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Moderne Technik an Bord - Segen oder Fluch
 
Donnerstag, 26. Juli 2012

Moderne Technik an Bord - Segen oder Fluch

von Ralf Küpper

Dreidimensionales Kartenmaterial moderner Plotter
Ausreichend Strom an Bord zählt heute zu den Mindestanforderungen an eine Fahrtenyacht. Neben den wirklich überlebenswichtigen Aufgaben wie der Versorgung der Positionslichter gibt es auf modernen Yachten eine lange Reihe zusätzlicher Verbraucher: Funkgeräte, Radio, Lüftung, Trinkwasser, Navigationselektronik, oft noch ein Fernseher oder eine Klimaanlage. An Deck sieht die Entwicklung nicht anders aus, denn elektrische Winsch und Ankerwinde sind ebenfalls zur Selbstverständlichkeit geworden. Nicht einmal mehr Steuern müssen wir, denn das übernimmt der Autopilot, während die elektrische Rollanlage für das, wenn auch nicht optimale, Handling der Segel sorgt.

Puristen würden bei all dieser Automatisierung schnell abwinken, denn am Anfang aller Tage hatte der Segelsport einmal einen ganz anderen Anspruch. Dahin gleiten, allein mit der Kraft des Windes war das Ziel. Im Gegenteil, dem ?Stress des Alltags? den Wind aus den Segeln nehmen und sich dem Tempo der Natur, dem Wetter und der See auszusetzen. Die Einfachheit eines Segelbootes als Mittel zum Zweck, um der Komplexitität und Unfreiheit unserer modernen, oft digitalen Welt, zu entfliehen.

Aber es gibt sie noch, die Weltumsegler, die Einhand ohne Maschine die Meere bereisen. In den Häfen werden sie jedoch eher als aussterbende Spezies betrachtet. Wer möchte heute schon auf seinen ?Flautenschieber? verzichten, der nebenbei noch unentbehrliche An- und Ablegehilfe geworden ist. GPS, Plotter, Radar, NAVTEX und DSC-Controller bilden die Grundfesten der navigatorischen Sicherheit. Neueste Nachrichten erreichen die Besatzung über eMail, telefonieren ist mittels INMARSAT schon lange nichts Besonderes mehr, auch wenn die Gebühren nicht gerade geschenkt sind.

Am Ende stellt sich dann doch die Frage, ob die vielen technischen Hilfsmittel nicht vom Wesentlichen ablenken. Manche mögen sinnvoll sein, andere nur Spielerei. Letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, denn der Wind und das Meer bleiben mit und ohne Technik eine konstante Herausforderung, die nicht ohne konventionelle seemännische Kenntnisse auskommt. In diesem Sinne viel Freude und ? immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel?.

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