Montag, 19. November 2007
von Jenny May

Ob Flaggengruß oder das Heben der Hand: Der Gruß auf See ist schön und ganz alltäglich. F/Rechte: J.May

Die Grußformeln auf See und Meeren sind so alt wie die Seefahrt selbst. Bei genauer Überlegung müssten sie noch älter sein. Wie und wann man wen auf den Wellen grüßt wechselt nicht nur mit dem Wetter. Auf hoher See wird anders gegrüßt als etwa auf dem Starnberger See. Schiffseigentümer gleicher Schiffstypen grüßen sich meist, erkennen sie sich doch schon am Horizont. Bei Autofahrern gleicher Klasse ? no way. Allerdings zu Kindertagen grüßten sich Käfer und Enten. (Die Autos meine ich.) Bei roter Ente hieß es sogar, man müsse den Beifahrer küssen, bei grüner kneifen etc. Das hat man natürlich nur eingehalten, wenn man Lust dazu hatte. Überhaupt grüßt man auf Booten und Schiffen eigentlich ständig fremde Menschen.
Seefahrt verbindet. Irgendwie ist man auf dem Wasser zueinander freundlicher als an Land.

Das Grüßen der Traditionssegler auf See ist meist sehr herzlich. Die einen winken mit der flachen Hand, die anderen heben sie lässig, lassen sie länger oben und schauen bereits wieder geradeaus in Fahrtrichtung. Andere stehen auf und kreuzen die Arme. Manche machen das Victory-Zeichen, andere heben leicht den Zeigefinger, das Basecup, die Sonnenbrille, das Glas in ihren Händen. Selten so gegrüßt und doch gesehen ? das Zeigen der Rückseite der Hand, wie Kaiser, Könige oder Italiens Exdiktator Benito Mussolini eben.
Andere grüßen nicht mit Händen, hauchen dafür etwas über das Wasser. Die ?Angerufenen? recken dann den Hals und heben die Hand zum Ohr, um anzudeuten, dass sie zu gern etwas verstehen würden. Sie raten. Nein keine Schäre, ein Siebensegellängenkreuzer! Manchmal ist akustisch nichts zu machen, doch grüßt man am Ende umso freundlicher.
Natürlich grüßen einige auf See auch, obwohl verboten mit einem Signal oder mit dem Nebelhorn. Das ist allerdings sehr selten, habe ich aber auch schon erlebt. Doch falsche Töne sind auf See nicht erlaubt. Sie könnten Leben kosten. Was für ein Wort: Kollisionsverhütungsregeln. Schallsignal: ?vier mal kurz?? ?Ich bin manövrierunfähig? Und ?fünf mal kurz?? Denke nach und sage richtig: ?Man kann mich nicht überholen?. Für viele ein Grund nicht zu grüßen: wenn anderen Wassersportler splitterfasernackt fahren. Die werden dann einfach ignoriert.

Zum Schluss noch das Beste: der Flaggengruß auf See. Wer ihn macht, wenn die Marine vorbeifährt, kann sich einer Retourkutsche der Blauen Jungs im besten Sinne sicher sein. Denn der Flaggengruß ist zwar freiwillig, die Erwiderung jedoch Pflicht und schöne Geste. Sie holen zuerst als die grüßende Yacht die Flagge halb nieder, dann, wenn die andere Yacht oder das Marineschiff die Flagge niedergeholt hat, heißen Sie die Flagge wieder hoch. Das verbindet. Alles anders als Auto fahren. Aber das wissen wir, die die See lieben, ja schon seit Kindertagen.

Viel Spaß beim Gruß auf See und beim Dippen der Flagge wünscht Ihnen Ihre Jenny May

Dippen und Grüßen

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