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Von Luxus und vom einfachen Leben auf See
 
Montag, 14. Mai 2007

Von Luxus und vom einfachen Leben auf See

von Robert Fischer

Schilfboot in Seenot? Noch nicht. Dieser Einzelbau der Indianer vom Titicacasee wird erst ins Wasser gelassen.
Seit meiner Kolumne über die AIDAdiva haben mich auch persönlich so viele E-Mails erreicht, dass ich an dieser Stelle mal vermuten will, dass der gesamte AIDA-Konzern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mittlerweile in Umwälzungen begriffen sein dürfte. Selbst Kreuzfahrer, die nach eigenem Bekunden schon mit einer der AIDA-Damen gefahren sind und auf den stolzen Schiffen viel Geld gelassen haben, zeigten sich enttäuscht.
Nun will ich nicht als Rechthaber dastehen, also (nach diesem Satz) auch nicht länger darauf herumreiten, dass die Hamburger Schau peinlich war. Stattdessen nehme ich die AIDAvita, die vor wenigen Tagen ebenfalls in Hamburg war, zum Anlass, Ihnen die gesamte Flotte etwas vertrauter zu machen: Vor fünf Jahren, am 10. Mai 2002, lief das Schiff mit dem Kussmund erstmals die Hansestadt an. Ich nehme immer Reißaus, muss ich zugeben, wenn dieses für jede Inselidylle viel zu große Stück Luxus in einer Bucht ankert, die bis dahin wahrscheinlich zu den schönsten der Umgebung gehört hat. Die AIDAvita spuckt dann aus ihren 633 Kabinen, davon 420 außen liegend, aus ihren drei Restaurants fünf Bars, aus dem 1200 qm großen Sport- und Wellnessbereich sowie dem Theater mit täglich wechselnden Live-Shows so viele durchschwitzte Leiber aus, dass die See blass und mir ganz übel wird.
Wenn Sie sich diesen Anblick ersparen wollen, müssen Sie natürlich wissen, wo die großen Eimer kreuzen. Also: AIDAvita bietet ab Hamburg, AIDAaura ab Warnemünde, Kreuzfahrten in Nord ? und Ostsee an. Mit dem Neuzugang AIDAdiva besitzt die AIDA Flotte nun eine Kapazität von 5770 Betten. Und schon im April 2008 erwartet AIDA Cruises den nächsten Neubau, die AIDAbella, die von Sommer 2008 an von Warnemünde aus eingesetzt wird.
Erwähnenswert ist es, dass eigentlich jeder auf diesen maritimen Massentransportern buchen kann. Das geht nämlich nicht mit allen Reisegefährten, die unsere Kurse kreuzen: Die Expedition der ABORA III des Experimentalarchäologen Dominique Görlitz etwa kann selbst wer Geld und gute Worte auf den Tisch legt nicht unbedingt begleiten. Sie führt auf einem Schilfboot von New York in die Alte Welt und will beweisen, dass auch in prähistorischer Zeit die Menschen schon Seefahrt betrieben haben. An Bord der Abora III gibt es den ganzen Luxus der AIDA-Flotte nicht.
Doch nicht deshalb rührt es mich irgendwie, dass eine immerhin Elf-Mann-Crew aufgeboten wird, um etwas darzustellen, was doch schon jeder weiß, der nicht von gänzlich ? und dann von meist moralinsauer-christlich geprägtem oder aber enthusiastisch-technisch-inspiriertem ? Skeptizismus gegenüber jeder Epoche vor der eigenen durchfasert ist.
Trotzdem wünsche ich allen diesen Extremseefahrern natürlich viel, viel Glück und Freude. Ich selbst werde weder hier noch da anheuern, sicher aber mal einen kurzen Flaggengruß entbieten, wenn das nächste Schilfboot aus der Abora-Werft vom Titicacasee oder der AIDA-Reihe meine Hecksee kreuzt.
Und wenn ich gerade gut drauf bin, werde ich auf meinem schönen Chartersegler ein paar mal um die anderen herumsegeln und sie fotografieren. Dann kriegen Sie demnächst weitere Schiffe in der durch meine Wellen verursachten Schieflage zu sehen!
Bei Neptun, Rasmus und anderen Allmächtigen. Jetzt bin ich selbst schon ganz gespannt, wie das dann aussieht.
Ihr
Robert Fischer
rff.robertffischer@yahoo.de
P.S.: Wer schon jetzt sein Seemannsgarn von einer dieser Erlebnisreisen abspulen will, kann das natürlich herzlich gern tun. Ich berichte darüber bei Gelegenheit. Immer getreu dem Motto: Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf, der dämlich sabbelt. Neben dem gemeinsamen "A"-nfangsbuchstaben verbindet übrigens auch das die AIDA mit der ABORA.

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