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Weinheber, Josef: Der einsame Mensch. Gedichte. : Wien, Alfred Ibach, ohne Jahresangabe (1939).

Bestellnr: 4000BB
Weinheber, Josef, *9.3.1892 Wien, †8.4.1945 Kirchstetten (Niederösterr.) (Freitod). Sohn eines Metzgers, Viehhändlers und Gastwirts. Nach Tod der Eltern und Geschwister 1902-08 harte Jahre im Waisenhaus von Mödling, dort auch Besuch des Gymnasiums. Autodidaktische Weiterbildung. Bis 1932 mehrere Berufe: Hilfsarbeiten in Metzgerei und Molkerei, 20 Jahre im Postdienst. 1925 Reisen durch Frankreich, Italien, Dalmatien, Deutschland, Schweiz. 1927 Übertritt zum Protestantismus. Künstlerische Produktion als Dichter und Maler schon seit der Waisenhauszeit, ab 1932 freier Schriftsteller. Zeitlebens trotz literarischer Anerkennung wirtschaftliche Probleme. 1936 Erwerb eines Landhauses in Kirchstetten. Zahlreiche Auszeichnungen während des Austrofaschismus und Nationalsozialismus (distanzierte sich seit 1943 in Privatbriefen). Als frühzeitig gebrochener Charakter Neigung zu Depressionen, Trunksucht. Tod vermutlich durch Selbstmord. Lyrische Anfänge W.s sind beeinflußt von Dehmel, Rilke, Holz, Morgenstern. Stilistische Schulung vor allem an K. Kraus. Novellistische Prosa und 3 Romane: Das Waisenhaus schildert seine repressive Sozialisation im Waisenhaus, Der Nachwuchs das gesellschaftliche Klima in Wien nach dem 1.Weltkrieg. Hauptwirkung und größte Anerkennung als Lyriker. Die ersten Gedichtbände Der einsame Mensch, Von beiden Ufern, Boot in der Bucht dokumentieren meist bitter-pessimistisch W.s künstlerische Positionssuche. In den 30er Jahren zeigt sich die poetische Ambivalenz W.s: Einerseits schreibt W. volkstümliche Lyrik: Wien wörtlich (teilweise dialektal), O Mensch gib acht. Erbauliches Kalenderbuch für Stadt- und Landleut und die intime Kammermusik, andererseits verdichten sich ihm klassische und antike Bildungserlebnisse (Horaz, Hölderlin) zur Verpflichtung auf eine anachronistisch-elitäre Dichterpose. In strengen Formen (Hymnen, Oden, Elegien, Sonette) spiegeln die Gedichtbände Adel und Untergang, Späte Krone und Zwischen Göttern und Dämonen W.s antikisierende Stilisierung eines heroischen Lebensgefühls und Dichterideals. Der Dichter wird überpolitisch zum stellvertretenden Dulder und Deuter großer Schicksalsmächte. Autorenlexikon/Systhema Deutsche Literatur der 20er Jahre; Deutsche Literatur der Weimarer Republik; Gedichte; Lyrik; Österreichische Literatur; Poesie
 

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