dingi klar gemacht worden ist. Oder das Kochen: Gewohnt, in Wachen zu arbeiten (zu denen regelmäßig auch die Backschaft gehört), müssen wir Segler uns auch hier erst einmal daran gewöhnen, dass gekocht ?wird?. Dass abgewaschen ?wird?. Dass Wünsche geäußert werden müssen. Und prompt erfüllt werden. ? Was das denn noch mit Segeln zu tun haben solle, fragt Hein. Recht hat er, der olle Meckerkopp. Dann könne man doch gleich in einem Hotel in Strandnähe nächtigen. Oder auf einer (halbwegs komfortablen) Motoryacht anheuern. Und hat auch unrecht: Denn eigentlich sind wir selbst schuld daran, dass wir Segler sind. Für ?Landratten?, etwa von der Firmengeschäftsführung mit Auszeichnungen bedachte Gruppen von Mitarbeitern, oder auch als Honeymoon-Traumschiff-Reise, macht Crewed Charter durchaus Sinn. Wie befriedigend ist es doch, nach einem harten, entbehrungsreichen Segeltörn, der Körper und Geist fordert, geschafft aber stolz auf sein navigatorisches und seemännisches Können, endlich in dem avisierten Hafen einzulaufen, die Festmacherleinen auszubringen und auf den gelungenen Törn einen frischen Anlegeschluck an Deck zu entkorken? Was soll man machen an Bord eines Segelbootes, wo nicht (selbst) gesegelt werden soll? Oh how I miss that blue sea/ Green sceneries all around/ Port Victoria, here I come/ Soon I hear your clock again. Oh how happy I will be/ Amongst my people/ All so free. - Klar kommen wir wieder. Und machen das nächste Mal alles ganz anders: Entweder werden wir dann unsere eigene Crew sein, die Fallen, die Schoten, das Steuerrad und unser seemännisches Geschick selbst in die Hand nehmen. Etwa beim nächsten Seychelles Sailing Cup im Januar 2009 (und, wer weiß, vielleicht werden wir dann sogar den Sieg ins winterliche Deutschland tragen?). Oder wieder ?crewed? chartern. Denn, Hand aufs Herz: man kann sich daran gewöhnen. An das sorgenfreie Dahingleiten unter weißem Tuch. An die frische, raffinierte, und dabei doch so genial einfache kreolische Küche, die pünktlich serviert wird. - Dann jedoch mit der klaren Absprache gleich zu Beginn des nächsten Törns ?Mitmachen erwünscht?! - meint Ihr Matt. Müncheberg, info@muencheberg-media.com.

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