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Ich plädiere für Seepartie
 
Montag, 27. August 2007

Ich plädiere für Seepartie

von Jenny May

Das wunderbare Wort Landpartie kennt für Wassersportler im Deutschen kein adäquates Wort für ihre bezaubernden Ausflüge aufs Wasser. Foto/Rechte: May
Wir machen am Wochenende eine Landpartie. Das klingt nie schlecht. Nein, das klingt immer nach Zauber, Erholung, Natur, gutem Essen und ein wenig Sportlichkeit und vielleicht sehr guter Unterhaltung. So fragte ich mich schon oft, bei all den Worten im Deutschen, warum es nicht für Menschen, die ihr Wochenende auf einem See oder der See verbringen, nicht das Wort Seepartie gibt. Wie heißen also die Stunden auf dem Wasser, zu denen man Freunde auf ein Boot, Schiff oder ein schwimmendes Fahrzeug einlädt?....
Kein Wort trifft so richtig ins Schwarze, ehrlich gesagt. Kein Wort, was dem kleinen Ausflug auf dem Wasser entsprechen würde, hat diesen wunderbaren Klang, wie das Wort Landpartie. Dem Sinn nahe kommt Bootspartie. Doch das zusammen gesetzte Substantiv bezieht sich dort auf das genutzte Verkehrsmittel und nicht auf die Gegend, in die man den Ausflug macht. Es heißt ja eben nicht Pferde- od. Automobilpartie, sondern Landpartie, also müsste es nicht Bootspartie heißen, eher od. vielmehr See-, Meer,- Wasser- oder Ozeanpartie. Letzteres hört sich dann wiederum nach globalem (sicher länger als ein Wochenende dauernden) Ausflug an, würde das Gemeinte also auch nicht treffen, obwohl gut klingend. Zu einer Veranstaltung in Bad Pyrmont heißt es im Internet: ?Eine Landpartie, das bedeutet etwas Schönes. Mit Familie und Freunden einen Ausflug machen, um den Alltag hinter sich zu lassen - kurzum: einen schönen Tag zu verbringen und dabei die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen.? Aber eben genau das machen doch wir Wassersportler auf dem Wasser und haben da noch nicht so recht das richtige Wort dafür. Eine Spritztour machen, könnten Motorbootfahrer auch sagen, weil, wie beim Autofahren Benzin od. Kraftstoff eingespritzt wird, aber über technische Dinge soll an anderer Stelle palavert werden. Ich schreibe lieber noch etwas für die Liebenden zum Film. Cineasten denken nämlich nur bei dem Wort Landpartie an Jean Renoirs melancholischen Film ?Une Partie de campagne? , den er 1936, übrigens mit Luchino Visconti als Regieassistenten drehte. Für Visconti war dies der Beginn seiner Weltkarriere als Film- und Theaterregisseur.
Ach ja, dann gibt es ja noch eine Partie Schach, aber die spielt man und die ist zwar irgendwie auch ein Ausflug über die Karos der Spielfläche, aber meint im Allgemeinen nicht so ein Hochgenuss wie eine Landpartie oder eine Seepartie, da man ja dabei verlieren könnte. Und Verlierer bei einem schönen Ausflug ins Grüne oder Blaue (darf man das denn überhaupt so sagen?) gibt es nicht. Blau machen meint ja wiederum ?sich frei nehmen?, vielmehr eigenständig Urlaub machen. Aber auch das heißt ja nicht, dass man sich frei nimmt, um über das blaue Wasser zu fahren... ?Blau machen? machen ja nicht nur Wassersport-Afine.
Sich ?landfein machen? hieß es früher aus dem Marinedeusch kommend, bezogen auf Schiffer und Seeleuten, die sich festlich für den Gang an Land kleideten. Und ?seefein machen? gibt es zwar nicht im Deutschen, aber wenn, würde es sich sicherlich auf die beziehen, die sich verkleiden um auf ein Schiff zu gehen. Fein oder sportlich oder sportlich fein? Ich will es nicht zu kompliziert machen. Jedenfalls: Seepartie mit ?ie? klingt leider ein wenig wie See-Party, also die Party am See. Das leider, weil wir das Wort Fest mittlerweile schon seltener benutzen als das Wort Party. Für Italiener undenkbar Party zu sagen. Sie bleiben bei ihrem ?la festa?.
Wer will kann mal über das passende Wort zum kleinen Ausflug auf dem Wasser klönen für das es an dieser Stelle leider keinen Preis gibt.
Viel Spaß bei der nächsten Landpartie oder Seepartie wünscht Ihnen Ihre Jenny May



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