Montag, 15. Januar 2007
von Jenny May

Wer ist wann zu jung, um allein auf ein Boot zu steigen oder sogar als Einhandsegler einen Ozean zu überqueren? F: May

Neueste wissenschaftliche Forschungen in Deutschland beschäftigen sich mit der Belastbarkeit älterer Segler. Die Seefahrernation England hat zur Zeit die Jüngsten im Blick. Auf der Insel diskutieren dieser Tage nicht nur Wassersportler, wie alt bzw. jung man sein darf, um allein einen Ozean zu überqueren. Denn die englische Nation hat einen neuen Helden. 14 Jahre ist das Kind, dessen Mut und Tatkraft bereits den Mann macht. Michael Perham überquerte als jüngster Einhandsegler den Atlantischen Ozean und segelte sich so in die Geschichtsbücher Großbritanniens. 3500 Seemeilen über ein offenes Meer ? allein, ohne Hilfe. Sechs Wochen in einem Boot bei meterhohen Wellen, Sturmböen, Navigationsausfällen, Haien, fliegenden Fischen. Kochen ohne Mama. Schlafen ohne auszuschlafen. Nicht nur seine Großmutter daheim in Potters Bar in der Grafschaft Hertfordshire, nördlich von London und Tony Blair im Urlaub auf Miami freuten sich.
Der 14jährige hat nicht nur den Atlantik überquert. Vielmehr: er hat es gewagt und er hat es geschafft. Und er hatte das Glück, dass er dabei emotional und finanziell unterstützt wurde. Es hätte viel schief gehen können, obwohl sein Vater, Peter, ihm mit einem baugleichen Schiff der Marke Tide 28, folgte. Die beiden waren zwar über Funk verbunden, doch das Einhand-Klassen-Reglement schreibt vor, dass es keinen physischen Kontakt geben darf. In der Welt der Einhandsegler tauchen mit Perhams Leistung plötzlich neue Fragen auf. Sollte es ein Mindestalter für derlei physiche und psychische Strapazen für Jugendliche geben? Darf man eine waghalsige Fahrt wie diese Ozeanüberquerung eines Teenagers unterstützen?
Der Teeni-Skipper startete am 18. November 2006 in Gibraltar mit seiner Yacht „Cheeky Monkey“.
Am 25. November schrieb er ins Logbuch: „Als ich das erste mal mit Sturmböen auf hoher See konfrontiert wurde, dachte ich, dass es mir die Zähne aus dem Mund reißt.“ Perham mußte einmal selbst ins kalte Wasser springen, um die Steuerung frei zu bekommen. 10 Uhr vormittags war es auf Antigua am 3. Tag des Jahres 2007, als der Ozean-Prinz vor Nelson?s Dockyard aufkreuzte.
Kritiker des Vorhabens sagen, man dürfe einen 14jährigen grundsätzlich nicht allein auf eine solche Reise schicken. Andere wiederum gönnen Perham den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde nicht, weil der Vater in Horizontweite war. Dies erinnert an die Diskussion um die Kunst der Trapezkünstler im Zirkuszelt – mit oder ohne Sicherheitsnetz springen? Ist der Sprung der gleiche?
Eine Ozeanüberquerung in 47 Tagen ? allein. Im Leben eines 14jährigen Abenteurers ein Lern- und Lebensschub, den die Schule in sechs Wochen sicherlich nicht zu leisten vermag. Gut, dass es in England Schuldirektoren gibt, die so etwas unterstützen. Perham plant nun, als jüngster Einhandsegler die Welt zu umrunden. Dann könnte man im Seefahrerland damit rechnen, dass die Queen höchstpersönlich Perham, wie bereits Ellen MacArthur, in den Adelsstand hebt.
Perhams Ozeanüberquerung ist eine Heldentat, sicher, sie hatte auch etwas von einem Himmelfahrtskommando. Doch pauschale Urteile zu fällen, wer, wann zu jung oder zu alt ist, um allein auf ein Schiff zu steigen fällt schwer. Fest steht, es war Perhams Traum, nicht der seiner Eltern. Das mag bei vielen Kindern anders sein, die aufs Wasser oder an die Violine geschickt werden. Perham ist eine Inspiration für viele Jugendliche, für andere ein Beispiel dafür, dass er noch einmal mit dem Leben davon gekommen ist.
Fuhren sie als Kind mit einem Helm auf dem Fahrrad? Erinnern sie sich noch an den Augenblick (vielleicht waren sie Kind, wie ich) als sie das erste mal ein Schiff steuern durften? Ein fantastischer Augenblick. Man sagt es ist nie zu spät. Aber wann ist zu früh?
Viel Spaß mit Alt und Jung an Bord wünscht Ihnen Ihre Jenny May

Ist eine Ozeanüberquerung eine Frage des Alters?

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