Montag, 26. Januar 2009
von Tahsin Özen

„Seven Islands“ im Golf von Gökova

Ganz ehrlich: Wer von uns könnte sich vorstellen, einen sündhaft teure Luxusyacht in einem der schönsten türkischen Segelreviere zu chartern und diese dann nicht selbst zu segeln?
Genau, war für uns auch undenkbar – doch Frauen und Kinder wollten es so.
So landeten wir in Milas an der türkischen Südägäis, ließen uns nach Bodrum chauffieren und beobachteten auf dem Weg zur Milta-Marina das bunte Geschäftstreiben in den kleinen Gassen und am Markt vor dem Johanniter-Kastell, das den Ordensbrüdern im 15. Jh. als Stützpunkt für räuberische Ausfahrten auf See diente. Der 30-Meter-Gulet-Yacht, der wir schließlich am Anlegesteg „A“ mit offenem Mund gegenüberstanden, wurde aber nur für einen Zweck gebaut: für das Segeln im Luxus: Gleich links vom Achterdeck, das wir natürlich barfuß betreten, erhebt sich einer Kanzel gleich das Instrumentenpult samt Ruder und Kapitänsstuhl, alles in Mahagoni, Pinienholz und Leder gehalten. Rundherum großzügige Liegeflächen mit dicken Polsterungen und überdimensionalen Kissen, so weit das Auge an Bord reicht. Zwei Hauptsegel, zwei Vorsegel, 500 m2 Segelfläche. Auf dem Vordeck zwei Kanus, eine Wasserski-Ausrüstung und ein schwarzer Jetski, der unter seiner Plane wie ein Panther im Dickicht lauert – jeden Moment zum Sprung bereit. Der Weg zur Bugspitze führt über eine ebenfalls dick gepolsterte Liegefläche, das Chrom der Klüverbaum-Reeling glitzert im sanften Auf und Ab der Wellen.
Eine Woche lang haben wir uns vom Meltemi durch den Golf von Gökova führen lassen – von „Kislebükü“ mit seinen griechischen Ruinen zu den fisch- und tintenfischreichen „Seven Islands“, vom „English Harbour“ mit seinen unzähligen stillen Buchten bis nach „Cökertme“, wo Frauen in ihren Gärten wunderschöne Teppiche knüpften – und haben bei diesem Törn vor allem eines gelernt: dass man nämlich nicht unbedingt selbst Hand an die Schoten oder das Ruder gelegt haben muss, um wirklich gesegelt zu sein. Schon gar nicht, wenn man auf einer gecharterten Luxus-Yacht (kein Kabinencharter!) weilt. Einen Rolls Royce fährt man ja schließlich auch nicht selbst.

Wer gibt schon gern das Ruder aus der Hand?

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