Alle Yacht dem Volke! Auch wenn sie einst Spielzeug des Diktators war.

Alle Yacht dem Volke! Auch wenn sie einst Spielzeug des Diktators war.

Montag, 24. November 2008
von Tahsin Özen
Vor ziemlich genau einem Jahr tauchte wie aus dem Nichts die „Ocean Breeze“ im Hafen von Nizza auf. Da wäre sie als eine von vielen Luxusyachten auch kaum aufgefallen, wenn aufmerksame Yachtspotter nicht herausgefunden hätten, dass vor ihnen in Wahrheit die „Qadissiyat Saddam“, die 82-Meter-Yacht des 2006 unfreiwillig aus dem Leben geschiedenen Saddam Hussein vor Anker liegt. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer um die Welt und kurz darauf entbrannte auch schon ein heftiger Streit darüber, wem sie eigentlich gehört. Zum einen vermeldete das saudische Königshaus, die mit dekadentem Protz (in Gold, Silber, Marmor und Mahagoni gehalten) sowie mit Raketenabwehrsystem und einem Mini-U-Boot ausgestattete Yacht vom Diktator persönlich geschenkt bekommen zu haben. Diese feierten 17 Jahre lang rauschende Feste an Bord und reichten, des Feierns letztlich müde, das Spielzeug Saddams (so die Bedeutung des Namens „Qadissiyat Saddam“) an König Abdullah II. weiter. Der jordanische Monarch taufte es kurzerhand auf den Namen „Ocean Breeze“ und beauftragte die Firma „Sudeley“auf den Cayman-Inseln mit der Überführung nach Nizza und dem sofortigen Verkauf. Die Frage, die sich aufdrängt: Warum ist keines der beiden Königshäuser auf die Idee gekommen, die offensichtlich aus veruntreuten Staatsgeldern finanzierte Luxusyacht dem irakischen Volk zurückzugeben? Von Geldsorgen werden beide Adelsgeschlechter ja nicht geplagt – beide sind stinkreich. Allein König Abdullah bin Abdul Aziz von Saudi-Arabien hat ein Vermögen von 21 Milliarden Dollar angehäuft, während der Irak seit dem Sturz des Diktators auf einem Schuldenberg von 120 Milliarden Dollar sitzt (genau genommen 360 Milliarden inkl. Kriegskompensationszahlungen, die Differenz ist aber durch die irakischen Erdöl- und Erdgasreserven gedeckt). Nur dem unermüdlichen Einsatz des Anwalts Ardavan Amir-Aslani, der im Auftrag der irakischen Regierung um das von Saddam veruntreute und in alle Welt gestreute Staatsvermögen kämpft, ist es zu verdanken, dass schließlich doch die Gerechtigkeit siegte. Er ließ die „Ocean Breeze“ von den französischen Behörden in Nizza beschlagnahmen und zog vor Gericht. Als keiner der beiden Könige eine Schenkungs- oder gar Verkaufsurkunde vorweisen konnte, wurde die Luxusyacht dem irakischen Volk restituiert. Detail am Rande: Während sich das saudische Königshaus stets (schuldbewusst?) zurückhielt, ließ es Abdullah II. von Jordanien sehr wohl bis zum Prozess kommen. Erst als er merkte, dass alle Welt auf ihn blickte und das Verfahren nicht zu seinen Gunsten verlief, verzichtete er öffentlich auf alle Ansprüche. Jetzt kann er ja das mit zwei Mal 3000 PS bestückte Spielzeug ganz legal erwerben: Der kriegsgebeutelte Irak verkauft die nun in „Basra Breeze“ umbenannte Luxusyacht um schlappe 35 Millionen Dollar.