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Fluch der Karibik
 
Dienstag, 10. April 2007

Fluch der Karibik

von Jenny May

Glücklich die, die in der Karibik Segel setzen können. Auf ?Friendly Island? kann es am Flughafen kurze, unglückliche Momente im Paradies geben.F: May
Die Karibik steht für Sonnenschein und gute Laune, vor allem für die von Wassersportlern und Einwohnern der paradiesischen Eilande. Am Flughafen kommt beides nicht selten zu kurz. Klimaanlagengekühlt setzen sich Passagiere in St. Maarten mancherlei Willkür des Flughafenpersonals an den Check-In-Schaltern aus: Mastbruch für die gute Laune. Dabei wirbt das Eiland damit ein freundliches zu sein: ? The Friendly Island? steht auf jedem Autonummernschild. Doch tatsächlich ist es ein wahres Elend mit diesem Eiland - was nicht daran liegt, dass sich Frankreich und das Königreich der Niederlande die Terra Nova unter der karibischen Sonne teilen. Zwei Mal Durchreise erinnerte mich als Berlinerin jedenfalls an die Art jener jene Beamten, die man an der innerdeutschen Grenze über sich ergehen lassen musste.
Erster Streich:
Eine Segel-Freundin hat einen Flug von St. Maarten nach Tortola-Island gebucht. Sie sollte nicht mitfliegen können, weil die Maschine ausgebucht war, obwohl sie ein gültiges Ticket nachweisen konnte. Keine wirkliche Entschuldigung folgte ? im Gegenteil das Bordpersonal war mit der Gegenargumentation, das Ticket sei bestätigt und bezahlt, überfordert, so dass es auf die Bitte nach einer Bestätigung in schriftlicher Form einfach mal eben für 20 Minuten wortlos vom Counter verschwand. Auch später wurde die Überbuchung der Maschine nicht bestätigt. ?No, das machen wir nicht?, hieß es aus einem ausdruckslosen Bodenpersonalgesicht. Geld gebe es in Deutschland zurück. Da die Seglerin zur 36. Auflage der British Virgin Island Spring Regatta erscheinen wollte, hob sie mit einer privaten Airline ab. Die Rückerstattung für das Ticket schwebt noch ...
Zweiter Streich:
Wir telefonierten die Fluggesellschaft vor Rückflug von Tortola-Island auf den Britischen Jungferninseln an, wo man uns freundlich sagte, man fliege nach St. Maarten (?The Friendly Island?) 20 Minuten früher als geplant.
In der Tat ging der Flug auf die holländische Exklave im türkisfarbenen Karibik-Meer 30 Minuten später. Dort angekommen, nahmen wir die Beine mit schweren Gepäck folglich regelrecht in die Hände, um die Ordnung einzuhalten: eine Stunde vor Abflug nach Europa am Schalter zu sein. Es half nichts. Obwohl der erste aus unserer Phalanx pünktlich bei der zuständigen Stewardess alle Nachfolger ankündigte, die in den nächsten drei Minuten auch kamen, waren unsere reservierten Sitzplätze vergeben. Einspruch vergebens. Finalmente erhielt ich Platz 23 a, ein schönes, enges Polster, auf dem bereits eine Passagierin saß. Der Platz war zwei mal vergeben. Zumindest war ich im Flieger. So gut sollte es den italienischen Seglern, die neben uns nach St. Maarten, ?The Friendly Island?, geflogen waren, nicht gehen: ihr Gepäck, 120 Sekunden nach unserem vom Band befördert, ließ sie kurz nach uns am Counter nach Paris eintreffen. Und dort durften sie dann auch übernachten. Nur zwei wurden nach langer Diskussion mit der Crew aufgenommen.

Ob denn auch dieser Flug überbucht sei, fragten die Italiener: ?No, but you are late?. Dem Skipper der Crew, mit kranker Frau in Mailand, blieb nichts anderes übrig, als sein Haupt in eines der Kissen auf ?Friendly Island? zu betten. Wie oft er als Besitzer der Goldkarte der französischen Fluggesellschaft zwischen Hotel und Flughafen hin und her pendelte ? immer in der Hoffnung, das die Warteliste einen Platz ausspuckt ? blieb an jenem Morgen offen. Sein Bruder, obwohl nach ihm am Schalter, durfte nach Paris fliegen. Die Logik dieser Willkür wird sich selbst größten Fans tiefer Anflüge über dem Strand von St. Maarten nicht erschließen.
Nun werde ich sicher auch weiterhin Käse von ?Frau Antje? aus Holland essen, es aber meiden über St. Maarten zu fliegen. Ich habe noch die Hoffnung, dass Königin Beatrix diese Kolumne liest. Sie hat ja schließlich den Flughafen eingeweiht.

So lange viel Saß und gute Flüge, wohin auch immer Sie der nächste Törn führt, wünscht Ihnen Ihre Jenny May

PS: Die Fluggesellschaften heißen übrigens: Air France und Winair, Princess Juliana International Airport der wohlklingende Flughafen.

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