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Ein Flautentag auf Berliner Gewässern
 
Montag, 24. September 2007

Ein Flautentag auf Berliner Gewässern

von Ralf Küpper

Letzte Hoffnung auf Rettung
So schön die Berlin-Brandenburger Gewässer auch sind, für den Segler haben sie dennoch einen schwerwiegenden Nachteil: Oft fehlt der Wind. Zwar nennen einige die ?Flautenschieberei? die höchste Kunst der Segelei, doch auf die Dauer ist es schöner mit Wind. Mehr Dynamik bei wenig Wind verspricht das etwas aus der Mode gekommene Windsurfen. Die schmalen ?Boards? geraten schnell ins Gleiten und lassen alle ?Verdränger? mit Leichtigkeit stehen. Bei schönem Wetter ist das Segeln auf den ?Boards? ganz Nahe am Wasser und am Wind eine tolle Sache.

Wer die Pinne gewohnt ist, wird das nasse Segeln auf dem Brett nach einiger Zeit als relativ anstrengend und unentspannt empfinden. Die üblichen Rituale entfallen: kein Sonnenbad, kein gemütlicher Imbiss an Bord und auch kein Schwimmen. Vielleicht liegt es an diesen Defiziten, das manchmal entkräftete Windsurfer am Wegesrand entlang treiben. In erster Linie Anfänger haben beim Windsurfen unter erheblichen Kräfteverschleiß zu leiden, so dass der Rückweg zur ?home base? verwehrt bleibt.

Manche Motorbootkapitäne meinen es gut mit den Kollegen Wassersportlern auf Abwegen. Wie kürzlich, als ein netter Zeitgenosse einen solchen in unmittelbarer Ufernähe ?havarierten? Freizeitsportler, abschleppen wollte. Gut gemeint war es ja: Die ?Schlepptrosse? hatte immerhin eine Länge von 1,50 Meter, so dass sich der Propeller des Außenborders bedenklich nah den Füssen des Windsurfers nähert, als die Trosse von der Ehefrau hinübergeschleudert wird. Leider bleibt dem Surfer keine Zeit die Trosse zu befestigen, denn der Kapitän der Freizeityacht läßt seinen 70 Kw Außenborder aufheulen und reißt den Mann mit purer Gewalt fast vom Brett. Sichtlich geschockt bedankt sich der ?Geholfene? mit der Notiz, den nahe gelegenen Steg ohne Schwierigkeiten selbstständig erreichen zu können, und von dort seinen Heimathafen zu benachrichtigen.

Gesagt, getan. Doch diese Schlappe lässt unser Kapitän nicht auf sich sitzen. Während der Surfer bereits auf dem nächsten Campingplatz ein erfrischendes ?Gespritztes? zu sich nimmt, wird durch unseren Kapitän die ?home base? des Surfers benachrichtigt: ?Ein völlig entkräfteter Surfer treibe hilflos im Schilf und brauche dringend Hilfe?. Einen solchen ?Notruf? lassen geprüfte Rettungskräfte natürlich nicht auf sich sitzen, besonders wenn sie pro Stunde 120? für ihren Einsatz berechnen und an langweiligen Tagen gerne die schnellen Boote ausprobieren können. Jeder kann sich nun ausmalen, mit welcher Verblüffung die ungleichen Parteien am Ende des Tages aufeinander prallen. Volksweisheiten, wie ?Schuster bleib bei deinen Leisten? können an manchen Tagen doch sinnvolle Ratgeber darstellen.

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