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Gedanken zur Deregulierung im Wassersport
 
Donnerstag, 03. November 2005

Gedanken zur Deregulierung im Wassersport

von Ralf Küpper

Mehr PS für alle!
Seit kurzem können in Deutschland auf Sportbooten Wasserstraßen mit einer speziellen Charterbescheinigung befahren werden. Hier bei sind bestimmte Sicherheitsanforderungen zu beachten. So werden die amtlichen Befähigungszeugnisse nicht grundlegend, sondern nur für den Einzelfall und in definierten Regionen durch die Charterbescheinigung ersetzt. Die Deregulierung hat allein im Vergleich zum Vorjahr zu einem 10% prozentigen Anstieg der Charterzahlen im Binnenland geführt. Wer meint die Unfälle würden sich nun häufen, irrt. Die Einführung in die stark gedrosselten Hausboote scheint so erfolgreich, dass die Unfallzahlen der führerscheinlosen Skipper, jedenfalls rein statistisch, nicht wesentlich höher sind als die der Skipper mit Führerschein.

Die erfolgreiche Deregulierung im Binnenland zieht nun eine Diskussion über eine Verschärfung der Führerscheinbestimmungen in den Küstengebieten nach sich. Vor dem Hintergrund von durchschnittlich 200 Unfällen, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit höher, sterben seit 2001 jedes Jahr allein in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 10 Menschen bei Wassersportunfällen (ohne Badeunfälle) in der Sport- und Freizeitschifffahrt. In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Unfälle in 2006 um 12% auf 187 gestiegen, während es das betreffende Jahr glücklicherweise keine Toten gab. Hauptgründe sind nach Meinung der Wasserschutzpolizei schlechte Seemannschaft sowie fehlende oder unsachgemäß verwendete Rettungsmittel, denn der Grossteil der Unfälle mit Todesfolge endet im Küstennahbereich, dort wo die Gefahren am stärksten unterschätzt werden. Die Zunahme von Starkwindwarnungen in 2006 oder verstärkter Alkoholkonsum konnten nicht als Gründe ermittelt werden.

Die Interessenverbände der Wirtschaft drängen nun auf weitere Deregulierungsmaßnahmen, um den ?Spaß? am Wassersport noch zu erhöhen und die Kassen klingeln zu lassen. Kritisiert wird zudem die Unverhältnismäßigkeit der durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) diskutierten Regulierungsmaßnahmen, da Aufgrund fehlender Statistiken keine seriöse Einschätzung des Unfallrisikos in der Sport- und Freizeitschifffahrt möglich sei. Wie schade, dass diese Argumentation, wie auch andere, sehr stark vom Erkenntnisinteresse der Kritiker abhängt und nicht um der Sache selbst Willen, den Sicherheitsaspekten, geäußert werden. Denn das Datenmaterial für Entscheidungs-grundlagen ist durchaus vorhanden. Und natürlich muss sensibel ausgelotet werden, ob Veränderungen, insbesondere mit Blick auf SOLAS, Sinn machen. Kommerzielle Aspekte sollten jedoch vor Sicherheitsbelangen und nicht zu vergessen dem Spaßfaktor keinen Vorrang haben.

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