Montag, 26. Februar 2007
von Jenny May

Dr. Inken Braunschmidt, Skipperin vom XX-Sailingteam. Mit diesem startet bei einem Transatlantikrennen das erste Mal eine deutsche Frauencrew. F: dhh

Segelsport gilt noch immer als Männerdomäne. Wie wahr. Doch Frauen tauchen immer öfter selbstbewußt am Steuerrad auf. Eingefleischte Macho-Matrosen staunen. Andere reden gar nicht darüber. Wieder andere unterstützen die feminine Segelsache und freuen sich von Herzen mit.
Mittlerweile melden bei Segelregatten regelmäßig auch reine Damencrews. So etwa beim HSH Nordbank blue race über den Atlantik. Bei dem geht zum ersten Mal eine reine Frauencrew ins Rennen quer über die nördliche Halbkugel. Am 16. Juni ist Start für Einrumpf-Hochseeyachten mit einer Länge ab 40 Fuß (12,20 Meter). Die Route führt dann von Newport, USA, über Point Alpha, den südlichsten Punkt der Eisdrift, nördlich um die britischen Inseln und „heim“ bis nach Hamburg. XX-Sailingteam nennt sich die vierzehnköpfige Frauencrew, abgeleitet von den weiblichen Chromosomen. Die Frauen zur See stammen aus Berlin, Bremen, Dortmund, Hannover, Hamburg, Kiel und Köln. Dr. Inken Braunschmidt ist ihre sympathische Skipperin. Die Blonde mit den blauen Augen hat fast alle Ozeane überquert, ist um das Kap Farewell nach Grönland gesegelt und hat am berühmten „Hongkong Challenge Round the World Race“ 10.000 Seemeilen im Kielwasser gelassen. Die 32jährige Unternehmensberaterin will einen Beitrag dazu leisten, was im Grunde genommen immer normaler wird: Dass Frauen im Segelsport durchaus eine Rolle spielen.
Auch die Herren des schnellen Rennsports auf dem Wasser bekommen Konkurrenz. In der wohl teilnehmerstärksten Offshore Rennklasse der Welt, der Formula Honda 4-Stroke 225 PS, fährt zur nächsten Meisterschaft eine neue Damencrew mit. Bislang war es nur eine. Shelley Jory und Libby Keir machten seit zwei Jahren mit ihrer „Raymarine“ den Siegern das Leben schwer. Das Damen-Team löste die bis 2005 mehr als erfolgreiche „King of Shaves“ von Class 1 Pilot James Sheppard als Titelträger ab. Das neue Damenduo heißt Sarah Donohue und Jo Dixon. „Delmar Surface Prep“ ihr 225 PS 4-Takt-Flitzer mit einer Länge von 26 Fuß (8,15m).
Bei Segellangstreckenregatten fallen Unterschiede in der Körperkraft bei Männern und Frauen kaum noch ins Gewicht. Mentale Stärke scheint wichtiger. Und in der Tat spielen Muskeln allein bei derlei Regatten nicht die entscheidende Rolle. Vielmehr sind es Taktik und Psyche. So hat es Ellen MacArthur, schnellste Einhandseglerin der Welt, eindrucksvoll gezeigt. Für eine feminine Crew könnte man meinen, da Frauen mehr reden, sich mehr austauschen, dass sie sich mental auch besser unter die Arme greifen können als Männer. Doch im Grunde genommen scheint die Frage altruistischer Art. Ist man ein Philanthrop, also ein Menschenfreund, kann man nichts dagegen einwenden, dass Frauen den Wassersport erobern. Sicher: Nicht alle Formen der Sympathie setzen Einfühlungsvermögen voraus…
Der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, Rolf Bähr, sagte kürzlich: ?Frauen sind eine in vielerlei Hinsicht bisher unterschätze Zielgruppe im Wassersport?. Dieser Mann hat Recht.
Viel Spaß mit der passenden Crew an Bord, ob weiblich, männlich, gemischt oder im Doppel.
Das wünscht Ihnen von Herzen
Ihre Jenny May

Frauen allein an Bord

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