Fried, Erich: Aufforderung zur Unruhe. Ausgewählte Gedichte. : München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1972. Bestellnr: 5447BB Deckeltext: "Die `sonderreihe dtv` ist eine exklusive Bibliothek der zeitgenössischen Dichtung und Essayistik. Sie bringt Werke der Gegenwart und der literarisch-revolutionären Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts in sorgfältiger Auswahl und fachkundiger Edition." Fried, Erich, *6.5.1921 Wien, †22.11.1988 Baden-Baden. Sohn eines Spediteurs und einer Graphikerin. Als nach dem "Anschluß" Österreichs F.s Vater nach Gestapoverhören starb und seine Mutter noch in Haft war, emigrierte F. 1938 nach London und ließ sich dort, zunächst als Arbeiter in verschiedenen Berufen tätig, als Schriftsteller nieder. Bis 1968 BBC-Kommentator; Redakteur; Mitarbeiter bei zahlreichen Zeitschriften; politisch (sozialistisch) engagierter Autor; Übersetzer (u.a. Shakespeare, T.S. Eliot, Dylan Thomas, Edith Sitwell, David Rokeah). F. war korrespondierendes Mitglied der Dt. Akademie für Sprache und Dichtung und erhielt mehrere Preise, u.a. 1983 Bremer Literaturpreis, 1986 Österr. Staatspreis, 1987 Büchner-Preis. Dem vorwiegend als Lyriker rezipierten F. wurde die Sprache - in den 40er und 50er Jahren für ihn zunächst liedhaftes, bilderzeugendes Medium - zunehmend zum dialektisch zugespitzten Mittel der Gestaltung des aus der Betroffenheit resultierenden "eingreifenden" Gedichts, das die Widersprüche wie die offene und latente Inhumanität fixer Ideologien und deren politische und soziale Folgen anprangert. Die Nähe zur Dialektik Brechts zeigt sich im enthüllenden Wortspiel mit Tendenz zum epigrammatischen Charakter (Warngedichte) und in "Gegengedichten" (Befreiung von der Flucht). Seit seinen Vietnam-Gedichten 1966 avancierte F. zum Paradebeispiel für politische Lyrik; durch seine literarische Opposition gegen die israelische Politik (Höre, Israel!) und seine kritische Haltung im Zusammenhang mit den Reaktionen der Staatsgewalt auf APO und Terrorismus in der Bundesrepublik (So kam ich unter die Deutschen) wurde er zum politischen Streitfall. Das engagierte Gedicht ist für F. der sprachliche Ort der Reflexion politischer Ereignisse einer Gegenwart, deren Sünde darin besteht, daß sie in der Bewältigung der Vergangenheit versagt und an Stelle heilsamer Unruhe Ruhe und Ordnung propagiert. Autorenlexikon/Systhema (=sonderreihe dtv, sr 103) Deutsche Literatur der 60er Jahre; Gedichte; Lyrik / Poesie; Seltene Taschenbücher
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