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Undank ist der Welten Pest
 
Montag, 01. Januar 2007

Undank ist der Welten Pest

von Rena M. Schmidt

Kopflos? Den Dank vergessen? Na dann: Viel Glück in Ihrem weiteren verpfuschten Leben ...
?Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt frau ohne ihr!? Es zaust einen im Gemüt bei diesem Wortgeknittel, das im Volksmund dennoch an Gewicht gewinnt. Bescheidenheit ist nicht mehr in.
Noch trauriger sieht das mit der Dankbarkeit aus. Damit bin ich wieder einmal bei meinem Freund Robert. Leser dieser Kolumne wissen mittlerweile, dass es sich bei Robert um meinen besten Freund handelt. Robert hat Einfluss, kennt viele wichtige Leute, das beginnt bei Bürgermeistern, Abgeordneten, Schauspielern, geht weiter über Geschäftsleute und endet bei Literaten und Philosophen. Er hat vielen Menschen geholfen. Und weil ich ihn so gut und so lange schon kenne, wage ich zu behaupten: Hätte ihm jemals auch nur einer dieser Wichtigsten, die ihre Bedeutung durch ihn erlangt haben, ebenso geholfen, wie er zuvor ihnen, so würden Sie heute mit dem Namen meines Freundes ebenso viel verbinden wie mit den großen Soziologen des vergangenen Jahrhunderts, den Philosophen oder Literaten, die Geschichte gemacht haben. Doch das genau ist ? leider ? nicht geschehen. Undank ist der Welten Lohn, sagt zu diesem Phänomen ein weiterer Knittelspruch der Bigotterie. Oder anders: Nichts ist schwerer zu ertragen als die Last, jemandem mit Dank das zurückzugeben, was der an uns gereicht hat, was wir ihm an Erfolg (direkt oder über Umwege) verdanken.
Wie das? Nun, wir blättern bei Wikipedia nach: ?Dank oder auch Dankbarkeit ist eine Haltung von Menschen, die von anderen Menschen etwas bekommen haben (Geld, Zuneigung, Wissen oder Gegenstand) und sich darüber freuen. Es ist die Anerkennung empfangenen Wohlwollens und die Bereitschaft, es zu erwidern.? So heißt die Fundamentalerkenntnis zum Artikel ?Dank? (http://de.wikipedia.org/wiki/Dank).
Mir zum Beispiel hat Robert Menschen vorgestellt, mit deren Hilfe ich später meine wirtschaftliche Unabhängigkeit begründen konnte. Ich war diesen Menschen zu Dank verpflichtet, sicher. Ich war vor allem aber auch Robert zu Dank verpflichtet, denn er hat mich in ihre Kreise eingeführt.
Wo immer heute über Robert gesprochen wird, halte ich mit dieser Auffassung nicht hinterm Berg. Ich danke ihm, indem ich mich und meine Umwelt daran erinnere, dass die Schätzung, die mir entgegengebracht wird, dem Glücksfall zu danken ist, dass Robert mir zutraute, sein Vertrauen in mich würde von mir nicht enttäuscht werden. Es ist mein Ehrgeiz, der Welt zu zeigen, dass dies auch niemals geschieht.
Mein Dank Robert gegenüber geht heute noch weiter: Sehe ich, dass andere, denen Robert so wie mir geholfen hat, es sich allein auf die Fahne der von ihnen behaupteten, tatsächlich gar nicht vorhandenen eigenen Kompetenz heften, wenn sie gewisse Erfolge verbuchen, so fahre ich wie eine gereizte Tarantel dazwischen. Und freue mich mitunter sogar, schon so manchem dieser Philister das Glück, das er durch Roberts Hilfe erlangt hat, das er (oder sie) Robert aber nicht danken, wieder zu zerstören ...
Gemein?
Nun, jedes Mal, wenn ich auf einem meiner Törns in Ruhe und Einsamkeit mit mir und den Meeren, der Natur und dem Wind, der Sonne und meinen Erlebnissen über Robert nachdenke, fühle ich mich dabei so recht tief in mir sehr wohl. Denn tatsächlich ist Undank der Welt wahre Pest! Sie gilt es zu brandmarken, wo immer man ihr begegent.
Und so wünsche ich auch Ihnen, dass Sie erkennen, wem Sie Dank zollen sollten ? und hoffe, dass Sie dies auch tun. Zollen meine ich dabei wirklich im Sinn des Wortes. Zollen!
Herzlichst
Ihre
Rena M. Schmidt

P.S.: Die schönsten Zitate aus der Welt der Literatur und der Blasphemie über das Thema:
http://de.wikiquote.org/wiki/Dankbarkeit

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