Montag, 08. September 2008
von Matt – Muencheberg

Kleine Promille – äh – Profillemaus auf „Großer Fahrt“. Die Jantar 21 von Segler Naumikat nimmt an der Hanse Sail teil. Foto: privat.

Natürlich ist mein Freund Hein auch auf der 18.Hanse Sail wieder mit dabei, leider nur als Zuschauer, denn sein oller ?Döspaddel? liegt immer noch hoch und trocken aufgepallt an Land. Wann hat man schließlich schon mal die Gelegenheit, so unterschiedliche Schiffstypen wie Gaffelschoner und ?ketschen, eine Arabische Dhau, Bermudasloopen, Barkentinen, Briggs, Yawls, Galeassen, Zeesboote, ein Vollschiff und sogar eine Viermast-Bark unter Tuch quasi nur einen Steinwurf entfernt an sich vorbei ziehen zu sehen?

Die Mischung machts`s: Hauptanziehungspunkt werden traditionell wieder die ?Großen? unter den Seglern sein. So wird etwa das 108,60 Meter lange Vollschiff (?ein Segelschiff, das an allen Masten Rahsegel führt, dessen Masten also ?vollgetakelt? sind?, klärt Freund Hein auf) Dar Mlodziezy traditionell viele Besucher anziehen; Liegeplatz des polnischen Schulschiffs ist in Warnemünde, Poller 10-14. Die mit ?nur? 89,32 Metern Länge etwas kürzere Gorch Fock kann gleich daneben, Poller 11-23 besichtigt werden. Bei dem Segelschulschiff der Bundesmarine handelt es sich um eine Bark, ?das ist ein Großsegler mit drei Masten, von denen nur die beiden vorderen mit Rahsegeln getakelt sind, während der hintere Besanmast Schratsegel trägt?, doziert Hein. Nur ein paar Meter weiter (Poller 23-32) hat das mit 114,50 Metern längste Schiff der diesjährigen Hanse Sail festgemacht, die russische Viermast-Bark Kruzenshtern.

Doch was wäre das größte Wassersportspektakel an der deutschen Ostseeküste ohne die vielen kleineren Boote und Yachten? ?Das absolut kleinste Boot kommt in diesem Jahr aus Berlin?, hören wir aus dem Org.-Büro der Sail. Die nur 6,30 Meter über Alles kurze Jantar 21 ist nicht nur wegen ihrer 21 Fuß bemerkenswert, weil: ein Zwerg unter Riesen, auch der Bootsname ?Profillemäuschen? sorgt in den Häfen stets für Aufsehen und Heiterkeit. Profillemäuschen ? Was ist denn das?

?Viele verwechseln den Namen mit Promille-Mäuschen?, sagt der im Stadtbezirk Treptow-Köpenick wohnende Eigner Thilo Naumikat. Dabei würde an Bord höchstens mal ein sogenannter ?Anlegeschluck? getrunken, ?beim Segeln gibt es keinen Alkohol an Bord?, beteuert Naumikat, dazu habe die Sicherheit an Bord einen viel zu hohen Stellenwert. Wie kam es also zu dem ? zugegebenermaßen ungewöhnlichen – Namen des kleinen, blau-weiß lackierten Seglers? ?Meine Eltern wollten, dass ihr erstes Boot nach dem Titel meines Vaters ?Professor? heißen sollte. Das fand meine Mutter Ilse, die von ihrem Mann immer nur Illemäuschen gerufen wurde, gar nicht komisch. Schließlich einigten sich beide auf eine Kombination aus beiden Wörtern ? so entstand Profillemäuschen, das habe ich dann für meine Jantar 21 übernommen?, erklärt Segler Naumikat mit einem Augenzwinkern. Aha, so ist das also. Warum auch nicht? Da sei doch noch wesentlich schlimmeres denkbar?, sinniert Hein bei einem Glas Bier vorm Seehund, seiner Warnemünder Lieblingskneipe direkt am Alten Strom.

Seitdem der Berliner Weltumsegler Jockel Lehmann (ja, er ist zurück, endlich hat er es geschafft!) aus dem WSV 21 am Langen See den sportlichen Fahrtensegler mit Hubkiel 1994 getauft hatte, hat das Mäuschen auf vielen Ostseereisen insgesamt Hunderte von Seemeilen geloggt. ?Mein Traum ist ein Segeltörn entlang der Schwedischen Ostküste zum Mälarsee und nach Uppsala mit einem Besuch des Schlosses Gripsholm und einer Passage des Götakanals?, sagt Naumikat, der vorher als Regattasegler in den Bootsklassen Pirat, Finn-Dingi und O-Jolle aktiv war. Und er träumt von einer größeren Yacht: Eine Parker 28,5 habe er sich schon mal angesehen, die könnte es werden, träumt der 56jährige weiter. Das Boot sei dann mit 8,68 Metern gute zwei Meter länger als seine ?Liebe auf den ersten Blick?, seine Jantar. Damit könne man dann noch weitere Reisen unternehmen als die zurückliegenden in die Dänische Südsee, nach Hiddensee oder Bornholm, freut sich Segler Naumikat, auch wenn er dann nicht mehr das kleinste Segelboot der Hanse Sail sein Eigen nennen könne. Doch damit kann man gut leben, meint Ihr Matt.Müncheberg, info@muencheberg-media.com.

Profillemäuschen: Groß und Klein auf See (Das kürzeste Segelboot der Hanse Sail).

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