Montag, 28. September 2009
von Florian Mrazek

Foto: Florian T. Mrazek

Heiraten auf hoher See: Welche bürokratischen Hürden sind zu überwinden, wie kriegt man den richtigen Standesbeamten an Bord und wie sieht ein segeltaugliches Brautkleid aus?

Von Florian T. Mrazek

Nachdem die Wahl auf Kroatien gefallen war, organisierten sich die beiden von den dortigen Behörden eine Liste der Dokumente, die für die Heirat unbedingt notwendig sind. „Damit waren wir dann am Standesamt Salzburg. Die haben uns gesagt, von dieser Liste wären zwei Dinge überflüssig: Das erste war die Bestätigung, dass Österreich eine in Kroatien geschlossene Ehe anerkennt. Und das zweite war der Apostillestempel.“
Der so genannte Apostillestempel dient in Kroatien zur notariellen Bestätigung sämtlicher offizieller Dokumente – denn aufgrund der immer noch hohen Korruption muss jedes Papier von einem höheren Amt nochmals bestätigt werden. Die österreichischen Beamten versicherten jedoch, derartiges sei seit einem Staatsabkommen aus dem Jahr 1967 vollkommen überflüssig und daher nicht notwendig (selbiges gilt übrigens auch in Deutschland). Also wurden alle Dokumente eingescannt und nach Kroatien geschickt, wo sie eine Mitarbeiterin Bernhards in Kroatien dem Standesamt in Kroatien übermittelte. Ein paar Tage später bedankten sich die kroatischen Beamten für den Erhalt, merkten jedoch höflich, aber bestimmt an, es fehlten noch das Bestätigungsschreiben sowie der besagte Apostillestempel.

Der Apostillestempel – Hauptsache rund und mit Adlern
„So kam es, dass wir noch einmal aufs Salzburger Standesamt gegangen sind, um uns – zur großen Gaudi der Beamten – um 18 Euro einen völlig veralteten, zehn Zentimeter großen Stempel abzuholen“, erinnert sich Richard heute. Da der Stempel auf dem modernen Formular jedoch nicht Platz hatte, wurde per Klebestreifen ein zweites Blatt Papier angeklebt. Der Klebestreifen an sich wurde wiederum abgestempelt, um ihn „offiziell“ zu machen. Die Erkenntnis daraus: Ohne die passenden Stempel – mit Vorliebe rund und mit Adlern – geht in Kroatien gar nichts. Hat man jedoch den richtigen Stempel zur richtigen Zeit, dann kann man von dort aus wahrscheinlich die Weltherrschaft an sich reißen.
Fast gescheitert wären Eva und Richard an der Ehebestätigung für die kroatischen Behörden. Der Grund: Die österreichischen Ämter haben für diesen Zweck kein offizielles Formular, weil sie diese – seit dem besagten Abkommen aus den 60er-Jahren – nicht mehr benötigen. „Das war der Punkt an dem Richard das einzige Mal gesagt hat: Ich will nicht mehr, lassen wir es einfach bleiben“, bestätigt Eva. Worauf sie aus der Redaktion der Tageszeitung an die kroatische Botschaft in Wien und an die österreichische Botschaft in Zagreb ein E-Mail schrieb – und noch am selben Tag war das Thema positiv erledigt.

Testbesuch am Standesamt
Ende Juni, also knapp zwei Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin Anfang September, nutzten die beiden einen Segelurlaub zu dem notwendigen Besuch beim Standesamt in Markaska. „Unser Freund Bernhard hat uns seine Sekretärin mitgeschickt um zu dolmetschen – im Nachhinein waren das Standesamt und die Trauung die Situationen, in denen ein Dolmetscher am Wichtigsten war. Die Standesbeamte hat sich enorm viel Zeit genommen, war glückselig über die reichlich abgestempelten Formulare, und weil alles so gut lief, fragten wir auch gleich nach unserem Wunschdatum, dem 9. 9.“, so Eva. „Nema problema – kein Problem“ lautet die Antwort, weil es ein Sonntag war, kostete das Wunschdatum lediglich 30 Euro mehr. In Summe beliefen sich die Mehrkosten für Übersetzung und die Stempelgebühren auf rund 100 Euro. „Uns wurde dann noch versichert, dass um 11 Uhr ein staatlich beeideter Dolmetscher für die Trauung bereit steht“, erklärt Richard, der auch den Treffpunkt an der Hafenmole von Markaska vereinbarte. Eine Ausnahme machte die Standesbeamtin bei der Annahme der Formulare: Denn offiziell dürfen die Hochzeitspapiere längstens 45 Tage vor der Trauung beim Standesamt abgegeben werden.

