Sonntag, 24. Dezember 2006
von Jenny May

Weihnachten auf See bringt Glück und Wehmut…F: May

Schlauer Satz voran: Weihnachen auf hoher See ist ein ganz anderes Fest als daheim im Trockenen. Wer schon mal Weihnachten auf einem Meer verbracht hat, weiß, wie nah man am Wasser baut, wenn die Gans duftet. Wenn bei Seegang der Teller rutscht, rollen schon mal Tränen, die nicht durch den Zwiebelsud verursacht wurden.
Heimatgefühle. Das christliche Fest macht, scheint?s, die Nase sensibler für Anis und Zimt. Komisch auch, dass alle Familienmitglieder auf einmal über die weiten Meere hinweg lieb sind, man sich irgendwie glücklich und auch ein wenig wehmütig fühlt. Weihnachtslieder wie ?Leise rieselt der Schnee? werden auch an Bord von Schiffen gesungen, die in der tropischen See ankern, wo manch mitgebrachte rote Kerze von daheim sich biegt. Romantisch kann das trotzdem sein. Doch es gibt auch Weihnachtstage, in denen die Seemänner, Seenotretter, die Marinesoldaten da draußen teils ums Überleben kämpfen. Das Eismeer, der stille Ozean, die Schwerwetterbedingungen um Kap Horn, rollende Wolken auf tasmanischer See (zur Zeit läuft die legendär berüchtigte Rolex Sydney Hobart Regatta) kennen keine christlichen Sitten.
Das schönste, wenn die Weihnachtsglocken bei uns läuten, sind für die Leute auf See natürlich Weihnachtsgrüße. Wenn sie also scharf nachdenken, fällt ihnen bestimmt ein Seebär ein, dem sie heutzutage ja auch eine SMS schreiben könnten.
Und warum heißen die Weihnachtsinseln eigentlich Weihnachtsinseln? Es gibt zwei und der Zeitpunkt der Entdeckung gab ihnen ihre Namen. Die erste, die Weihnachtsinsel (Territory of Christmas Island), ist eine 135 Quadratkilometer große, politisch zu Australien gehörende Insel im Indischen Ozean. Benannt wurde sie vom Kapitän William Mynors, der sie mit dem der britischen Ostindien-Kompanie gehörenden Schiff Royal Mary am 25. Dezember 1643 erreichte. Den ersten Fuß auf die Insel setzt 1688 William Dampier. Die andere Weihnachtsinsel liegt östlich der Philippinen im Pazifik. Sie wurde von keinem geringeren als dem großen Seefahrer James Cook 1777 entdeckt. Unter geologischen Gesichtspunkten ist sie das älteste Atoll der Welt. Ihre Einwohner leben vor allem vom Tourismus und vom Fischfang – im Paradies für Taucher mit einer einzigartigen Welt von Seevogelpopulationen. Genau dort führte Großbritannien in den Jahren 1957 und 1958 sechs Wasserstoffbomben- und Atombombentests durch, drei weitere auf dem unbewohnten Malden Island, die Amerikaner 1962 einen US-Kernwaffentest, insgesamt erlitt das Paradies circa 30 Atomtests.
„Der Weihnachtsbaum ist ein Stück zu Hause“ – das wissen alle Seeleute, die von ihren Familien getrennt den 24. Dezember verleben. Wer Lust hat, kann nach Hamburg fahren. Dort veranschaulicht eine Sonderausstellung an Bord der RICKMER RICKMERS, wie es für die Schiffsbesatzung tausende von Seemeilen entfernt der Heimat früher aussah bzw. heute aussieht. „Weihnachten auf See“ läuft bis 14. Januar 2007. Täglich von 10 bis 18 Uhr.
Frohe Weihnachten, vielleicht sogar an Bord, wünscht Ihnen Ihre Jenny May

Weihnachten auf See

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