Hochzeitsessen bei Pipo
Wieder zurück in Österreich war lediglich noch das Hochzeitsessen zu organisieren. In der Nähe Makaskas auf der Insel Brač liegt in einer wunderschönen Bucht das Restaurant „Pipo“, als dessen Spezialität die eigene Muschelzucht und enorme Goldbrassen gelten. „Wir kannten die Gegend noch vom Segeltörn, bei dem ich Eva den Antrag gemacht habe“, so Richard. Damals hatten sie die Bucht genossen, das Restaurant hatte jedoch geschlossen. „Also rief ich in Baska Voda an und fragte, ob dort jemand Pipo kennt.“ Und kurz darauf bekam Richard tatsächlich eine Mail mit der Telefonnummer Pipos. Der konnte so gut wie kein Englisch, sagte aber in bester Laune „er sei eh da“. Womit die gesamten Vorbereitungen für das Hochzeitsessen erzählt wären.
Ja-Wort in Crocs
Um drei Uhr morgens am 7. September ging es dann in Richtung Kroatien. Mit im Gepäck neben den beiden Trauzeugen Richards Hochzeitsgeschenk, ein neues Offshore-Ölzeug für Eva – von dem sie natürlich nichts wusste – sowie ein Karton, dessen Inhalt beide nicht kannten. Vor Ort in Makaska zeigt sich die kroatische See von ihrer schlechtesten Seite, starke Bora am Freitag, erst im Laufe des Samstags klang der Wind etwas ab. Eva und Richard sahen sich schon im Hafen heiraten.
Doch der Sonntag brachte Feiertagswetter, Windstille und eine spiegelglatte See. Eineinhalb Stunden war die kleine Hochzeitsgesellschaft zu früh am vereinbarten Treffpunkt, als dann Standesbeamte Marica Bilic beim Fenster rausschaute und seelenruhig fragte, wo denn der Dolmetscher sei. „In diesem Moment ist mir alles runtergefallen“, erinnert sich Eva, „denn ohne Dolmetscher keine Hochzeit.
Dieser kam schließlich doch, musste jedoch mit sanftem Druck überredet werden, an Bord zu gehen. Er hatte offensichtlich mit gänzlich anderen Umständen gerechnet: Die Braut im Winschkurbel-kompatiblen, und dennoch wunderschönen Brautkleid, der Bräutigam in Crocs, und anstatt des erwarteten Ausflugsschiffs gerade einmal ein 34-Fuß-Segler. Exakt bei den Koordinaten N 34 Grad 17,215 und O 17 Grad 00,400 wurden dann die Ringe getauscht. „Was mich am meisten beeindruckt hat, war die totale Stille am Meer“, ist sich Richard sicher. „Nach einem Glas Sekt, dessen erster Schluck natürlich Neptun geopfert wurde, ging Eva ans Steuer, ich ans Gas, und gemeinsam liefen wir in den Hafen der Ehe ein.“
Nachdem Dolmetscher und Standesbeamtin heil an Land abgesetzt waren, nahm die Mariposa Kurs schließlich auf die Insel Brač. Und Pipo war tatsächlich da! Auf dem Weg öffnete sich auch der ominöse Karton: Eine Hochzeitstorte als Geschenk der Trauzeugen, eine Sachertorte ohne Stock – ebenso seetauglich wie die gesamte Hochzeit.

Im Hafen der Ehe, Teil 2

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